Wieviel Allgemeinbildung braucht ein Autor?

  • Zitat

    Auf jeden Fall aber muss der Autor über das, was er schreibt, mehr wissen als er nach außen gibt, und auch mehr, als die überwiegende Mehrheit seiner Leser weiß


    *unterschreib* :write


    Das meinte ich mit "der Autor sollte mir also ein kleines Stückchen voraus sein"


    lg Iris :wave

  • Zitat

    Original von Doc Hollywood
    Sind dann nach dieser Definition nicht alle Horror-Geschichten seicht?? Wo wird bei King, Barker oder Herbert tatsächlich Wissen vermittelt?


    Doc, es geht in keinem Fall nur um Fachkenntnisse wie Probleme der Herzchirurgie, Kenntnis historischer Quellen und Zeugnisse usw. Auch ethische oder gesellschaftliche Fragen können eine wichtige Rolle spielen -- das merkt man Kings Romanen jedenfalls immer wieder an.
    Wenn es allerdings nur darum geht, Grusel zu erzeugen, um damit sich die Leser daran ergötzen, dann ist es schlicht und einfach trivial.


    Aber wo ist das Problem? Jeder von uns verputzt gelegentlich mal einen Hamburger oder eine Currywurst und jeder von uns ergötzt sich auch mal an was Trivialem. Das ist das Leben!


    Ich möchte bloß weder in der Kochkunst die Currywurst noch in der Literatur den Trivialroman zum Maßstab erheben ...

  • Hallo,


    ich denke, Wissen zu vermitteln ist lediglich ein Kriterium für Bücher.


    Ein anderes Kriterium ist natürlich Unterhaltung, die nicht automatisch Wissen voraussetzt. Für seichte oder auch gehobene Trivialliteratur komme ich oft fast ohne Wissen aus, wenn ich sie nicht in einen historischen Rahmen fasse, der natürlich etwas Zeitkolorit braucht. Ein gewisses Allgemeinwissen hat jeder Mensch (fast jeder?) ja zwangsläufig, ohne sich in etwas hineinarbeiten zu müssen.


    Je höher natürlich der Anspruch des Autors an sich bzw. an seine Leser, desto tiefer und breiter sollte das Wissen des Autors sein. Wenn ich in einem Roman eine Operation beschreibe, dann sollte sie zumindest anatomisch korrekt beschrieben werden bzw. finde ich es auch immer sehr gut, wenn Autoren die Plätze, über die sie schreiben - soweit möglich - auch selbst mal aufgesucht haben, einfach um ein Gefühl für die Situation, den Raum, das Land, die Stadt zu bekommen. Das gilt für mich auch für OPs oder die Pathologie etc. Ich verlange jedoch nicht von Autor, wenn so eine Operation nur eine Szene ist, daß er etliche Bücher über Medizin etc. liest - das wäre einfach dem Thema nicht angemessen in meinen Augen, wenn es denn nur eine kurze Sequenz ist.


    Ich denke, der Autor, der über ein bestimmtes Gebiet schreibt, hat dem "normalen Leser" zwangsläufig Wissen voraus, weil er sich ja tiefer auf ein Thema vorbereitet - aber je mehr der Autor in kürzeren Abständen schreibt, umso weniger Zeit kann er sich sicher für lange Recherchen nehmen, es sei denn, er schreibt eh über sein Fachgebiet, in dem er schon beschlagen ist.


    Ich lese jetzt z.B. ein Buch "Mondfeuer", für das die Autorin laut Klappentext 15 Jahre recherchiert hat - natürlich sagt das nichts über den tatsächlichen Arbeitsaufwand aus. Aber bei dem Tempo wird sie natürlich nicht allzu viele Bücher schreiben können :grin (was sehr schade wäre, da das Buch bis jetzt - Seite 220 - hervorragend ist und ein gutes Gefühl für die Zeit vermittelt und die Frau einfach schreiben kann).


