'Die Kapelle der Glasmaler' - Seiten 001 - 078

  • Zitat

    Original von Charlie
    Mir gefiel dieser Einstieg besonders gut. Ich moechte wissen, wie alles zusammenhaengt, was die Personen miteinander zu tun haben, wo sie aufeinander schon einmal getroffen sind oder treffen werden.
    Noch ein Plus, mit dem ich ins Buch einsteige: Kirstens Art, zu beobachten. Das hat mir schon bei der "Tochter des Advokaten" so gefallen, aber hier finde ich es noch deutlich konsequenter. Sie sieht zu und ist dabei so leise, dass sie die Figuren nicht stoert. Sie bewertet sie nicht, sie draengt sie nicht auf, sie stellt sie nur vor und laesst uns selbst unser Bild machen.
    Toll!


    Alles Liebe von Charlie


    :write Ich mochte diesen Einstieg auch sehr gern. Er weckt Neugier, die Personen kennenzulernen und das Bild über die Personen, meine persönliche Wertung wächst durch Erleben und Handeln der Figuren und nicht weil ich Charaktereigenschaften vorgekaut bekomme. :-]

  • Zitat

    Original von beowulf
    Ich lese gerade mal wieder zwei Bücher parallel- Sarah Lark und Kirsten Schützhofer. Da fällt die Schwierigkeit eben sofort auf. Dieser kleine Schrifttyp macht einfach keinen Spaß.


    Und ich finde es schön endlich mal wieder ein Buch ohne aufgeblähte Schrift zu haben... Na ja, vielleicht sehe ich das in einigen Jahren anders.

  • Du erzählst diesmal anders, Kirsten, als in "Die Farbe der Revolution" bzw. "Die Tochter des Advokaten". Eine andere Geschichte erfordert einen anderen Erzählstil. Was aber bleibt und unverkennbar Kirsten Schützhofer ist, wie ich finde, ist Deine Sprache. Leise, scharf beobachtend, einfühlsam beschreibend, unaufdringlich eindringlich. Einfach schön.

  • Zitat

    Original von Sylli7
    Ich mag auch solche Anfänge nicht, wo man nicht weiß, um wen es geht.
    Bis Seite 16 hielt die Verwirrung an, dann wurde die Geschichte aber sehr spannend.
    Die Sprache ist wunderschön, das erzählerische Talent der Autorin hat mich sehr beeindruckt.
    Schauen wir mal, wie es weitergeht.


    Ich habe gestern (noch pünktlich zum Start der Leserunde :lache ) nach der EM das Buch angefangen.
    Allerdings bin ich noch im Teil der Verwirrung. Who is who!
    Heute Mittag wird es dann weitergehen! Schauen wer mal!

    Don't live down to expectations. Go out there and do something remarkable.
    Wendy Wasserstein

  • Mittlerweile hab ich diesen Teil auch fertig gelesen und bin schon sehr gespannt, wie es weitergehen wird. Leider trennt mich noch eine Runde lernen von den nächsten Seiten.


    Die Schicksalsgemeinschaft zwischen Loup und Ghislain baut sich langsam auf. Die Entwicklung bis zum Ende. Mir gefällt sehr, wie hier ohne unnötiges Füllwerk zeitlich gerafft, aber doch sehr genau alles geschildert wird, das ich mir selbst ein Bild machen kann.


    Um zu den Namen zurück zu kommen: mir gefallen die frz. Namen ja sehr gut, vor allem, weil ich da nie in die Versuchung gerade diese deutsch zu lesen. Bei Hugo lese ich jedesmal "Hugo ähm 'ugo", weil ich mich da wieder erinnern muss, wir sind in France.
    Aber wie würde man Ghislain richtig aussprechen?

  • Zitat

    Original von Nomadenseelchen


    Hier eine Gute Erklärug mit Schnittmustern ect.
    http://www.grossmaenner.de/taron/cotte.htm


    Danke für den Link, Nomadenseelchen. Jetzt kann ich mir die Cotte besser vorstellen, wundere mich aber, ob so ein "Nachthemd" wirklich praktische Kleidung bei Wanderung durch Wald oder unzugängliche Gegenden war, ganz zu schweigen von fehlender Bewegungsfreiheit.

  • Zitat

    Original von Herr Palomar
    Jetzt kann ich mir die Cotte besser vorstellen, wundere mich aber, ob so ein "Nachthemd" wirklich praktische Kleidung bei Wanderung durch Wald oder unzugängliche Gegenden war, ganz zu schweigen von fehlender Bewegungsfreiheit.


    Frauen lernen ja, sich in den erstaunlichsten Sachen zu bewegen. :lache
    Ernsthaft, es war ja nicht jede Cotte gleich bodenlang und die zum Reiten waren geschlitzt. Vielleicht sollte ich mal versuchen, mit meinem Exemplar wandern zu gehen. :gruebel


    taciturus
    Mit einem normalen G.


    Liebe Grüße


    Kirsten

  • Vor allem steht dort ja, dass gerade die Männerversion immer kürzer wurde, bis sie über den Knien als eine Art Minirock endet. Zusammen mit Beinlingen wird es so praktisch gewesen sein, wie Hose + Sweat-Shirt.

