Wer hier klaut, stirbt! Horst Lichters Geschichten von tausendundeinem Leben - Carsten Tergast

  • Verlag: Gütersloher Verlagshaus
    Seiten: 216


    Rückentext:
    Horst Lichter, Fernsehkoch, Entertainer und vieles mehr, ist inzwischen auf allen TV-Kanälen und vielen Show-Bühnen des Landes zu Hause. Seine wahre Heimat ist jedoch nur an einem Ort: in seiner Oldiethek im Rommerskirchen-Butzheim. In diesem "Laden" hat Horst Lichter im Laufe der Jahre von der Kaffeekanne bis zum Rennwagen unendlich viele Dinge gesammelt.
    Die Seele dieser vielen kleinen und großen Dinge, sie macht aus seinem Café und Restaurant ein unglaubliches Haus der Geschichten. Dieses Buch erzählt die schönsten seiner Geschichten - und beantwortet dabei gleichzeitig die Frage, warum Horst Lichter nur durch die Oldiethek werden konnte, was er heute ist: Spitzenkoch, Spitzenentertainer und ein Mensch zum Gernehaben in Personalunion.


    Autor:
    Carsten Tergast, Jahrgang 1973, ist ausgebildeter Sortimentsbuchhändler sowie Literatur- und Medienwissenschaftler. Nach einigen Jahren als Redakteur beim Branchenmagazin "BuchMarkt" zog es ihn 2005 in die Selbstständigkeit, er arbeitet seitdem erfolgreich als freier Journalist und Buchautor. Carsten Tergast lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in seiner Geburtsstadt Leer/Ostfriesland.


    Fotograf:
    Peter Wirtz, Jahrgang 1954, Studium für Kommunikationsdesign an der Folkwanschule in Essen-Werden, seit 1984 freischaffender Fotograf. Schwerpunkt: Darstellung des Menschen, Dokumente von Menschen in ungestellten Lebensmomenten, im Alltag, in der Sozialfotografie, in der Medizin, in der Werbung, in der Industriefotografie. Peter Wirtz lebt mit seiner Familie in Ückerath bei Dormagen im Rheinland.


    Meine Meinung:
    Ich mag den Horst. Soviel an dieser Stelle. An der Seite von Küchenfreund Johann, als Moderator in der Küchenschlacht und nicht zuletzt in seiner Biografie "Und plötzlich guckst du bis zum lieben Gott" in der man die Schicksalsschläge hinter der Frohnatur Horst Lichter erfährt. Deshalb habe ich mich auch sehr auf dieses Buch gefreut und ich wurde nicht enttäuscht.


    Mit diesem Sammelsurium von Geschichten wird das Gesamtbild nun um noch ein weiteres Puzzleteilchen ergänzt. Es widmet sich dem Ursprung von Horsts neuem Leben, dem, was ihm zu seinen ersten zarten Anfängen von Berühmtheit verholfen hat und was eigentlich immer noch das Zentrum seiner Existenz ist: der Oldiethek, dem "Laden".


    Hier, in diesem Refugium für Träumer, große Kinder und Nostalgiker kocht Horst, wenn er mal nicht gerade unterwegs ist, für seine Gäste. Und kein anderes "Restaurant" kann wohl mit einer solchen Atmosphäre aufwarten: Autos, Zeitschriften, Bücher, antike Herde, Fahrräder, Bilder, Kohorten von Kaffeekannen, Kirchenbänke, Uhren, Nippes ohne Ende, ein kompletter alter Friseursalon, lebensgroße Muppet-Figuren, eine Turmuhr und noch vieles vieles mehr umgeben die staunenden Besucher. Und jedes einzelne dieser Utensilien hat eine Geschichte, die es eigentlich erst so einzigartig macht. Wer würde schon einen verrosteten alten Fahrradrahmen beachten? Horst natürlich, weil er weiß, dass auf diesem Fahrrad ein Mann den ganzen Weg aus französischer Kriegsgefangenschaft bis nach Hause gefahren ist. An einer Stelle im Buch sagt Horst, diese Gegenstände und ihre Geschichten wären wie ein Stück seiner Seele. Deshalb könnte er auch nie etwas davon verkaufen, genausowenig wie man ein Stück seiner Seele verkaufen kann. Und selbst wenn das für den einen oder anderen kitschig klingen mag, dem Horst nimmt man das irgendwie ab.


