'Die Kalligraphin' - Seiten 001 - 108

  • Ich frag mich nur, warum sich Georg so schnell auf den Verkauf von Habar eingelassen hat. Ein Blick seiner Frau hat ja offenbar genügt, um dem Verkauf zuzustimmen. Mir ist klar, dass er Geld braucht und dass Beutetürken ja offenbar so wertvoll waren wie Zucker (eigentlich ein schrecklicher Vergleich). Mir hat er zu schnell in den Verkauf eingewilligt und das fand ich merkwürdig.


    Rupert halte ich auch für ein einsames und gekränktes Kind. Die Folgen seiner Brandstiftung und den schaden, den er sich selber damit zufügt, kann er in seiner Naivität einfach noch nicht absehen. Ich bin gespannt, wie er sich entwickelt. Ich vermute nicht, dass er die "Kurve" zum Guten bekommt sondern sein Hass auf alles Fremde auch weiterhin bestehen bleibt.


    Bislang hat ja noch niemand Anstalten gemacht, Habar und Ibrahim "dem richtigen Glauben" zuzuführen. Das wundert mich eigentlich. Ich hätte vermutet, dass man das ganz schnell versuchen würde. Auch dass man ihnen die mangelnden Sprachkenntnisse durchgehen lässt, erstaunt mich.

  • Zitat

    Original von Solas
    Hm, die Glasmaler bestimmt ... Die Eroberung von Buda / Ofen von 1686 wurde übrigens sogar von Zeitgenossen als besonders grausam beschrieben. Auf meiner Homepage habe ich Bilder von dem Teppich, der nach Charles Herbels Bildvorlage von der Eroberung hergestellt wurde. Ich würde mir so etwas ja nicht ins Wohnzimmer hängen.


    Ich hab mir gerade den Auszug aus dem Teppich angeschaut, den Du auf Deiner Website hast. Die Szene mit der Frau und dem Säugling, die Du im Roman geschildert und die Du anschließend auf dem Teppich entdeckt hast :wow


    Da bekommt man schon ein bisschen Gänsehaut...

  • Bislang gefällt mir das Buch recht gut und ich hatte auch keine Schwierigkeiten hineinzukommen.


    Habar und Ibrahim haben viel Leid durchzustehen gehabt. Für Heranwachsende ohne Eltern ist es eh schon schwer aber dann noch in einem Land, wo sie der fremden Sprache auch nicht mächtig sind.....

  • Zitat

    Original von Larna
    Am meisten zum Nachdenken hat mir Rupert von Hartleben gebracht. Dass er die Türken hasst, kann ich irgendwie nachvollziehen, nachdem er Mutter und Schwester bei dem Angriff auf Wien verloren hat. Ganz nachvollziehen konnte ich aber nicht, dass er nun auch plötzlich noch seinen Onkel hasst und dessen Werk sabotiert, nur damit ihm nicht das gelingt, was seinem Vater nicht gelungen ist. Zu dem Zeitpunkt hat Georg ja nur das Erbe für seinen Neffen verwaltet. Ich habe mich gefragt, was solche starken Gefühle in einem Zwölfjährigen ausgelöst haben kann. Nur der Tod seines Vaters?


    Lieben Gruß
    Larna


    In meinen Augen ist er eifersüchtig auf Karl. Rupert würde gerne wieder einen Vater haben. Aus diesem Grunde neidet er jedem den guten Blick oder das gute Wort, welches der Onkel an andere richtet.

  • Zitat

    Original von spike
    Der erste teil ist geschafft. Fängt ja schon sehr spannend an.


    Theodora ist mir ganz und gar unsympathisch. Wer bitte verbrennt sein Kind im Kamin?
    :lesend


    Aus der Not heraus wäre wohl noch viel mehr möglich gewesen. Ich weiß sowieso nicht, wie sie ein lebendes vollausgetragenes Kind den Leuten erklärt hätte.

