'Sterne über Sansibar' - Seiten 063 - 140

  • @ Anica


    Zitat

    Original von Anica
    Ich bin noch nicht ganz durch mit dem Abschnitt, im Moment komme ich echt zu nichts. :rolleyes


    "Gemach, gemach", wie Majid sagen würde. :zwinker Hier läuft Dir nix weg!


    Das waren wirklich dramatische Jahre, die Salima da in ihrer Jugend hatte.



    @ streifi


    Zitat

    Original von streifi
    Wahrscheinlich war die Entscheidung Chole und Bargash weiter beizustehen, die klügere, ich denke von den beiden hatte sie im Falle eines Gelingens des Putsches nur den Tod zu erwarten, wenn sie sich abgewendet hätte. Majid ist da ja doch etwas nachgiebiger und nicht so nachtragend.


    Sie hätte sicher nichts Gutes zu erwarten gehabt von den beiden, das sehe ich auch so.

  • Hui, da ist ja noch einiges passiert. Den letzten Teil habe ich allerdings wirklich nur noch den Kopf geschüttelt. Oh man, Salima! Da hat man sie wirklich gekonnt manipuliert. Damit konnte ich ja fast noch leben, aber dann ist diese Art "Schmuggelidee" auch noch von ihr. Da hätte ich Salima wirklich schütteln mögen.


    Schön fand ich aber die Erkenntnis aus dem ganzen Debakel. Mal schauen, wie es weitergeht. Der Ruf auf Sansibar scheint mir ja erst mal gründlich ruiniert zu sein.

  • Also diese Jugend wäre auch nicht mein Fall.
    Die Eltern auf so drastische Weise zu verlieren und sich so von ihrer Schwester beeinflassen zu lassen und dazu noch zwischen Majid und Chole entscheiden zu müssen, ist ziemlich schwierig für sie.
    Und sie wird ja trotz ihrer Jugend richtig raffiniert, wenn man an ihre Schmuggelvorschläge denkt.
    Die Stelle mit dem Lesen lernen fand ich auch ziemlich abenteuerlich. Freue mich auf weitere Lesen.

  • @ Anica


    Zitat

    Original von Anica
    Oh man, Salima!


    Das kann ich mir vorstellen, dass Dir das durch den Kopf ging! :lache


    @ Trixi56


    "Abenteuerlich" trifft's auf jeden Fall, das habe ich beim Schreiben auch oft gedacht. Das war wirklich eine ganz andere Welt, in der Salima da aufwuchs..

  • Auch ich bin mit diesem Abschnitt jetzt durch und ich muss sagen ich finde das Buch von Seite zu Seite immer besser. Ich habe mit Salima gelitten, als sie zuerst den Vater und dann auch noch die Mutter verliert. Auch habe ich verstanden, dass sie sich gutgläubig von Ihrer Schwester und Ihrem Bruder ausnutzen lässt - sie ist schließlich noch sehr jung und noch leicht zu manipulieren.
    Was ich allerdings nicht mehr verstehen konnte - im Gegensatz zu den meisten Mitlesern der Leserunde, dass sie sich nicht raushält als ihr gesagt wird was ihre Geschwister im Schilde führen.
    Sie stellt sich gegen Majid, mit dem sie so ein inniges Verhältnis hatte -zumindest habe ich das so verstanden. Da hätte ich sie schütteln mögen. Aber vielleicht habe ich auch was falsch verstanden.


    Nun mache ich mich aber ans Weiterlesen, bin eh schon im Rückstand so wie ich das gesehen habe.


    Viele Grüße

  • @ Sabine Sorg


    Ich glaube nicht, dass Du da was falsch verstanden hast.
    Mutiger und bestimmt auch "richtiger" wäre es gewesen, sich von Chole und Barghash abzuwenden und zu Majid zu halten. Aus ihrer Sicht jedoch gab es da schon kein Zurück mehr, dafür hatte sie zuviel Angst vor Barghash und Chole.
    (Vielleicht hätte ich das ein bisschen besser herausarbeiten können... :gruebel)

  • Ich bin überraschend im Krankenhaus gelandet und seit gestern wieder internetfähig und kann endlich wieder hier posten. :-)


    Dafür das Salime eine Sultanstochter ist, hatte sie eine unbeschwerte Kindheit. Ich hätte gedacht, dass Sultanskinder schon bestimmte Vorschriften als Kleinkinder bekommen. Der Tod ihrer Eltern war bestimmt ein hater Schlag. Aber sie lässt sich nicht unterkriegen.


    Schlimm finde ich, dass Chole und Bargsh Salime mit in ihre Intrigen einbeziehen. Sie ist noch so unbedarft.

  • Owei, Vivian, lass Dich mal :knuddel. Gute Besserung Dir!


