Steinbach sprechende Bücher, 2009
Ausgewählte Geschichten mit Musik. Gelesen vom Autor
172 Minuten
Kurzbeschreibung:
Rafik Schami auf den Spuren seiner Kindheit
Rafik Schami spaziert mit seinen erwachsenen und jugendlichen Zuhörern durch Damaskus, seine Heimatstadt, und erzählt Geschichten aus seiner Kindheit. Dabei zeichnet sich Biographisches ebenso ab wie die Veränderung einer früheren Weltstadt, der Wandel der Sitten und Bräuche und die ewige Gültigkeit menschlicher Weisheit. Musik begleitet das Eintauchen in die arabische Kultur und gibt Raum zum Nachdenken.
"Schon als Kind habe ich gesehen: Wenn du Geschichten erzählst, schenken dir die Leute Zeit. Aber mit diesem Geschenk muss man vorsichtig umgehen. Diese Zeit ist eine wertvolle Sache, die man nie mehr ersetzen kann. Du darfst den Leuten nicht ihre Zeit rauben, um ihnen Langeweile zu geben. Das ist das erste Prinzip: Wenn die Leute dir Zeit schenken, dann gib ihnen etwas zurück! Was könnte das sein? Ein Juwel, eine Weisheit, eine spannende Geschichte, ein Lachen." Rafik Schami
Über den Autor:
Rafik Schami wurde 1946 in Damaskus geboren. 1971 kam er nach Deutschland, studierte Chemie und legte 1979 seine Promotion ab. Heute lebt er in Marnheim (Pfalz). Er zählt zu den bedeutendsten Autoren deutscher Sprache. Sein Werk erschien in 24 Sprachen übersetzt. Seit 2002 ist Rafik Schami Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.
Meine Meinung:
Rafik Schami liest die teilweise autobiographisch angelegten Texte überwiegend fliessend und übergangslos.
Hauptfigur ist die Stadt Damaskus in Syrien der fünfziger Jahre.
Zwischendurch ist manchmal arabische Musik eingestreut, die dazu beiträgt, Atmosphäre aufzubauen.
Leider stammen die Nummernangaben des Inhaltsverzeichnis nicht mit der Anzahl der Tracktitel überein, das wirkt etwas irritierend, da man keine einzelne Geschichte gezielt auswählen kann.
Insgesamt hätte ich es auch bevorzugt, wenn mehr neues integriert worden wäre.
Es handelt sich um eine Neuausgabe eines früher schon erschienenen Hörbuchs.
Einige der Geschichten sind schon in dem Kurzgeschichtenband „Der Fliegenmelker: Geschichten aus Damaskus“ erschienen. Für die Hörfassung wurden die Geschichten bearbeitet.
Bei anderen Geschichten bleibt unklar, wo sie schon überall erschienen sind.
In dieser Reihenfolge machen sie aber Sinn und sind gut ausgewählt und zusammengestellt.
Ganz neu ist aber anscheinend das nicht gesprochene sondern nur im Booklet abgedruckte Essay "Murmeln meiner Kindheit", das hohe Qualität bietet. Es sind dort auch Fotos integriert.
In diesem autobiographischen Essay verrät Rafik Schami auch, dass sein Vater vor seinen Augen verhaftet wurde, als er 13 Jahre alt war und die Verhaftungswelle des nasser-Regime für Angst unter den Einwohnern sorgte.
Bei Rafik Schami finde ich es immer erstaunlich, wie positiv und liebevoll er über Damaskus schreibt. Dabei werden Spitzeleien und Verhaftungen durchaus nebenbei erwähnt und das verändert die Stimmung in der Stadt. Angst vor Bespitzelung führt zur Zurückhaltung in der freien Meinung.
In der autobiographischen Titelstory verrät Rafik Schami auch, dass sein Vater vor seinen Augen verhaftet wurde, als er 13 Jahre alt war und die Verhaftungswelle des nasser-Regime für Angst unter den Einwohnern sorgte.
Als Anspieltipps empfehle ich den essayistischen Anfang „Wie Damaskus jung blieb“ und die Kurzgeschichte „Ein ehrlicher Handel“ mit dem darin enthaltenen Märchen vom Wind und den Olivenbäumen.
Mit „Murmeln der Kindheit“ klingt das Hörbuch auf CD3 dann mit einem wehmütigen Gefühl aus!