  • Hallo Solas,


    vielen lieben Dank für Deine ausführlichen Antworten und dass Du diese Leserunde begleitest :knuddel1


    Zitat

    Original von Solas
    Für mich ist Rupert nicht böse. Er ist ein ziemlich einsames, unglückliches Kind, das seine Grenzen nicht kennt und sich ziemlich verrannt hat.


    Sorry, aber das sehe ich anders. Ich bin ein absoluter Tierliebhaber und ein 12 jähriges Kind, dass den eigenen Pferdestall anzündet und dabei auch noch zuschauen kann, wie sein Lieblingspferd (von seinem Vater gekauft) dabei verbrennt, finde ich irgendwie grenzwertig.
    Ich kann einfach nicht lesen, wenn Tiere in Romane gequält werden .... :-(


    Zitat

    Original von Bouquineur
    Ich hab mir gerade den Auszug aus dem Teppich angeschaut, den Du auf Deiner Website hast. Die Szene mit der Frau und dem Säugling, die Du im Roman geschildert und die Du anschließend auf dem Teppich entdeckt hast Wow Da bekommt man schon ein bisschen Gänsehaut...


    Die schaue ich mir besser nicht an ....


    Und ich habe schon wieder eine Frage an Solas:
    Wo liegt eigentlich dieses Budin/ Buda/Ofen? Da immer auch in diesem Zusammenhang die Stadt Pest erwähnt wird, stellt sich mir die Frage, ob es sich hier um das heutige Budapest handelt???

    to handle yourself, use your head, to handle others, use your heart
    SUB 15
    _______________________________________________________
    :kuh:lesend

  • Zitat

    Original von Bouquineur:
    Ich frag mich nur, warum sich Georg so schnell auf den Verkauf von Habar eingelassen hat. Ein Blick seiner Frau hat ja offenbar genügt, um dem Verkauf zuzustimmen. Mir ist klar, dass er Geld braucht und dass Beutetürken ja offenbar so wertvoll waren wie Zucker (eigentlich ein schrecklicher Vergleich). Mir hat er zu schnell in den Verkauf eingewilligt und das fand ich merkwürdig.


    Georg hatte ja den falschen Vertrag von Hadar ausfertigen lassen. Ich nehme mal an, dass er sie deswegen gerne aus seiner Reichweite haben wollte, bevor sie gut genug Deutsch sprach, um jemandem davon erzählen zu können. Dann wäre er ja aufgeflogen. Also wieder mal reiner Eigennutz.

  • Hm. Ich weiß nicht...
    Ich glaub nicht, dass das der Beweggrund war. Ich sehe ein größeres Risiko darin, sie zu verkaufen als darin, sie zu behalten. Er muss so oder so damit rechnen, das sein Schwindel mit der Urkunde auffliegt. Wenn er Habar aber behalten hätte, hätte er eine größere Kontrolle über sie und über das, was sie sagt, wenn sie Deutsch lernt. So gibt er sie weg und er muss doch eigentlich damit rechnen, dass sie irgendwann mal jemanden davon erzählt, dass sie als Kind "so seltsame Zeichen" hat schreiben müssen.

  • Einen schönen, guten Abend (irgendjemand hat mir Valium in den Tee geschüttet ... :grin),

    Zitat

    Ich frag mich nur, warum sich Georg so schnell auf den Verkauf von Habar eingelassen hat. Ein Blick seiner Frau hat ja offenbar genügt, um dem Verkauf zuzustimmen. Mir ist klar, dass er Geld braucht und dass Beutetürken ja offenbar so wertvoll waren wie Zucker (eigentlich ein schrecklicher Vergleich). Mir hat er zu schnell in den Verkauf eingewilligt und das fand ich merkwürdig.


