Über die Autorin
Vera Hohleiter wurde 1979 in Heilbronn geboren, studierte Literatur-, Politik- und Geschichtswissenschaften in Berlin und Paris, sie schreibt für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften, veröffentlicht Kurzprosa in Literaturzeitschriften und Anthologien. Sie lebt zur Zeit in Seoul und arbeitet für das koreanische Fernsehen und Radio.
Kurzbeschreibung
Warum nicht Korea? Abenteuerlustig wie sie ist, geht Vera Hohleiter nach dem Studium für eine Umweltschutzorganisation nach Korea. Trotz des ständigen Kampfes gegen Schlaflosigkeit, Kakerlaken und die Tücken der koreanischen Sprache gibt es jede Menge zu entdecken: Skurriles, Lustiges, Ärgerliches, Absurdes und schlicht ganz Andersartiges. Das reicht vom Blind Date als Volkssport über Heiraten im Akkord bis zur koreanischen Arbeitsmoral oder dem Zusammenleben mit dem schönen, aber launenhaften Koreaner Sung-Jo.
Meine Rezension
Warum Korea? Die Frage ist schnell beantwortet: Die Autorin zieht es der Liebe wegen nach Korea und dort studiert sie auch die koreanische Sprache. Doch gefällt es ihr in Korea? Die Autorin schreibt viel negatives über ihre neue Heimat.
So sind wir mit ihr Gast auf einer koreanischen Hochzeit und erleben mit, wie Vegetarier nicht überall gerne gesehen werden. Die Jugend scheint von den Eltern ebenso unterjocht zu werden wie Arbeitnehmer von ihren Chefs, viele der negativen Aspekte erscheinen dabei wie Pauschalverurteilungen.
Mein Problem ist dabei sicher auch, dass ich erst vor kurzem das sehr feinsinnige Buch „Die Axt im Chrysanthemenwald“ über Japan gelesen habe. So schneiden hier die Koreaner im direkten Vergleich schlechter ab, sie erscheinen als grobschlächtige Rüpel, die kein Verständnis für die Sitten, Gebräuche und Eßgewohnheiten anderer Kulturen haben, selbst aber z.B. bei Tisch Schmatzen und Rülpsen.
Andererseits kann und darf man natürlich zwei so grundverschiedene Bücher nicht vergleichen – das eine ist eher eine Art Knigge für ein fernes Land, unterhaltsam gestaltet durch eine fiktive Geschäftsreise als Aufhänger, das andere ist das sehr subjektive wahre Bild einer Frau, die als Studentin in ein fernes Land geht. Doch leider kann ich mich dem Vergleich eben nicht völlig entziehen.
Das Land Korea erscheint in diesem Buch unsympathisch, die Autorin lässt es durch ihre Erlebnisse so erscheinen und ich bin mir sicher, das hat das Land und das haben auch die Leute dort so nicht verdient.
Warum Korea? Warum lebt sie nach über zwei Jahren immer noch dort? Diese Frage stellt sich der Leser und gegen Ende des Buches geht die Autorin selbst auf diese Frage ein. Sie räumt selbst ein, dass sie eigentlich ein negativeres Bild entstehen lässt, als sie selbst empfindet, findet dies aber nicht widersprüchlich, denn „wenn man im Ausland lebt, muß man Land und Leute nicht zwangsläufig lieben“. Muß man nicht. Ich wollte das allerdings schon, sonst wird das neue Land niemals meine neue Heimat werden.
Ein Buch, das man lesen kann – aber nicht muß.
Für alle, die es interessiert, geht es hier lang zum Blog der Autorin.