    Ich bin der Meinung, daß, wenn jemand wirklich ein Talent zum Schreiben hat, dann kann er mit sehr wenig Wissen einen Roman schreiben, den man genußvoll liest, selbst wenn man nicht allzu viel dazulernt. Aber der umgekehrte Fall macht noch keinen guten Roman. Für mich kommt ein Talent zum Schreiben vor allem anderen, dann erst sollte Wissen etc. dazukommen (was natürlich nicht heißt, daß ich befürworte, wenn Autoren historische Fehler etc. machen, weil sie sich nicht genug informieren).


    :wave

  • Liebe Murmelito und alle anderen,


    du hast Recht: Wissensvermittlung allein macht keinen guten Roman aus. Aber wie unterscheidet sich ein Roman, der lediglich für gute Unterhaltung sorgt, von einer Sendung wie "Holt mich hier raus, ich bin ein Star" oder ähnlichen "Unterhaltungsangeboten" des Privatfernsehens.
    Im Privatfernsehen kann man im Übrigen bei diversen Talkshows auch sehr hübsch das von dir besagte Allgemeinwissen studieren.


    Ich glaube, ich würde meinen Leseausweis und die Visitenkarte meiner Lieblingsbuchhandlung sofort in einem tiefen, dunklen See versenken, wenn ich feststellen müsste, dass es nur noch Bücher von Autoren mit Talent und wenig Wissen gibt.
    Talent, Murmelito, ist leider nicht alles. Um ein Talent auszubauen, braucht man Wissen, Bildung. Ein Autor, der lediglich aufgrund der Kenntnisse des Alphabetes schon ein Buch schreibt, ist nicht besser als ein Star, der aus dem Dschungel geholt werden muss.


    Allein der Umgang mit Sprache erfordert Bildung. Und damit meine ich jetzt nicht nur den richtigen Gebrauch von Dativ, Akkusativ und Genitiv.
    Die Beherrschung des Handwerks ist außerdem unabdingbar. Man braucht viel Übung und einiges an Erfahrung, um einen richtig guten "Nackenbeißer" zu schreiben.
    Hat man dies geschafft, so kann man sich getrost als guten Handwerker des Schreibens verstehen. Will man darüber hinaus Romane schreiben und Leser wirklich gut unterhalten, dann ist die Bildung ein wichtiges Kriterium.
    Iris hat es uns im Tribun vorgemacht: Ohne ihre Bildung auf diesem Gebiet wäre der Tribun ein Buch, dessen Inhalt man vergisst, sobald man es ausgelesen hat. Auch die Bücher des schreibenden Ehepaars Iny und Elmar Lorentz enthalten ein umfangreiches Wissen, das nicht nur aus der Lektüre ein paar weniger Nachschlagewerke stammt.
    Diese Autoren schreiben gute Unterhaltung. Das heißt, sie verstehen es, den Leser aufgrund ihrer Bildung, ihres Wissens über mehrere hundert Seiten in Spannung zu halten. Sie unterhalten mit historischem Background, mit guter Beherrschung der deutschen Sprache und ihres Ausdrucks, dazu verfügen sie wohl überdies über eine Menge psychologischen Wissens, haben umfangreiche Kenntnisse in vielen Bereichen der Kulturgeschichte, der Kunst- und Alltagsgeschichte, selbstverständlich der Historie und der Entwicklung der Menschheitsgeschichte. Wirklich gute Unterhaltung kennzeichnet sich nicht durch ein paar Stunden, in denen man sich das Nachdenken schenken kann, sondern dadurch, dass ein Roman ein paar neue Einblicke, Einsichten, einen neuen Gedanken oder einen Gedanken aus einer anderen Sicht präsentiert oder einfach mit einer anderen Welt bekannt macht.
    Ich habe jedenfalls aus den Büchern von Iris und den Lorentzens eine Menge erfahren, das ich vorher nicht wusste. Ich habe mich überdies beim Lesen wunderbar unterhalten und erinnere mich noch nach Wochen an bestimmte Szenen.

