'Sterne über Sansibar' - Seiten 415 - 498

  • Auch ich habe nun diesen Teil des Buches geschafft.


    Ich kann Emily verstehen, dass sie fast schon verbissen für ihr Recht kämpft. Auch finde ich den Empfang sehr schön, den sie bei Ihrer Ankunft auf Sansibar von ihren ehemaligen Landsleuten bekommt.


    Sicher bin ich mir aber nicht, ob ich so verbissen weiter für meine Rechte gekämpt hätte, wenn ich erfahren hätte, dass alle die mir freundlich begegnen, hinterher vom Sultan gefoltert werden.


    Werde jetzt weiterlesen, damit auch ich den letzten Abschnitt schaffe.


    Viele Grüße


    Sabine

  • Acuh ich finde, dass sich Emily da sehr in etwa verbissen hat. Stur ist wohl der passendste Ausdruck. War es nicht auch ein bisschen diese Sturheit der Grund, dass Emily sehr lange nicht merkt, dass sie eigentlich nur der Spielball der Politik ist?
    Gut gefallen hat mir der Zusammenhalt der drei Kinder, wie sie auch versucht haben, ihre Mutter zu unterstützen, aufzumuntern (du hast doch uns).


    Brutal, wenn man so fühlt in der Heimat: "Sie empfand sich als Widerspruch. Als Fremdkörper in den Gassen ihres früheren Lebens." Nicht nur Sansibar hat sich verändert, es wurde aus Salima Emily.

  • Zitat

    Original von milou
    War es nicht auch ein bisschen diese Sturheit der Grund, dass Emily sehr lange nicht merkt, dass sie eigentlich nur der Spielball der Politik ist?


    Ich denke schon, dass das auch mit ein Grund war; sie hatte das, was wir heute mit "Tunnelblick" umschreiben würden.


    Zitat

    Original von milou
    Gut gefallen hat mir der Zusammenhalt der drei Kinder, wie sie auch versucht haben, ihre Mutter zu unterstützen, aufzumuntern (du hast doch uns).


    Das hat mich auch bei ihren Aufzeichnungen sehr berührt, wie sehr dieser Zusammenhalt zwischen den Zeilen spürbar war.


    Zitat

    Original von milou
    Brutal, wenn man so fühlt in der Heimat: "Sie empfand sich als Widerspruch. Als Fremdkörper in den Gassen ihres früheren Lebens." Nicht nur Sansibar hat sich verändert, es wurde aus Salima Emily.


    :write

  • Die große Politik und die kleine Emily – da kann sie doch gar nicht gewinnen, sobald die Interessen der Machthaber nicht mehr mit ihren übereinstimmten. Irgendwann war sie vermutlich gar nicht mehr in der Lage, genauer darüber nachzudenken, war nur noch fixiert auf ihr Ziel, ihr „Recht“. Ja, ich setze das Wort bewusst in Anführungszeichen, denn selbst, wenn sie mit aller Vehemenz dafür stritt, stand es ihr wirklich und absolut zu? Vor welchem Gericht hätte sie das erstreiten wollen?


    Auch ihr Beharren darauf, Barghash zu sprechen, ihm zu schreiben, ihr Glaube, ihn in ihrem Sinne zu beeinflussen, lässt sich eigentlich nur durch ihre Sturheit, ja Verbohrtheit, Besessenheit (sicherlich muss man es ab einem Zeitpunkt so nennen) erklären. Eigentlich sollte ihr klar gewesen sein, dass sie von ihrem Bruder, der nun Herrscher war, nichts zu erwarten hatte. Für mich ist es immer wieder von einiger Tragik, sehen zu müssen, wie sehr die Fixierung auf einen (strittigen) Punkt kluge, intelligente Menschen in einem Maße verändern, die ihnen nicht gut, gar nicht gut zu Gesicht stehen.
    Lag etwas von diesem Beharren auch darin, dass sie als Prinzessin zur Welt kam, als Prinzessin erzogen wurde, als Prinzessin sowieso Recht hatte? War sie es zu sehr gewohnt, den Wert ihrer Person, ihres Standes hoch anzusetzen?


