Der Adjutant – Jorgen Norheim

  • Osburg Verlag, 2010
    Gebundene Ausgabe: 303 Seiten


    Kurzbeschreibung:
    Hoch über dem Sognefjord, wo 1967 kein Norweger mehr leben möchte, wohnt seit dem letzten Krieg ein inzwischen 96-jähriger Deutscher. Nach vielen Jahren freundet sich der Einsiedler – in jüngeren Jahren war er Adjutant Kaiser Wilhelms II. – mit seinem Vermieter, einem Sozialisten und Pazifisten, und dessen kleiner Tochter an. Diese ungleiche Freundschaft stellt den Greis vor die Frage der Mitschuld am Ersten Weltkrieg, der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts, die weitere Katastrophen – den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust – nach sich zog. Zwei Welten treffen in dieser Geschichte aufeinander, das kriegerische Preußen und das friedliche Norwegen. Bis sich die Vergangenheit der Männer auf eine Weise kreuzt, die für beide ergreifender nicht sein könnte.


    Über den Autor:
    Jørgen Norheim, geboren 1952 in Sollia (Ostnorwegen), Studium der Geschichte, Philosophie und Theologie in Oslo.
    Nach mehrjähriger Arbeit in einem Verlag ist Norheim seit 1994 Schriftsteller.
    »Der Adjutant« ist sein vierter Roman, er wurde 2008 für den angesehensten norwegischen Literaturpreis, den Bragepreis, nominiert. Bereits 2003 war sein Roman »Ingen er så trygg i fare« für den Literaturpreis des Nordischen Rates vorgeschlagen worden.


    Über den Übersetzer:
    Frank Zuber, geboren in Wiesbaden, hat Skandinavistik, Anglistik und Germanistik studiert und ist als Übersetzer aus dem Norwegischen, Dänischen, Schwedischen und Englischen sowie als Lehrbeauftragter für Norwegisch tätig.


    Meine Meinung:
    Der Roman besitzt eine interessante Erzählprämisse mit einem 96jährigen, deutschen Mann mit bewegter Vergangenheit, der seit Jahren ganz alleine in einer abgelegenen Gegend in Norwegen lebt. Eines Tages besuchen ihn ein Mädchen und später der Vater dieses Mädchens. Die Erinnerungen des Mannes wandern zurück in vergangene Zeiten und Orte, z.B. Wilhelmshaven 1889 oder Christiania 1890 (heute Oslo) und viele andere Orte. Zwischen den Jahren wird gesprungen, immer wieder ist es die gegenwärtige Zeit 1967 oder 1957, in der der Mann über diese Zeiten und die Ereignisse in fast 100 Jahren sinniert und über die Frage an Mitschuld an schlimmen Geschehnissen während der Kriege. Der Protagonist war Adjutant des Kaisers Wilhelm II, so hat auch er direkt in die Entscheidungen und Situationen eingreifen können.


    Das Buch hat mit gut gefallen, es ist aber auch ein ruhiges Buch, bei dem man zunächst langsam hineinkommt, einige Längen sind auch vorhanden.
    Einige Abschnitte wirken etwas belehrend auf den Leser, andere erscheinen mir zu abstrakt.
    Am meisten überzeugten das literarische Spiel mit den Jahren und Zeiten, wie der Autor die Ereignisse geschickt verknüpft und die Haltung seines Protagonisten.


    Insgesamt ein lesenswertes Buch.