'Die zwölfte Nacht' - Seiten 001 - 070

  • So, den ersten Teil hab eich gerade in einem Rutsch gelesen, und nun möchte ich meine ersten Eindrücke aufschreiben, solange sie noch so frisch sind. :-)


    Nach dem Prolog zu urteilen ist Meggy die Tochter von Catherine Parr und Thomas Seymour. Nun fragt man sich natürlich, warum die kleine Meggy nichts von ihren Eltern weis. Ich nehme mal an, dass sie umgekommen sind, oder so etwas in der Art. Das wird sich ja noch herausstellen, und ich bin schon sehr gespannt, was da noch alles kommt.


    Ich finde die Idee klasse, die Geschichte ihrer Eltern in 12 Abschnitten zu erzählen.
    Allgemein bin ich von dem Buch bis jetzt positiv angetan. Der Schreibst ist leicht und flüssig, und die Geschichte lässt sich wunderbar lesen. Ich mag solche Schreibstile. Ich kann es nicht in Wörter fassen, was mich genau daran so fesselt. Ich find es einfach toll. Ich kann mir auch alles sehr gut bildlich vorstellen.


    Charlie, du hast einen sehr schönen Schreibstil, der süchtig macht! Mein Kompliment!


    Etwas verwirrt bin ich allerdings von den Zeitsprüngen, die ohne Ankündigung passieren. Zum Beispiel ist auf einer Seite Thomas 12 Jahre alt und auf ein paar Seiten später ist er schon 17 Jahre alt. Das hat mich ein wenig durcheinander gebracht, aber schlimm finde ich es nun auch wieder nicht.


    Cathy und Tom finde ich sehr sympathisch. Beide haben eine interessante Art, die mir sehr gut gefällt.


    Ich finde es auch wirklich toll, dass Cathys „Ziehfamilie“ sie so ins Herz geschlossen hat, und sie als ihre Tochter ansehen. Fragen tue ich mich wiederum, warum Cathy und ihre Geschwister von ihren Eltern zu einer „Ziehfamilie“ (so nenne ich es jetzt einfach mal) geschickt wurden. Um etwas zu lernen? Das konnte ich jetzt nicht so herauslesen.


    Die Szene in der Kneipe hat mich ein wenig schockiert.
    Da sitzen ein paar Herren in der Runde, und haben Luther Papiere auf den Tisch liegen und diskutieren auch ein wenig darüber. Und dann auch noch das Gespräch über die geplante Übersetzung der Bibel. An sich finde ich dass sehr interessant .- doch in der damaligen Zeit konnte man doch so was nicht in aller Öffentlichkeit besprechen, oder? Was wenn jemand vorbei gekommen wäre und die Papiere gesehen hätte. Das möchte ich mir lieber nicht vorstellen, was dann passiert wäre…


    Ich werde jetzt schnell einkaufen gehen, und mir dann wieder das Buch schnappen. Ich bin schon sehr gespannt, was noch alles kommt. :-)

  • Zitat

    Original von ximox04


    Es ist mir unbegreiflich, wie man eine übersetzung der Bibel für so ketzerisch halten konnte. Sollte ein so großes und wichtiges Werk Gottes nicht jedem zugänglich gemacht werden?? Warum sollten es nur Menschen mit Latein-Kenntnissen oder nur Männer lesen können??


    Es hatte wohl auch etwas damit zu tun, dass die Kirchenmänner das Sagen haben wollten und beim kleinen Mann keine Rechenschaft ablegen wollten. Die Bibel wurde ja als Gesetz gesehen und da nur die Kirchenmänner sie lesen konnten, lag es auch bei ihnen sie auszulegen. Wenn aber jeder die Bibel lesen kann und sich seine eigenen Gedanken macht, stößt man evtl. sehr schnell Widerstand.

  • Und man wäre dadurch wohl auch die Idee gekommen, dass man auch ohne Priester zu Gott sprechen kann. Den Menschen wurde ja vermittelt, dass sie nur über einen Priester von Gott die Absolution erhalten können. Der kleine Mann durfte nicht mit Gott selber sprechen. Wer es doch tat und es auch noch zugab, musste meines Wissens nach mit ziemlichen Repressalien rechnen.