    Seite 426: „Glück“ - da ist es wieder, dieses Wort, dem eigentlich auch Emily zu misstrauen gelernt haben sollte. Aber gieren wir nicht alle danach, nach diesen kleinen Momenten, den einzigen, in denen wir völlig mit uns in Einklang sind? Für mich die schönste Definition, die ich je über Glück gelesen habe: Ein glückliches Leben sei ein gelungenes Leben, ein „rundes“, „heiles“ Leben. In diesem Sinne hätte ich ihr Glück wünschen mögen.
    „Glück liegt im Schatten der Zufriedenen“ hat der große Menschenfreund Phil Bosmans einmal gesagt. Daran musste ich schon geraume Zeit denken, im Grunde, seitdem Emily aus dem schönen Haus in Hamburg ausziehen musste. Zufrieden sein mit dem, was man hat, das Leben gelingen lassen mit dem Vielen oder dem Wenigen, was einem zu eigen ist, sei es materieller, sei es anderer Art – ich bin davon überzeugt, dass man dann auch ein im obigen Sinne glückliches Leben führen kann.


    Ach herrje, reineweg melancholisch könnte ich werden über Emily und ihr Schicksal. Dass sie bitter wurde, ist letztlich kein Wunder.
    Der vorletzte Absatz Seite 478 zeigt das Dilemma deutlich: In Deutschand wird sie nicht heimisch, weil sie Salima war und ein Stück weit bleibt, auf Sansibar wird sie nie mehr heimisch bleiben, weil sie zu sehr Emily wurde. Für mich das große Manko ihres Lebens: Für Heinrich wollte sie Emily sein, glaube ich. Doch dies blieb letztlich eine Rolle für sie, die sie nicht ausfüllen konnte, weil sie ihr Heimweh nach Salima nicht ablegen konnte. Mit Heinrichs Tod wurde sie heimatlos. Und genau besehen hatte sie nur eine einzige Chance, ihr „Zuhause“ wiederzufinden. Kann Leben so gelingen? Nein, ich habe Seite 10 („Reich war es dennoch gewesen... Reich an Freud und Leid und reich an Liebe. Das vor allem.“) nicht vergessen. „Reich an Liebe“ - wenigstens das! Wenn ich ihn noch einmal zitieren darf, den Mann, der mit so wenigen Worten so Treffendes sagen kann, Phil Bosmans: „Aber du kannst niemals unglücklich sein mit wahrer Liebe. Liebe ist alles.“ Hätte sie ihm zugestimmt?


    Seite 436 unten, 437 oben: Der Blick von heute zurück auf die politische, wirtschaftliche, gesellschaftliche Situation, die die Ausbeutung Afrikas möglich machte, verursacht mir einen riesigen Kloß im Hals. Es mag ja durchaus Menschen gegeben haben, die das Beste für die afrikanische Bevölkerung wollten, aber sobald das Geld ins Spiel kommt, hat Menschlichkeit kaum noch eine Chance. Und wie viel Elend gibt es auf der Welt, nur weil die Westeuropäer so ganz genau wussten, was das Beste für die jeweils einheimische Bevölkerung ist?
    Als absolut gelungen empfinde ich die Beschreibung, wie sehr Emilys Leben durch die große Politik beeinflusst war, die Art und Weise, wie die politischen Gegebenheiten im Text Einzug hielten.


