Englischer Originaltitel: Fires of Eden
Kurzbeschreibung
Der amerikanische Milliardär Byron Trumbo hat drei Frauen und ein teures Hotel. Zwei der Frauen will er loswerden, zugleich mit dem Luxushotel, das auf Big Island, der größten Insel von Hawaii, liegt. Als er es baute, zog er sich den Zorn der Insulaner zu, weil in einer heiligen Gegend baute, gar nicht weit weg von Mauna Loa. Inzwischen häuft sich das mysteriöse Verschwinden von Hotelgästen. Als er einfliegt, um das Hotel samt riesigem Areal mit zwei Golfplätzen an Japaner zu verscherbeln und sich damit zu sanieren, sind bereits neue Opfer zu beklagen. Die Gäste werden unruhig. Kurz nach seinem Eintreffen finden sich auch seine drei Frauen ein: seine Ex, seine Ex-Geliebte und seine aktuelle Loverin, eine Minderjährige. Damit beginnt für Byron Trumbo eine Kette von mittleren bis größeren Katastrophen -- er bewältigt sie allerdings mit bewundernswerter Dickschädeligkeit. Trumbo ist ein richtiges New Yorker Arschloch, das seine Untergebenen opfert, wenn es ihm nur die eigene Haut rettet oder ihm einen Vorteil verschafft.
Dr. Eleanor Perry ist Doktor der Philosophie in Ohio. Sie stellt Nachforschungen auf der Insel an, die auf Informationen aus dem Tagebuch ihrer Ururururgroßtante Lorena Kidder beruhen, die im Jahr 1866 Big Island besuchte, zu einer Zeit, als Missionare versuchten, die Heiden zu bekehren und dabei manchmal Opfer von Pogromen der Einheimischen wurden. In Kidders Begleitung befand sich der junge Korrespondent Samuel Langhorne Clemens, besser bekannt unter seinem Schriftstellerpseudonym Mark Twain. Tante Kidders Tagebuch stellt eine parallel geschaltete Handlungsebene dar, die die unheimlichen Geschehnisse im Mauna Pele Hotel von Byron Trumbo auflockern, antizipieren und in ein neues Licht rücken. Tante Kidder steigt nämlich mit Mr. Clemens in die Unterwelt hinab, um eine vom Gott Kamapua geraubte Seele zurückzuholen.
Begleitet wird Eleanor bei ihren Forschungen ins Unheimliche von Cordie Stumpf, einer pummelig und weich erscheinenden Geschäftsfrau aus Illinois, die sich jedoch als ein gestandenes Weibsbild herausstellt, die ebenso mit ihrer spitzen Zunge wie mit ihrem 38er-Revolver umgehen kann. Und die am Schluß für eine ziemliche Überraschung gut ist. Eleanor hat Cordie das Tagebuch von Tante Kidder zu Lesen gegeben, und so weiß Cordie, womit sie es zu tun haben, als ihnen ein schwarzer Hund mit Menschen- statt Hundezähnen über den Weg läuft und als Cordie auf dem Wasser von einem Haifisch mit Menschenbeinen attackiert wird. Es sind Dämonen, die von Kamapua angeführt werden. Sie wurden von kahunas herbeibeschwört, die Trumbo vertreiben wollen. Das Tor zur Unterwelt ist geöffnet, und die kahunas können es nicht mehr schließen...
Ein Mitarbeiter Trumbos nach dem anderen wird ein Opfer der Dämonen. Krampfhaft versucht der Milliardär, nichts davon merken zu lassen, aber es nützt ihm nichts, als eines nachts auch einer der Japaner verschwindet. Nachdem auch Eleanor das Opfer von Kamapua geworden ist, wird er schließlich von Cordie gezwungen, mit ihr zusammen -- wie weiland Tante Kidder und Mark Twain -- in die Unterwelt zu steigen. -- Mehr soll nicht verraten werden.
Über den Autor
Dan Simmons wurde 1948 in Illinois geboren. Er schrieb bereits als Kind Erzählungen, die er seinen Mitschülern vorlas. Nach einigen Jahren als Englischlehrer machte er sich 1987 als freier Schriftsteller selbstständig. Zahlreiche seiner Romane – darunter "Sommer der Nacht", "Die Hyperion-Gesänge", "Ilium" und "Olympos" – wurden zu internationalen Bestsellern. Simmons lebt und arbeitet in Colorado, am Rande der Rocky Mountains.
Meine Meinung
Die obige Kurzbeschreibung informiert schon recht umfassend über das Geschehen. Simmons zeigt uns Hawaii als einen mysthischen, schwer zu erfassenden Ort. Der aktive Vulkan auf Big Island spielt ebenfalls eine große Rolle.
Simmons hat recht plastische Charaktere erschaffen. Der Milliardär Trumbo ist der zwar klischeehaft, aber trotzdem glaubhaft. Er glaubt, alles ließe sich mit Geld regeln. Und das tut es auch zum Teil. Er ist witzig, er weiß, was ihm möglich ist dank seiner Mittel, aber gerade das er dadurch eine gewisse Macht über Menschen hat, läßt ihn ein wenig zynisch sein. Aber Hawaii und seine entfesselten mythologischen Geschöpfe trotzen ihm. Gerade gemeinsam mit ihm erfasst der Leser das Bizarre des ganzen.
Eine ebenfalls interessante Figur ist Cordie Stumpf, die zum Schluß noch mit einer Überraschung auftrumpfen kann. Herrlich resolut und unprätentiös schließt sie sich Eleanor an.
Auch Nebencharakter bekommen mit kurzen knappen Details Kontur, auch wenn sie oft ebenfalls das Klischee des jeweiligen Typs bedienen. Aber oft stimmt das Klischee einfach.
Richtig gegruselt hat es mich nur zu Anfang. Dadurch, das das ganze einen spaßigen Touch hat, ging für mich viel Grusel verloren. Auch sind die Geschöpfe recht eigenartig, aber wohl fest verankert in der hawaiianischen Mythologie.
Eingestreut in die Handlung sind die Tagebuchauszüge von Eleanors Tante, die vor mehr als 100 Jahren ähnliche Erlebnisse auf den Inseln hatte. Sie ergeben eine Parallelhandlung.
Insgesamt hat Dan Simmons einen unterhaltsamen, witzigen Gruselroman geschrieben, der die recht unbekannte geheimnisvolle Mythologie der Hawaii-Inseln beschreibt. Wer schon mal auf den Insel war oder sich dafür interessiert, ist hier auf jeden Fall gut aufgehoben. Aber auch alle anderen, die es mal mit etwas anderen phantastischen Figuren zu tun bekommen wollen, die nicht einem Autorenhirn entsprungen sind, werden hier bestens unterhalten und der Wunsch wird geweckt, dort einmal hinzufahren und sich die vulkanischen Inseln einmal anzuschauen. Mal sehen, ob einem ein Schwein begegnet