Sam Waagenaar:
Sie nannte sich Mata Hari - bild eines lebens, dokument einer zeit
isbn: 3404610717
klappentext: nicht (mehr?) vorhanden
autor: war europäischer pressechef von MGM, jener US-filmgesellschaft, welche anfang der 30er jahre des vergangenen jahrhunderts mit den vorarbeiten zu einem filmprojekt mit greta garbo begann, die in diesem mata hari darstellen sollte. als gebürtiger holländer interessierte er sich für das schicksal seiner landsmännin, die in den augen der menschheit eine verräterin war und nach fertigstellung des films überdies wie die garbo ausgesehen hat. es gelang ihm, in den 30er jahren mit dem betagten ehemaligen dienstmädchen mata haris zu sprechen, mit der dritten ehefrau ihres früheren ehemannes, einem ihrer ärzte, einem ihrer brüder und zwei schulfreundinnen sowie anderen menschen, die sie noch persönlich gekannt haben. das dienstmädchen überließ ihm zwei tagebücher mata haris. außerdem durfte er die bis dahin verschlossen gehaltenen prozeßakten einsehen. nach dem zweiten weltkrieg zog er im vorliegenden buch eine bilanz seiner gewonnenen erkenntnisse.
meine meinung:
das buch schildert zunächst die kindheit und jugend der als margaretha geertruida zelle am 7. 8. 1876 in leeuwarden geborenen mata hari. anschließend ihre kurze lebensgemeinschaft mit rudolph macleod (es gibt verschiedene schreibweisen des zunamens), mit dem sie zwei kinder, einen jungen und ein mädchen, bekam. kurzzeitig lebt die familie in ostindien, in den damaligen holländischen kolonien. der junge stirbt früh, man trennt sich, die tochter verbleibt beim vater. mata hari, was "das auge des tages/die sonne" bedeutet, gelangt nach paris, tritt erst privat und dann öffentlich auf und bezaubert alle durch ihren tanz. sie verfügt über eine stark ausgeprägte phantasie und nimmt es mit der wahrheit, die sich in der erinnerung später immer mehr mit fiktion mischt, nicht allzu genau, sodass bald die tollsten gerüchte über sie in umlauf sind. angeblich ist sie in java als tochter eines herrscherhauses geboren und durfte aufgrund ihrer einzigartigen persönlichkeit die strengen priesterbestimmungen umgehen und eigentlich geheime tempeltänze studieren... sie hat einen hang zu militäruniformen und reichen herren, wenn beides in einer person vereint ist, umso besser: zahlreiche geliebte kommen für ihren unterhalt auf und machen ihr kostbare geschenke, was sie sehr schätzt, wenn es denn mit den engagements mal nicht ganz so glatt geht. obwohl es eine die wahrheit ausdehnende und überaus gesprächige "böckin/ziege zum gärtner" macht, fordert man sie von französischer seite auf, sich als spionin zu betätigen - immerhin hat der erste weltkrieg mittlerweile begonnen.
und nun kommt alles ganz anders als im film, denn hier spielen intrigen, neid, feigheit, rache, karrieregeilheit und ähnliche nette eigenschaften, gepaart mit ignoranz und dummheit ihre eigene rolle, eine rolle, die für mata hari zwar auch tödlich endet, aber eben anders als im film als der spionage zugunsten deutschlands unschuldige. auch die letzte große liebe ihres lebens verläuft hier etwas anders, aber ich will nicht alles verraten.
interessant zu lesen, wenn auch die prozessgeschichten ein wenig zum querlesen verführt haben. einige bilder vervollständigen den positiven gesamteindruck, der mich 7 von 10 punkten vergeben lässt.