    Zitat

    Original von Vivian
    Dafür das Salime eine Sultanstochter ist, hatte sie eine unbeschwerte Kindheit. Ich hätte gedacht, dass Sultanskinder schon bestimmte Vorschriften als Kleinkinder bekommen.


    Ja, die Kinder wuchsen sehr frei auf. Vor allem, wenn man sich vor Augen hält, dass Kinder der vergleichbaren Gesellschaftsschicht Europas im gleichen Alter schon auf Benimm und Etikette gedrillt wurden.


    (Aber nicht vergessen: nie nie NIE ohne den kompletten Schmuck das Schlafgemach verlassen! :zwinker)

  • Zwischenstand auf Seite 98:


    Ich revidiere zunächst mal meine Aussage vom 1. Teil: es herrschen nicht nur gute Gerüche auf Sansibar :grin Ist ja eigentlich sehr logisch, wenn auch weniger romantisch ;-)


    Nichtsdestotrotz - auch diese Eindrücke sind anschaulich beschrieben!


    Lehmsatdt und Steinstadt (da lebte ja ein ziemlich buntes Volk dort), das Thema Sklaven relativ kurz angerissen. Gut fand ich ja auch, wie die Mentalität in einem kleinen Satz beschrieben wird: Wasserträger ... lagen für eine kurze Rast, die nicht selten in ein längeres Nickerchen überging...


    Nicole, Du hast wirklich die wunderbare Gabe, mit solchen Beispielen unheimlich viel auszusagen. Das gefällt mir!


    Mit dem Tod des Sultans scheint wirklich alles auseinanderzudriften. Schade! Warum wurde nicht einer seiner Söhne offiziell zum Nachfolger benannt? Hat das etwas mit diesen fünf Dekaden zu tun? (Sollte es auf so eine Frage schon eine Antwort geben: ich lese die Beiträge erst nach).


    Warum wurde Salima nach dem Tod des Sultans für mündig erklärt?


    Auf jeden Fall kann ich die Hilflosigkeit der Frauen gut nachvollziehen. Lebten sie doch vorher sehr behütet, mit festen Regeln und gut versorgt.

  • Zitat

    Original von Türmchen
    Ich revidiere zunächst mal meine Aussage vom 1. Teil: es herrschen nicht nur gute Gerüche auf Sansibar :grin Ist ja eigentlich sehr logisch, wenn auch weniger romantisch ;-)


    Allerdings! :lache
    Mein Hintergedanke war, dass die allerersten Kapitel Salima in einer kleinen, behüteten, idyllischen Welt zeigen - und dass diese ihre Welt in den nachfolgenden Kapiteln Stück um Stück größer wird, komplexer - und auch eben zunehmend weniger idyllisch.


    Zitat

    Original von Türmchen
    Gut fand ich ja auch, wie die Mentalität in einem kleinen Satz beschrieben wird: Wasserträger ... lagen für eine kurze Rast, die nicht selten in ein längeres Nickerchen überging...


    Soweit ich das noch im Kopf habe, stammt dieses Beispiel ebenfalls aus Salimas Aufzeichnungen - und eben weil ich das auch so "sprechend" fand, nahm ich das mit in den Roman auf.


    Zitat

    Original von Türmchen
    Warum wurde nicht einer seiner Söhne offiziell zum Nachfolger benannt? Hat das etwas mit diesen fünf Dekaden zu tun?


    Nein, damit hat es nichts zu tun. Es war einfach Tradition: der älteste noch lebende Sohn (in diesem Fall: der älteste noch auf SANSIBAR lebende Sohn) war der Thronfolger. Starb dieser ohne männliche Nachkommen, rückte der nächstgeborene noch lebende Sultanssohn nach - usw. usf. Das war einfach so und davon ging auch jeder aus; in diesem Fall war das Majid und das musste nicht noch zusätzlich bekanntgegeben werden.


    Zitat

    Original von Türmchen
    Warum wurde Salima nach dem Tod des Sultans für mündig erklärt?


    Einen triftigen, festgeschriebenen Grund habe ich nicht gefunden, nur meine eigenen Überlegungen dazu.


    Ein gesetzliches Alter für die Mündigkeit wie bei uns gab es nicht; der Sultan entließ seine Kinder nach eigenem Ermessen in die Mündigkeit, sobald er sie für reif genug hielt - die Jungs vor allem dann, wenn er sie für erwachsen genug hielt, eine eigene Familie zu gründen. Dieses Alter deckt sich ungefähr mit dem, was bei uns heute als "erwachsen" gilt - während die Mädchen schon weitaus früher als heiratsfähig betrachtet wurden, mit dreizehn, vierzehn.