    Die Geschichten die in diesem Buch erzählt werden, sind grob nach Themen zusammengefasst und dazwischen immer wieder mit kleinen Überleitungen verbunden. Viele Bilder illustrieren die genannten Objekte, sowie ihren Besitzer, manchmal sogar die Vorbesitzer und immer mal wieder faszinierte Gäste beim andächtigen Bewundern.
    Einige dieser Geschichten sind so unglaublich, dass man fast an ihrer Echtheit zweifeln möchte, wenn es nicht der Horst wäre, der sie erlebt. Denn zu ihm passen die Stories, sind typisch für seine Art zu leben und sich erst später um die Details zu kümmern.
    Ein Beispiel: Es ist noch zu Beginn der Oldiethek-Zeiten und Horst weiß kaum wo er genug Geld fürs Essen herbringen soll. Da werden ihm drei Dinosaurier-Bilder für 10.000 DM angeboten. Was macht also Horsti? Geht zur Bank und besorgt sich einen Kredit. Bei jedem anderen hätte das böse enden können, aber nicht bei Horst. Über Umwege stellt sich heraus, dass die Bilder gestohlen sind. Doch die wahren Besitzer (seine Ärztin und ihr Mann!) schenken sie Horst und der Dieb muss Horst die gezahlte Summe ersetzen.


    Auch für Bücherliebhaber gibt es ein paar herrliche Anekdoten. Und ich gebe zu, dass ich erst mal schwer schlucken musste, als ich las, dass Horst in den Anfangszeiten seine Bibliothek einmal gewogen hatte und auf ein Gesamtgewicht von 18 Tonnen kam! ( :wow Wo ist meine Waage?) Mittlerweile sind es mit Sicherheit über 20. Und dann gab es da noch die nette ältere Dame, die Horst auf die Probe stellte und, nachdem fest stand, dass er niemals auch nur ein Buch veräußern würde, ihm ihre gesamte Bibliothek vermachte.
    Überhaupt wenden sich viele ältere Menschen an Horst. Entweder weil sie fürchten, dass ihre Kinder ihre wertvollen Erinnerungsschätze wegwerfen oder sie sofort nach ihrem Tod zu Geld machen wollen. Sie wissen, bei Horst sind sowohl die Schätze als auch die Geschichten sicher. Diese menschliche Seite macht das Buch (und auch Horst Lichter) so besonders liebenswert.


    Kurz und gut, ein wunderschönes Buch mit den unterschiedlichsten Geschichten für jeden, der Horst Lichter mag und in alten Gegenständen eben nicht nur Ramsch oder Schrott sieht, sondern sich gerne auf eine Reise in die (eigene?) Vergangenheit begibt. In mir hat das Buch auf jeden Fall den Wunsch geweckt, diesen außergewöhnlichen Ort einmal zu besuchen, selbst wenn Horst nicht da sein sollte. Es wäre schön, wenn es eine Fortsetzung dieses Buches geben würde, denn Schätze und Geschichten muss es ja noch mehr als genug geben.
    10 von 10 Punkten.


    Edit: Rechtschreibfehler

    „Furcht führt zu Wut, Wut führt zu Hass. Hass führt zu unsäglichem Leid.“

    - Meister Yoda

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Paradise Lost ()

  • Vielen Dank für die Rezension, Paradise!


    muss ich mir das so vorstellen, dass er einzelne Dinge, die er irgendwo einmal erworben, bekommen oder sich sonstwie angeeignet hat, herauspickt und darüber eine kurze Geschichte erzählt??


    Die einzelnen Geschichten haben also nichts miteinander zu tun, oder?



    verwirrte Grüße von Elbereth :wave

    “In my opinion, we don't devote nearly enough scientific research to finding a cure for jerks.”

    ― Bill Watterson

  • Elbereth
    Ganz genau so ist das. Es sind einzelne Gegenstände die eine besondere Geschichte haben, von denen berichtet wird. Das sind dann immer abgeschlossene Kapitel. Sie sind grob nach Themen zusammengefasst (z.B. 4 oder 5 Geschichten über Bücher, ein paar über Autos und Mopeds, etc.) und werden meist mit einer kurzen Überleitung zum Laden oder Horst allgemein zusammengefügt, stehen aber sonst für sich allein.
    Hoffe, ich konnte die Verwirrung etwas lichte(r)n. ;-)

    „Furcht führt zu Wut, Wut führt zu Hass. Hass führt zu unsäglichem Leid.“

    - Meister Yoda

  • Ein wirklich nettes Buch ist das, das den Wunsch in mir erweckt hat, mir die Oldiethek einmal mit eigenen Augen anzusehen.


    Zum Inhalt hat Paradise ja bereits alles erzählt :grin.


    Für manch einen mag dieses Sammelsurium an Dingen einen wahrgewordenen Alptraum darstellen, doch Horst Lichter rettet sie vor dem Vergessen. Ich finde das sehr liebenswert, wenn auch recht verschroben.


    Doch die Idee, daß es da eine Halle voller Dinge mit Geschichte gibt, hat was.


    Mir hat das Buch sehr gut gefallen und ich hätte sogar gerne noch mehr Geschichten über das Inventar von Lichters Oldiethek gelesen. :-]

    Lieben Gruß,


    Batcat


    Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt (aus Arabien)