  • Dieses Teil habe ich jetzt auch beendet. Die Freundschaft oder wohl eher Vater/Sohn-Verhältnis zwischen Loup und Ghislain hat mich sehr beeindruckt. Erst wollte er das Kind nur als Diener mitnehmen.


    Jetzt bin ich gespannt was noch kommt. Welche Beziehung hat Ghislain zu Clement?


    Muss weiterlesen! ciao :wave

    Don't live down to expectations. Go out there and do something remarkable.
    Wendy Wasserstein

  • Das ist das erste Buch von Kirsten Schützhofer, das ich lese. Ich gehe also völlig vorurteilsfrei daran es zu lesen. Völlig vorurteilsfrei? Nein doch nicht so ganz, denn einige Eulen haben mir gezwitschert, dass es lohnen würde.


    Der Anfang hat mir gefallen. Die ersten Seiten so vollkommen ohne Namensnennung fand ich stark. Es hat mich neugierig gemacht, ich wollte sofort mehr wissen. Mir gefällt der Stil des Buches.


    Zitat

    Original von Pelican
    Leise, scharf beobachtend, einfühlsam beschreibend, unaufdringlich eindringlich. Einfach schön.


    Dem kann ich mich nur anschließen.


    Die Geschichte des Jungen Ghislain, der von Loup gerettet wurde und dann mit ihm über Jahre sein Leben teilte hat mir sehr gut gefallen. Mit Loup hat er einen Ersatzvater gefunden, der besser nicht sein konnte. Auch Hugo hat das Herz auf dem rechten Fleck. Na und Josepha, ich kann sie mir richtig gut vorstellen. Sie nimmt lieber als sie gibt. Aber vielleicht bereut sie ihre Härte auch einmal.


    Es liegen jetzt schon einige Mosaiksteinchen an verschiedenen Geschichten vor mir, ich bin gespannt auf das Gesamtbild, das entstehen wird, auf die Zusammengehörigkeit der Handlungsstränge. Ich


    Übrigens ist mir bei diesem Buch zum ersten Mal aufgefallen, dass auf dem Umschlag explizit auf das Glossar und die Zeittafel hingewiesen wird.


    So, nun muss schnell wieder zum Buch und schauen, was Ghislain über seine Herkunft herausfindet. Bis bald. :wave

  • Ich finde die damalige Mode besser als so manche Ungeheuerlichkeit, die in späteren Jahr(hunderten) auftauchte und das Leben im wesentlichen nur erschwerte. :grin Pumphosen, Mühlkragen, Brstplatten, Fischbeinkorsetts, Vatermörder ... bloß nicht. Was mich irritiert sind eher die verschiedenfarbigen Hosen und ähnliches.

  • Da ich erst poste und dann die anderen Beiträge lese, sei mir verziehen, wenn ich einige Dinge erneut anspreche und somit wiederhole.
    Der Beginn des Buches hat mich etwas verwirrt. Wer ist der ältere Mann im Büßerhemd? Irgendwie kann ich das Kapitel nicht zuordnen.


    Die Frau mit den bunten Glasscheiben weckte da eher mein Interesse, auch wenn ihre Kapitel nur Andeutungen waren. Eigentlich dachte ich Frauen durften zu dieser Zeit kein Handwerk betreiben!


    Dann begann die Geschichte:
    Raymond und sein kleiner Bruder Ghislain sind geflohen vor ihrem Bruder Donatien. Offenbar bedrohte er das Leben seines Kleinen, vermutlich Halbbruder's. Nun kostet es Raymond's Leben, den er gnadenlos foltert um den Kleinen zu finden.


    Ein Gaukler, Loup, findet den Leichnam und Ghislain. Obwohl er keinen Gefährten braucht, hat er wohl doch ein Herz und nimmt sich Ghislains an. Im Laufe der Jahre vergisst oder verdrängt Ghislain seine Herkunft.


    Als Loup, der längst die Vaterrolle übernommen hat, stirbt, erhält Ghislain ein Medaillon, seines, die einzige Spur in seine Vergangenheit und macht sich auf den Weg.


    Mal abgesehen von leichten Einstiegsschwierigkeiten, die oben beschrieben, ist die Schreibweise angenehm und gut zu lesen. Nur bei den Zeitsprüngen hätte ich mir einen Hinweis zum Beginn der Kapitel gewünscht, denn wenn ein eben noch 12jähriger König im nächsten Moment heiratet, verwirrt das schon ein bisschen.

  • Zitat

    von taciturus
    Um dein eigenen Bruder zu Tode zu foltern, bedarf es schon einiges an Kälte.


    DAs ist noch sehr milde ausgedrückt!


    Zitat

    von Liesbett
    Mit 44 schon so alt finde ich auch erschreckend. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass der Körper ab 30 abbaut.


    Du kannst ja jedem über 30 richtig Mut machen! :grin

  • Zitat

    Original von Joschi
    Eigentlich dachte ich Frauen durften zu dieser Zeit kein Handwerk betreiben!


