Die Lesung schien vorbei, noch bevor sie richtig angefangen hatte: Ein Arzt informierte uns darüber, das der Autor zum Opfer seines Schaffens geworden sei - Fitzek war dem Wahnsinn verfallen und in eine Anstalt eingeliefert worden. Dort gelang es ihm allerdings, einen Pfleger als Geisel zu nehmen und sich so den Zutritt zu seiner eigenen Lesung zu erpressen. In eine Zwangsjacke gehüllt wurde der arme Mann im Rollstuhl zum Mikrophon gerollt, nur noch ein Schatten seines einstigen Selbst. Doch wärend des lesens schien Fitzek, der Dr. Mabuse der Kriminalliteratur, die alte Kraft sowie seinen Humor zurückzugewinnen, er macht sich sogar über die Ärzte und Pfleger lustig! Obwohl der vorgetragene Text seine Wirkung auch im Publikum nicht verfehlte, Zuschauer sahen plötzlich doppelt und verloren ihre Lesefähigkeit, blieben wir doch von ernsten Zwischenfällen verschont. Fitzeks Zustand schien stabil genug, ihm eine Hand zu befreien und ihm einen stumpfen Bleistift zu geben, damit er seine Bücher signieren konnte - ein fataler Fehler!!! Es gelang Fitzek sich blitzschnell aus seiner Zwangsjacke zu befreien, das Pflegepersonal zu überwältigen und aus dem Fenster im dritten (!) Stock zu springen. Als die Sicherheitskräfte die Strasse erreichten, war er spurlos verschwunden. Jetzt ist er irgendwo da draussen.... und lauert.... auf arglose Leser!
Vorlesen kann (fast) jeder - sogar ich! Was wir hier geboten bekamen war eine kleine, unterhaltsame "Show". Sebastian Fitzek saß tatsächlich im Rollstuhl in einer Zwangsjacke und ein Pfleger hielt das Buch und blätterte die Seiten um. Zwischendurch konnte der anwesende Arzt überzeugend darlegen, anhand von sehr originellen Schaubildern, das der vorgetragene Text uns, das Publikum, wohl doch mehr beeinflusste als wir gedacht hatten.
(Ok, die Geschichte mit der Flucht hab ich mir gerade ausgedacht... aber irgendwie lief es gerade so gut....)
Die 220 Zuschauer bekamen hier für ihr Geld wirklich etwas geboten. Die ganze Sache wirkte nie verkrampft oder einstudiert, sondern lief ganz natürlich ab und das, obwohl es der erste Auftritt dieser Art war!
Am Ende standen 110 Leute Schlange, um sich ihr Buch signieren zu lassen - einzig einige Buchhändler und Eulen standen etwas abseits - wir hatten später noch die Gelegenheit.
Die einzige Frage, die ich nicht beantworten konnte: Wie kann ein so lustiger Mensch so finstere Bücher schreiben?
Fazit: Ein sehr unterhaltsamer Abend und eine wirklich tolle Lesung - ich bin gespannt, was er sich als nächstes einfallen lässt!