  • Freut mich, dass es Dir gefaellt, Leonae!


    Zur Frage von Leseratte: Die geschilderte Kneipe ist das "White Horse Inn" - wer je in Cambridge war, hat vielleicht das kleine Heimatmuseum gesehen: Das ist das Gebaeude, wo sich die Kneipe befand. Eine Gedenkplatte weist darauf hin.
    Diese Kneipe wurde "Little Germany" genannt, nicht weil dort unsere Vorfahren auf Englandreise so gern einkehrten, sondern weil sie als Zentrum der Reformerbewegung (die man - Luthers wegen - als deutsch definierte) galt. Dort konnten die Reformer sich relativ furchtlos austauschen, es war eine Art revolutionaerer Zelle. Vorsicht war natuerlich immer geboten, wem man trauen durfte, wusste man ja so genau nicht. Aber zumindest war es einer der sichersten Orte ueberhaupt.


    Die Zeitspruenge funktionieren so gut offenbar nicht.
    Vielleicht haette ich Jahreszahlen einsetzen sollen?


    Alles Liebe von Charlie

  • Also zu den Zeitsprüngen muß ich sagen, daß ich sie nicht störend finde. Mir gefällt es sogar, ein wenig im Ungewissen gelassen zu werden, wie viel Zeit genau vergangen ist, wenn sich das erst ein paar Seiten später klärt, finde ich das total spannend.


    Also meinetwegen nicht mit Jahreszahlen - my 2 cents.

    :lesend Anthony Ryan - Das Heer des weißen Drachen; Navid Kermani - Ungläubiges Staunen
    :zuhoer Tad Williams - Der Abschiedsstein

  • Ich hab als Leser da ja auch wenig Probleme.
    Mich stoert's auch nicht, wenn ich einen Abschnitt lang nicht weiss, in wessen Perspektive ich stecke.
    Aber verwirren moecht' ich natuerlich nicht.
    Darueber muss ich nochmal nachdenken.


    Alles Liebe von Charlie

  • Immerhin hat Nomaenseelchen deswegen abgebrochen- nicht das ich das verstehn würde, für mich sind durch die Briefe und die Zwischenüberschriften die Zeitabläufe klar- ich fühle mich aber auch einigermaßen in der Geschichte der Tudors bewandert- wenn auch nicht im Detail, so doch in den Rahmendaten.

  • Die Zeitsprünge sind absolut okay. Wie schon Beo schrieb, Überschriften und Briefe erklären die Lücken, alles Wichtige erfahren wir doch. Und sie tragen auch zur Dynamik des Romans bei. Ich habe nicht das Gefühl, daß mir etwas entgeht.

  • Zitat

    Original von Leonae
    Das fand ich bei Cathie so schön. "Hätte sie Latein gekonnt, so hätte sie Gott beordert........." Die Süße!


    Das finde ich auch so süß. Zum knuddeln, wie sie das immer gesagt bzw. gedacht hat.


    Zitat

    Original von Leonae


    Es hatte wohl auch etwas damit zu tun, dass die Kirchenmänner das Sagen haben wollten und beim kleinen Mann keine Rechenschaft ablegen wollten. Die Bibel wurde ja als Gesetz gesehen und da nur die Kirchenmänner sie lesen konnten, lag es auch bei ihnen sie auszulegen. Wenn aber jeder die Bibel lesen kann und sich seine eigenen Gedanken macht, stößt man evtl. sehr schnell Widerstand.


    So sehe ich das auch. Wenn die Menschen der damaligen Zeit wüssten, dass es ein paar Jahrhunderte später nichts Besonderes mehr ist, die Bibel zu lesen. Das war damals undenkbar. Wir würden wohl alle auf den Scheiterhaufen landen. Es ist wirklich schlimm, dass man nicht frei denken konnte.


    Zitat

    Original von Charlie


    Die Zeitspruenge funktionieren so gut offenbar nicht.
    Vielleicht haette ich Jahreszahlen einsetzen sollen?


