Zanele - Sie nennen mich Smiley - Bruni Prasske

  • Über den Autor
    Bruni Prasske lebt und arbeitet in Hamburg. Nach dem Studium der Interkulturellen Pädagogik arbeitete sie als wissenschaftliche Assistentin und Sozialarbeiterin in Flüchtlingsunterkünften und engagierte sich bei Einwanderungsprojekten in den USA. Seit vielen Jahren ist sie eine neugierige Reisende – und hat eine besondere, sehr persönliche Beziehung zum Iran. Daraus entstand ihr viel beachteter Bestseller „Mögen deine Hände niemals schmerzen“. Nach zwei weiteren Sachbüchern entschloss sie sich, endlich erneut ein Buch über den Iran zu schreiben.


    Kurzbeschreibung
    Zanele wurde ausgesetzt, da war sie ungefähr drei Jahre alt. Ihre Eltern kennt sie nicht. Sie trägt den Aids-Virus im Blut, seit sie neun ist, vergewaltigt von ihrem sogenannten Pflegebruder. Ab da schien ihr Leben vorgeprägt durch Gewalt, Armut, Krankheit, frühen Tod. Doch das Mädchen setzte sich zur Wehr, brach das Schweigen, klagte an, fand ein neues Zuhause in einem katholischen Waisenhaus und lernte etwas völlig Neues kennen: Hoffnung. Sie lebt im steten Gedanken ab ihren Tod, und erlernt einen Beruf. Sie weiß, welche Gefahr sie für andere darstellt, und verliebt sich. Wie weit darf sie gehen? Wie offen kann sie sein - in Südafrika, einer Gesellschaft, die von der Pandemie Aids stärker geprägt ist als jede andere und die Gefahr doch immer noch totschweigt? Eine junge Frau mit beeindruckendem Mut und Lebenswillen. Mit einem strahlenden Lächeln, das ihr die Herzen öffnet.


    Meine Rezension
    Bruni Prasskes „Immer noch träume ich von Deutschland“ fand ich seinerzeit sehr interessant, daher griff ich auch bei diesem Buch bedenkenlos zu. Darin geht es um die Geschichte von Zinhle Mbambo, einer jungen Zulufrau aus Südafrika (für die späteren Veröffentlichungen wählt sie allerdings den Namen Zanele).


    Zinhle ist ein Findelkind. Bei ihren „Pflegeeltern“, zu denen sie auf dubiose Weise kommt, hat sie ein schlechteres Leben als deren leibliche Kinder und muß auch viel mehr im Haushalt mitarbeiten als diese. Sipho, der nichtsnutzige, drogensüchtige Sohn, vergewaltigt sie immer und immer wieder, als sie erst knapp 9 Jahre ist. Dazu bedroht er sie mit einem Messer. Als sie sich ihrer „Stiefmutter“ anvertraut, beschimpft diese das kleine Mädchen als Hure und Lügnerin.


    Eines Tages wendet sie sich hilfesuchend an Tante Phindile, eine Verwandte der Mbambos. Diese glaubt ihr und veranlasst, dass sie ins Waisenhaus St. Philomena kommt. Dort geht Zinhle zur Schule. Aber Sipho hat ihr das HIV Virus angehängt. Ihre beste Freundin Dombie stirbt ganz jung, mit 17 Jahren, daran. Auch ihre erste Liebe Lindani stirbt ebenfalls sehr jung.


    Die Infektion bleibt lange ihr Geheimnis, denn viele Menschen haben aus Unwissenheit Angst vor Ansteckung bereits durch ganz normale Berührungen. Doch dann wagt sie die Flucht nach vorne und berichtet unter dem Namen Zanele in den Medien über ihr Leben mit HIV. Auch eine Dokumentation wird mit und über sie gedreht.


    Bruni Prasske versteht es auch hier wieder, ein sehr einfühlsames Portrait einer beeindruckenden jungen Frau zu skizzieren. Zinhle leidet darunter, keine Eltern und damit keine Wurzeln zu haben. Sie hat ein schweres Los und Kummer und Verluste begleiten sie durch ihr Leben, doch nie verlässt sie der Mut. In ihrem Glauben findet sie Trost und Mut.


    Allerdings konnte ich ihren anfänglichen Fatalismus „Gott wird mich zu sich holen, wenn er es für richtig hält“, nicht nachvollziehen. Ihre Angst vor der antiretroviralen Therapie ist aber sicher auch darin begründet, dass diese in Südafrika erst seit ein paar Jahren quasi für Jedermann zugänglich ist und Zinhle Angst hatte, dass die Nebenwirkungen größer als der Nutzen seien. Irritiert hat mich in diesem Zusammenhang, dass im Buch teils die Abkürzung ARV und teils AVR genannt wurde – hier habe ich mich gefragt, ob beides in Gebrauch ist oder ob hier schlicht und ergreifend der Fehlerteufel zugeschlagen hat.


    Im Rahmen ihrer Vortragstour kam Zinhle übrigens auch in meine Heimatstadt, hier habe ich einen interessanten Artikel darüber verlinkt.


    Alles in allem fand ich dieses Buch sehr interessant zu lesen – bleibt nur, Zinhle Mbambo für ihren weiteren Lebensweg alles Gute, vor allem für ihre Gesundheit zu wünschen. Sie ist eine beeindruckende junge Frau, die auch unter widrigsten Umständen nie ihr Lachen verlor.

    Lieben Gruß,


    Batcat


    Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt (aus Arabien)