  • Hallo,


    ich habe mit Interesse diesen Thread hier verfolgt und möchte noch ein paar Anmerkungen machen:


    Als Leser von Büchern wie auch gegenüber anderen Menschen an sich ging und geht es mir immer so, daß ich weitaus größeren Respekt und Hochachtung empfinde vor denjenigen, die auch mal sagen können: "Tut mir leid. Das weiß ich nicht. Müßte ich mich selbst erst einmal schlau machen."


    Ein Autor sollte dem Leser auch keinesfalls das Denken abnehmen, finde ich. Eher doch das Gegenteil - also durch irgendwas dazu anregen - selbst ein schlechtes Buch, was man überhaupt nicht mag, bewirkt doch etwas?!


    Zumindest weiß man dann in Zukunft, was man nicht lesen mag... :lache


    Hm...und zum Begriff "Bildung" könnte man wohl noch einen Extra-thread eröffnen, denk ich.
    Er wird so oft gebraucht, daß ich mir mal erlaubt habe, ihn nachzuschlagen:




    Bildung:


    Vorgang und Ergebnis einer geistigen Formung des Menschen, in der er zur vollen Verwirklichung seines Menschseins, seiner ›Humanität‹, gelangen soll. - Alle B.begriffe der europ. Tradition gehen auf die griechisch-röm. Antike zurück. Der Vergleich der ›Formung‹ des Menschen mit der künstler. Formung einer Plastik ist auf Platon zurückzuführen. Der Mensch wird Mensch, wenn er sich selbst zum Abbild dessen gestaltet, was göttlich ist. Die Lehre, daß das wahre Wesen des Menschen (›humanitas‹) sich in der Harmonie seiner Person manifestiert, hat v.)a. die Renaissance und die Klassik beeinflußt: B. und Humanismus sind identisch; in diesem Sinne unterscheidet sich der Begriff der allgemeinen B. von der speziellen Berufsausbildung. - Ein zweiter Ausgangspunkt für die B.tradition war das Wort 1. Mos. 1,)27: ›Und Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde; zum Bilde Gottes schuf er ihn‹. In diesem Sinne hat Paulus die platon. Lehre als ›Angleichung des Menschen an Gott‹ umgedeutet. Die Mystiker (Meister Eckhart, H.)Seuse, J. Arndt, J. Böhme) beschreiben die Wiedergeburt des Menschen als ›Ein-Bildung‹ in das Bild Christi. Herder hat alle diese Traditionen mit seinem Begriff der Humanität in Verbindung gebracht und so das geistige Medium für das ›B.zeitalter‹ des dt. Idealismus geschaffen. - Der dritte Faktor der europ. B.tradition ist die Sophistik, in der sich erstmals der Anspruch menschl. Wissens auf Aufklärung und Autonomie als polit. Macht manifestiert. Das Werkzeug dieser ersten ›Intellektuellen‹ ist die Rhetorik. Die rhetor. Bildungstheorie der Sophisten entwickelt den Kanon der ›freien Künste‹ (Artes liberales). Bei Platon stand im Zentrum die Mathematik, bei den Sophisten eine literarisch-polit. Rhetorik. Daraus ergab sich später die Trennung der Geisteswiss. von Naturwiss. und Technik.


    (c) Meyers Lexikonverlag.


    LG
    Baumbart

  • Zitat

    Original von Baumbart
    Als Leser von Büchern wie auch gegenüber anderen Menschen an sich ging und geht es mir immer so, daß ich weitaus größeren Respekt und Hochachtung empfinde vor denjenigen, die auch mal sagen können: "Tut mir leid. Das weiß ich nicht. Müßte ich mich selbst erst einmal schlau machen."