    Seite 443 („... Gegen Gott, gegen Allah...“), 445 unten, 446 : Emily macht auf mich einen zerrissenen Eindruck, nicht erst in diesen Szenen. Ich grübele schon geraume Zeit darüber nach, ob sie es leichter oder schwerer hatte, sich zu integrieren als die Menschen heute. Dass es letztlich nicht gelungen ist, lag sicherlich am frühen Tod Heinrichs, mit dem sie ihrer (jetzt einzigen) Heimat (nämlich H.) verlustig ging. Ich denke manchmal, durch den gesellschaftlichen Druck wäre ihr nicht viel übrig geblieben, Deutsche (nicht nur als Bürgerin des Reiches) zu werden, wobei es sicherlich nicht sonderlich hilfreich gewesen wäre, wenn ihre Träume weiterhin Sansibar zum Gegenstand gehabt hätten. Letztlich bin ich sehr skeptisch, ob ihr ein „glückliches“ (im obigen Sinne gelungenes) Leben in Deutschland gewunken hätte. Der Anteil „Salima“, der zu sehr die Freiheit genossen hatte, um sie vergessen zu können, hätte ihr vermutlich irgendwann im Wege gestanden.


    Endlich, endlich einmal ein Grund, um lauthals loszuprusten: Danke für Kirks Bart (Seite 457). Mehr sag ich jetzt mal lieber nicht dazu.





    Zitate von Phil Bosmans aus „Leben jeden Tag“, erschienen im Verlag Herder, 2. Auflage 2010

  • Zitat

    Original von Lipperin
    Die große Politik und die kleine Emily – da kann sie doch gar nicht gewinnen, sobald die Interessen der Machthaber nicht mehr mit ihren übereinstimmten. Irgendwann war sie vermutlich gar nicht mehr in der Lage, genauer darüber nachzudenken, war nur noch fixiert auf ihr Ziel, ihr „Recht“. Ja, ich setze das Wort bewusst in Anführungszeichen, denn selbst, wenn sie mit aller Vehemenz dafür stritt, stand es ihr wirklich und absolut zu? Vor welchem Gericht hätte sie das erstreiten wollen?


    Das war sie da wirklich nicht. Und sie hielt sich an das, was sie auf Sansibar gelernt, was sie bei ihrem Vater beobachtet hatte: wende dich an die Mächtigen, dann wird dir geholfen. Dass es in Europa nicht zwingend so läuft - das konnte sie nicht verstehen.



    Zitat

    Original von Lipperin
    Auch ihr Beharren darauf, Barghash zu sprechen, ihm zu schreiben, ihr Glaube, ihn in ihrem Sinne zu beeinflussen, lässt sich eigentlich nur durch ihre Sturheit, ja Verbohrtheit, Besessenheit (sicherlich muss man es ab einem Zeitpunkt so nennen) erklären.


    Definitiv, ja.


    Zitat

    Original von Lipperin
    Lag etwas von diesem Beharren auch darin, dass sie als Prinzessin zur Welt kam, als Prinzessin erzogen wurde, als Prinzessin sowieso Recht hatte? War sie es zu sehr gewohnt, den Wert ihrer Person, ihres Standes hoch anzusetzen?


    Für mich war es auch eine Rückbesinnung auf ihre Wurzeln, ein verzweifelter Versuch, irgendwo so etwas wie eine Identität herzubekommen, die ihr verloren gegangen war. Und auch, weil Status etwas war, das jeglichem Argument noch zusätzlich (und vielleicht das ausschlaggebende) Gewicht verlieh. So hatte sie es auf Sansibar gelernt, und ihre Erfahrungen in Europa (denken wir nur an die Ankunft am Zoll von Marseille und das Aufsehen, das sie in der ersten Zeit in Hamburg erregte) schienen ja auch dafür zu sprechen. Dass das halt manchmal doch nicht zählt - das war eine harte Lektion für sie.



    Zitat

    Original von Lipperin
    Seite 426: „Glück“ - da ist es wieder, dieses Wort, dem eigentlich auch Emily zu misstrauen gelernt haben sollte. Aber gieren wir nicht alle danach, nach diesen kleinen Momenten, den einzigen, in denen wir völlig mit uns in Einklang sind? Für mich die schönste Definition, die ich je über Glück gelesen habe: Ein glückliches Leben sei ein gelungenes Leben, ein „rundes“, „heiles“ Leben. In diesem Sinne hätte ich ihr Glück wünschen mögen.„Glück liegt im Schatten der Zufriedenen“ hat der große Menschenfreund Phil Bosmans einmal gesagt. Daran musste ich schon geraume Zeit denken, im Grunde, seitdem Emily aus dem schönen Haus in Hamburg ausziehen musste. Zufrieden sein mit dem, was man hat, das Leben gelingen lassen mit dem Vielen oder dem Wenigen, was einem zu eigen ist, sei es materieller, sei es anderer Art – ich bin davon überzeugt, dass man dann auch ein im obigen Sinne glückliches Leben führen kann.


