'Anna Karenina' - Teil 2, Kap. 19 - 35

  • Wiederaufnahme der LR ab 5.12.11


    Man könnte sagen, dass die Hauptpersonen in diesem Abschnitt Farbe bekennen, vor Anderen oder vor sich selbst.


    Anna ist schwanger, und sie sagt es ihrem Geliebten. Wie soll das nur weiter gehen?


    Einen großen Teil des Abschnittes nimmt das Pferderennen ein, bei dem Wronskij teilnimmt. Dieser Vormittag des Rennens ist aus verschiedenen Perspektiven geschildert: aus Annas, aus Wronskijs und aus der von Annas Ehemann. Das fand ich sehr gelungen gelöst. Auf jeden wirken die Ereignisse anders. Anna verrät sich bei Wronskijs Sturz endgültig, vor ihrem Ehemann und der Gesellschaft in ihrer Nähe. Damit zwingt sie ihren Gatten, nun auch Farbe zu bekennen und den Gedanken, dass seine Frau real ein Verhältnis hat, zuzulassen. Verleugnen und totschweigen geht nun nicht mehr, und Anna sagt e sihm schließlich sogar ins Gesicht.


    Kitty hat auch ihren Platz in diesem Abschnitt. Sie hängt sich an Warenka, die sie bei ihrem deutschen Bäderaufenthalt kennen lernt. Zu so einer idealisierten Gestalt zu werden, scheint ihr die Lösung aller ihrer Probleme, bis sie merkt, dass ihr die Schuhe der anderen Frau einfach nicht passen. Vielleicht hat diese Begegnung und Erfahrung ihr und ihrer Reifung etwas gebracht. Wir werden sehen.


    Edit hat etwas entfernt, was in den nächsten Abschnitt gehört. :wow

    - Freiheit, die den Himmel streift -

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  • Das Pferderennen wird aus jeder beschriebenen Perspektive sehr ausführlich beschrieben, trotzdem keinen Augenblick langweilig.
    Auch wenn ich Wronskij nach wie vor nicht leiden kann, nach dem Sturz im Rennen und dem Verlust seines Pferdes hat er mir doch leid getan.


    Kitty ist in Kur in deutschland und kommt dort zumindest über ihre nicht zu stande gekommene Verlobung hinweg. Auch sieht sie ein, dass ihre Versuche wie Warenka zu werden, nicht gelingen können und nur oberflächlich sind, ob sie wirklich reifer geworden ist? Wir werden sehen, sympathisch ist sie mir auf jeden Fall immer noch nicht.

  • Zitat

    Original von Zwergin
    Das Pferderennen wird aus jeder beschriebenen Perspektive sehr ausführlich beschrieben, trotzdem keinen Augenblick langweilig.
    Auch wenn ich Wronskij nach wie vor nicht leiden kann, nach dem Sturz im Rennen und dem Verlust seines Pferdes hat er mir doch leid getan.
    ...


    Ja, mir hat das Pferd auch Leid getan. Ich habe von Pferden keine Ahnung - kann man einem Pferd tatsächlich die Wirbelsäule brechen, wenn man sich nach dem Sprung gleich auf den Rücken des Tieres sinken lässt? Armes Tier, das ist ja furchtbar!

  • Mir geht es mitder Beschreibung des Pferderennens und allem Drumherum genauso wie euch. Es ist kein bißchen langweilig, sondern im Gegenteil sehr interessant.


    Man erfährt, daß Wronskij doch nicht ganz so oberflächlich ist, wie es bis jetzt den Anschein hatte. Er macht sich durchaus Gedanken um seine Beziehung zu Anna. Was mich bei ihm positiv überrascht hat, daß er alle gesellschaftlichen Bindungen hinter sich lassen würde, um mit Anna zu leben. Ich bin sehr gespannt, wie ernst ihm das ist und was er bereit ist dafür zu tun.


    Bei Anna und ihrem Mann kann ich mir nicht helfen, ich stehe beiden noch zwiegespalten gegenüber. Anna ist in Bezug auf ihre Beziehung zu Wronskij egoistisch, ihr Mann ist generell ein egoistischer Mensch. In keinem von beiden kommt nur einmal der Gedanke auf, daß sie selbst auch ihren Beitrag geleistet haben, daß ihre Ehe so zerrüttet ist, wie sie es nunmal ist. Der gemeinsame Sohn wird zwischen ihnen buchstäblich zerrieben.


    Karenin getrieben von Äußerlichkeiten und seinem Stand ist blind und will gar nicht sehen, was vor seinen Augen passiert, bis Anna ihm es an den Kopf "knallt". Nun ist er plötzlich erschüttert. Er ist einerseits ein Heuchler andererseits aber auch ganz schön (gewollt) naiv. Er ist dadurch im Moment unberechenbar. Ich bin gespannt, wie seine Lösung "des Problems" aussieht und ahne nichts Gutes.