    Also in den Pariser Steuerlisten von 1295 taucht eine Glasmalerin auf, was nicht nur bedeutet, dass sie das Handwerk ausgeübt hat. Sie hat auch offenbar genügend Geld verdient, um Steuern zahlen zu können. Ich war, ehrlich gesagt, aber auch überrascht darüber.


    Liebe Grüße


    Kirsten


    "uralte 36"

  • Ich beginne mit der Aufmachung des Buches. Mir gefällt das Titelbild, ich mag es, wenn mich auf einem Buch jemand anguckt, Granatäpfel sind etwas Feines und das Fensterbild im Hintergrund passt zum Titel mit den Glasmalern. Von der Dicke her kann ich das Buch noch gut in der Hand halten, es ist aber an der Grenze, viel dicker dürfte es nicht sein. Ich finde die Schrift nicht zu klein, allenfalls die gewählte Type wirkt auf mich ein wenig spröde.


    Der Einstieg in die Geschichte hat mich überzeugt, sowohl insgesamt als auch en detail. Es beginnt mit Wind und Geruch, die Autorin nutzt also eine Stärke des Mediums: Sinneseindrücke jenseits von Tönen und Optik vermitteln zu können, mit denen man ohnehin in Fernsehen und Kino zugeschüttet wird. So, wie das Buch gewissermaßen "an die Hintertür" der menschlichen Sinneswahrnehmungen klopft, poltert auch die Welt der Geschichte nicht lärmend herein, sondern ganz sacht, beinahe behutsam. Eine Szene hier - eine Szene dort, und ehe man sich versieht, hat man einen Eindruck von der Romanwelt gewonnen. Diese Orientierung ist wichtig, schließlich will ich als Leser in der Gegenwart abgeholt und dann 750 Jahre zurückgeführt werden, ohne das Gefühl zu bekommen, in einer Filmkulisse zu stehen. Es soll sich echt anfühlen und bei der "Kapelle der Glasmaler" tut es das.


    Mir gefallen vor allem die kurzen Szenen mit der Glaserin. "Hohe Wände aus buntem Licht" - sehr schön beobachtet, das konnte ich direkt wiedererkennen. Für mein Empfinden sind viele Kirchen tatsächlich aus Licht gebaut (ich saß heute noch vor dem neuen Südfenster im Kölner Dom, da wird der Eindruck besonders deutlich, dass man das Licht als Bauelement eingesetzt hat).


    Auch gut gefallen hat mir der Sadist Donarien. Nicht, dass ich ihn gern kennen lernen würde, aber er wirkt plastisch, "echt". Zudem manchmal überraschend, wenn er beispielsweise eine Zeitspanne in der "Länge von zwei Ave Maria" misst.


    Eine stilistische Besonderheit scheinen mir die Perspektivwechsel zu sein; eine Szene beginnt aus der Perspektive einer Figur und dreht dann während der Beschreibung zu einer anderen, etwa auf S. 50. Das erfordert Aufmerksamkeit beim Lesen, damit man nicht die Orientierung verliert.


    Die Adoption durch Loup finde ich grenzwertig. Einerseits absolut vorhersehbar - sobald der Jongleur am Ort des Geschehens auftauchte, rechnete ich damit, dass er sich des Jungen annähme. Andererseits dadurch gerettet, dass die Szene frei bleibt von Kitsch. Loup denkt pragmatisch, muss sich erst zur guten Tat durchringen, hat einige wenig sympathische Gedankengänge ...
    Leider ebenso vorhersehbar fand ich, dass die Kette mit dem Medaillon so etwas ist wie die Brotkrumen bei Hänsel und Gretel, also die Spur zur Herkunft. So interessant der Grundplot auch ist, auch ich möchte gern erfahren, was denn hinter dem Bruderzwist stand, ist diese Art des Spurenlegens spätestens seit "Conan, der Barbar" nicht mehr aktuell. Andererseits lese ich immer wieder gern einen Conan-Roman, also wird mich das nicht abschrecken.


    Was noch? Manchmal ist die Sprache nicht exakt, etwa auf Seite 30, wenn mit "unverminderter" Kraft zugeschlagen wird. Das würde aber voraussetzen, dass bereits zuvor geschlagen wurde (mit einem gewissen Kraftniveau) und dieses dann beibehalten würde. Hier beginnt man aber gerade erst mit dem Schlagen, also wäre wohl "brutale" oder "ungebremste" Kraft glücklicher gewesen. Auch gibt es ein paar ermüdende Wortwiederholungen, bspw. auf S. 58 (Ohrringe in den Ohren) oder S. 76 (Kräuter und Kräutern), aber das fällt überhaupt nur auf, weil das allgemeine Sprachniveau deutlich über dem liegt (ich bin versucht zu schreiben: "schwebt"), was uns der Einheitsbrei sonst so zumutet.


    In Summe: Ich bin in der Romanwelt angekommen, habe bei der Handlung Witterung aufgenommen und, wenn auch mit etwas säuerlichem Gesichtsausdruck, sogar den Köder mit dem Medaillon geschluckt - jetzt möchte ich wissen, wie es weitergeht.