Saiya,
ich habe über Kitty gesprochen, die ich verzogen und verwöhnt finde, und nicht über Dolly. Dolly hat kein leichtes Leben, hält sich aber wacker und jammert nicht.

'Anna Karenina' - Teil 2, Kap. 01 - 18
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Clare, das habe ich auch so verstanden.
Das liest sich wohl sehr mißverständlich. Tut mir leid!Ich habe dich nur zitiert, weil ich genau über diesen Teil schreiben wollte, Kitys Krankheit und das Gespräch mit ihrer Schwester. Ich bin da vollkommen mit dir einer Meinung, wie man an meiner Bemerkung "kindische Kummerphase" vielleicht herauslesen kann.
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Dolly hat mich in diesem Abschnitt auch beeindruckt, im ersten Abschnitt habe ich sie auch als kleines Dummerchen gesehen, meine Meinung über sie jetzt aber geändert.
Kittys Nervenkrise nervt michWundert mich auch immer wieder wie schrecklich labil so viele Figuren in Klassikern sind.
Lewin gefällt mir in diesem Abschnitt immer besser, sehr schön beschrieben fand ich seine Gedanken und Gefühle zum "Frühlingserwachen" auf seinem Hof, da ist er richtig in seinem Element, nur seinem Verwalter müsste er mal dringend gewaltig in den Allerwertesten treten
ZitatOriginal von Macska
Oblonski hat sich beim Verkauf des Waldes schön übers Ohr hauen lassen. Ich verstehe nicht, warum er nicht Lewin um Rat gefragt hat. Darüber regt sich Lewin natürlich zu Recht auf. Was ich gut finde, er zeigt dem Käufer des Waldes direkt seine Abneigung, weil er seinen Freund übers Ohr gehauen hat und kratzbuckelt nicht.Oblonski ist der Meinung, dass er selbst genug Ahnung von Forstwirtschaft und ihn als weltgewanter Städter würde so schnell niemand übers Ohr hauen, vom Geschäfte machen würde er ja mehr verstehen als die Landwirte.
Typisch Städter halt (da spricht der Bauer aus mir :lache)
@ Macska
Danke für die Hintergrundinfos zur Wehrpflicht, Anmerkungen hat meine Ausgabe leider keine.
6 Jahre ist echt heftig -
Zitat
Original von Clare
Tolstoi streut immer wieder mal tagespolitisch aktuelle Ereignisse und Ansichten ein. Wen ich noch nicht so richtig einordnen kann, ist Nikolai Lewin mit seinen politischen Überzeugungen und seinem Lebensstil.
Lewin steht fuer Tolstoi selber. Der Autor benutzt ihn, um in diesem Buch auch seine eigenen politischen Ansichten zu verdeutlichen. Oder besser gesagt seine Ideen und Traeume fuer ein ideales Russland.
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Zitat
Original von Beatrix
Lewin steht fuer Tolstoi selber. Der Autor benutzt ihn, um in diesem Buch auch seine eigenen politischen Ansichten zu verdeutlichen. Oder besser gesagt seine Ideen und Traeume fuer ein ideales Russland.
Wird das vermutet oder weiß man das genau?
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Ich hab das in unterschiedlichen Interpretationshilfen gelesen.
Levin is often considered as a semi-autobiographical portrayal of Tolstoy's own beliefs, struggles and life events.[7] Tolstoy's first name is "Lev", and the Russian surname "Levin" means "of Lev". According to footnotes in the Pevear/Volokhonsky translation, the viewpoints Levin supports throughout the novel in his arguments match Tolstoy's outspoken views on the same issues. Moreover, according to W. Gareth Jones, Levin proposed to Kitty in the same way as Tolstoy to Sophia Behrs. Additionally, Levin's request that his fiancée read his diary as a way of disclosing his faults and previous sexual encounters, parallels Tolstoy's own requests to his fiancée Sophia Behrs.[8]Sparknotes:
Levin is a figurehead in the novel for Tolstoy himself, who modeled Levin and Kitty’s courtship on his own marriage. Levin’s declaration of faith at the end of the novel sums up Tolstoy’s own convictions, marking the start of the deeply religious phase of Tolstoy’s life that followed his completion of Anna Karenina. -
Danke für die Informationen!
