Eisiges Herz - Giles Blunt

  • Originaltitel: By The Time You Read This (2006)
    Knaur Taschenbuch 2008, 427 S.


    Bd. 4 der John-Cardinal-Serie


    Über den Inhalt:
    Detective John Cardinal führt eine glückliche Ehe. Obwohl seine Frau Catherine seit Jahren manisch-depressiv ist, sich mehrfach einem Klinikaufenthalt unterziehen musste und weiterhin in psychiatrischer Behandlung ist, ging es ihr in den letzten Monaten richtig gut. Nun steht Cardinal als erster Ermittler vor Ort fassungslos vor ihrer Leiche. Sie soll sich von einem Hochhaus gestürzt haben. Es gibt keine Anzeichen für ein Fremdeinwirken und so erkennen Gerichtsmediziner und Polizei auf Selbstmord, zumal auch noch ein Abschiedsbrief existiert. Cardinal, vom Dienst suspendiert, glaubt nicht an den Freitod seiner Frau und beginnt privat zu ermitteln.


    Über den Autor:
    Giles Blunt, geboren 1952, wuchs in North Bay in der kanadischen Provinz Ontario auf und studierte Englische Literatur an der Universität Toronto. 1980 ging er nach New York, wo er sich u.a. als Streetworker, Gerichtsdiener und Barkeeper durchschlug. Heute lebt er als freier Schriftsteller und Drehbuchautor in Toronto. Seit seinem hochgelobten internationalen Bestseller Gefrorene Seelen gilt er als Kanadas Thrillerautor Nummer eins.


    Meine Meinung:
    Dies ist mein erstes Buch des Autors, die drei Vorgänger der Serie kenne ich nicht. Ich hatte beim Lesen aber nicht das Gefühl, dass mir Informationen fehlen, die für das Verständnis dieses Bandes notwendig gewesen wären. Ich konnte mich gut in die Geschichte einfinden.


    Nach dem Tod seiner Frau wird Cardinal vom Dienst suspendiert und da niemand seiner Kollegen an Catherines Selbstmord zweifelt, beginnt er allein zu ermitteln und Fragen zu stellen. Zunächst vermutet er den Täter unter einem seiner alten Fälle, die er hinter Gitter gebracht hat. Er überprüft die fraglichen Kandidaten, doch keiner davon kann es gewesen sein. Er sucht den Psychiater seiner Frau, Dr. Frederick Bell, auf und der erklärt ihm, dass sich depressive Menschen nun mal umbringen.


    Zur gleichen Zeit bearbeitet Cardinals Kollegin Lise Delorme den Fall eines Kinderschänders, der seit mehreren Jahren Fotos eines minderjährigen Mädchens im Internet verbreitet. Auf den Fotos gibt es Hinweise, dass sie hier im Ort, in Algonquin Bay, gemacht worden sind.


    Cardinal wird sehr einfühlsam beschrieben in der Trauer um seine Frau. Trotz Catherines Krankheit haben sie eine glückliche Ehe geführt und er glaubt unerschütterlich daran, dass sie keinen Selbstmord begannen hat. Er befragt die Leute, mit denen sie in den letzen Tagen Kontakt hatte.
    Zunächst entwickelt sich die Geschichte sehr zögerlich, dann aber stößt Cardinal nach und nach auf Ungereimtheiten, die ihn in seinem Glauben bestärken, dass Catherine nicht freiwillig vom Dach gesprungen ist. Es gibt auch verständnisvolle Kollegen, die ihm bei dem einen oder anderen Punkt seiner Recherchen behilflich sind. Ein weiterer Patient von Dr. Bell nimmt sich das Leben und einem jungen Mädchen, das auch von ihm therapiert wird, geht es zunehmend schlechter.


    Nach ca. der Hälfte des Buches kommt eine Stelle, da lief es mir kalt den Rücken herunter. Denn ab da ist dem Leser der Täter bekannt. Das lässt den Spannungsbogen aber zum Glück nicht rapide abfallen. Blunt erzählt die Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven, mal aus der Sicht der Opfer, mal gibt er einen erschreckenden Einblick in die Psyche des Täters und seine Motivation. Der Krimi kommt fast gewaltfrei daher, ohne spektakuläre Actionszenen. Er bezieht seine Spannungselemente aus der subtilen Beschreibung der psychologischen Hintergründe der Figuren.

    Auch wenn am Ende der Zusammenhang zwischen den Selbstmorden und der Kinderpornographie etwas konstruiert wirkt und die Spannung doch nicht durchgehend auf dem gleichen Niveau gehalten wird, zu schleppend geht es manchmal voran, ist dies doch insgesamt ein gut gemachter, stimmiger Krimi mit einem sehr sympathischen Protagonisten.


    Ach ja: Dies ist einer der seltenen Krimis, die es vertragen, dass der Täter schon so frühzeitig bekannt ist.

  • Die ersten Teile liegen noch auf dem SuB. Vielleicht wird es endlich Zeit, die Reihe zu vervollständigen und damit zu beginnen.


    Danke JaneDoe für die tolle Rezi! :wave

    Es geht uns mit den Büchern wie mit den Menschen. Wir machen zwar viele Bekanntschaften, aber wenige erwählen wir zu unseren Freunden, unseren vertrauten Lebensgefährten.
    Ludwig Feuerbach (1804-1872)

  • und ab auf die wl. da mir bereits die vorgänger gut gefallen haben, trotz der namen und der manchmal gruseligen darstellungen, werde ich mir dieses mit sicherheit holen.
    danke für die rezi

  • Ich habe bisher nur "Gefrorene Seelen" von Giles Blunt gelesen und das hat mir gar nicht gefallen.
    Dieser Teil hört sich allerdings sehr gut an (leider wurden wieder keine Punkte vergeben).
    Hab das Buch gerade bei Arvelle gefunden aber ich glaube, ich bestelle es (noch) nicht. :gruebel


    edit: Schade, dass das Buch (mal wieder) nicht "bepunktet" wurde... :rolleyes

  • Mich irritiert, dass der Täter schon sehr schnell bekannt ist.
    Was verstehe ich darunter: Einen Erzählstrang aus der Perspektive des Täters, wobei sich die Spannung aufbaut mit der Frage: Wird er jemals geschnappt?
    Oder ist der Krimi einfach nur leicht durchschaubar?

    Salut
    Franzhans
    Man sollte eigentlich immer nur das lesen, was man bewundert.
    Johann Wolfgang von Goethe, (1749 - 1832)
    :monster