    Bouquineur
    Eigentlich will er Ibrahim verkaufen, doch Rupert hat Schwarzbachs Blick auf Habar gelenkt. Warum er sie eigentlich lieber behalten würde, kann er kaum sagen, und auch vor seiner Frau möchte er natürlich das Gesicht wahren. Somit hat auch Danai in gewisser Weise Recht: Eigennutz spielt mit hinein. Georg will gut dastehen. Aus einer Lüge folgt die nächste.
    Ihr müsst aber auch bedenken, dass Habar eine Sklavin / Dienerin ist. Ich bin mir nicht sicher, ob man sich viele Gedanken darum macht, dass sie „reden“ könnte. Man hat sein ganzes Leben vor den Dienern gelebt. Außerdem hat er sie vor Knaup „gerettet“. Das ist jetzt meine Meinung, was meint ihr?


    Dass mit dem Zucker habe ich übrigens tatsächlich während der Recherche gelesen, das ist keine Erfindung. Da standen auch so feine Sachen, wie, dass auf der Leipziger Messe Türkenköpfe verkauft wurden. Das fand ich dann allerdings zu gruselig.


    Rupert sehe ich genau wie Du. Ich stimme aber Bonomania zu, dass die Sache mit dem Pferdestall wirklich, wirklich schlimm war.
    Ich mag es übrigens auch nicht, wenn Tiere gequält werden. Das ging früher soweit, dass ich im Schwimmbad ständig damit beschäftigt war, Insekten aus dem Wasser zu fischen ...


    Zitat

    Bislang hat ja noch niemand Anstalten gemacht, Habar und Ibrahim "dem richtigen Glauben" zuzuführen. Das wundert mich eigentlich. Ich hätte vermutet, dass man das ganz schnell versuchen würde. Auch dass man ihnen die mangelnden Sprachkenntnisse durchgehen lässt, erstaunt mich.


    Das wäre Theodoras Aufgabe, die interessiert sich aber nicht für die beiden. Außerdem ist noch nicht zu viel Zeit vergangen. Lernen werden sie zwangsläufig. Getauft wurde meist nach zwei Jahren, manchmal dauerte es länger – in einem Fall sogar 25 Jahre, aber das war wohl eher ungewöhnlich.


    Zitat

    Ich habe mir gerade den Auszug aus dem Teppich angeschaut, den Du auf Deiner Website hast. Die Szene mit der Frau und dem Säugling, die Du im Roman geschildert und die Du anschließend auf dem Teppich entdeckt hast
    Da bekommt man schon ein bisschen Gänsehaut...


    Bouquineur
    Ja, mich hat das total überrascht. Ich kannte nämlich weder Bild noch Teppich, wusste nur, dass es das gibt und dass es die Eroberung darstellt.


    Sabine D.
    Schön, dass Du dabei bist. Roderick Anscombe – Hinterhältig habe ich selbst vor ein paar Monaten gehört.
    Dass Rupert eifersüchtig auf Karl ist, sehe ich auch so und dass er ihm deshalb jeden Blick und jedes gute Wort neidet.

    Zitat

    Aus der Not heraus wäre wohl noch viel mehr möglich gewesen. Ich weiß sowieso nicht, wie sie ein lebendes vollausgetragenes Kind den Leuten erklärt hätte.


    Sabine D.
    Das wäre tatsächlich eine fast unlösbare Situation für sie gewesen. Zu welchen Handlungen Frauen in der Lage sind, die sich in einer Zwangslage befinden, kann man ja auch heute immer wieder lesen.


    bonomania  
    Ja, Buda und Pest sind heute zu Budapest zusammengewachsen. Buda galt im Osmanischen Reich als das (Schutz)schild des Islam und war eine wichtige Stadt. Der Verlust muss ziemlich schmerzhaft gewesen sein.


    Blues_Babe  
    Was Namensschwierigkeiten in historischen Romanen angeht: Ich glaube, da bist Du nicht die Einzige. :lache


    @Schatterinchen
    Ich finde es natürlich schade, wenn Du nicht reinkommst, aber mir geht es auch manchmal so. Mach Dir keine Sorgen. :-)


    Liebe Grüße


    Kirsten

  • Zitat

    Original von Bouquineur


    Ich hab mir gerade den Auszug aus dem Teppich angeschaut, den Du auf Deiner Website hast. Die Szene mit der Frau und dem Säugling, die Du im Roman geschildert und die Du anschließend auf dem Teppich entdeckt hast :wow


    Da bekommt man schon ein bisschen Gänsehaut...


