"Das Leben der Monsterhunde" von Kirsten Bakis
Die Autorin:
Die Infos sind eher spärlich... Kurzbeschreibung aus dem Buch:
Die Amerikanerin Kirsten Bakis, Stipendiatin des Iowa Writers´ Workshop und der Michener/Copernicus Society of America, legt mit "Das Leben der Monsterhunde" ihren ersten Roman vor. Die Autorin lebt mit ihrem Mann in New York.
Im Internet habe ich gefunden, dass sie in der Schweiz geboren und in New York aufgewachsen ist (Bezug zum Buch!). Derzeit zwei Kinder und drei Hunde hat und noch an ihrem zweiten Buch arbeitet.
Das Buch:
Felix Darwins Zusammenfassung auf Amazon trifft es ganz gut:
Cleo Pira lebt im Jahr 2008 in New York. Sie hat sich gerade von ihrem Freund getrennt, schlägt sich mit ihrem Studium herum und versucht, das Geld für ihre Miete zusammenzukratzen -- ein alltägliches Leben, in das plötzlich das Unfassbare Einzug hält: Eine Gruppe aufrecht gehender, sprechender Hunde lässt sich in der Großstadt nieder, und ausgerechnet Cleo wird von ihnen auserwählt, über ihr Leben und ihre Pläne zu berichten.
Nach anfänglichem Misstrauen freundet sie sich mit zwei Hunden ganz besonders an. Der Historiker Ludwig von Sachers ist ihr Schlüssel zu der geheimnisvollen Schöpfungsgeschichte dieser erstaunlichen Wesen. Die Hündin Lydia wird zu ihrer besten Freundin, das Schicksal der Hunde zu einem bestimmenden Teil ihres Lebens. Als die so genannten Monster von einer lebensbedrohlichen Krankheit heimgesucht werden, beginnt ein Wettlauf mit der Zeit.
Das Leben der Monsterhunde mag auf den ersten Blick eine recht seltsame Geschichte erzählen. Doch Kirsten Bakis hat einen vielschichtigen Roman geschrieben; das Unglaubliche kommt mit einer solchen Selbstverständlichkeit daher, dass Zweifel an dieser Welt gar nicht erst aufkommen. Ein echter Geheimtipp für Freunde literarischer Fantastik und gut geschriebener Science Fiction!
Meine Meinung:
Der Titel hat mich nicht angesprochen.
Das Cover hat mich nicht angesprochen.
Die Kurzzusammenfassung auf dem Buchrücken hat mich schon mal gar nicht angesprochen. ("Eine Gruppe aufrecht gehender, sprechender Monsterhunde erobert im Jahr 2008 im Sturm New York. Bald stellt sich jedoch heraus, dass die Hunde durch eine geheimnisvolle unheilbare Krankheit vom Aussterben bedroht sind. Eine prunkvolle Feier auf Schloß Neuhundstein entwickelt sich zum tragischen Finale im Leben der Montserhunde.")
Trotzdem habe ich das Buch aus einer frustigen Stimmung heraus schließlich gekauft, als es mir wochenlang zum mehrfach wiederholten Male auf diversen Mängelware-Wühltischen in die Hände fiel. Aus einer noch unergründlicheren Stimmung heraus, habe ich es dann eine ganze Weile später sogar begonnen zu lesen... und ich konnte es nicht mehr aus der Hand legen.
Das Buch war für mich eine echte Überraschung, weil man von der Aufmachung tatsächlich getäuscht wird, und etwas völlig anderes erwarten könnte. Aus diesem Grund, habe ich es nun zum zweiten Mal gelesen, um dieses Forum um eine Buchempfehlung reicher zu machen.
Das Buch ist aus Sicht von Cleo Pira geschrieben, die ihre Erlebnisse mit den Monsterhunden schildert. Sie nimmt dabei auch die Aufzeichnungen Ludwig von Sachers - ein befreundeter Monsterhund auf der Suche nach der Geschichte der Hunde - mit mit auf, der sich wiederrum zum Teil auch auf die Tagebucheinträge von Augustus Rank, dem Schöpfer der Monsterhunde bezieht.
An alle, die sich allein von dem, wie dieses Buch so daher kommt genauso abschrecken lassen wie ich ursprünglich folgende Botschaft: Trotzdem es natürlich ein Dreh- und Angelpunkt ist, dass es sich hier um Hunde, also irgendwie um sprechende Tiere (sowas mag ich eigentlich nicht so sehr in Büchern die nicht in einer komplett anderen Fantasywelt spielen.. also diese extrem vermenschlichte Darstellung von Tieren) handelt, so ist das doch nicht das entscheidende in dem Buch. Vom Grundgedanken her hätte Bakis genauso Klone oder eine Gruppe von Frankensteins Monstern auferstehen lassen können oder Außerirdische eines versunkenen Planeten (obwohl in dem Fall bestimmte Gedankenspiele wegfallen würden, die sie gezielt anreißt). Dass sie sich für Hunde entschieden hat, ist fast nebensächlich.
Wie in der Amazonzusammenfassung geschrieben schafft es Bakis in ihren Erzählfluss typisch hündische Verhaltensweisen so einzubinden, dass es als das Normalste der Welt scheint, dass man es hier mit aufrecht gehenden, sprechenden Hunden zu tun hat.
Die Monsterhunde, ersonnen von einem kranken Geist um dem preußischen Kaisers Willhelm II in der Schlacht zum Sieg zu verhelfen, fertiggestellt im kanadischen Exil, wo sie bis zu ihrem Aufbruch nach New York wie im Preußen des 18. Jahrhunderts lebten und so letztendlich in dieser Großstadt unserer Zeit nicht nur allein zwischen den Menschen, sondern auch historisch völlig entrückt leben. Die Rückblenden um Augustus Rank, den Erschaffer der Monsterhunde, sind größtenteils ziemlich verstörend: ein sozial verkrüppelter Junge, der die mangelnde Zuwendung mit grausamen Experimenten an Tieren kompensiert und darüber mit der Zeit sämtliches Unrechtsbewusstsein auch auf zwischenmenschlicher Ebene verliert.
Irgendwo im Buch fällt sinngemäß eine Bemerkung: "Es ist nicht leicht ein Hund zu sein, und das zu wissen". Und das ist ein Gedanke, der mich das ganze Buch über zum Nachdenken angeregt hat. Wie muss es sein, die üblichen "Haustierhunde" zu sehen, und zu wissen, dass man eigentlich genau das ist, nur unnatürlich entfremdet. Wie muss es sein zu wissen, dass - nachdem ihre Schöpfer tot sind - keine neuen Monsterhunde entstehen werden... dass sie die ersten und letzten ihrer Art sind? Wie muss es sein zu wissen, dass man erschaffen wurde für ein Ziel, dass es nicht mehr zu erreichen gilt? Und damit wirft dieses Buch für mich auch ganz allgemein die Frage nach der Sinnhaftigkeit des Lebens auf.
Für mich war dieses Buch eine kleine, überraschende Perle die ich gerne herzeigen wollte.
Vielleicht regt es den einen oder anderen ja an, auch mal einen Blick hinein zu werfen - es lohnt sich!
lieben Gruß
Aj