    Interessierte Frage meinerseits: Das offene Anerkennen eigener Kenntnislücken ist ja schließlich eine ethische Grundhaltung -- Was hat selbige damit zu tun, ob (wie oben gemeint) ein Autor sich vor und beim Verfassen eines Buches mit dem Stoff, den er verwendet, grundsätzlich auseinandergesetzt hat?
    Wenn ein Autor (mich eingeschlossen) in einer Leserunde eine Frage, die die von ihm verfaßte Geschichte betrifft, ohne über das darin Erzählte hinauszugehen, mit einem "'tschuldigung, weiß ich nicht" beantworten müßte, dann wäre das meiner Ansicht nach eine Peinlichkeit sondergleichen: Da hat jemand Seiten vollgefaselt mit Zeug, von dem er keine Ahnung hat -- tz-tz-tz.


    Zitat

    Ein Autor sollte dem Leser auch keinesfalls das Denken abnehmen, finde ich.


    Wer will denn das?
    Es ist doch eher so, daß das x-te Wiederholen derselben Storys, platte, klischeebehaftete Figuren und abgedroschene Vorurteile, wie sie in einem erheblichen Teil belletristischer Veröffentlichung zu Markte getragen werden, zwar niemandem das Denken abnehmen, aber es keinesfalls anregen.

  • Zitat:



    Original von Baumbart
    Als Leser von Büchern wie auch gegenüber anderen Menschen an sich ging und geht es mir immer so, daß ich weitaus größeren Respekt und Hochachtung empfinde vor denjenigen, die auch mal sagen können: "Tut mir leid. Das weiß ich nicht. Müßte ich mich selbst erst einmal schlau machen."


    Liebe Baumbart,


    gerade das Zugeben von Wissenlücken ist meiner Ansicht nach ein Teil von Bildung. Je größer die Bildung, um so größer die Einsicht, dass man im Grunde nichts weiß.
    Menschen aber, denen Bildung nicht so wichtig ist, würden - so glaube ich - anders reagieren. Ganz sicher aber bin ich, dass sie sich mit ihrer Bildungslücke schlichtweg abfinden würden und nicht etwa nach einem Lexikon greifen.

  • Stimmt! Bei Arbeiten - egal welcher Art - sollte man wissen, wovon man redet, sonst kriegt das ganze wirklich so einen oberpeinlichen Ohoveneffekt.


    Nur, wenn man auf einem Gebiet erwischt wird, das man nicht unbedingt kennen muss, oder sollte, finde ich es ok, Unwissenheit zuzugeben. Da bricht sich dann keiner einen Zacken aus der Krone. Im eigenen Metier sollte selbige aber möglichst perfekt sitzen. ;-)

  • Zitat

    Original von Iris


    Interessierte Frage meinerseits: Das offene Anerkennen eigener Kenntnislücken ist ja schließlich eine ethische Grundhaltung


    Mir einfach die subjektiv sympathischere. Signalisiert: "Ich bin ebenfalls bereit, noch dazu zu lernen."...Einen Stillstand würde ich persönlich immer als fatal empfinden...:-)


    Zitat

    Was hat selbige damit zu tun, ob (wie oben gemeint) ein Autor sich vor und beim Verfassen eines Buches mit dem Stoff, den er verwendet, grundsätzlich auseinandergesetzt hat?


    Das sollte der Autor/die Autorin unbedingt. Aber ich kann mir einfach nicht vorstellen, daß ein einzelner Mensch - in welchem Fachgebiet auch immer - omnipotent sein könnte?


    Zitat

    Wenn ein Autor (mich eingeschlossen) in einer Leserunde eine Frage, die die von ihm verfaßte Geschichte betrifft, ohne über das darin Erzählte hinauszugehen, mit einem "'tschuldigung, weiß ich nicht" beantworten müßte, dann wäre das meiner Ansicht nach eine Peinlichkeit sondergleichen: Da hat jemand Seiten vollgefaselt mit Zeug, von dem er keine Ahnung hat -- tz-tz-tz.


    Hm, da weiß ich jetzt ehrlich gesagt nicht, worauf Du hinaus möchtest?


    Zitat

    Ein Autor sollte dem Leser auch keinesfalls das Denken abnehmen, finde ich.