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Damit wäre der nächste Abschnitt beendet und das Buch gefällt mir immer noch
Ich war ja echt skeptisch, aber es liest sich immer noch schön, wird auch nicht langweilig, auch wenn es anfangs sehr gewöhnungsbedürftig für mich war
Irgendwie deprimiert es mich immer ein bisschen, wenn ich wieder einiges gelesen habe und auf das Buch schaue, um zu sehen, wie viel ich schon geschafft habe - und dann ist es immer noch nur ein kleines Bruchstück. Es ist schwer für mich, nicht den Mut zu verlieren und daran zu glauben, dass die Geschichte nicht doch noch langweilig wird, auf den nächsten 1000 Seiten...
ZitatOriginal von Clare
Und dann Kapitel 11; wirklich brillant gelöst, ohne das Feingefühl und die Moral der damaligen Zeit zu verletzen - einfach, es ist geschehen. Was, bleibt der Phantasie des Lesers überlassen...Das fand ich auch wirklich elegant gelöst, auch wenn ich mir erst nicht sicher war, was das jetzt bedeuten soll
ZitatOriginal von Clare
Lewin nimmt einen Großteil dieses Abschnittes ein. Seine Bodenständigkeit und Gefühle, die er immer noch für Kitty hat, machen ihn zur bisher angenehmsten Figur in diesem Roman.
Über sein Leben auf dem Land und das Gut ist auch viel zu erfahren. Man spürt Tolstois Liebe zur Heimat ganz deutlich in diesen lebendigen, fast liebevollen Beschreibungen.Hach, Lewin, mein heimlicher Liebling
Mir gefällt dieser Abschnitt auch sehr, er liebt seine Heimat, seinen Hof, seinen Beruf - er geht wirklich in seiner Arbeit auf und freut sich, wenn er ein guter Mensch sein kann. Das sind sehr schöne Charakterzüge.
Sehr gut gefallen hat mir auch der erste Abschnitt des Kapitels 12 - mir geht es selber oft so, dass ich mich furchtbar über etwas aufrege oder mir große Sorgen und ganz viele Gedanken mache und deswegen nicht schlafen oder abschalten kann. Und ein paar Tage, Wochen oder Monate später wundere ich mich, was da in mich gefahren ist. Das hat Lewin wirklich schön beschrieben und mir direkt aus der Seele gesprochenÜbrigens gefällt mir meine Ausgabe sehr gut, sie enthält zwar keine sachlichen Anmerkungen, aber die Übersetzung ist sehr gut gelungen und auch die Qualität des Buches finde ich sehr gut. Schön in der Hand zu halten und die Seiten sind so schön weich (ich weiß, ich weiß, :pille)
Also auf zum nächsten Abschnitt
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Zitat
Original von Mooney
Irgendwie deprimiert es mich immer ein bisschen, wenn ich wieder einiges gelesen habe und auf das Buch schaue, um zu sehen, wie viel ich schon geschafft habe - und dann ist es immer noch nur ein kleines Bruchstück. Es ist schwer für mich, nicht den Mut zu verlieren und daran zu glauben, dass die Geschichte nicht doch noch langweilig wird, auf den nächsten 1000 Seiten...
...So geht mir das auch. Ich hab im Moment mit dem Buch fast eine Leseflaute, so kommt es mir vor. Ich lese und lese und irgendwie komme ich nicht voran, obwohl ich eigentlich gar keine Schwierigkeiten mit dem Text und Inhalt habe, was mir dann noch verständlich wäre. Trotzdem hab ich das Gefühl, ich trete auf der Stelle.
