D.H. Lawrence - Lady Chatterley

  • Rezensionen



    Buch der 1000 Bücher
    Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)


    Lady Chatterley
    OT Lady Chatterley’s Lover OA 1928 DE 1930Form Roman Epoche Moderne
    Der 1928 erschienene Roman Lady Chatterley gehört zu den unkonventionellsten und freizügigsten Büchern seiner Zeit. D. H. Lawrence widmet sich darin einem Thema, das wiederholt Gegenstand seiner Schriften wurde: Er beschreibt die menschliche Isolation in einer rationalisierten und entfremdeten Welt, in der die Verleugnung der Sexualität einen allgemeinen Vitalitätsverlust zur Folge hat.
    Inhalt: Schauplatz des Romans ist zunächst Wragby Hall, das Herrenhaus der Chatterleys, in dem die attraktive und vitale Constance (Conny) mit ihrem Mann Clifford Chatterley lebt. Im Ersten Weltkrieg schwer verwundet, flüchtet sich der an den Rollstuhl gefesselte Clifford in eine ans Manische grenzende, literarische Produktivität. Wie Connie jedoch bald erkennt, verbirgt sich hinter dem stilistischen Blendwerk seiner Erzählungen nichts als eine erschreckende, gefühllose Leere. Während Clifford sich weiterhin blind um Anerkennung als Schriftsteller müht, leidet Connie zunehmend unter ihrer Beziehungslosigkeit.
    Während eines Spaziergangs erfährt Connie von Clifford, dass er bereit sei, ihr gelegentliche sexuelle Abenteuer zu gewähren und auch ein uneheliches Kind als sein eigenes zu akzeptieren, vorausgesetzt, der Vater sei ihrer würdig.
    Connie lernt den zehn Jahre älteren Waldhüter Oliver Mellors kennen und zwischen ihr und dem wortkargen, in einer einsamen Waldhütte lebenden Mann entwickelt sich eine sexuell und emotional innige Liebesbeziehung. In der leidenschaftlichen Körperlichkeit, die sie mit ihm teilt, findet Connie allmählich zu ihrer verloren geglaubten Lebenskraft zurück. Auch Mellors erfährt durch sie eine Wandlung. Als Sohn eines Bergarbeiters aufgewachsen, hatte er nach einer enttäuschenden Ehe eine militärische Karriere in Indien begonnen und den Offiziersrang erworben. Nach dem Tod eines ihm nahe stehenden Vorgesetzten und durch ein Lungenleiden geschwächt, war er in seine Heimat zurückgekehrt, um dort ein Leben in völliger Abgeschiedenheit zu führen. Erst durch Connies unbedingte Liebe zu ihm gelingt es Mellors, sich aus seiner Bitterkeit und selbst gewählten Isolation zu befreien.
    Als sie ein Kind von ihm erwartet, zeigt sie sich fest entschlossen, Clifford für ihn zu verlassen. Mutig stellt sie sich den gesellschaftlichen Anfeindungen und der verletzten Eitelkeit ihres Mannes. Connie begibt sich nach Schottland, um bis zu ihrer Scheidung von Clifford bei ihrer Schwester Hilda zu bleiben. Mellors schreibt ihr am Ende des Romans einen Brief, der seine tiefe Zuneigung zu ihr und seine Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft zum Ausdruck bringt.
    Struktur: Lawrence verknüpft in Lady Chatterley autobiografische Elemente mit der symbolhaften Schilderung zweier konträrer Lebenswelten. Während sich in der Figur des von Ehrgeiz getriebenen, gefühllos und mechanisch agierenden Clifford die Einsamkeit des modernen Menschen widerspiegelt, erscheint Mellors als Sinnbild eines im Einklang mit der Natur geführten Daseins. Doch wie Lady Chatterley findet auch er erst in einer erfüllten Liebesbeziehung sein wahres Lebensglück.
    Wirkung: Die Freimütigkeit, mit der Lawrence die sexuellen Begegnungen seiner Titelheldin beschrieb, sorgte für einen Skandalerfolg. In England durfte das Buch bis 1960 nicht publiziert werden. B. S. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Broschiert.


