Liebeskind-Verlag, 2009
96 Seiten
OT: nocturnes
Aus dem Französischen von Holger Fock und Sabine Müller
Mit Fotografien von Kerstin Koletzki
Kurzbeschreibung:
Geschichten über Menschen, die Schiffbruch erleiden und die Hoffnung verlieren. Über Menschen, die Abschied nehmen müssen, um weiterleben zu können. In Cécile Wajsbrots »Nocturnes« erklingt eine dunkle Melodie, so schön und unergründlich wie das Meer selbst.Ein Kontrabassist überlebt ein Fährunglück, als Einziger der Schiffskapelle. Ein Leuchtturmwächter muss hilflos zusehen, wie ein Zweimaster in Seenot gerät. Ein Polizeibeamter verhört einen Mann, dessen Bruder bei einem Segelausflug ums Leben kam. Eine Flaschenpost, die an einen Schiffbrüchigen erinnern soll, wird an Land gespült ... In vier berührenden Erzählungen spürt Cécile Wajsbrot den Dramen nach, die sich im Angesicht des Meeres abspielen. In leisen Zwischentönen wird das seelische Leid der Menschen greifbar und die zaghafte Frage nach dem Weiterleben aufgeworfen. Und zugleich enthüllt sich im Bild des Schiffbruchs eine feinsinnige und kluge Metapher für das Leben selbst, für die Fragilität unserer Existenz vor den Unwägbarkeiten des Schicksals.
Über die Autorin:
Cécile Wajsbrot wurde 1954 in Paris geboren. Sie studierte Literaturwissenschaft und arbeitete anschließend als Französischlehrerin und Literaturredakteurin. Heute lebt sie als freie Schriftstellerin abwechselnd in Paris und Berlin. Bei Liebeskind erschienen bislang die Romane »Mann und Frau den Mond betrachtend« (2003), »Im Schatten der Tage« (2004) und »Der Verrat« (2005).
Mit ihrem Roman »Aus der Nacht« wurde Cécile Wajsbrot für den Prix Renaudot und den Prix Femina nominiert.
Meine Meinung
Nocturnes ist ein Kurzgeschichtenband von Cécile Wajsbrot mit leider nur 4 Geschichten, aber immerhin, besser als nichts. Die Geschichten verbindet das Thema Meer und bestimmte Ereignisse, die die Protagonisten der Geschichten aus der Bahn werfen.
In der ersten Geschichte „Die Nacht auf der Fähre“ geschieht ein Schiffsunglück. Das Schiff sinkt. Der Ich-Erzähler ist ein Bassist einer Musikgruppe, die auf dem Schiff spielte. Er überlebt, andere ertranken. Nach einer Weile setzt er sich mit der Witwe des ertrunkenen Schlagzeugers in Verbindung. Die Geschichte ist gut erzählt, genauso wie die nächste „Im Strahl des Leuchtturms“. Dort beobachtet ein Leuchtturmwärter ein Schiffsunglück. Doch dann wird auf dem Schiff niemand gefunden, später wird sogar über das ganze Schiff nicht mehr gesprochen. Hat er nur geträumt? Gleichzeitig sinniert er über sein angespanntes Verhältnis zu seiner Frau. Es zieht ihn wieder zum Leuchtturm und er wartet, dass ihn der Strahl des Leuchtturms wieder etwas offenbart.
Die dritte Geschichte heißt „Die Flaschenpost“ und ist interessant durch eine ungewöhnliche Erzählweise, da hier eine Familie als Kollektiv spricht. Der Sohn einer Fischerfamilie ist zur See gefahren und ertrunken. Die Familie hat auch nach 10 Jahren diesen Verlust noch nicht überwunden, Mit einer jährlich im Meer versenkten Flaschenpost versuchen sie eine Art Kommunikation zum verlorenen Sohn zu starten. Erst als nach langer Zeit eine Flaschenpost beantwortet wird, kann die Familie Ruhe finden.
Die letzte Geschichte heißt „Allein“. Zwei Brüder fahren mit einem Segelboot aufs Meer, nur einer kehrt zurück. Die Geschichte besteht aus dem Verhör der Polizei mit dem Überlebenden. Diese Geschichte ist zu vordergründig, enthüllt am Ende sein Rätsel und deswegen die Schwächste des Bandes.
Die kurzen Geschichten sind von einigen Fotografien mit dem Meer als Motiv unterbrochen. Diese Fotos wirken meiner Meinung nach nicht so gut in schwarzweiß. Stattdessen wäre etwas mehr Text von Cécile Wajsbrot schön gewesen, denn 93 Seiten sind für ein Buch doch sehr wenig. Davon abgesehen, gehören diese Texte zum Besten der Autorin!