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Zitat
Original von Mooney
Irgendwie deprimiert es mich immer ein bisschen, wenn ich wieder einiges gelesen habe und auf das Buch schaue, um zu sehen, wie viel ich schon geschafft habe - und dann ist es immer noch nur ein kleines Bruchstück. Es ist schwer für mich, nicht den Mut zu verlieren und daran zu glauben, dass die Geschichte nicht doch noch langweilig wird, auf den nächsten 1000 Seiten...So geht es mir auch, wenn ich dann allerdings auf die Einteilung für die LR gucke, habe ich schon wieder einen Abschnitt gelesen, ohne es zu merken.
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Ich bin fertig mit dem Abschnitt und ganz hin und weg von diesem Buch. Ich freue mich schon auf heute Abend, wenn ich die Zeit und Ruhe habe, weiterzulesen.
Lewins Leben auf dem Land, die Liebe zu seiner Heimat mit allem, was dazu gehört, seine Ideen die Landwirtschaft noch zu verbessern gefallen mir sehr gut. Man spürt förmlich wie tief verwurzelt er mit seiner Heimat ist und wie verbunden er sich mit dem Land fühlt. Das merkt man auch besonders, als Oblonskij ihn besucht und sich in allen Belangen wie ein typischer Städter verhält.
Ich finde Tolstois Darstellung von Lewins Leben sehr bildhaft beschrieben. Man merkt, daß er sich mit diesem Charakter sehr intensiv auseinandergesetzt hat.
Beatrix : Auch ich dank dir für die Erklärung bzgl. Tolstoi und seine Romanfigur!
Wenn Anna in den ersten beiden Abschnitten an ihren Mann gedacht hat, habe ich mir einen alten, unterkühlten Beamten vorgestellt, der sich wenig für seine Frau interessiert. Hier liest man nun, daß er auch sehr einfühlsam sein kann und seine Frau auf seine Weise anscheinend wirklich liebt. Seine Sprachlosigkeit in Bezug auf zwischenmenschliche Beziehungen macht es ihm allerdings sehr schwer ihr nahe zu kommen. Ich hatte mir eigentlich vorgenommen ihn nicht zu mögen, nun muß ich allerdings zugeben, daß er zwar nicht ganz schuldlos daran ist, daß Anna sich von ihm abwendet, aber auch Opfer ihres Egoismus. Er ist eine Figur in diesem Roman auf deren weiteren Entwicklung und Verhalten ich sehr gespannt bin.
Die Beschreibung der Beziehung zwischen Anna und Wronskij in Kapitel, die ja nun noch einen Schritt weitergegangen sind bzw. eine Menge Schritte, wie es scheint, hat mir sehr gut gefallen. Hier bleibt es der eigenen Phantasie überlassen, was und wie es passiert ist. Für die damalige Zeit eine sicherlich mehr als elegante Lösung.
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Zitat
Original von Saiya
Ich hatte mir eigentlich vorgenommen ihn nicht zu mögen, nun muß ich allerdings zugeben, daß er zwar nicht ganz schuldlos daran ist, daß Anna sich von ihm abwendet, aber auch Opfer ihres Egoismus. Er ist eine Figur in diesem Roman auf deren weiteren Entwicklung und Verhalten ich sehr gespannt bin.Genau das ist es was mich bei Tolstoi so beeindruckt: er schafft es seine Charaktere wie wirkliche Menschen zu beschreiben mit all ihren Facetten. Da gibt es nicht einfach gut und boese sondern sehr viele Grautoene. Tolstoi urteilt nicht. Und wir als Leser merken, dass wie es auch nicht koennen.
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Zitat
Original von Beatrix
Genau das ist es was mich bei Tolstoi so beeindruckt: er schafft es seine Charaktere wie wirkliche Menschen zu beschreiben mit all ihren Facetten. Da gibt es nicht einfach gut und boese sondern sehr viele Grautoene. Tolstoi urteilt nicht. Und wir als Leser merken, dass wie es auch nicht koennen.Das stimmt und das macht das Buch so spannend, man weiß nie, wie ein Charakter reagiert oder was für Eigenschaften man am ihn noch so entdecken kann!
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Zitat
Original von Clare
Wiederaufnahme der LR ab 5.12.2011Kittys "Erkrankung" ist wieder so ein Beispiel, wie schnell in Klassikern dieser Zeit Nervenkrisen auftauchen.
