Wolfgang Schorlau: Das dunkle Schweigen

  • Wolfgang Schorlau: Das dunkle Schweigen - Denglers zweiter Fall


    Klappentext:
    Trotz guter Horoskope: Die Geschäfte des Privatermittlers und leidenschaftlichen Bluesfans Georg Dengler gehen schlecht. Mit kleinen Aufträgen muß der ehemalige Superbulle vom BKA sich über Wasser halten: untreue Ehefrauen überwachen, Vorzeige-Bodyguard auf der Milliardärsparty spielen, Sozialhilfeempfänger kontrollieren.


    Die Ermittlungen in einer scheinbar harmlosen Erbschaftssache führen Dengler in einen kleinen Ort in Süddeutschland - und an den Rand der Verzweiflung. Ein rätselhafter Vertrag dokumentiert: 1947 hat das Schlosshotel seinen Besitzer gewechselt, die Enkel des ehemaligen Eigentümers wollen wissen, was es mit dieser Transaktion auf sich hat. Dengler stößt auf einen Familienkonflikt aus den Tagen der dunkelsten deutschen Vergangenheit und droht an einer Mauer des Schweigens zu scheitern.


    Frustriert nimmt er eine Auszeit, läßt einen alten Traum wahr werden und fliegt nach Chicago, um seinen Blueshelden Junior Wells im legendären Theresa’s Lounge live spielen zu sehen. Mitten im Ghetto der Chicago South Side erhält Dengler einen neuen Auftrag - der ihn wieder in den kleinen Ort nach Süddeutschland führen wird. Und wieder in die Zeit des Kriegsendes. Dengler macht eine furchtbare Entdeckung - und gerät in einen Hinterhalt…



    Allgemeines
    Um den Ermittler Georg Dengler gibt es mehrere Bücher:
    1. Die blaue Liste
    2. Das dunkle Schweigen
    3. Fremde Wasser
    4. Brennende Kälte



    Beurteilung:
    Wie schon der erste Fall Die blaue Liste handelt auch dieser Krimi von der deutschen Vergangenheit und nimmt sich brisanter Themen an. Denglers Erlebnisse sind sehr spannend und ich wollte unbedingt wissen, wie die Geschichte ausgeht. Die Einschübe, die die Vergangenheit schildern (aus der Sicht des Piloten und aus der Sicht von Albert Roth) tragen zur Atmosphäre bei und machen die Geschichte noch beklemmender, der Leser erlebt die Vergangenheit sozusagen hautnah mit. Wie schon im ersten Teil, spart der Autor auch hier nicht mit Gesellschaftskritik. Obwohl er durchaus recht hat, ist mir vieles „zu dick aufgetragen“. Und man merkt, daß der Autor Blues-Fan ist - fast schon ein wenig zu ausführlich, obwohl es zur Stimmung beiträgt.
    Das dunkle Schweigen hat mir besser gefallen als der erste Teil, es ist ein äußerst spannender Krimi mit viel Atmosphäre und man fragt sich, wie viele Dinge es aus dieser Zeit noch gibt, die bewußt unter der Decke gehalten wurden und werden…
    Übrigens sollte man das Nachwort wirklich erst zum Schluß lesen. ;-)




    Kategorie: Krimi / Politik / Deutschland / Drittes Reich
    Taschenbuch
    KiWi (Kiepenheuer & Witsch)
    334 Seiten
    ISBN: 3462034149 bzw. 9783462034145

    liebe Grüße
    Nell


    Ich bin zu alt um nur zu spielen, zu jung um ohne Wunsch zu sein (Goethe)

  • "Das dunkle Schweigen" habe ich jetzt gleich nach "Der blauen Liste" gelesen.


    Hier geht der Fall etwas weiter zurück in die "dunkle deutsche Vergangenheit", ins Jahr 1945.


    Ich finde es schon fast genial, wie Schorlau hier die Fäden spinnt und so ganz nebenbei "Junior Wells" ein kleines Denkmal setzt. Und das alles ohne Psychopathen, Gewalt, Folter und was sonst an Hardcore zur Unterhaltung des Lesers Autoren meinen einsetzen zu müssen


    Und Dengler ist ein so normaler Protagonist, wie ich schon lange keinen mehr kennengelernt habe. Er hat seine Macken, aber das ganze ohne die übliche depressive, mit tiefenpsychologisch Gebabbel, angefüllte Ader. Einfach nur symphatisch, jemand mit dem man gerne bei einem Glas (gerne auch mehrere) Grauburgunder schwätzen würde.


    Interessant auch wieder das Nachwort (sollte wirklich erst nach dem Roman gelesen werden), in dem der Autor Einblick in seine zum Roman führenden Anstöße gibt.


    Was mir selten passierte, von Schorlau und Dengler komme ich nicht los und werde gleich mit dem 3. Fall "Brennede Wasser" beginnen.

    "Sie lesen?"
    "Seit der Grundschule, aber nur, wenn's keiner sieht."


    Geoffrey Wigham in "London Calling" von Finn Tomson

  • Wolfgang Schorlau schafft es immer wieder politisch aktuelle - und brisante - Themen aufzugreifen und spannend in seinen Krimis zu verarbeiten. So auch hier wieder.


    Diesmal musste die braune Vergangenheit der Deutschen wieder einmal herhalten. Nach einer sehr intensiven Phase als Leserin im Teenageralter ist es eigentlich schon lange kein Thema mehr, das ich zum 938. Male in einem Buch sehen will. Doch hier wird tatsächlich eine Perspektive beschrieben, die mir noch recht unbekannt war und unbedingt ans Licht kommen sollte. Und mehr will ich an dieser Stelle auch nicht verraten und es dem Leser selber überlassen mehr zu erfahren. Ich will hier nicht die Spannung kaputt machen, die Schorlau so wunderbar aufgebaut hat.


    Hervorragend geschrieben!

    Gruss aus Calgary, Canada
    Beatrix


    "Well behaved women rarely make history" -- Laura Thatcher Ulrich

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Beatrix ()