Herbert Kraft - Musil

  • Titel: Musil
    Autor: Herbert Kraft
    Verlag: Paul Zsolnay Verlag Wien
    Erschienen: August 2003
    Seitenzahl: 356
    ISBN-10: 3552052801
    ISBN-13: 978-3552052802
    Preis: 23.50 EUR


    Leider wird Robert Musil sehr oft nur auf sein Hauptwerk „Der Mann ohne Eigenschaften“ reduziert. Eine solche Reduzierung wird diesem Schriftsteller nicht gerecht. Robert Musil war weitaus mehr, ein vielseitiger Schriftsteller der weitaus mehr geschrieben hat als eben "nur" diesen „Mann ohne Eigenschaften“.


    Der Autor Herbert Kraft wurde 1938 in Walsum am Niederrhein geboren. Seit 1972 ist er Professor für Neuere deutsche Literaturgeschichte in Münster.


    Kraft macht deutlich, dass Musil eben vielmehr gewesen ist als nur der Autor des „Mannes ohne Eigenschaften“. In seinen immer wieder eingeschobenen Interpretationen von Musil-Texten bildet sich nach und nach ein umfassendes Bild dieses österreichischen Autors heraus. Man verstehe gerade auch durch dieses Eingehen auf Musils Texte wer oder was Musil gewesen ist. Er war ohne Frage ein Einzelgänger mit erheblichen Defiziten im zwischenmenschlichen Bereich. Es fiel ihm schwer erfolgreiche Autoren neben sich zu dulden. Immer und überall strebt er nach Höherem und sehr oft schaffte er nicht einmal den halben Weg zum Gipfel. Zeit seines Lebens hat Musil nie klar Stellung genommen, alles wurde abgetastet auf den Nutzen für ihn selbst.


    Herbert Kraft hat eine sehr lesbare literarische Biographie geschrieben durch die man sicher den einen oder anderen Musil-Text besser versteht oder ihm nahe gebracht wird. Das Leben eines Autors, auch betrachtet durch seine Texte und deren Interpretationen, angereichert mit biographischen Zeugnissen. Sehr gut gelungen. Das rätselhafte Leben dieses Schriftsteller erscheint nach der Lektüre dieses Buches ein kleines bisschen weniger rätselhaft.

    Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst. (Evelyn Beatrice Hall)


    Allenfalls bin ich höflich - freundlich bin ich nicht.


    Eigentlich mag ich gar keine Menschen.

  • Hallo Voltaire,


    Zitat

    Original von Voltaire
    Leider wird Robert Musil sehr oft nur auf sein Hauptwerk „Der Mann ohne Eigenschaften“ reduziert. Eine solche Reduzierung wird diesem Schriftsteller nicht gerecht. Robert Musil war weitaus mehr, ein vielseitiger Schriftsteller der weitaus mehr geschrieben hat als eben "nur" diesen „Mann ohne Eigenschaften“.


    Wahrscheinlich braucht Herr Kraft irgendeine Hinguckerthese, diese hier wirkt aber ein bisschen lächerlich, und zwar gleich aus mehreren Gründen.
    Es genügt ein Blick auf Musils Werkausgabe, um zu sehen, dass über die Hälfte davon aus dem "Mann ohne Eigenschaften" besteht. Der Roman ist sein Hauptwerk und nimmt in jeder Hinsicht breiten Raum ein.
    Das allein wäre natürlich noch kein hinreichender Grund, Musil auf den MoE zu "reduzieren", doch ich frage mich, wer das tut und in welcher Hinsicht? Das vergleichsweise Wenige, was Musil sonst noch geschrieben hat, ist zu einem Teil einer breiten Bevölkerung wohl viel vertrauter als der MoE. Ich spreche natürlich von den "Verwirrungen des Zöglings Törleß" einer kanonisierten Schullektüre.
    Einer wissenschaftlichen Öffentlichkeit ist Musil seit langem wegen seiner unglaublich scharfsinnigen Kurzprosa bekannt, das schließt sowohl seine feuilletonistischen Betrachtungen, Kritiken und Zeitgeistanalysen als auch seine Erzählungen ein ("Drei Frauen" gehört zum Besten, was ich von Musil gelesen habe).
    Das Einzige, was an Musils Schaffen manchmal vergessen wird, sind seine Dramen (zwei an der Zahl). Da ich sie beide noch nicht kenne, kann ich zu denen aber auch nichts sagen.


    Zitat

    Original von Voltaire
    Das rätselhafte Leben dieses Schriftsteller erscheint nach der Lektüre dieses Buches ein kleines bisschen weniger rätselhaft.


    Mir war bisher gar nicht bekannt, dass Musils Leben besonders rätselhaft war. Vergessen im Exil zu sterben aufgrund ausgiebiger Nazihetze, das ist tragisch, ja. Aber rätselhaft? Wie begründet Herr Kraft denn diese Einschätzung?


    Herzlich, Bartlebooth.


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