Sie krankt an gebrochenem Herzen, so mag man denken, aber sie war es doch, die ein Herz gebrochen hat. Bei ihr vermute ich eher den Gram über verpasste Gelegenheiten und darüber, dass man manche Schritte, die man geht, nicht mehr rückgängig machen kann. Aber das gehört zum Erwachsen werden. Merkt man, dass ich sie nicht mag
Man erfährt so einiges über die Petersburger Gesellschaft dieser Zeit, interessant. Anna und Wronskij kommen ins Gerede, wie konnte es auch anders sein, dabei ist zwischen ihnen zu dem Zeitpunkt noch gar nichts vorgefallen. Allerdings erstaunt mich auch, warum sie sich so in aller Öffentlichkeit kompromittieren, anstatt sich an einem stilleren Ort zu treffen
Und dann Kapitel 11; wirklich brillant gelöst, ohne das Feingefühl und die Moral der damaligen Zeit zu verletzen - einfach, es ist geschehen. Was, bleibt der Phantasie des Lesers überlassen...
Lewin nimmt einen Großteil dieses Abschnittes ein. Seine Bodenständigkeit und Gefühle, die er immer noch für Kitty hat, machen ihn zur bisher angenehmsten Figur in diesem Roman.
Über sein Leben auf dem Land und das Gut ist auch viel zu erfahren. Man spürt Tolstois Liebe zur Heimat ganz deutlich in diesen lebendigen, fast liebevollen Beschreibungen.
[...]Ich kann deinen Post eigentlich nur so unterschreiben, Clare, denn die von dir angesprochenen Dinge sehe ich genauso. Ich mag Kitty auch nicht, sie geht mir gehörig auf den Zeiger und dass sie nun "an gebrochenem Herzen" erkrankt, geschieht ihr recht, denn sie selbst ja genauso eine Herzensbrecherin...
Und was Levin angeht: Die Beschreibung seines Lebens auf dem Land, wie langsam Frühling wird, das fand ich einfach nur wunderschön.
Toll finde ich auch, wie Tolstoi immer wieder die -zum Teil wirren- Gedankengänge der Figuren dastellt, zum Beispiel als Karenin sich zurechtlegt, was er zu Anna sagen möchte, nachdem er sie und Wronskij beobachtet hat, oder Annas Hin-und Hergerissenheit zwischen ihren Gefühlen für Wronskij und dem was moralisch richtig wäre, oder Levin und seine Gefühle für Kitty... Ich hätte nicht erwartet, dass mich das Buch doch so sehr berühren würde (gerade, weil ich mich ja anfangs wirklich, wirklich schwer damit getan habe)
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Zitat
Original von Camero
...Toll finde ich auch, wie Tolstoi immer wieder die -zum Teil wirren- Gedankengänge der Figuren dastellt, zum Beispiel als Karenin sich zurechtlegt, was er zu Anna sagen möchte, nachdem er sie und Wronskij beobachtet hat, oder Annas Hin-und Hergerissenheit zwischen ihren Gefühlen für Wronskij und dem was moralisch richtig wäre, oder Levin und seine Gefühle für Kitty... Ich hätte nicht erwartet, dass mich das Buch doch so sehr berühren würde (gerade, weil ich mich ja anfangs wirklich, wirklich schwer damit getan habe)Ach Camero, das freut mich wirklich, dass dich das Buch berührt!
Das Besondere ist für mich auch, dass sich Tolstoi jedem Einzelnen ausführlich widmet, egal ob es Dolly ist oder Anna Ehemann oder Lewin oder...Sympathisch oder Unsympathisch, alle werden mit Liebe zum Detail charakterisiert.
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Zitat
Original von Clare
[...]Ach Camero, das freut mich wirklich, dass dich das Buch berührt!
Das Besondere ist für mich auch, dass sich Tolstoi jedem Einzelnen ausführlich widmet, egal ob es Dolly ist oder Anna Ehemann oder Lewin oder...Sympathisch oder Unsympathisch, alle werden mit Liebe zum Detail charakterisiert.
