Naipaul, V.S. : Eine islamische Reise. dtv

  • Vorweg zur DTV-Ausgabe: Dieses spezielle Paperback mit dem schönen Cover gibt es nur noch antiquarisch ab 1 ct.



    Autor:
    Vidiadhar Suraiprasad Naipaul wurde 1932 in Trinidad geboren und lebt seit 1950 in Großbritannien, Vorfahren waren Inder hinduistischen Glaubens.
    Oxford-Absolvent, BBC-Mitarbeiter, Schriftsteller.


    Buch:
    610 engbeschriebene Seiten des Literaturnobelpreisträgers von 2001 über Reisen durch Iran, Pakistan, Malaysia und Indonesien zwischen 1979 und 1981.


    Die zeitgenössische Authentizität ist es, was mich besonders beeindruckt: Er bereist als Brite orientalischen Aussehens 1979 die frische islamische Republik Iran, ein Land, in dem just eine Revolution (es gibt keinen anderen Ausdruck) stattgefunden hatte, besucht Theran und führt unzählige Gespräche und berichtet von Begegnungen - wobei es ihm die redseligen Taxifahrer besonders angetan haben. "Theran hatte eine Revolution erlebt. Aber auf merkwürdige Weise ging das normale Leben weiter, und zwischen den blutrünstigen Slogans und Plakaten standen Bilderverkäufer auf dem Bürgersteig. Sie offerierten vergrößerte Farbfotos von Schweizer Seen und deutschen Wäldern, sie offerierten Traumlandschaften mit Flüssen und Bäumen". Er berichtet aus diesem damals frisch aufgeschütteten Feld von aufkeimenden religösen und lebensweltlichen Hoffnungen, von der massenhaften Erwartung einer Heilsoffenbarung im Iran: Der zwölfte Imam ... Und erläutert auch die religiösen Hintergründe gleich am Anfang, damit der Nichtmoslem zumindest eine Chance hat zu erkennen, was denn nur Schiiten und Sunniten trennt.
    Er zeigt Irrationalitäten auf und erläutert, was Revolutionswächter so tun.
    [Sein Taxler und Reiseführer:]"Er ist vom komiteh. Er sagt, wir dürften nicht Karten spielen. Wissen Sie, wie er mich nannte? 'Bruder'. Ich bin sein Bruder im Islam. Ich darf nicht Karten spielen. Das ist eine neue Vorschrift."


    1981 ist er in Pakistan, wie dort der Besitz der "islamischen Atombombe" verkündet und gefeiert wurde. Ein Land, in dem nach wie vor ein strammes Kastendenken herrschte: Ja, es gibt moslemische "Unberührbare" wie den Leichenwäscher, den Naipaul besuchte und befragte.


    Freilich schaut er auch auf die Fassade der uralten Kulturgeschichte, lässt sich aber als der gutdenkende, libertinäre Westeuropäer nicht blenden und nicht täuschen: Die Härte der Wirklichkeit in islamischen Gesellschaften schlägt durch, ist allgegenwärtig.


    Eindruck:
    Naipaul lässt und lies durchblicken, was von der politisch organisierten Irrationalität in den von ihm besuchten islamischen Ländern zu erwarten sein könnte, nämlich nicht viel Gutes.
    Darüberhinaus schreibt er einfach gigantisch gut!