Hanser, 2009
72 Seiten
Übersetzt aus dem Italienischen von Friederike Hausmann, Rita Seuß
Kurzbeschreibung:
Nach dem sensationellen Erfolg seines Mafia-Bestsellers "Gomorrha" zeigt Roberto Saviano in erschütternden Reportagen die andere Seite der Medaille: die Welt jener jungen Italiener, die auf der Seite des Gesetzes stehen und doch auch an vorderster Front. Im armen Süden von Italien, wo jungen Männern keine große Wahl bleibt, wenn sie einer legalen Arbeit nachgehen wollen, ist der Dienst bei der Polizei oder beim Militär oft die einzige Chance, der Kriminalität zu entgehen. Savianos namenloser Erzähler berichtet von gleichaltrigen Freunden, die sich zu Kampfeinsätzen gemeldet haben, im Kosovo, in Afghanistan oder in Somalia, und von denen viele nur als Tote zurückgekommen sind.
Über den Autor:
Roberto Saviano, 1979 in Neapel geboren, arbeitete nach dem Studium der Philosophie als Journalist. Gomorrha kam rasch nach Erscheinen auf die italienische Bestsellerliste und machte ihn schlagartig berühmt. Nach wiederholten Morddrohungen steht Saviano permanent unter Personenschutz und lebt seit mehr als zwei Jahren im Untergrund. 2008 wurde Gomorrha von Matteo Garrone verfilmt. Bei Hanser erschienen Gomorrha. Reise in das Reich der Camorra (2007) und Das Gegenteil von Tod (2009).
Meine Meinung
Dieses Buch enthält eine lange und eine kurze Erzählung. In der Titelgeschichte wird aus einem italienischen Dorf ein Blick Richtung Afghanistan geworfen. Der Freund der jungen Maria befindet sich als Soldat in Afghanistan. Es gab einen Anschlag auf einem Panzer, in dem er saß. Maria ist voller Sorge um ihn und wartet auf die Rückkehr.
Roberto Salviano zeigt am Beispiel dieses Textes auch ein Bild Italiens, in der junge Männer gerne Soldaten werden wollen, denn das bedeutet ein sicheres Gehalt in einem Land der Mafia, wo sonst Arbeitslosigkeit droht. Einzige Alternative wäre die Kriminalität.
Das südliche Italien als europäisches Afghanistan, die Mafia so schlimm wie die Taliban. Das lässt das Lesen ungemütlich werden, aber der Stil ist zugänglich.
Der Autor selbst ist im Buch der ansonsten funktionslose Gesprächspartner, der nahezu journalistisch die Ereignisse in diesem Text wiedergibt.
In der zweiten Geschichte ist der Ich-Erzähler ein Mann, der seine Freundin zum ersten Mal in sein provinzielles Heimatdorf mitnimmt. Das Mädchen aus dem Norden erkennt nicht die Zeichen für die Vormachtsposition der Mafia. In dieser Geschichte ist die Wut des Erzählers spürbar, in dem Land der Schuld geboren zu sein, in der Perspektivlosigkeit die Jugendlichen in die Kriminalität zwingt.
Es wird wohl Savianos eindringliche Art zu schreiben gewesen sein, die ihn in das Visier und auf die Abschussliste der Mafia führten. Er ändert das idyllische Italien-Urlaubsbild nachhaltig.
Saviano verfügt über einen genauen Stil, effektiv und aufschlussreich.