    Zitat

    Wer will denn das?


    Na eben - ICH bestimmt nicht! Bin aber ja auch kein Autor


    Spaß beiseite. Damit meinte ich auch lediglich, daß man als Leser - wie ja auch hoffentlich als Autor - es doch lieber mag, wenn man nicht fertige Lösungen präsentiert bekommt - quasi vor den Kopf geklatscht, nach dem "Vogel-friß-oder-stirb"-Prinzip. Ich persönlich mag solche Bücher eher weniger.


    Zitat

    Es ist doch eher so, daß das x-te Wiederholen derselben Storys, platte, klischeebehaftete Figuren und abgedroschene Vorurteile, wie sie in einem erheblichen Teil belletristischer Veröffentlichung zu Markte getragen werden, zwar niemandem das Denken abnehmen, aber es keinesfalls anregen.


    Hm, Iris - ich glaub, wir meinen schon das Gleiche. Dennoch würde ich mal glatt behaupten, daß jeder auch Klischees ganz individuell und subjektiv empfindet.


    Was für den einen abgedroschen und ständig wiederholt wirkt, ist für einen anderen vielleicht etwas komplett Neues. Oder es braucht sogar einige Zeit, bis man realisiert, daß es so ist.


    Wenn ich da so überlege, fällt mir auch bei mir selbst ein, daß ich manchmal Bücher gelesen habe früher, die ich heute nicht mehr lesen würde.


    Ich denke, das gehört wohl zur eigenen Entwicklung dazu.


    Edit:


    Zitat

    Original von Ines


    Liebe Baumbart,


    gerade das Zugeben von Wissenlücken ist meiner Ansicht nach ein Teil von Bildung. Je größer die Bildung, um so größer die Einsicht, dass man im Grunde nichts weiß.
    Menschen aber, denen Bildung nicht so wichtig ist, würden - so glaube ich - anders reagieren. Ganz sicher aber bin ich, dass sie sich mit ihrer Bildungslücke schlichtweg abfinden würden und nicht etwa nach einem Lexikon greifen.


    Das ist genau DAS, was ich auszudrücken versuchte. Danke @Ines...da merkt man doch die Autorin... :knuddel1




    LG
    Baumbart

  • Zitat

    Original von Baumbart
    Das sollte der Autor/die Autorin unbedingt. Aber ich kann mir einfach nicht vorstellen, daß ein einzelner Mensch - in welchem Fachgebiet auch immer - omnipotent sein könnte?


    Das hat doch niemand behauptet.


    Leider ist das Gegenteil äußerst häufig, und ein "buntes Setting" und "pralles Leben" ersetzen für manche Leser in der Tat die realen Hintergründe, die anderen, die auch nur ein bißchen Ahnung von der Materie haben, die Fußnägel aufrollen (das gilt keineswegs "nur" für die überwältigende Mehrheit der Historicals).


    Zitat

    Spaß beiseite. Damit meinte ich auch lediglich, daß man als Leser - wie ja auch hoffentlich als Autor - es doch lieber mag, wenn man nicht fertige Lösungen präsentiert bekommt - quasi vor den Kopf geklatscht, nach dem "Vogel-friß-oder-stirb"-Prinzip. Ich persönlich mag solche Bücher eher weniger.


    Das hat Ines auch nicht gemeint. Es geht ihr ja darum, das Denken anzuregen. Aber um das zu schaffen, muß man schon ein bisserl was auf der Pfanne haben, damit man nicht bei der ersten Nachfrage mit heruntergelassenen Hosen dasteht wie Thor Kunkel bei Endstufe.


    Zitat

    Wenn ich da so überlege, fällt mir auch bei mir selbst ein, daß ich manchmal Bücher gelesen habe früher, die ich heute nicht mehr lesen würde.
    Ich denke, das gehört wohl zur eigenen Entwicklung dazu.


    Das unterschreibe ich sofort! :write
    Nicht daß hier jemand glaubt, ich hätte keine Peinlichkeiten in den hinteren Regalreihen versteckt ...