Danke, Clare, ich freu mich auch darüber, gerade weil ich es überhaupt nicht mit russischen Autoren und Literatur habe (zumindest nicht mit zeitgenössichen Autoren :rolleyes) und die Erinnerung an meinen Russischunterricht und einen damit verbundenen Schüleraustausch nicht die besten sind(auch wenn das jetzt weniger mit dem Buch zu tun hat, aber irgendwie hat mich das doch immer beeinflusst)
Ja, diese Liebe zum Detail finde ich wirklich faszinierend. Vorallem ist sie genau richtig, es ist viel, aber nicht zu viel, sodass man sich nicht langweilt beim Lesen. So geht es zumindest mir.
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Der Start des zweiten Abschnittes hat mich in Bezug auf den Zeitsprung etwas verwirrt. Als Anna und Wronski Moskau verlassen haben, war es Winter. Kitty wird unmittelbar daraufhin krank, also nahm ich an, daß es sich immer noch um denselben Winter handelt. Gleich im 2. Kapitel heißt es jedoch, daß Dolly ein weiteres Kind geboren hat. Wann war sie denn schwanger ? Ist nun 1 Jahr vergangen seitdem Anna ihre Schwägerin besucht hat ? Aber warum ist dann Kitty erst 1 Jahr später krank geworden ?
ZitatOriginal von Clare
Man erfährt so einiges über die Petersburger Gesellschaft dieser Zeit, interessant. Anna und Wronskij kommen ins Gerede, wie konnte es auch anders sein, dabei ist zwischen ihnen zu dem Zeitpunkt noch gar nichts vorgefallen. Allerdings erstaunt mich auch, warum sie sich so in aller Öffentlichkeit kompromittieren, anstatt sich an einem stilleren Ort zu treffen
Das hat mich auch sehr überrascht. Vor allem, als sich die Gesellschaft nach der Oper bei Fürstin Betsy trifft und sogar Annas Mann anwesend ist, vertieft sie sich in ein Gespräch mit Wronski. Ihr muß doch klar gewesen sein, daß das allen anderen auffällt.ZitatOriginal von Macska
Der Verwalter von Lewin ist ja auch ein "Herzchen". Der zieht sein eigenes Ding durch und ignoriert Lewin und seine Anweisungen völlig.
Lewin ist und bleibt einfach zu gut für diese Welt. Nicht nur sein Verwalter macht was er will, auch die Angestellten scheinen ihm ein wenig auf der Nase herumzutanzen. Lewin merkt es wohl, möchte aber einfach nichts dagegen tun. Und das, obwohl er seinen Bauernhof, sein Land und sein Vieh doch so abgöttisch liebt.Tolstoi hat wirklich ein Talent die Personen so zu beschreiben, daß man sich mit ihnen identifizieren kann. Lewin hat Angst, daß er sich mit seinem Antrag lächerlich gemacht hat. Er ahnt jedoch, daß er erst einmal einfach nur Abstand braucht und das die Welt in ein paar Wochen wieder ganz anders aussehen wird. Wem von uns ist das nicht selbst schon einmal so ergangen ? Karenin, der sich für ein Gespräch mit Anna rüstet und sich die Worte ganz genau zurechtlegt und es dann doch nicht übers Herz bringt, diese genau so auszusprechen. Das macht ihn sehr menschlich ... und wenn ich ehrlich bin, das hatte ich von ihm nicht erwartet.
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Zitat
Original von -Christine-
Der Start des zweiten Abschnittes hat mich in Bezug auf den Zeitsprung etwas verwirrt. Als Anna und Wronski Moskau verlassen haben, war es Winter. Kitty wird unmittelbar daraufhin krank, also nahm ich an, daß es sich immer noch um denselben Winter handelt. Gleich im 2. Kapitel heißt es jedoch, daß Dolly ein weiteres Kind geboren hat. Wann war sie denn schwanger ? Ist nun 1 Jahr vergangen seitdem Anna ihre Schwägerin besucht hat ? Aber warum ist dann Kitty erst 1 Jahr später krank geworden ?Es kommen noch einige solche Zeitsprünge, in denen alle Dinge ihren Gang gehen und Tolstoi uns dann nur die Ergebnisse präsentiert. Ich finde das nicht schlimm, muss aber auch immer kurz mal innehalten und denken: "Wie jetzt? Ach so!"
