Am 27.10.2008 las Frido Mann im vollbesetzten Literaturhaus Nürnberg - für die, die im Café selbst keinen Platz mehr bekommen haben, gab es eine (akustische) Übertragung in den Saal im 1. Stock.
Aus der Ankündigung:
Frido Mann, 1940 in Monterey/Kalifornien geboren, verbrachte als Kind glückliche Zeiten bei seinem Großvater, dem Literatur-Nobelpreisträger Thomas Mann. Er studierte Musik, katholische Theologie und Psychologie und wurde Direktor des Medizinpsychologischen Instituts der Universität Münster. Seit den 1980er Jahren ist er als Schriftsteller tätig und veröffentlichte Romane wie "Professor Parsival", "Terezin oder Der Führer schenkt den Juden eine Stadt" und "Babylon".
Die wichtigsten Stationen seiner "Selbstfindung" zwischen Neuorientierung und "Niemandsland" schildert Frido Mann in seiner Autobiografie "Achterbahn". Darin nimmt er erstmals ausführlich Stellung zu seiner schwierigen Situation als "Lieblingsenkel" Thomas Manns, durch dessen Roman "Doktor Faustus" Frido schon als kleiner Junge unfreiwillig bekannt wurde: als Vorbild für Nepomuk Schneidewein, einen Himmelsboten, der sehr zu leiden hatte, bis ihn der Teufel holte - ein Akt der Vereinnahmung, der Frido tief verletzte und verstörte.
In "Achterbahn" beschreibt er Mann'schen Clan jedoch nicht nur als "Gruselkabinett", sondern berichtet auch von amüsanten Begebenheiten und künstlerischen Entwicklungen und zeichnet facettenreiche Portraits seiner berühmten Verwandtschaft.
Meine Eindrücke:
Frido Mann erklärt, dass der Titel "Achterbahn" schon darauf hinweist, dass es sich nicht um eine chronologisch erzählte Autobiografie handelt. Es ist eine "Achterbahnfahrt" zwischen Vergangenheit und Gegenwart, mit vielen Schwenkungen. "In der Gegenwart scheint die Vergangenheit auf."
"Achterbahn" bezieht sich aber auch auf eine Szene am Beginn des Buches, in der seine Eltern (die Mutter ist hochschwanger) Achterbahn fahren. Der Vater meinte später, als er von dieser Achterbahnfahrt erzählte: "Als dich die Mama damals erwartete, waren wir jung und unerfahren" und fügte dann hinzu "Und darum bist du ja auch so missraten"
Frido Mann berichtet, dass sein Großvater Thomas Mann anstelle der Eltern bei ihm war, fast wie ein Vater. "Er und seine Frau sind die, denen ich in dieser Familie wirklich dankbar bin."
Die Wellenbewegungen der Achterbahn, von der Musik zur katholischen Theologie in der Zeit des Aufbruchs der 60er Jahre (Konzil, Aggiornamento) - später folgt die Enttäuschung....
Dann Psychologie als "säkularisierte Seelsorge".
Sehr beeindruckt ist er von der - von Hans Küng angestoßenen - "Stiftung Weltethos", der er auch sein Buch "Babylon" widmet.
Sein Fazit dieser "Achterbahn":
"Ein gar nicht so ungerade Weg, aus der Ferne gesehen."
Mein Fazit:
Ein beeindruckender Abend, der meine Lesewunschliste wieder ansteigen lässt!