    Schöne Zitate, die Du da einbringst, Lipperin, und sehr wichtige Gedanken.
    Glück kann man nicht erzwingen, denke ich, aber es hilft, wenn man die Bereitschaft dazu hat, glücklich zu sein.
    Was aber, wenn man Erfahrungen gemacht hat, die einem diese Bereitschaft genommen haben?


    Zitat

    Original von Lipperin
    Ach herrje, reineweg melancholisch könnte ich werden über Emily und ihr Schicksal. Dass sie bitter wurde, ist letztlich kein Wunder.Der vorletzte Absatz Seite 478 zeigt das Dilemma deutlich: In Deutschand wird sie nicht heimisch, weil sie Salima war und ein Stück weit bleibt, auf Sansibar wird sie nie mehr heimisch bleiben, weil sie zu sehr Emily wurde. Für mich das große Manko ihres Lebens: Für Heinrich wollte sie Emily sein, glaube ich. Doch dies blieb letztlich eine Rolle für sie, die sie nicht ausfüllen konnte, weil sie ihr Heimweh nach Salima nicht ablegen konnte. Mit Heinrichs Tod wurde sie heimatlos.


    Das wurde sie, so empfinde ich das auch.



    Zitat

    Original von Lipperin
    Und genau besehen hatte sie nur eine einzige Chance, ihr „Zuhause“ wiederzufinden. Kann Leben so gelingen?


    Es gibt sie sicher, die Menschen, die ihre Heimat - aus welchen Gründen auch immer - verlassen mussten und in der Fremde neue Wurzeln schlugen, ein neues, glückliches Leben begannen.
    Wesentlich häufiger jedoch ergibt sich daraus nicht nur ein Bruch im Lebenslauf, sondern auch einer in der Seele, der nur sehr, sehr schwer wieder heilt, wenn überhaupt. Allein schon, wenn ich die Lebensläufe in meiner Familie anschaue - der Verlust der Heimat hinterlässt tiefgreifende Spuren. Auch und gerade für das weitere Leben, die Fähigkeit - wie Du es sagst - gelingen zu lassen.



    Zitat

    Original von Lipperin
    Kann Leben so gelingen? Nein, ich habe Seite 10 („Reich war es dennoch gewesen... Reich an Freud und Leid und reich an Liebe. Das vor allem.“) nicht vergessen. „Reich an Liebe“ - wenigstens das! Wenn ich ihn noch einmal zitieren darf, den Mann, der mit so wenigen Worten so Treffendes sagen kann, Phil Bosmans: „Aber du kannst niemals unglücklich sein mit wahrer Liebe. Liebe ist alles.“ Hätte sie ihm zugestimmt?


    Ganz, ganz vorsichtig würde ich sagen: einerseits gewiss. Andererseits ist es so schmerzlich, so bitter, dass ihrer Liebe nur eine solch kurze Zeit vergönnt gewesen war.
    Dann wiederum denke ich an die Liebe zwischen ihr und ihren Kindern - und wie groß diese war, trotz mancher Konflikte, das war für mich immer spürbar. Ohne ihre Kinder wäre sie zweifellos verloren gewesen.


    Zitat

    Original von Lipperin
    Seite 436 unten, 437 oben: Der Blick von heute zurück auf die politische, wirtschaftliche, gesellschaftliche Situation, die die Ausbeutung Afrikas möglich machte, verursacht mir einen riesigen Kloß im Hals. Es mag ja durchaus Menschen gegeben haben, die das Beste für die afrikanische Bevölkerung wollten, aber sobald das Geld ins Spiel kommt, hat Menschlichkeit kaum noch eine Chance. Und wie viel Elend gibt es auf der Welt, nur weil die Westeuropäer so ganz genau wussten, was das Beste für die jeweils einheimische Bevölkerung ist?


