Ich wusste jetzt wirklich nicht, ob das Buch eher zu Krimi gehört oder hierher. Habe mich mal für Belletristik entschieden.
DuMont Buchverlag, 2008, gebundene Ausgabe, 285 Seiten
Kurzbeschreibung (lt. Amazon):
Ein Mann verschwindet. Eine Liebesgeschichte wird zum Krimi.
Robert ist 39, sieht aus wie George Clooney und arbeitet beim Mord¬dezernat. Seine Frau hat er bei einer Verkehrskontrolle kennengelernt, aber die hat ihn gerade verlassen. Da kommt zu ihm aufs Kommissariat eine Frau, an der alles seltsam ist, nicht nur der Kragen ihres Mantels, der ihr wie ein Rhabarberblatt über die Schultern fällt. Marga Burg will eine Vermisstenanzeige aufgeben. Sie war mit ihrem Freund Mathias auf der Kirmes, er stieg allein in die Geisterbahn und kam nicht mehr heraus: »Er war einfach verschwunden, wie eine Faust verschwindet, wenn man die Hand öffnet.« Robert macht sich zusammen mit seiner forschen Kollegin Nico auf die Suche. Doch überall begegnet er Marga, die umso undurchschaubarer wird, je näher er ihr kommt.
Judith Kuckart hat einen bezwingenden Roman geschrieben: Leichthändig und raffiniert entwirft sie eine Liebesgeschichte als Krimi, der seine Leser in den Bann schlägt. Dabei ist Die Verdächtige so große Literatur, dass jeder einzelne Satz Vergnügen bereitet.
Über den Autor (lt. Amazon):
Judith Kuckart, geboren 1959 in Schwelm (Westfalen), lebt nach dem Studium der Literatur- und Theaterwissenschaften und einer Tanzausbildung als Autorin, Dramatikerin und Regisseurin in Zürich und Berlin.
Neben einigen Theaterstücken erschienen von ihr mehrere Romane. Judith Kuckart wurde u. a. mit dem Rauriser Literaturpreis und dem Stipendium der Villa Massimo in Rom ausgezeichnet.
Meine Meinung:
Robert Mandt ist Kommissar beim Morddezernat. Als eines Tages Marga Burg aufs Kommissariat kommt um ihren Freund Mathias Böhm als vermisst zu melden, beginnt Robert mit seiner Kollegin Nico Schreiner informell zu ermitteln.
Robert nimmt die Spur von Mathias und Marga an einer Geisterbahn auf. Dort trifft er auch wieder auf Marga, die dort als „kalte Hand“ arbeitet.
Ungereimte Zufälle häufen sich. Roberts geschiedene Frau Isa wohnt in derselben Straße wie der vermisste Mathias Böhm, Margas Kollegin Ela zieht gegenüber von Robert ein. Der geistig zurückgebliebene Bruder Margas wird mit einer schweren Gehirnblutung in der Wohnung von Mathias Böhm gefunden. Marga taucht mit einer Pistole in einer Plastiktüte vor der Wohnung von Isa auf.
Und – auf Robert wird geschossen.
So wirr das alles klingen mag, hat die Geschichte doch Hand und Fuß.
Wohin Robert sich auf wendet, taucht Marga auf.
Robert fühlt sich magisch zu ihr hingezogen, er verliebt sich in diese merkwürdige, junge Frau, gegen die er gleichzeitig auch ermitteln muss.
Die Kriminalhandlung steht jedoch nur vordergründig im Mittelpunkt.
Entscheidender ist das, was sich in Robert abspielt. Er reflektiert sein bisheriges Leben, hinterfragt seine Gefühle. Die Wirklichkeit scheint für ihn verschwommen. Die Frage nach einem Neuanfang stellt sich für ihn.
Judith Kuckart erzählt in poetischer Sprache eine melancholische und liebevolle Geschichte, wobei sie tiefgründige Psychogramme ihrer Protagonisten entwirft.