Kriegspack – Ha Jin

  • Verlag: dtv, 458 Seiten
    2005


    Originaltitel: War Trash
    Aus dem Englischen von Susanne Hornfeck


    Kurzbeschreibung:
    Kurz nach Ausbruch des Koreakriegs, wird Yu Yuan, ein junger chinesischer Offizier, wie Tausende Freiwillige von Mao Zedong nach Nordkorea geschickt, um den kommunistischen Brüdern im Norden des Landes zur Seite zu stehen. Er gerät amerikanische Gefangenschaft und einzig der Gedanke an die Heimat birgt für ihn die Hoffnung, wieder zu dem Menschen zu werden, der er vor dem Krieg einmal war. Doch als Yu schließlich nach Hause zurückkehrt, muss er feststellen, dass es diese Heimat so nicht mehr gibt. Vierzig Jahre nach seiner Freilassung schreibt der inzwischen siebzigjährige Yu gegen das Vergessen an.


    Über den Autor:
    Ha Jin, eigentlich Jin Xuefei, wurde 1956 in der nordchinesischen Stadt Jinzhou geboren. 1985 ging er zum Studium in die USA, heute ist er Professor für englische Literatur an der Boston University. Sein Roman Warten wurde im selben Jahr mit dem National Book Award und 2000 mit dem PEN/Faulkner Award ausgezeichnet und war für den Pulitzer Prize für Literatur nominiert. Es folgten die Romane Verrückt (2002) und Kriegspack (2004), für letzteren erhielt Ha Jin 2005 erneut den PEN/Faulkner Award. Ha Jin lebt mit seiner Familie in der Nähe von Boston. Im Herbst 2008 war er Stipendiat der American Academy in Berlin.


    Meine Meinung:
    In diesem Roman ist die Erzählperspektive wichtig. Ein 70 Jahre alter Chinese schreibt für seine amerikanischen Enkel Ereignisse auf, die er im Krieg erlebt hat. Was mir nicht so bekannt war ist dass beim Koreakrieg auch chinesische Soldaten aktiv involviert waren. Ale „Freiwillige“ wurden sie von Mao zur Unterstützung der Nordkorea geschickt und dienten dort als Kanonenfutter. Yo Yuan wurde verwundet, von den Amerikanern jedoch gesundgepflegt. Den größten Anteil des Romans nehmen dann die Schilderungen des harten Lebens im Gefangenenlager ein. Die Gefangenen teilen sich in die die den Kommunisten die Treue halten und denen die nach Taiwan gehen wollen. Es gibt brutale Auseinandersetzungen im Lager zwischen diesen beiden Gruppierungen und viele unmenschliche Szenen. Für meinen Geschmack waren diese Szenen im Verhältnis zu ausführlich, der Aufenthalt im Lager unverhältnismäßig lang, der Protagonist ist mitten drin und hält doch eine beobachtende Position bei.
    Kriegspack ist Ha Jins eigenen Vater gewidmet, der auch in diesem Krieg involviert war. Wie vergleichsweise Herta Müller in Atemschaukel ist auch Ha Jins Lagerroman aus zweiter Hand erzählt, allerdings ist der Text nicht so poetisch. Durch die Passivität der Hauptfigur bleibt man streckenweise auch als Leser unberührt. Nach einer Weile gleichen sich die Szenen und es sollte nicht verwundern, wenn ein ungeduldiger Leser zu blättern anfängt. Ein wenig enttäuscht lässt mich der Roman schon zurück.