Verlag: folio
131 Seiten
1999
Kurzbeschreibung:
Obsessiv Rad fahrend durchstreift ein ausländischer Lehrer Tokios Hinterland. Begleitet vom Geschrei der Zikaden, den Blicken der Bauern, von rücksichtslosen Autofahrern, vorbei an den zahllosen Liebeshotels, erkundet er die unbekannte Landschaft. In einer spröden stakkatoartigen, gehetzten Sprache hält Kubaczek seine Gedanken fest, die um die verbotene Geliebte, die 17-jährige Schülerin Rie, kreisen.
Über den Autor:
Martin Kubaczek, geboren 1954 in Wien, studierte Violine an der Musikakademie Wien sowie Germanistik und Philosophie. Von 1990 bis 2000 war er Lektor und Dozent in Tokyo, 2001/02 Gastprofessor an der Universität Nagoya, Japan, zur Zeit lebt er wieder als Schriftsteller und Literaturvermittler in Wien. Kubaczek veröffentlichte zahlreiche Publikationen
Meine Meinung
Ohne Zweifel ist die Sprache dieses kurzen Romans außergewöhnlich stark, farbig und ungewöhnlich, aber die Behandlung des Themas der verbotenen Liebe des Lehrers Ende 30 aus dem Ausland zu einer 17jährigen Schülerin in Japan irritiert. Der Autor schreibt so, dass sich das Thema einer moralischen Fragestellung entzieht.
Auffällig ist die Beschreibung des Schauplatz Japans, wo der Lehrer für 1 Jahr im Austauschprogramm arbeitet. Durch die Straßen und Hügel Chibas fährt der Protagonist halsbrecherisch mit seinem Fahrrad. Meist treffen der Lehrer und die Schülerin Rie sich für Ausflüge oder einmal in einem "Love hotel". Schulszenen gibt es kaum, dafür aber mehrere sinnliche Szenen, in denen Lehrer und Schülerin ihre Beziehung ausleben. Trotzdem ist diese Affäre ohne Illusionen, Rie ist sich bewusst, dass er gehen wird und sie wird bleiben. „Es gibt für uns keine Möglichkeit“ (Seite 87)
Die schwebende Handlung ist in kurzen Abschnitten gehalten, manchmal besteht sie nur aus einem reflexiven Satz.
Die Sätze sind kristallklar, nicht kalt aber funkelnd.
Sprachlich imponiert der Roman, die Konstruktion gelingt auch, aber trotzdem bleibt am Ende ein Fragezeichen. Die Jahreszeit wechselt, damit enden wohl auch das Semester und wahrscheinlich die Beziehung.