"Der Wombat und andere tierische Geschichten" so der vollständige Titel des Bändchens.
Der Autor:
Ralph Giordano wurde 1923 in Hamburg geboren und arbeitet als Journalist, Fernsehdokumentarist und Schriftsteller. Zu seinen zahlreichen Veröffentlichungen zählen unter anderem »Die Bertinis« (1982), »Die zweite Schuld oder Von der Last ein Deutscher zu sein« (1987),»Israel, um Himmels willen Israel« ( 1991), Ostpreußen ade« (1994) und »Mein irisches Tagebuch« (1996). Für seine publizistische Arbeit erhielt er zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen, u.a. 2003 den Leo-Baeck-Preis des Zentralrats der Juden in Deutschland.
Das Buch:
Teils urkomische, teils tragische Episoden mit Zwei- und Vierbeinern, die beweisen, dass zwischen Harmonie und Abgrund ein schmaler Grat verlaufen kann - so schildert Ralph Giordano seine Erfahrungen mit den Papageien Tarzan und Coco, dem Kater Tom sowie anderen Metall-, Fell- und Federtieren und berichtet von der nicht ganz alltäglichen Begegnung mit einem australischen Wombat.
Im Mittelpunkt steht die Beziehung zwischen Mensch und Tier in all ihren Ausprägungen, von der fanatischen Taubenliebhaberin bis zum Faible seiner Mutter für Mücken. Man kann nicht anders als mit Giordano zu schmunzeln, wohlwissend, daß bei so mancher »fremdvertrauten« Episode vielleicht der Leser selbst an der Stelle des Autors hätte stehen können.
meine Meinung:
Hmm...es fällt mir ehrlich gesagt schwer, hier "massentauglich" zu urteilen. Für mich persönlich war das Buch ein absoluter Fehlgriff und steht mit an der Spitze der schlechtesten Bücher die ich in den letzten 3-4 Jahren zu lesen bekam.
Allerdings kann ich hier nicht wertfrei urteilen. Zum einen lese ich eh nur selten "realistische" Bücher, die keine populärwissenschaftlichen oder sonstige Sachbücher sind. Das heißt, dass dieses Buch eher an meinen sonstigen Lesegewohnheiten vorbeischrammt mit seiner recht seichten Trivialliteratur. Es war einfach mal wieder einer der Versuche in andere Sparten hineinzulesen, die ich mir hin und wieder gönne.
Zum anderen hätte ich mir für diesen Versuch wohl kaum ein schlechteres Thema aussuchen können als zwanglose Tiergeschichten als roten Faden (ich studiere Zoologie). Für mich war das Buch in weiten Teilen kein Stück erheiternd, eher im Gegenteil. Ich habe immer nur die traurigen Tiergeschichten dahinter sehen und Abscheu ob der Belustigung über diese empfinden können, wenn da von den mutmaßlich witzigen Eigenarten von komplett falsch gehaltenen Papageien zum Beispiel berichtet wird. Wenn man weiß, warum das Tier so handelt, kann man den Witz dabei einfach nicht mehr sehen. Solange es in der Vergangenheit spielt, konnte ich ja noch mein Bestes tun und die komplett anderen Lebens- und Wissensumstände diesbezüglich in den Vordergrund stellen. Sicherlich kann man an Tierhaltung vor, wärend und nach den Kriegswirren nicht im mindesten die Maßstäbe ansetzen, mit denen man heutzutage wertet. Selbst ich, in viel günstigeren Zeiten in den 80er Jahren aufgewachsen, habe genug tierhalterische Fehler begangen. Der Unterschied ist, dass ich nicht den Versuch starten würde sie relativ unkommentiert als witzige Anekdoten darzubieten.
Richtig unerfreulich wurde es dann aber für mich, als man mehr und mehr in aktuellere Zeiten bis hin zum Hier und Jetzt vordrang, und nach wie vor ähnliche Fehler bis hin zur akuten Fahrlässigkeit begangen werden unter dem Deckmantel der Tierliebe. Unerträglich war es für mich, wie extrem der Autor mit dem menschlichen Raster tierische Verhaltensweisen betrachtet und ihnen unverfroren menschliche Emotionen wie Missgunst, Neid, Heimtücke etc. unterstellt.
Richtig abstruß werden einige der angeblich tatsächlich passierten Beobachtungen, die mich mehr als stark an dem Wahrheitsgehalt zweifeln lassen (an einigen Stellen ist das quasi sicher). Das wäre freilich kein Problem bei einem Buch...aber nicht, wenn dabei vorgegaukelt wird, alles wäre wahr. Bei mir hinterlässt es einfach nur den Eindruck, dass man alles, was der Mann als Fakt hinstellt besser mit Vorsicht genießen sollte.
Es gibt sicherlich auch Dinge, die "ganz nett" waren. Der Schreibstil ist ein bisschen sehr gestelzt, aber man kann sich dran gewöhnen. Und die kleinen Einblicke in andere Zeiten fand ich auch ganz faszinierend.
Aber das waren doch nur eher kleine Lichtblicke.
Für mich persönlich würde das Buch gerade mal so noch 2 von 10 Sternchen abfassen... aber echte Warnungen möchte ich nicht aussprechen, da ich eben vermute, dass thematisch unbefangenere Leser vielleicht mehr Spaß an der Lektüre haben könnten.