    :write


    Die Frau mit dem Säugling hatte ich auch gerade entdeckt und wollte schon fragen, ob der Teppich als Vorlage diente, habe dann aber gelesen, dass es genau anders herum war.


    Dieses Buch bietet so viele interessante Aspekte, dass ich vermutlich wieder die Hälfe vergesse.


    Besonders die Situation, in der sich Christen und Muslime in diesem Buch befinden, beschäftigt mich, ein brutaler Angriff führt zu einem weiteren, und so zu einem beiderseitigen unermesslichen Hass und Vorurteilen. Das im Roman Geschilderte ist so lange her und doch treten die gleichen Konflikte in der heutigen Zeit fast genauso wieder auf.


    Der Einstieg in das Buch ist so brutal und erschreckend, wie es der Krieg und die oft damit einhergehenden Kriegsverbrechen leider sind, und daher fiel es zunächst schwer, überhaupt weiterzulesen (was jetzt nicht negativ gemeint ist)


    Ein weiterer grausamer Aspekt ist der Sklavenhandel, und die Normalität, mit der dieser stattfand. Auch ich habe zunächst gedacht, dass Georg Habar und Ibrahim nur retten will, doch schnell wird ersichtlich, dass er auch andere Motive hat, gilt es doch als "chic", türkische Sklaven zu haben. Dennoch behandelt er die beiden recht gut. Dass er dann aber Habar einfach weiterverkauft. Ich hoffe, dass es Habar bei ihrem neuen "Herren" nicht schlechter ergehen wird.


    Wie eben schon angedeutet, bin ich, was meine Meinung über Georg angeht, noch recht zwiegespalten.


    Ruperts Hass auf Habar und Ibrahim erschreckend, wenn auch ein Stück weit nachvollziebar. Dennoch hätte ich eine solche Grausamkeit und Berechnung von einem Kind nicht erwartet. Dass er den Pferdestall anzündete und sein Pferd opferte, um es den beiden in die Schuhe zu schieben, war wirklich hart.


    Theorora scheint ein Opfer der Verheiratung zu sein, gezwungen an die Seite eines Mannes, den sie nicht liebt.

  • Ich bin, wie immer, sehr angetan von der Farbigkeit und Lebendigkeit des Buches und vor allem von der Vielschichtigkeit der Menschen darin. Nichts ist einfach, alles ist grau, keiner ist gut, nur wenige sind schlecht.
    Und es ist elegant, irgendwie.


    Schlecht ist vor allem Knaup, der Soldat, der Spieler, der Rohling. Und obwohl er sicher während seiner Dienstzeit zu dem geworden ist, was er ist und viel Leid gesehen und bestimmt auch selbst erlebt hat, ich kann ihn nicht leiden. Zudem ist er ein Mensch mit pädophilen Neigungen, ein Machtmensch auf kleinlichste Art und Weise, ein Arsch.


    Schlecht ist auch Rupert und doch irgendwie auch nicht. Für mich ist er ein kleiner Junge, der viel zu früh erwachsen geworden ist, dem jegliche Bindungen fehlen und der, wie Kirsten so schön schreibt, das Standbild seines Vaters heilig und rein hält, weil er darauf angewiesen ist. Er hat niemanden, ein Fremder (Onkel) ist kein Ersatz für einen Vater. Sein Leben ist hart also ist er hart. Ich kann seine Taten nachvollziehen, irgendwie ist er hilflos und versucht, meiner Meinung nach, diese Hilflosigkeit mit Härte und auch Grausamkeit zu überdecken. Das er dabei nicht glücklich ist, wird gerade an der Pferdeszene deutlich. Er leidet trotz allem. Das "normale" Kind wird man in ihm nicht finden, er hat nichts weiches, verspieltes, weinerliches an sich. Er ist ein kleiner Kämpfer, dem das Leben viel zu früh übel mitgespielt hat. Ausserdem vermute ich, hat er die Affäre seines Vaters mitbekommen, er macht mir nämlich einen aufgeweckten und klugen Eindruck. Und ehrlich, Kinder können grausam sein. Sehr.