    Mach dir da mal keine Gedanken, Charlie. Am Anfang war es etwas ungewohnt und hat mich etwas verwirrt, aber inzwischen habe ich keine Probleme mehr damit. Und schlimm ist das sowieso nicht! Ich finde deinen Roman einfach klasse. :-]

  • Zitat

    Original von Bouquineur
    Ob viele Herumschicken auch daraus resultiert hat, dass man sich gefühlsmäßig eher nicht an seine Kinder gebunden hat, weil sie ja eventuell das Erwachsenenalter gar nicht erreichen? Ich habe selber keine Kinder, versuche gerade mir vorzustellen wie das sein mag, das kleine Wesen, das man ja neun Monate mit sich rumgetragen hat, einfach so wegzuschieben, wenn es auf der Welt ist. Ob die Frauen damals schon während der Schwangerschaften gefühlsmäßig abgeschottet haben?


    Ich habe heute das mit dem vielen Herumschicken der - vorwiegend adeligen - Kinder mit jemanden diskutiert. Da kam der Hinweis, dass man sie damit auch vor missgünstigen Verwandten schützen wollte. Die hätten sonst leicht ihre eigene Rangfolge auf den Thron positiv beeinflussen können. Wenn die Kids aber weit entfernt auf irgendwelchen Landsitzen bei königstreuen Untertanen aufwuchsen, wäre ein Mord viel auffallender gewesen. Die Familien, die die Kinder großzogen, bekamen gewisse Vergünstigungen, sodass sie kaum Interesse am Tod der Kinder hatten.
    :gruebel Ich fand die Theorie auch einleuchtend.

  • So, heute morgen bin ich endlich an mein Buch gekommen :-]


    gerade habe ich angefangen, den Abschnitt aber noch nicht ganz durch. Ich hab trotzdem schon mal hier gelesen, ich konnte einfach nicht widerstehen :grin


    Besonders gefallen hat mir der Prolog, da es doch so viele Theorien über das Kind von Catherine gibt. Und diese hier - zumindest bisher - gefällt mir, sie hat zumindest schon mal ein paar Jahre überlebt.
    Ich hoffe noch weiteres von ihr zu lesen, das würde mir gefallen.


    Mit den Namen habe ich jetzt nicht so ein Problem, das liegt aber daran, dass ich die Geschichte um Heini kenne. Diese Leidenschaft für englische Geschichte verfolgt mich schon, seit ich mit ca. 12 oder 13 den
    Film "Königin für 1000 Tage" gesehen habe.
    Seitdem bin ich davon nicht losgekommen - will es auch gar nicht :grin - und verschlinge alles, was es in deutsch darüber zu lesen gibt.


    Paradoxerweise verweigere ich englische Bücher, da ich die Sprache trotz Leidenschaft für die Geschichte, nicht sonderlich gut kann.


    So, nun muß ich aber weiterlesen.

  • Zitat

    Original von Johanna
    Diese Leidenschaft für englische Geschichte verfolgt mich schon, seit ich mit ca. 12 oder 13 den
    Film "Königin für 1000 Tage" gesehen habe.
    .


    Ist der nicht hinreissend, Johanna?
    Ich hab ihn erst als Erwachsener, als mein Heini-Tick schon auf der Hoehe war, gesehen. Und ich glaube, dieser Film ist daran schuld, dass ich mich fuer den neuen - "Schwester der Koenigin" - gar nicht begeistern kann. In meinem Kopf ist immer der alte, der sicher auch kein Muster historischer Korrektheit ist, aber voller Zauber.


    Sally, das, was Du schreibst, stimmt fuer Heinis Kinder unbedingt. Sie wurden alle, kaum dass sie geboren waren, vom Hof entfernt - besonders Edward galt dort aus den von Dir genannten Gruenden als gefaehrdet und wurde immer nur fuer bestimmte Perioden (z.B. Feierlichkeiten) geholt.


    Ich freu mich, dass Ihr euch tapfer durch die Zeitspruenge gekaempft habt. Diesbezueglich habt Ihr das schlimmste bald hinter Euch.


