Das Lachen des Geckos - José Eduardo Agualusa

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  • Originaltitel: »O Vendedor de Passados«
    Aus dem Portugiesischen von Michael Kegler
    A1 Verlag,
    Gebundene Ausgabe, 184 Seiten, 2008


    Kurzbeschreibung:
    Félix Ventura geht einer ungewöhnlichen Tätigkeit nach: Er handelt mit erfundenen Vergangenheiten. Seine Kunden sind Minister, Landbesitzer und Generäle, Menschen der neuen angolanischen Oberschicht. Sie alle blicken in eine gesicherte Zukunft, was ihnen jedoch fehlt, ist eine glanzvolle Vergangenheit. Ventura erstellt neue Stammbäume für sie, beliefert sie mit Fotografien von illustren Vorfahren und versorgt sie mit glücklichen Erinnerungen.
    Doch eines Nachts kommt ein Fremder in sein Haus, dem er eine neue angolanische Identität verschaffen soll. Venturas Schöpfung auf den Namen José Buchmann beginnt den Fremden so sehr zu fesseln, dass er sich zunehmend mit der erfundenen Person identifiziert und sich auf die Suche nach den Figuren seiner gekauften Vergangenheit begibt.


    Über den Autor:
    José Eduardo Agualusa, geboren 1960 in Huambo/Angola, studierte Agrarwissenschaft und Forstwirtschaft in Lissabon. Er veröffentlichte Gedichte, Erzählungen und Romane, die in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden. 2006 gründete er den brasilianischen Verlag »Língua Geral«. Er lebt als Schriftsteller und Journalist in Portugal, Angola und Brasilien.
    http://www.agualusa.info/


    Über den Übersetzer:
    Der Übersetzer: Michael Kegler wurde 1967 in Gießen geboren und hat einen Teil seiner Kindheit in Liberia und Brasilien verbracht. Er arbeitete als Buchhändler und Journalist und übersetzt seit Ende der neunziger Jahre aus dem Portugiesischen.


    Meine Meinung:
    Dieser Roman sticht durch seine ungewöhnliche Erzählperspektive hervor.
    Schauplatz ist das heutige Angola. Im Haus des Felix Ventura lebt seit Jahren ein Gecko, er beobachtet Felix Venturas Handlungen mit seinen Kunden und Frauen voller Interesse und äußert seine Gedanken, Träume und Schlüsse.
    Diese Idee finde ich ebenso witzig wie gelungen, auf jeden Fall aber außergewöhnlich.


    Felix Ventura bezeichnet sich als Genealoge, er erfindet für seine Kunden ganze Vergangenheiten, bei einem rastlosen Journalisten entwirft er eine neue Existenz sowie einen ganzen Stammbaum. Das fasziniert den Mann, der ab jetzt José Buchmann heißen wird so, dass er seiner eigenen erfundenen Existenz nachforscht, er sucht die Plätze seiner angeblichen Herkunft auf.


    Währenddessen träumt der Gecko von seinen früheren, menschlichen Leben und Wiedergeburten.
    Seine früheren Interessen, wie zum Beispiel die Literatur hat er immer noch nicht aufgegeben. Es gibt einige Anspielungen auf Literatur, von Coetzee, Ricardo reis oder Richard Burton beispielsweise. Dann gibt es immer wieder doch tierische Reaktionen, wenn er zum Beispiel vor einem Skorpion blitzschnell flüchtet oder beim Erblicken von Mücken Hunger bekommt.

    Dieses Buch ist nicht perfekt, es ist nicht sehr geradlinig, nicht alle Ideen erscheinen konsequent durchgezogen, doch es ist so originell, amüsant und gleichzeitig ungewöhnlich wie man es in der Regel nur in Kleinverlagen findet.


    Nicht zuletzt ist in dem Buch auch eine dunkle Komponente vorhanden, die aus der politischen Vergangenheit Angolas entsteht.

  • Zitat

    Original von Ida
    Ein Buch voller Rätsel, gut zu lesen, schwerelos und gewichtig in einem, fremd, weise und poetisch. Irgendwie. :gruebel


    Gut zu lesen, fremd, voller Rätsel: ja. Aber leider hat sich mir nicht so ganz erschlossen, was der Autor damit sagen wollte ... oder wie diese verschiedenen "Ebenen" zu verstehen sind :gruebel. Wahrscheinlich ist das Buch einfach eine Ebene zu hoch für mich.

    "Es gibt einen Fluch, der lautet: Mögest du in interessanten Zeiten leben!" [Echt zauberhaft - Terry Pratchett]