  • Zitat

    Original von Iris


    Das hat doch niemand behauptet.


    Schrub ich doch auch nicht?!...


    Zitat

    Leider ist das Gegenteil äußerst häufig, und ein "buntes Setting" und "pralles Leben" ersetzen für manche Leser in der Tat die realen Hintergründe, die anderen, die auch nur ein bißchen Ahnung von der Materie haben, die Fußnägel aufrollen (das gilt keineswegs "nur" für die überwältigende Mehrheit der Historicals).


    Nnnnjjjaaa, da hast Du ja wahrscheinlich auch recht, Iris....nur setzen offenbar manche Menschen andere Prioritäten. Ich denke, man kann zum Beispiel nicht von Menschen, die täglich 12-13 Stunden schwere körperliche Arbeit leisten, erwarten, daß sie sich noch Literatur vornehmen, die viel Nachdenken und Hinterfragen erfordert - viele wollen das dann auch gar nicht.
    Ein zweiter Punkt wäre noch, daß ich es bei Bekannten schon erlebt hab, daß eine gewisse Scheu besteht, etwas Neues auszuprobieren - das Lesen eingeschlossen. Warum? - Frag mich was Leichteres...


    Zitat

    Spaß beiseite. Damit meinte ich auch lediglich, daß man als Leser - wie ja auch hoffentlich als Autor - es doch lieber mag, wenn man nicht fertige Lösungen präsentiert bekommt - quasi vor den Kopf geklatscht, nach dem "Vogel-friß-oder-stirb"-Prinzip. Ich persönlich mag solche Bücher eher weniger.


    Zitat

    Das hat Ines auch nicht gemeint. Es geht ihr ja darum, das Denken anzuregen. Aber um das zu schaffen, muß man schon ein bisserl was auf der Pfanne haben, damit man nicht bei der ersten Nachfrage mit heruntergelassenen Hosen dasteht wie Thor Kunkel bei Endstufe.


    Zitat

    Wenn ich da so überlege, fällt mir auch bei mir selbst ein, daß ich manchmal Bücher gelesen habe früher, die ich heute nicht mehr lesen würde.
    Ich denke, das gehört wohl zur eigenen Entwicklung dazu.


    Zitat

    Das unterschreibe ich sofort! :write
    Nicht daß hier jemand glaubt, ich hätte keine Peinlichkeiten in den hinteren Regalreihen versteckt ...


    .... :lache...Erzähl... :lache


    :wave
    Baumbart

  • Zitat

    Original von Baumbart
    Ich denke, man kann zum Beispiel nicht von Menschen, die täglich 12-13 Stunden schwere körperliche Arbeit leisten, erwarten, daß sie sich noch Literatur vornehmen, die viel Nachdenken und Hinterfragen erfordert - viele wollen das dann auch gar nicht.


    Man kann auch zum Denken anregen, ohne die Gehirnwindungen der Leute übermäßig zu strapazieren. Das Paradebeispiel dafür ist Johannes Mario Simmel -- man kann literarisch von dem Mann sagen, was man will - er hatte die Finger immer am Puls der Zeit, und das massentauglich!


    Nebenbei bemerkt habe ich einen Job, eine Familie, bin Autorin und lese obendrein eine ganze Menge! Es geht, wenn man mag und will.


    Zitat

    .... :lache...Erzähl... :lache


    Dafür mußt du schon vorbeikommen. :lache

  • Auch ich bin zu faul alle Beiträge komplett zu lesen (hab sie aber zumindest überflogen)


    Meine Meinung:


    Ein Autor sollte wissen wovon er redet, sollte sich weiterbilden können (denn genau das ist doch das Recherchieren, oder?) und vor allem schreiben können. Ganz wichtig neben der Allgemeinbildung ist allerdings auch eine gewisse Menschenkenntnis würde ich sagen.
    Mal auf das Buch bezogen, daß ich zur Zeit lese (regenroman) also entweder hat die Autorin die Protagonisten bewußt bescheuert dargestellt oder aber sie hat eine Menschenkenntnis wie ein Kleinkind. Das ärgert mich beim Lesen.
    Schrecklich finde ich auch, wenn ganz normale allgemein bekannte Dinge falsch geschrieben werden. (In irgendeinem Buch hat doch glatt wer die Zündkerzen bei einem Dieselmotor gewechselt.. Frage welcher Dieselmoter benötgt Zündkerzen???) Die Bildung des Autors sollte sich also nicht nur auf die höheren Sphären beziehen, sondern auch ganz normale allgemeine Dinge einbeziehen.


    Bei manchen Autoren (UMBERTO ECO) hat man auch das Gefühl, daß er unbedingt mit seinem umfassenden Wissen prahlen will, bzw. ein Buch so mit Wissen vollstopft, daß es keine Freude mehr macht es zu lesen.

  • Zitat

    Original von Babyjane
    Bei manchen Autoren (UMBERTO ECO) hat man auch das Gefühl, daß er unbedingt mit seinem umfassenden Wissen prahlen will, bzw. ein Buch so mit Wissen vollstopft, daß es keine Freude mehr macht es zu lesen.


    Da geht 's mir aber anders ...


    Kein Autor kann sein Buch auf jeden nur möglichen Leser ausrichten (wie heißt es so schön im Marketing: "Jedermann ist keine Zielgruppe!"), und so wie sich mir z.B. ich bei Nora Roberts, Pauline Gedge und Diana Gabaldon die Fußnägel aufrollen, kannst du Eco nicht genießen.
    Menschen sind verschieden, also sollte man nichts verabsolutieren.


    Die Motten kriege ich allerdings, wenn Leser bewußt hinters Licht geführt werden, um sie zum Kauf zu bewegen, wenn verlagsseitig mit "Wahrheit" und "wahren Geschichten" gelockt wird und der Autor seine Autorität obenauf in die Waagschale wirft.

  • Iris:
    ich glaub du hast mich mißverstanden...
    ich habe Den Namen der Rose gerne gelesen, aber bei Baudolino hatte ich ständig das Gefühl, die Geschichte macht keinen Sinn und er schreibt gewisse Dinge nur, um sein Wissen über diese Dinge kundzutun. Es wirkte so konstruiert und irgendwie schrecklich belehrend.
    (allerdings hab ich das Gefühl auch bei manchen Thrillern, da werden diverse Techniken oder Gencodes oder sonst was beschrieben, obwohl es für die Story zweitrangig ist. In diesen Fällen hab ich das Gefühl, da will sich wer unbedingt profilieren.)


    Ich hab nichts dagegen, wenn viele Tatsachen, oder geballtes Wissen in einem Buch stecken (im Gegenteil, find ich klasse), aber wenn es nicht zur Story paßt, dann empfinde ich es als störend und deplaziert.

  • Zitat

    Original von Babyjane
    ich glaub du hast mich mißverstanden...
    ich habe Den Namen der Rose gerne gelesen, aber bei Baudolino hatte ich ständig das Gefühl, die Geschichte macht keinen Sinn und er schreibt gewisse Dinge nur, um sein Wissen über diese Dinge kundzutun. Es wirkte so konstruiert und irgendwie schrecklich belehrend.


    Okay, dann hat seine Vermittlung beim Baudolino bei dir nicht gezogen -- jetzt würde mich direkt interessieren, wie dir Die Insel des vorigen Tages gefällt ... Das ist nämlich mein Lieblings-Eco: ein selten schräges Buch!


    Fühle mich gerade daran erinnert, daß ich zum 6. und 7. Tag bei der Name der Rose-Leserunde noch nix geschrieben hab ...

  • das hab ich nicht mehr gelesen, hab noch das Focaultsche Pendel hier liegen und kann mich einfach nicht aufraffen.... *neugierig* worum gehts denn da?