Klappentext:
"Für Giacometti gibt es ein festes Ziel: Wie kann man aus Stein einen Menschen machen, ohne ihn zu versteinern." (Jean Paul Sartre)
Alberto Giacometti (1901-1966) zählt zu den überragenden Künstlerpersönlichkeiten dieses Jahrhunderts. Von Picasso bis Bacon, von Matisse bis Sartre: alle grossen Zeitgenossen haben diesem Plastiker und Maler Tribut gezollt. Die moderne Kunstgeschichte hat ihm einmaligen Rang bestätigt, siene Plastiken und Bilder befinden sich in grossen Sammlungen und berühmten Museen rund um den Globus.
James Lord hat einen grossen Teil von Giacomettis Lebens- und Schaffensweg begleitet. Er sammelt dabei Erfahrungen, Fakten, Dokumente und "Menschen aus dem Umkreis", die es ihm ermöglichen, so nahe wie möglich an den Mann und Künstler heranzukommen. Unter diesen einmaligen Voraussetzungen konnte eine Biografie entstehen, über die die "Weltwoche" schrieb: "Lords Arbeit ist zu einem wahrhaft monumentalen Werk gediehen, das die bewegende Lebensgeschichte eines ausserordentlichen Menschen....umfassend nachzeichnet, seine wundersam faszinierende Persönlichkeit erleuchtet und uns dem Geheimnis seiner Grösse als Mensch und Künstler näherbringt".
Kurzbeschreibung
Während vieler Jahre hat James Lord den Lebens- und Schaffensdrang Giacomettis begleitet. Dabei sammelte er Fakten, Dokumente, Erfahrungen und lernte die Menschen im Umfeld Giacomettis kennen. Dank dieses Zugangs gelang es ihm, dem Künstler und Menschen Giacometti so nahe zu kommen, wie sonst kaum jemand.
Über den Autor
James Lord, 1922 in den USA geboren, landete 1944 mit der US Army in Paris, wo er sich nach dem Krieg niederließ. Der Kunstliebhaber freundete sich mit den Größen der Kunstwelt an und saß ihnen Modell. 1952 lernte er Giacometti kennen, mit dem er bis zu dessen Tod verbunden blieb. Lord gilt als der beste Kenner der Person und des Werks von Giacometti.
Eigene Meinung:
Biografien von Malern, Bildhauern etc. habe ich in den letzten Jahren etwas gemieden, weil sie für meine Begriffe in vielen Fällen zu fachsimpeleienlastig sind, grad so, als ob der Autor dem Leser beweisen möchte, wie viel er doch von Kunst verstünde.
Diese Giacometti-Biografie habe ich eigentlich nur aus dem Grunde gekauft, weil wir vor vielen Jahren mal einige Urlaubstage im Bergell (Val Bregaglia) verbracht haben, jenem Tal im italienischsprechenden Teil des Kantons Graubünden, in welchem Giacometti seine Kindheit und Jugend verbrachte, und das ihn so sehr geprägt hat, menschlich und künstlerisch.
Ein faszinierendes Tal, wo die Licht- und Schattenspiele sich von Stunde zu Stunde ändern können, die hohen Berge, die schroffen Felsen sich immer wieder in neuen Farben präsentieren, und wo in den Wintermonaten über lange Zeit die Sonne den Talboden nicht mehr erreichen kann.
Wir besuchten in Stampa auch das kleine aber feine Museum, wo Werke der gesamten Künsterfamlilie Giacometti ausgestellt sind. Hier ein paar Eindrücke von diesem Dorf, dieser Gegend.
Dieses umfangreiche Werk von James Lord ist eine der ausgewogensten Künstlerbiografien die ich je gelesen habe, sie ist genauso aufgebaut, wie es der Titel sagt: ALBERTO GIACOMETTI. DER MENSCH UND SEIN LEBENSWERK.
Im Mittelpunkt steht also der Mensch Alberto Giacometti mit all seinen Facetten, die so ganz einfach nicht zu ergründen waren. Und über dessen charismatische, kraftvolle, eigensinnige, auch von vielen Zweifeln geschüttelte Persönlichkeit, nähert sich der Autor dann dem Schaffen, dem Werk des Künstlers.
James Lord begleitete Alberto weit über ein Jahrzehnt lang, beobachtete ihn bei der Arbeit im Atelier, sass ihm auch Modell (über jene Erfahrungen gibt es ein separates schmales Büchlein) führte lange Gespräche mit ihm….lernte seine Familie kennen, seinen Freundeskreis, sie gingen zusammen zum Essen aus und zum Trinken, was bis in alle Nächte dauern konnte. Mit der Zeit entwickelte sich zwischen den beiden Männern eine tiefe Freundschaft, die bis zum Tode Giacomettis anhielt.
Ein wirklich monumentales, umfassendes biografisches Werk ist durch diese lange, intensive Freundschaft entstanden….aber der Umfang des Buches soll nicht abschrecken, denn es ist durchgängig spannend, locker zu lesen, und wie gesagt, James Lord bringt das Kunststück fertig, uns ohne weitschweifende Fachsimpeleien auch das Werk Giacomettis und dessen Bedeutung nahe zu bringen.
Und was er auch nicht tut, er driftet nicht ab in freundschaftlich-verblendete Lobhudelein…. nein, er setzt sich durchaus auch kritisch, doch mit gebührendem Respekt, mit den „dunkleren Seiten“ von Giacomettis Persönlichkeit auseinander.
Ich habe eine gebundene Ausgabe aus dem Jahre 1987 gelesen, mit einigen Bildtafeln: Fotos aus dem Privatleben und von einigen Werken.
Vor paar Monaten ist eine Neuauflage in Taschenbuchformat herausgekommen. Unbedingt zugreifen, kann ich da nur anraten!