    Rupert ist interessant und ich bin gespannt auf seine Fortentwicklung. Karl ist dagegen langweilig und gut. Ihn habe ich längst nicht so im Blick.


    Das führt mich zu Alexander, der seine Frau geliebt hat (kam der versteckte Hinweis erst im nächsten Kapitel?), auch wenn sich Theodora was anderes gewünscht haben mag. Ihn als Mensch einzuschätzen fällt mir schwer, er ist ein Verschwender und Blender, gleichzeitig ein Liebender und vielleicht auch Fürsorglicher. Ich hoffe, im Laufe des Buches mehr über ihn zu erfahren.


    Theorora ist eine Frau, die es mir ebenfalls schwer macht, sie zu mögen. Einerseits voller Liebe, leider zum gesellschaftlich Falschen, andererseits hart gegen ihre Tochter. Über ihr Verhältnis zum Sohn habe ich bisher nichts heraus bekommen. Die Verbrennung des Leichnams wiederum hat mich nicht schockiert, zum einen war es ein Nebensatz (und ihre Trauer ist so gut verborgen, dass mir diese Nebensätze diesbezüglich als das Angemessenste erscheinen), zum anderen wird es im allgemeinen Trubel rund um den Tod des Hausherrn untergegangen sein. Und schließlich und endlich hat niemand ein Kind aus dieser Richtung erwartet und sucht die Asche wohl auch nicht dannach ab. Und man lebt auf dem Land, da riecht es sicher das ein oder andere Mal seltsam. Ob sie sich mit einer Schwangerschaft gesellschaftlich ins Abseits gestellt hätte, war ihr im Moment des Zeugens, des Gefühlsüberschwanges und des tiefen Wünschens bestimmt egal. Sie macht mir einen leicht egoistischen Eindruck. Mal sehen, ob sie irgendwann mein Mitgefühl erregt.


    Wilhelmina dagegen schätze ich uneingeschränkt, neben Karl ist sie eine der wenigen Glücklichen im Buch, vielleicht ist ihre geheime Liebe nicht gänzlich glücklich, aber sie liebt und hat einige schöne Momente, die anderer Ärgerlichkeiten bestimmt aufwiegen.


    Habar und Ibrahim: ich bin gespannt, wie sie sich entwickeln. Bisher sind sie kleine, umhergestossene Gestalten, die sich mit viel Mühe in ein Leben zwängen müssen, dass sie sich nicht ausgesucht haben. Ich bin beeindruckt von der Beharrlichkeit, mit der sie ihrem Glauben treu bleiben, der ihnen sicher Trost schenkt. Ich bin mitleidig, wie sie sich aneinander klammern um die ersten unschönen Ereignisse zu überstehen. Und doch, irgendwie hängt der Riss schon in der Luft. Habar ist diejenige, die ein riesiges Vertrauen in ihren Bruder hegt, dass er als Kind, dass er ist, niemals erfüllen kann. Und doch ist sie auch alleine stark: manchmal tanzt sie während der Arbeit, sie selbst findet einen Freund, sie erinnert sich an schöne Dinge, die sie früher getan hat und baut sich ein Leben darauf auf (Kalligraphie), lernt die Sprache ... Sie selbst zieht sich aus dem Sumpf, in den sie gestossen wurde. Ich bewundere dieses Mädchen.


    Wie immer, liebe Kirsten, Hut ab vor der Charaktervielfalt deiner Personen.

