• Wolke 9



    von www.cinema.de:
    Andreas Dresens Liebesfilm zeigt, was kaum jemand für möglich hält: Auch alte Menschen haben Sex.


    Mit einem Kurzfilm fing alles an. In „Die Männer meiner Oma“ spricht eine 78-jährige Berlinerin über ihre Sehnsucht nach Liebe und Zärtlichkeit. Andreas Dresen („Sommer vorm Balkon“) hat diese Mini-Doku vor einigen Jahren gesehen und war über sich selbst erstaunt: „Ich habe mich dabei ertappt, dass ich das alten Menschen nicht zutraute.“ So entstand die Idee, einen Spielfilm zu drehen über 70-Jährige, die sich noch einmal verlieben. Einen Film, der radikal erzählt, ohne Umwege und ohne falsche Scham.
    Ein Sommertag in Ostberlin. Inge ist unterwegs zu Karl, um ihm eine Hose zu bringen, die sie für ihn geändert hat. Als er ihr die Tür öffnet, schaut sie ein wenig verlegen. Auch er ist unsicher. Kurz darauf die erste zarte Berührung, ein vorsichtiger Kuss, und schon liegen sich die beiden in den Armen.



    Die Bilder, die nun folgen, sind so ungewohnt und intim, dass man am liebsten wegschauen würde. Inge und Karl haben Sex – und die Kamera sieht so genau hin, als wolle sie sagen: Was ist denn schon dabei? Ja, was eigentlich? Wir leben in einer Gesellschaft, die alten Menschen Leidenschaft und Sexualität normalerweise nicht zugesteht. Aber was heißt schon alt? Schließlich können sich Jugendliche kaum vorstellen, dass ihre Eltern mit 40 noch Sex haben. Von den Großeltern ganz zu schweigen.


    Andreas Dresen hat „Wolke 9“ mit einem kleinen Team in Berlin-Treptow gedreht, am Set wurde viel improvisiert. Da es keine geschriebenen Dialoge gab, mussten die Darsteller ihre Rollen selbst erfinden. Auf diese Weise entstanden viele Freiräume – auch für den Zuschauer, dessen Seh- und Denkgewohnheiten immer wieder in Frage gestellt werden.


    „Wolke 9“ beginnt wie andere Liebesfilme auch. Ohne Erklärungen, ohne langes Kennenlernen. Der sexuelle Impuls steht am Anfang und entfaltet von da aus seine Sprengkraft für die Geschichte. Inge hätte nicht gedacht, dass ihr so etwas überhaupt passiert, schließlich ist sie seit 30 Jahren mit Werner verheiratet. Und sie liebt ihren Mann noch immer. Anfangs versucht sie, ihre Gefühle zu ignorieren, doch die Sehnsucht wird immer größer. Und irgendwann beschließt sie, Werner die Wahrheit zu sagen.


    Man ahnt, dass diese Geschichte nicht für alle Beteiligten gut ausgeht. Auf Wolke 9 spürt man die Macht der Gefühle vielleicht noch intensiver als im siebten Himmel. Aber man kann auch tiefer fallen ...


    Dieser Film würde mich interessieren.
    Fragt sich nur, ob er bei mir in der Nähe in einem Kino laufen wird.


    Schaut ihn von euch jemand an?
    Dann bitte unbedingt berichten, wie er ist. :-)

  • So, nun hab ich ihn gesehen.


    Und bin irgendwie zwiegespalten. :gruebel


    Das Thema an sich - eine sehr gute Idee, keine Frage.


    Die Umsetzung - nicht immer gut gelungen, mMn. Manchmal fehlt mir die Musikuntermalung und stellenweise wird überdeutlich, dass kein Drehbuch vorlag und die Schauspieler viel improvisierten.
    Zudem muss ich leider sagen, dass mich die Hauptdarstellerin nicht überzeugt hat. Vieles wirkte einfach "gespielt" und besonders in ihren Heulszenen ging sie mir öfters auf die Nerven.


    Die ( nicht wenigen und ziemlich deutlich gezeigten ) Sexszenen kamen durchaus authentisch rüber, diese beschränken sich aber auf die erste Hälfte des Filmes. Danach wird alles auch etwas dialogreicher und dadurch auch lebhafter.


    Das Ende - ich bin unschlüssig, wie ich dazu stehen soll. Es war zu erwarten. Ist es wahrscheinlich? Realistisch? Zu dramatisch?
    Ich denke, da muss sich jeder seine eigene Meinung bilden.


    Im Grossen und Ganzen ein ( vom Thema Sex im Alter her ) wichtiger und überzeugender ( es kann dich immer treffen, egal, wie alt du bist ) Film.


    Ich gebe 8 von 10 Punkten.

  • Gestern haben wir diesen schon etwas älteren film gesehen und ich muß unbedingt diesen thread etwas hochschubsen...


    Ich wußte nicht mehr so hundertprozentig, wie die Ausgangssituation des Filmes ist und war dann doch über die Geschichte überrascht. Ich hatte z.B. gedacht, daß sie beide Single sind. Mich haben alle Schauspieler total überzeugt und ich fand die Kameraführung sehr gut - man war irgendwie so intensiv dabei. Als ich jetzt gelesen habe, daß es teilweise keinen Text für die Mimen gab, war ich noch überraschter und begeisterter!
    Ich muß einfach sagen: angucken!!!!!! Ein mutiger Film, der zwar das natürlichste Thema der Welt behandelt, aber man stellt halt fest, daß es Grenzen und Tabus gibt, fragt sich aber: warum eigentlich? :-)

    ...der Sinn des Lebens kann nicht sein, am Ende die Wohnung aufgeräumt zu hinterlassen, oder?


    Elke Heidenreich


    BT