ZitatOriginal von Clare
Man erfährt so einiges über die Petersburger Gesellschaft dieser Zeit, interessant. Anna und Wronskij kommen ins Gerede, wie konnte es auch anders sein, dabei ist zwischen ihnen zu dem Zeitpunkt noch gar nichts vorgefallen. Allerdings erstaunt mich auch, warum sie sich so in aller Öffentlichkeit kompromittieren, anstatt sich an einem stilleren Ort zu treffen
Das hat mich auch sehr überrascht. Vor allem, als sich die Gesellschaft nach der Oper bei Fürstin Betsy trifft und sogar Annas Mann anwesend ist, vertieft sie sich in ein Gespräch mit Wronski. Ihr muß doch klar gewesen sein, daß das allen anderen auffällt.[/quote]Ja, nicht wahr. Wie kann man nur so naiv, sorglos sein?
Sie wissen schon, dass sie sich sehr bedeckt halten müssen, tun es aber nicht immer(auch später im Roman ab und an nicht...)
Ich würde es am ehesten so erklären, dass man sich beherrschen, zusammenreißen kann, immer wieder, aber irgendwann passiert dann doch so etwas, wenn die Aufmerksamkeit nachlässt. Man kann solche Heimlichkeiten nicht dauerhaft durchhalten, es sei denn man ist geübt oder skrupellos, und das sind wohl beide nicht. Sie wirken immer so überrascht, dass so etwas ihnen geschieht. -
Zitat
Original von -Christine-
Lewin ist und bleibt einfach zu gut für diese Welt. Nicht nur sein Verwalter macht was er will, auch die Angestellten scheinen ihm ein wenig auf der Nase herumzutanzen. Lewin merkt es wohl, möchte aber einfach nichts dagegen tun. Und das, obwohl er seinen Bauernhof, sein Land und sein Vieh doch so abgöttisch liebt.
Bei Lewin bin ich hin und her gerissen. Einerseits wirkt er sympathisch, aber durch seine fehlende Durchsetzungskraft manchmal auch wie ein Waschlappen.
Was mir aber gut gefällt, sind die Beschreibungen des Landlebens. Endlich mal ein Adliger, der nicht nur faul von einem Empfang zum anderen stolpert, sondern arbeitet. Auch wenn seinen Untergebenen eine etwas strengere Hand anstünde. Allerdings scheint hier dieser typisch russische Phlegmatismus beschrieben zu sein.
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Warum war Karenin zunächst nicht eifersüchtig? Er ist quasi erst durch Andeutung Dritter darauf gekommen, dass das etwas zwischen Wronski und seiner Frau laufen könnte.
Ist er so leidenschaftslos veranlagt oder ist er so überheblich, dass er sich die Untreue seiner Frau gar nicht vorstellen kann? Vermutlich ist er mehr mit seiner Arbeit als mit Anna verheiratet und deswegen merkbefreit.
Es wundert mich immer weniger, dass Anna so extrem auf Wronski reagiert hat. Die arme Frau war emotional total ausgehungert. Ihr Mann behandelt sie mich Herablassung und Spott. Wronski hat ihr Anbetung und Respekt geboten. Jetzt kann ich mir dieses spontane Verlieben besser vorstellen.
Die Beschreibung des "tatsächlichen Ehebruchs" finde ich ausgesprochen passend für einen Autor dieser Zeit. Allerdings macht es mich traurig, dass Anna augenscheinlich so wenig Freude daran hatte. Zumindest schildert Tolstoi es so. Statt Befriedigung hat ihr der Beischlaf nur Scham und Kummer beschert. Wie düster!