Broschiert: 180 Seiten
Verlag: Kinzelbach, Donata (1992)
Originaltitel: La plule
Übersetzt aus dem Französischen von Eva Moldenhauer
Rückseite
... heimliches Geständnis einer jungen Aaberin - von Selbstmordgedanken gequält - während der Regen unaufhörlich strömt... von der Familie zur Untätigkeit verdammt, von der Gesellschaft erdrückt und geknebelt.
Über den Autor
Geboren in Ain-Beida, Ostalgerien. Nach dem Schulabschluß 1959 nimmt er am Befreiungskampf teil. Danach studiert er Mathematik und Philosophie in Algier und Paris.
Der algerische Schriftsteller Rachid Boudjedra schreibt Prosa, Lyrik und Essay.
Seien Romane und Gedichte sind auf Deutsch beim Verlag Donata Kinzelbach in Mainz und im Unionsverlag Zürich erschienen
Zu seinen Büchern gehören unter anderen: Die hartnäckige Schnecke, Prinzip Hass, Befruchtung, Topographie, Sonnenstich, Bars in Algier und viele andere.
Meine Meinung
Eine Frau schreibt im überemotionalen Zustand, aber doch mit einer Genauigkeit von klirrendkalter Härte, in sechs Nächten in ein Tagebuch. Es handelt von ihrem Leben als Frau bzw. dem Status der Frauen in Algerien mit den bekannten Einschränkungen inklusive der Sexualität.
Sie erinnert sich an ihre erste Periode, für die sie vom Bruder eine Ohrfeige bekam und beschimpft wurde, an ihre Tante, die lesbisch war und dann über Nacht spurlos verschwand.
Oder ihren ersten Liebhaber, der sie gleich anschließend für ihr nachgeben moralisch verurteilte. Sie spricht von einer Neurose und Männerphobie.
Auch die Männer in diesem Buch leiden letztlich an den Rollen, die sie gesellschaftlich gezwungen, einnehmen müssen. Rachid Boudjedra hat einen höchst emanzipierten Text vorgelegt.
Rachid Boudjedra verleiht der Protagonistin, die von Beruf Ärztin ist, seine kunstvolle Sprache, eine Sprache, die stilistisch als Kunstgriff erscheint, doch Boudjedra selbst befindet sich mit diesem Buch auf der Höhe seiner Stilentwicklung.
Die Sprache ist voller Schmerz und auch für den Leser schmerzhaft zu lesen.
Sie schreibt z.B. so über die Bilder ihrer Erinnerungen:
ZitatGleichsam endgültig erworbene geistige Landschaft. Vulkanische Masse der Erinnerungen. Widerwärtig verkrustet. Sehr schnell verdarben zerfaserten und erloschen bestimmte Bilder. Andere überdauerten im Gefäß meines unter Überdruck stehenden Schädels. Wie Luftblasen die auf dem Eisfeld der Einsamkeit zerplatzen. Sie sprengten den Rahmen des kleinen Zimmers in das ich mein Sein abgeschoben habe wie in ein Sterbehaus.
In einem Taumel zwischen Wachheit und Müdigkeit schreibt die Protagonistin unentwegt weiter. Es entsteht trotz der Düsternis ein poetischer Text. Die Frage, ob diese literarische Abrechnung eine Befreiung oder einen Untergang bedeutet, muss der Leser am Ende selbst entscheiden.