Titel: Rote Staatsanwältin. Wie ich der Herrschaft des Roten Drachen entkam
Originaltitel: Röd aklagare
Übersetzt von Anna Gustafson aus dem chinesischen Originalmanuskript ins Schwedische
Übersetzt vom Schwedischen ins Deutsche: Jürgen VaterAutorin: Xiao Rundcrantz
Verlag: Herder
Erschienen: Juni 2009
Seitenzahl: 352
ISBN-10: 3451060930
ISBN-13: 978-3451060939
Preis: 9.95 EUR
Xiao Rundcrantz berichtet über ihre Zeit als Staatsanwältin im kommunistischen China. Schon mit 19 Jahren, gleich nach ihrem Schulabschluss, wird sie Teil der Staatsmacht. Täglich muss sie nun erleben wie gegen Gesetz und jede Menschlichkeit entschieden und drangsaliert wird. Mit Rechtsstaatlichkeit hat das Handeln der chinesischen Obrigkeit absolut nichts zu tun.
Wenn auch nur die Hälfte dessen stimmt, was die Autorin dieses Buches aufgeschrieben hat, so bleibt immer noch genug übrig um von einem menschenverachtenden Regime zu sprechen. Auch die Justiz in der Volksrepublik China wird von „der Partei“ als höchste Instanz beherrscht. Die Menschen dieses Landes sind im Grunde genommen rechtlos. Rechtsbeugung ist an der Tagesordnung. Wer innerhalb des Justizapparates nicht mitzieht, nicht mit den Wölfen heult, sich nicht selbst der unmenschlichen Praktiken bedient, ist ganz schnell auf der „anderen“ Seite. Es gilt also auch hier gegen das eigene Gewissen zu handeln um sich nicht selbst in einem der vielen Gefängnisse und Umerziehungslager wiederzufinden.
Ein durchaus interessantes Buch. Wohl kaum sind die Praktiken des chinesischen „Rechtssystem“ schon einmal zu anschaulich geschildert worden.
Trotzdem bleibt ein leichter Beigeschmack.
Die Autorin sieht sich zwar als Rädchen im großen Getriebe der chinesischen Justizmaschinerie, kann aber während des gesamten Buches ihre zum Teil sehr selbstgerechte Einschätzung und Sichtweise des eigenen Handelns nicht ablegen. Niemand hat sie gezwungen Staatsanwältin zu werden. Als in China Staatsanwälte gesucht wurden, hat sie nicht gezögert sich zu bewerben. Die Rechtfertigungen ihres Handels klingen manchmal dann doch ein wenig dünn.
Und zudem ist es sehr erstaunlich, dass sie nach ihrem Weggang (das Wort „Flucht“ scheint in diesem Zusammenhang etwas hochgegriffen) aus China nie selbst vor ein Gericht gestellt wurde. Ggf. hätte sie sich für Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantworten müssen. Es kann wohl kaum angehen, dass man durch eine Flucht von persönlicher Schuld freigesprochen wird. Xiao Rundcrantz hat wissentlich und vorsätzlich während ihrer Zeit in der chinesischen Justiz das Recht gebeugt und erheblich dazu beigetragen, dass Menschen für Lächerlichkeiten zu sehr hohen Strafen verurteilt wurden. Vielleicht wäre hier weniger Selbstgerechtigkeit einfach mehr gewesen. Die Autorin lebt jetzt in Schweden.
Trotzdem ein sehr interessantes Buch, zum Lesen empfohlen.