    Es war Muhammads Aufgabe, die Angelegenheiten, die sich aus dem Tod des Sultans ergaben, so gut wie möglich abzuwickeln - in dem Sinne, dass mit der Übernahme der Herrschaft durch Majid eine neue Ära beginnen konnte, möglichst ohne "Altlasten".
    Die Kinder des Sultans, die sich altersmäßig nach sansibarischen Maßstäben gerade so an der Schwelle zum Erwachsensein befanden (plus minus ein paar Jahre), wurden da in einem Aufwasch für mündig erklärt. Damit war das quasi vorsorglich schon mal erledigt, und Majid musste sich so strenggenommen nicht mehr um sie kümmern, sondern konnte sich ganz auf seine neuen Aufgaben als Herrscher konzentrieren. Und bis die jüngeren der Sultanskinder dann für mündig erklärt werden müssten, würden noch ein paar Jahre vergehen.
    Außerdem waren Salima und ihre Halbgeschwister damit auch selbständig, für sich selbst verantwortlich und im übertragenen Sinne "aus dem Haus". (Mir geht da durch den Kopf: "Aus dem Nest geschubst".) Was man nämlich auch nicht vergessen darf: es wurde ganz selbstverständlich davon ausgegangen, dass Majid in absehbarer Zeit Oberhaupt einer großen Familie aus einer Anzahl Haupt- und noch mehr Nebenfrauen und vielen, vielen Kindern sein würde - und der Platz im Sultanspalast war begrenzt...


    Zitat

    Original von Türmchen
    Auf jeden Fall kann ich die Hilflosigkeit der Frauen gut nachvollziehen. Lebten sie doch vorher sehr behütet, mit festen Regeln und gut versorgt.


    Ja, auf jeden Fall.

  • Zitat

    Original von Nicole



    Nein, damit hat es nichts zu tun. Es war einfach Tradition: der älteste noch lebende Sohn (in diesem Fall: der älteste noch auf SANSIBAR lebende Sohn) war der Thronfolger. Starb dieser ohne männliche Nachkommen, rückte der nächstgeborene noch lebende Sultanssohn nach - usw. usf. Das war einfach so und davon ging auch jeder aus; in diesem Fall war das Majid und das musste nicht noch zusätzlich bekanntgegeben werden.


    Hat sich ja dann auch alles auf den nachfolgenden Seiten erklärt



    Danke, für diese einleuchtende Überlegung Deinerseits, welche ich für mich mal so übernehme!


    Die halbe Insel Sansibar musste doch nun aus den Frauen und Kindern des verstorbenen Sulatns bestehen...

  • Zitat

    Original von Türmchen
    Die halbe Insel Sansibar musste doch nun aus den Frauen und Kindern des verstorbenen Sulatns bestehen...


    Zusammen mit den Enkeln, die der Sultan von den ältesten Kindern z.T. schon hatte, machte die Sippe definitiv einen großen Anteil der arabischen Bevölkerung aus. :-)

  • Ganz vieles wurde natürlich schon gesagt und ich halte hier einfach noch ein paar meiner Notizen fest:
    Mir hat die Sprache enorm gut gefallen, z.B.
    "zerfetzte [ein Sturm] die schmeichelnde blaue Seide des Meeres und durchpflügte sie brutal"
    "Des Tags knallte die Sonne [...] herab..."
    "faulige Gase, die in jeden Winkel waberten" ;-)


    Dann ist mir der Baum, mit Nägeln um böse Geister festzunageln" aufgefallen, oder das Geäst der Familie - der Ast gabelt sich, also die Familie geht auseinander, verzweigt sich etc.


    Ganz gut gefallen hat mir auch der Schluss: "keinen blinden Gehorsam mehr; keine andere Herrin als mich selbst"

  • Hallo milou,


    schön, dass Dir die Sprache in diesem Teil so gut gefiel. :-]
    Die arabische Sprache ist eine sehr poetische, und so ein bisschen wollte ich das auch im Schreibstil der ersten Teile abbilden.


    Das Bild der Familie als Baum - da stand ein klein wenig M.M. Kayes "Palast der Winde" Pate; der erste Teil ist in der Originalfassung überschrieben mit "The twig is bent" - ein Satz, den ich so wunderschön finde und der sich nur so unvollkommen ins Deutsche übersetzen lässt. Was für mich darin steckt, wollte ich mit dem ersten Teil des Buches ausdrücken und kam darüber dann auf die Bilder von Baum, Ast und Zweiglein für Salima und ihre Familie.

  • Hallo Nicole
    Für einmal bin ich am Morgen schon am PC :wave
    Ich finde, dass du das mit der Sprache wirklich gut hingekriegt hast :-]
    Danke für die Erklärung betreffend des Baumbildes. Ich werde mir also mal "Palast der Winde" vornehmen. ;-) Mir gefällt das mit dem Baum nämlich wirklich gut, eben auch die Idee, dass sich der Baum verzweigt und so immer weiter weg kommt vom Hauptstamm, so wie sich Salima von ihrer Familie "trennt" und doch immer noch dazu gehört - naja, mindestens aus ihrer Sicht.