    Was Cathies Kind angeht, so ist meine Theorie reines Wunschdenken, Johanna. Zwar gibt es immer noch Leute, die lueckenlos nachweisen, dass sie von ihr abstammen, aber die Beweise sind wenig stichhaltig - die Theorie, dass sie lange ueberlebte ist unwahrscheinlich. Ich hab mich trotzdem dafuer entschieden - weil ich mir gewuenscht habe, dass sie lebt und zur Frau wird. Und ausgeschlossen ist es immerhin nicht.


    Alles Liebe von Charlie

  • Zitat

    Original von Charlie
    Ich freu mich, dass Ihr euch tapfer durch die Zeitspruenge gekaempft habt. Diesbezueglich habt Ihr das schlimmste bald hinter Euch.


    So schlimm sind die Zeitsprünge wirklich nicht, Charlie :knuddel1


    Ich war wirklich nur ganz am Anfang kurz irritiert, als so ein Sprung im laufenden Abschnitt kam. Danach war für mich aber auch alles logisch und gut zu verstehen.

  • Zitat

    Original von Charlie


    Ist der nicht hinreissend, Johanna?
    Ich hab ihn erst als Erwachsener, als mein Heini-Tick schon auf der Hoehe war, gesehen. Und ich glaube, dieser Film ist daran schuld, dass ich mich fuer den neuen - "Schwester der Koenigin" - gar nicht begeistern kann. In meinem Kopf ist immer der alte, der sicher auch kein Muster historischer Korrektheit ist, aber voller Zauber.


    Den Film habe ich immer noch nicht gesehen, ich wollte warten, bis er auf DVD erscheint. Neugierig bin ich ja schon, aber da ich das Buch kenne, vermute ich, dass meine "geliebte" Anne ím Film auch so negativ dargestellt wird.


    Für mich wird Anne immer aussehen aus wie Geneviève Bujold, daran kann ich einfach nix ändern.



    Zitat

    Original von Charlie
    Was Cathies Kind angeht, so ist meine Theorie reines Wunschdenken, Johanna. Zwar gibt es immer noch Leute, die lueckenlos nachweisen, dass sie von ihr abstammen, aber die Beweise sind wenig stichhaltig - die Theorie, dass sie lange ueberlebte ist unwahrscheinlich. Ich hab mich trotzdem dafuer entschieden - weil ich mir gewuenscht habe, dass sie lebt und zur Frau wird. Und ausgeschlossen ist es immerhin nicht.


    Alles Liebe von Charlie


    Das klingt wunderbar, dann bin ich schon aufs weiterlesen gespannt.

  • Weisst Du, die Alternative, die ich ja gehabt haette, die mir durchaus vorgeschlagen wurde und ueber die ich gerade wieder nachdenke, waere ja gewesen, einfach spaeter einzusteigen.
    Mir persoenlich haette das wehgetan. Ich kann eine gewaltige Schwaeche fuer die epische Breite nicht verhehlen, moechte ein ganzes Leben erzaehlen und in Generationen einbinden.
    Wenn ich aber auf Dauer sehe, dass das eigentlich eher zur Verwirrung als zur Freude von Lesern dient, muss ich einfach mal drueber nachdenken, was sich sonst noch anbietet.
    Insofern ist dieses Stimmungsbild fuer mich hoechst spannend.
    Vielen Dank, dass Ihr so konzentriert und detailliert lest.


    Alles Liebe von Charlie

  • Zitat

    Original von Johanna



    Das klingt wunderbar, dann bin ich schon aufs weiterlesen gespannt.


    Ich bin auch gespannt, aber ich versuche auch mir das Buch ein wenig einzuteilen, sonst ist es zu schnell ausgelesen. :-( :write

  • Zitat

    Original von Johanna
    [Für mich wird Anne immer aussehen aus wie Geneviève Bujold, daran kann ich einfach nix ändern.


    .


    Dann sind wir schon zwei!


    Ich finde sie wundervoll.


    Und ueber Heini in diesem Film sag ich lieber nichts, sonst entlarve ich mich endgueltig als der schmachtende Schmalztopf, der ich bin.


    Ein herrlicher Film!


    Alles Liebe von Charlie