  • Hallo,


    Zitat

    Die Frau mit dem Säugling hatte ich auch gerade entdeckt und wollte schon fragen, ob der Teppich als Vorlage diente, habe dann aber gelesen, dass es genau anders herum war.


    Bookworm
    Das war einer dieser Gänsehaut-Momente, die beim Schreiben immer mal wieder vorgekommen. Meist sind es allerdings harmlosere Sachen: Man denkt sich etwas aus und findet es dann in der Recherche-Literatur bestätigt.


    Zitat

    Das im Roman Geschilderte ist so lange her und doch treten die gleichen Konflikte in der heutigen Zeit fast genauso wieder auf.


    Bookworm
    Dieser Aspekt ist mir beim Schreiben auch immer wieder aufgefallen und hofft habe ich mir gedacht, eigentlich ist es so leicht aufeinander zu zu gehen. Warum tun wir es dann nicht?
    Dass Dir das Weiterlesen schwer gefallen ist, kann ich mir vorstellen. Auch die Zwiegespaltenheit den Personen gegenüber kann ich gut nachvollziehen. Ich finde, sie haben viele durchaus negative Eigenschaften.


    Zitat

    ein Machtmensch auf kleinlichste Art und Weise, ein Arsch.


    Liesbett
    :grin Er ist ein ziemlicher Wurm, oder?


    Zitat

    Karl ist dagegen langweilig und gut. Ihn habe ich längst nicht so im Blick.


    Mein armer Karl. :cry
    Danke für Deine Eindrücke, liebe Liesbett.


    Liebe Grüße


    Kirsten

  • Endlich bin ich mit diesem Abschnitt durch, wie immer sind die Figuren bei dieser Autorin farbig und mehrdimensional angelegt, wir haben das "Personal" des Buches kennengelernt- noch kann ich nicht alle einschätzen. Die Herren sind wohl Kinder ihrer Zeit, egal ob Alexander oder Georg, barocke Typen eben- was lacostet die Welt, Geld spielt keine Rolex- wenn man keines hat wird es eben verspielt, versoffen und verhurt oder - damit die Nachwelt was davon hat - verbaut.

  • Zitat

    Original von Solas
    Er ist ein ziemlicher Wurm, oder?
    Mein armer Karl. :cry


    Der Arsch: Ja, ein Wurm, jemand, den ich uneingeschränkt und hemmungslos verachten kann, wenn ich nur die Umstände lange genug ignoriere. Manchmal brauche ich das für mein einfaches Gemüt. :grin


    Und Karl: hey, er ist ein guter und ehrlicher Mensch, der das Glück hat, seinen Vater zu lieben und eine halbwechs ordentliche Kindheit verleben zu dürfen. Das macht ihn zwar weniger spannend als Rupert, aber nicht schlechter, auch nicht als Romanfigur. Man muss doch auch im Buch noch ein wenig an das Glück in der Welt glauben dürfen. Und dazu brauche ich Karl.
    :knuddel1


    Ansonsten: Bitte. Immer wieder gerne.

  • Zitat

    Original von beowulf
    Die Herren sind wohl Kinder ihrer Zeit, egal ob Alexander oder Georg, barocke Typen eben- was lacostet die Welt, Geld spielt keine Rolex- wenn man keines hat wird es eben verspielt, versoffen und verhurt oder - damit die Nachwelt was davon hat - verbaut.


    Wie wahr. Der Spruch ist köstlich :lache

  • So, auch ich habe nun den 1. Teil des Buches gelesen und muß sagen, daß auch ich ab der ersten Seite regelrecht in das Buch eintauchen konnte. Die Charaktere und Schauplätze sind so wunderbar beschrieben, daß ich sie die ganze Zeit direkt vor Augen habe.