  • Hallo milou,
    (Du Nachteule :zwinker)


    Zitat

    Original von milou
    Ich werde mir also mal "Palast der Winde" vornehmen. ;-)


    Diesem Schmöker gegenüber bin ich hoffnungslos voreingenommen, ich finde ihn absolut genial. :anbet


    Zitat

    Original von milou
    Mir gefällt das mit dem Baum nämlich wirklich gut, eben auch die Idee, dass sich der Baum verzweigt und so immer weiter weg kommt vom Hauptstamm, so wie sich Salima von ihrer Familie "trennt" und doch immer noch dazu gehört - naja, mindestens aus ihrer Sicht.


    Ja, das war auch einer meiner Gedanken dabei.
    (und es passte natürlich auch prima zu den Gewürznelkenbäumen, die eine solch große Rolle auf Sansibar spielten)

  • Du bist ja auch immer rel. spät noch auf :knuddel1
    aber du hast schon recht, Nachteule bin ich schon, kann im Normalfall problemlos bis 1Uhr nachts lesen. Das Problem ist dann allerdings, dass ich morgens früh von den Jungs geweckt werde *gähn*

  • Zitat

    Original von milou
    Du bist ja auch immer rel. spät noch auf :knuddel1


    Erwischt! :lache
    Ja, ich bin eine ziemliche Nachteule - jetzt gerade ist so meine übliche Feierabend-Zeit.


    Zitat

    Original von milou
    Das Problem ist dann allerdings, dass ich morgens früh von den Jungs geweckt werde *gähn*


    ... und die kennen dann keine Gnade, oder? :knuddel1

  • Hamdan gefällt mir, ich hoffe, er spielt noch eine (größere) Rolle im weiteren Verlauf des Buches – und bleibt bitte Salima gewogen.


    Seite 66: Hahnenkämpfe! Hahnenkämpfe? Oh, meine Güte, welche Variante gab es denn da? Ist mir sowieso ein ewiges Rätsel, wie sich das mit Tierliebe verträgt.


    Seite 69: Diese Maske finde ich irgendwie … Verzeihung … abstoßend faszinierend – oder umgekehrt?


    Seite 72 ff.: Die Beschreibungen sind unglaublich plastisch. Ich frage mich, worauf gründete sich der Reichtum Sansibars? Auf Gewürzhandel? Sklavenhandel? Oder einem Konglomerat aus beidem? Was bekamen eigentlich die Kinder des Sultan von dem ganz alltäglichen Leben „auf der Straße“ mit? Wurden sie dem ferngehalten (die Mädchen vermutlich sowieso)? Kannte man dort auch so etwas wie soziale Verantwortung? Ich denke da an Krankenhäuser, Armenspeisung etc.


    Seite 81: „Scheidung aussprechen“? Hätt ich jetzt auch nicht vermutet. Aber interessant allemal, welche Rechte den Frauen zustanden, welche Freiheiten sie hatten. Das rückt mein Bild doch etwas besser zurecht.


    Seite 84, 85: Entschuldigung, aber das nehme ich Salima nicht so ganz ab, nur zu lernen, um besser zu sein als ihre Brüder, besser als jedes Mädchen. Ich glaube, dass sie dem Reiz des Wissenwollens durchaus erlegen ist, ohne sich jedoch dessen bewusst zu sein. Und ich glaube auch nicht, dass sie das jemals wieder wird ablegen können. Bei wem einmal der Hunger geweckt ist ... - doch, doch, ich spreche aus eigener Erfahrung.


    Die alte Wahrsagerin von Seite 86 und „ihr ungeborenes Kind“ wirken unheimlich. Die Beschreibung finde ich ja schon … bäh, gegenüber sitzen hätte ich ihr nicht mögen.


    Es liegt ein Schatten über Sansibars Strahlen seit des Sultan Tod. Dass die Situation für alle bedrückender ist, vermittelt das Buch sehr gut, so gut, dass mich teilweise selbst gefröstelt hat. Und jetzt auch noch Cholera. Wen soll man mehr bedauern – die Mutter, die so leiden muss, oder die Tochter, die mit ansehen muss, was kein Kind sehen sollte (auch wenn sie schon Jugendliche ist). Segen ihres Alters: Sie wird es vergessen.


    Die ganzen politischen Verwirrungen und das Drame des versuchten Aufstandes lassen mich an den kurz angesprochenen Glauben des schlechten Omen der Insulaner denken angesichts des Palastes, der beim Bau zusammengestürzt ist und Arbeiter unter sich begrub. Aber immer wieder seltsam, dass nach großen – sprich erfolgreichen Herrschern solcherart geschieht. Wie sagt man so schön bei uns: „Nach dem Heger kommt ein Feger“ …