    Kurzbeschreibung
    Die Ehe von Clifford Chatterley, der im Weltkrieg zum Krüppel wurde, und der jungen, schönen Connie ist inhaltslos geworden. Er steckt seine ganze Lebensenergie in ein Kohlebergbau-Unternehmen, und sie - eine lebensfreudige Frau - wird innerlich haltlos, kann sich aber nicht von ihrem Mann lösen. Doch als ihr Oliver Mellors begegnet und sie mit ihm eine erfüllte Liebe erlebt, ist sie bereit, zu dieser unstandesgemäßen Liebesbeziehung zu stehen und die Schwierigkeiten, die sich daraus ergeben, auf sich zu nehmen.
    Ein Buch als Verteidigung der Sinnlichkeit und Natur gegen Industrialisierung und Konventionen - der Roman einer 'amour fou', die stärker ist als alle Klassengegensätze.


    Autorenporträt
    Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)
    Lawrence, D(avid) H(erbert) engl. Schriftsteller *11.9.1885 Eastwood (Nottinghamshire) †2.3.1930 Vence, Frankreich Söhne und Liebhaber, 1913 Lady Chatterley, 1928 D.H. Lawrence, Romanautor und Verfasser von Kurzgeschichten, Gedichten, Reiseberichten und Essays, gehörte lange Zeit zu den umstrittensten englischen Literaten des 20. Jahrhunderts. Empörung erregte nicht nur die sexuelle Freizügigkeit seiner Dichtung, sondern auch seine Kritik an der Demokratie, der er die Idee eines die Menschen einigenden, totalitär geführten Staats vorzog. Als Sohn eines Bergarbeiters und einer Lehrerin wuchs Lawrence in einer Gegend auf, in der sich das ländlich-bäuerliche Leben und die modernen Verhältnisse im Industriebezirk unmittelbar gegenüberstanden. Lawrence, der in der Rationalisierung der Welt eine Bedrohung der menschlichen Sexualität und Lebenskraft zu erkennen meinte, machte die Rückkehr zu einem natürlichen, sinnlich geprägten Umgang mit der Liebe zu einem zentralen Gegenstand seiner schriftstellerischen Arbeit. Nach seiner pädagogischen Ausbildung war Lawrence ab 1908 als Lehrer in Croydon beschäftigt, musste diese Tätigkeit jedoch 1912 wegen einer Tuberkuloseerkrankung aufgeben und arbeitete fortan als freier Schriftsteller. Er lernte Frieda Weekley, geb. von Richthofen, kennen, die ihren Mann für Lawrence verließ und ihn 1914 heiratete. Aufgrund seiner Ehe mit einer Deutschen geriet Lawrence in Spionageverdacht. Das Paar kehrte England den Rücken und unternahm nach einem längeren Italienaufenthalt zahllose Reisen durch Amerika, Australien und Europa. Lawrence starb im Alter von 44 Jahren an einem Lungenleiden. Biografie: R. Aldington, David Herbert Lawrence (rm 50515). -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Broschiert.




    Meine Meinung:


    Vielen nur als Softporno bekannt :grin - verbirgt sich dahinter doch tatsächlich ein klassischer Roman aus dem englischen Arbeitermillieu vs. Upper-Class.


    D.H. Lawrence - der Gott meiner Jugend. :anbet


    Ich schau bei Gelegenheit mal wieder rein und berichte dann, ob es mir immer noch gefällt :lache

  • Hi!


    Habe ich vor einiger Zeit gelesen, und hat mir sehr gut gefallen. Bei den Sexszenen muß es wirklich an der Zeit gelegen haben, denn da habe ich in "normalen" Romanen schon schärferes gelesen.
    Für mich war es auch mehr ein Gesellschaftsroman, und zwar ein guter.
    Aber definitiv ein Generationenproblem. Als meine Mutter, die das zwangsweise im Englischstudium lesen mußte, es gesehen hat, meinte sie schockiert, "sowas liest Du?". :lache


    Bye,


    Grisel