    Mich haben diese Gedanken auch beschäftigt während des Schreibens, gerade auch, wo die heutige Situation in diesen Ländern mehr oder weniger direkt auf diese koloniale Vergangenheit zurückzuführen ist. (Und dann auch die Frage: was tun? Heute?)


    Zitat

    Original von Lipperin
    Als absolut gelungen empfinde ich die Beschreibung, wie sehr Emilys Leben durch die große Politik beeinflusst war, die Art und Weise, wie die politischen Gegebenheiten im Text Einzug hielten.


    Das freut mich ganz besonders, weil mich das Wie (und das Wieviel) mir nicht wenig Kopfzerbrechen bereitet haben.


    Zitat

    Original von Lipperin
    Ich grübele schon geraume Zeit darüber nach, ob sie es leichter oder schwerer hatte, sich zu integrieren als die Menschen heute.


    Ein ganz wichtiger Gedanke, wie ich finde. Und ein sehr schwieriger.
    Ich weiß es, ehrlich gesagt, auch nicht.
    Weil sich mir erst mal grundlegende Fragen stellen wie "Was heißt eigentlich genau Integration?", "Wie weit soll / muss / kann / darf Integration gehen?", "Wie verhalten sich Integration und Identität zueinander?"
    Allgemein gültige Antworten habe ich keine, vielleicht gibt es die auch nicht, sondern allenfalls individuelle.
    Manches an Salimas Geschichte kam mir bedrückend aktuell vor; nur sehr wenige Dinge konnte ich für mich als wirklich rein in ihrer Zeit gehörig einordnen, wie z.B. das ungeheure Interesse an ihrer Person bei ihrer Ankunft in Europa.



    Zitat

    Original von Lipperin
    Dass es letztlich nicht gelungen ist, lag sicherlich am frühen Tod Heinrichs, mit dem sie ihrer (jetzt einzigen) Heimat (nämlich H.) verlustig ging. Ich denke manchmal, durch den gesellschaftlichen Druck wäre ihr nicht viel übrig geblieben, Deutsche (nicht nur als Bürgerin des Reiches) zu werden, wobei es sicherlich nicht sonderlich hilfreich gewesen wäre, wenn ihre Träume weiterhin Sansibar zum Gegenstand gehabt hätten. Letztlich bin ich sehr skeptisch, ob ihr ein „glückliches“ (im obigen Sinne gelungenes) Leben in Deutschland gewunken hätte. Der Anteil „Salima“, der zu sehr die Freiheit genossen hatte, um sie vergessen zu können, hätte ihr vermutlich irgendwann im Wege gestanden.


    Dauerhaft in Hamburg zu bleiben - das war eigentlich nie wirklich so geplant. Heinrich wollte nach Sansibar zurück - um ihretwillen, aber mein Eindruck war, dass er auch gerne selbst dort wieder leben wollte. Ihm fiel es naturgemäß wesentlich leichter, wieder in Hamburg zu sein, aber so wirklich heimisch - ich glaube, das fühlte er sich dort auch nicht mehr, dafür war er zu lange fort gewesen. Und wenn nicht Sansibar, dann ein Ort, an dem Salima / Emily mehr sie selbst sein konnte. Insofern empfinde ich seinen Tod auch als doppelt tragisch, in dem Sinne, dass er Salima / Emily ausgerechnet in Hamburg gestrandet sein ließ.



    Zitat

    Original von Lipperin
    Endlich, endlich einmal ein Grund, um lauthals loszuprusten: Danke für Kirks Bart (Seite 457). Mehr sag ich jetzt mal lieber nicht dazu.