    Die Ereignisse für Habar und Ibrahim überschlagen sich regelrecht. Erst das traumatische Ereignis für das Geschwisterpaar mit ansehen zu müssen, wie die eigenen Eltern niedergemetztelt werden. Dann fallen sie in die Hände der Feinde und werden aus ihrem Land verschleppt, nicht wissend, was sie dort erwartet. Meines Erachtens hatten sie hier aber Glück gehabt, daß sie von Georg von Hartleben gekauft bzw. erspielt wurden. Wer weiß, was mit ihnen geschehen wäre, wenn der Korporal sie behalten hätte ? Ich fürchte, es wäre Habar weit schlimmer ergangen.


    Es gab ja schon einige Anregungen, warum Georg die beiden Kinder mit sich genommen hat. Ich selbst hatte eher den Eindruck, daß von Hartleben die Erinnerungen an die tote Frau in Ofen, die noch die Arme nach ihrem Kind ausgestreckt hatte, nicht loswerden konnte und deshalb das Gefühl hatte, etwas wieder gut machen zu wollen. Als sein Diener ihn fragte, warum er gerade diese beiden mitnehmen wolle, behauptete er zwar, daß die beiden ein hübsches Paar für seine Frau wären. Aber gleichzeitig: "Das Bild einer toten Frau schob sich vor sein inneres Auge und ließ sich nicht mehr verjagen."


    Zwar geht nicht ganz klar hervor, woran Ruperts Mutter und seine Schwester gestorben sind ( "Wie oft hatte der Vater davon gesprochen, wie man 1683 in Wien den Sieg gefeiert hatte, ... , und wie es trotzdem zu spät gewesen war, die Mutter tot und mit ihr das kleine Geschwisterchen." ), jedoch ist offensichtlich, daß er hierfür die Türken verantwortlich macht. Natürlich geht die Brandstiftung des Stalles eindeutig zu weit, aber kann sich das ein 12-jähriger Junge wirklich bewußt machen ?


    Eine Frage hat sich mir noch gestellt. Häufig redet Georg von Hartleben seinen Diener Hanns Nussbaum und auch den Juden Itzhak Weiß in der 3. Person an. War das damals so üblich ?


    Jetzt bin ich schon mehr als gespannt auf den nächsten Teil.

  • Zitat

    Original von bonomania
    Rupert ist mir sehr suspekt - wie er eiskalt dabei zusieht wie der Pferdestall abbrennt, den er selbst angezündet hat und sein Lieblingspferd in den Flammen umkommt.


    Das fand ich ganz schön schrecklich. Ich war froh, als ich nach Hause kam und es meinen Katzen gut ging.


    Ich bin mal gespannt, wie es mit Rupert weitergeht. Der führt ja nichts gutes im Schilde.


    Karl kann ich noch nicht so einschätzen. Er taucht zwar auf, aber irgendwie ist mir sein Charakter bisher verborgen geblieben. Keine Ahnung warum.


    Georg kann ich gut leiden. Er ist glaub ich eigentlich ehrlich, will aber sein Erbe erzwingen. Er ist eben der Zweitgeborene, der es zu nichts gebracht hat - seiner Meinung nach. Sein Verhältnis zu seiner Frau find ich sehr kurios. Sie ist ihm fremdgegangen mit dem Bruder - ob er das ahnt? Er kriegt es bestimmt im Laufe des Buches noch raus.


    Habar und Ibrahim konnte ich auf Anhieb gut leiden. Die armen mussten ja schreckliche Sachen mit ansehen. Als ich den ersten Teil gelesen habe, habe ich gerade was gegessen - das Essen ist mir im Hals stecken geblieben bei der Beschreibung :rolleyes


    Ich glaube, Habar ist gar nicht klar, was sie da macht - dass sie Dokumente fälscht. Glaubt sie wirklich, sie malt ein Gemälde ab oder kopiert nur was Unwichtiges? Sie muss doch merken, dass es Georg total wichtig ist. Vielleicht ist sie auch einfach nur zu jung, um sowas zu begreifen.


    Am liebsten würde ich die ganze Nacht durchlesen - aber leider muss ich morgen auch wieder arbeiten und gleich ins Bett. Ich hoffe ja auf die Weihnachtsfeiertage.