    Ich konnte da einfach nicht widerstehen ... :lache
    (Ich brauche das selbst immer beim Schreiben, gerade in den besonders tragischen oder traurigen Geschichten: einen Lacher, wenigstens ein Schmunzeln irgendwo, und da bin ich immer so dankbar, wenn sich dafür eine Gelegenheit bietet.)

  • Zitat

    Original von Nicole



    Es gibt sie sicher, die Menschen, die ihre Heimat - aus welchen Gründen auch immer - verlassen mussten und in der Fremde neue Wurzeln schlugen, ein neues, glückliches Leben begannen.
    Wesentlich häufiger jedoch ergibt sich daraus nicht nur ein Bruch im Lebenslauf, sondern auch einer in der Seele, der nur sehr, sehr schwer wieder heilt, wenn überhaupt. Allein schon, wenn ich die Lebensläufe in meiner Familie anschaue - der Verlust der Heimat hinterlässt tiefgreifende Spuren. Auch und gerade für das weitere Leben, die Fähigkeit - wie Du es sagst - gelingen zu lassen.


    Wenn ich das, was ich als ihre "Heimatlosigkeit" betrachte, in Beziehung setze zu "ihr Zuhause wiederfinden", dann war ihre einzige Chance für mich


    Zitat

    Ganz, ganz vorsichtig würde ich sagen: einerseits gewiss. Andererseits ist es so schmerzlich, so bitter, dass ihrer Liebe nur eine solch kurze Zeit vergönnt gewesen war.
    Dann wiederum denke ich an die Liebe zwischen ihr und ihren Kindern - und wie groß diese war, trotz mancher Konflikte, das war für mich immer spürbar. Ohne ihre Kinder wäre sie zweifellos verloren gewesen.


    Für mich hat sich Salima als eine Frau gezeigt, die vor allem von einem geprägt wurde (neben ihrer Sehnsucht nach ...), nämlich von ihrer Liebesfähigkeit. Damit meine ich nicht nur die Liebe zwischen ihr und Heinrich, sondern ich glaube, sie war einfach "durchtränkt" von Liebe. Sie hätte buchstäblich alles getan, wenn es dem Gegenstand ihrer Liebe (egal, ob Heinrich, Eltern, Geschwister, Kinder, Land) gut getan, gedient hätte. Was ihr im Wege stand, war ihr Besitzenwollen (wen und was auch immer), das Nichtbesitzenkönnen hat sie schlussendlich bitter gemacht. Für mich ist das die eigentliche Tragik ihres Lebens.

  • So habe ich es auch empfunden:



    Zitat

    Original von Lipperin
    Für mich hat sich Salima als eine Frau gezeigt, die vor allem von einem geprägt wurde (neben ihrer Sehnsucht nach ...), nämlich von ihrer Liebesfähigkeit. Damit meine ich nicht nur die Liebe zwischen ihr und Heinrich, sondern ich glaube, sie war einfach "durchtränkt" von Liebe. Sie hätte buchstäblich alles getan, wenn es dem Gegenstand ihrer Liebe (egal, ob Heinrich, Eltern, Geschwister, Kinder, Land) gut getan, gedient hätte.


    Das unterschreibe ich Dir genauso.


    Zitat

    Original von Lipperin
    Was ihr im Wege stand, war ihr Besitzenwollen (wen und was auch immer), das Nichtbesitzenkönnen hat sie schlussendlich bitter gemacht. Für mich ist das die eigentliche Tragik ihres Lebens.


    Ja, das war es auch. Neben der materiellen Not - die zweifellos bestand - war dieses Besitzenwollen meinem Gefühl nach auch das Bedürfnis, etwas Greifbares in die Hände zu bekommen, in einer Welt, in der sie keinen Halt mehr fand, und die Sehnsucht nach einer Identität bzw. der Anerkennung einer solchen von außen: "Wer bin ich - wo stehe ich?"
    Wirklich tragisch, dass sie sich dabei so lange rückwärts gewandt und erst so spät (zu spät?), als ihr nichts anderes übrig blieb, wieder nach vorne geschaut hat.