    Anna selbst wirkt als sei sie in einen Strudel geraten und auch, wenn sie glaubt, alles im Griff zu haben, wirkt es eher so, als verliere sie gerade die Kontrolle über ihre Situation. Die Schwangerschaft ist für mich ein gutes Beispiel dafür. Ich habe das erste Mal auch Mitleid mit ihr. Das muß furchtbar für sie sein, schwanger von ihrem Geliebten zu dieser Zeit, in ihrem Stand, dem sie angehört unter diesen gesellschaftlichen Zwängen.


    Mit Kity habe ich mich nun auch ausgesöhnt. Sie ist während ihres Kuraufenhaltes erwachsen geworden. Sie hat begriffen, daß die große weite Welt sich nicht alleine um sie und ihre Problemchen dreht. Sie hat verstanden, daß Jammern nicht hilft, daß auch sie Fehler macht und sich diese auch eingestehen bzw. von ihnen lernen kann.


    Tolstoi schafft es immer wieder, daß ich meine Einstellung über seine Figuren hinterfrage und auch ändere. Es gibt in diesem Roman keine einzige edle und makellose Figur. Er beschreibt sie alle sehr menschlich mit ihren Stärken und Schwächen. Ich mag dieses Buch bis jetzt sehr und bin gespannt, ob er diesem Anspruch auch bis zum Ende gerecht wird. Es ist ja noch eine Menge zu lesen übrig. :-)

    "There is beauty in imperfections. They made you who you are. An inseparable piece of everything…" Arcane

  • So, wieder ein Abschnitt geschafft :-] Ich denke ohne diese LR würde es mir sehr schwer fallen, das ganze Buch zu lesen, allein schon durch die Dicke. Aber so hangel ich mich von LR-Abschnitt zu LR-Abschnitt und erlebe jedesmal ein kleines Erfolgserlebnis. Also nochmal danke für die LR! :knuddel1


    Anna und Wronski mag ich irgendwie immer noch nicht. Ich hab auch kein großes Mitleid mit Annas Situation, immerhin hat sie sich die selbst zuzuschreiben. Ich halt sie nicht für so dumm, nicht an die Konsequenzen ihrer Affäre zu denken. Das mit der Schwangerschaft ist natürlich blöd für sie gelaufen, aber wie gesagt - selbst schuld. Wronski ist mir fast ein bisschen sympathischer geworden: er lässt sich nicht von seiner Liebe zu Anna abbringen und wäre bereit sein bisheriges Leben für sie aufzugeben und mit ihr zu fliehen.


    Angesichts der Tatsache, dass ich die Hauptpersonen in dem Buch nicht leiden mag, bin ich überrascht, dass es mir doch so gut gefällt und ich gern weiterlese :-)
    Am meisten freu ich mich auf die Abschnitte über Lewin - auch er hat seine Fehler, aber ich mag seine Art und seine Einstellung zum Leben und zur Arbeit. Ich hoffe, er kommt doch noch mit Kitty zusammen und drück ihm fest die Daumen.


    Kitty find ich ganz in Ordnung, sie ist jung und da kann man schonmal Fehler machen. Sie dachte immerhin wirklich, dass Wronski sie liebt und wie sagt man so schön: Liebe macht blind.
    Also hätte sie theoretisch auf alle Fälle einem der beiden Männer (Wronski oder Lewin) das Herz brechen müssen und es fiel ihr ja auch nicht gerade leicht. Ich bin froh, dass die Kur und die Freundschaft zu Warenka ihr geholfen haben, etwas erwachsener und reifer zu werden und aus ihren Fehlern zu lernen. Hoffentlich behält sie ihre neugewonnene Charakterstärke bei, wenn sie wieder nach Hause kommt.


    Zitat

    Original von Saiya
    Tolstoi schafft es immer wieder, daß ich meine Einstellung über seine Figuren hinterfrage und auch ändere. Es gibt in diesem Roman keine einzige edle und makellose Figur. Er beschreibt sie alle sehr menschlich mit ihren Stärken und Schwächen. Ich mag dieses Buch bis jetzt sehr und bin gespannt, ob er diesem Anspruch auch bis zum Ende gerecht wird. Es ist ja noch eine Menge zu lesen übrig. :-)


    :write Stimmt! Trotz meiner Sympathien für Lewin und Kitty haben beide Eigenschaften, die ich nicht an ihnen mag, Schwächen und Fehler eingschlossen. Aber sie ändern sich, überdenken ihre Einstellungen und entwickeln sich weitern. Das gleiche mit Anna und Wronski: ich mag sie nicht, doch beide haben Eigenschaften, die sehr lobenswert sind, die man bewundern muss. Persönliche Sympathien hin oder her - Tolstoi hat seine Personen wirklich meisterhaft beschrieben und lässt sie durch ihre persönlichen Entwicklungen geradezu lebendig werden.


    Die Szene des Pferderennens fand ich auch sehr gut beschrieben, auch wenn mich manche Zeitsprüngen anfangs etwas verwirrt haben (lag vielleicht daran, dass ich beim Lesen schon sehr müde war :lache). Das arme Pferd Frou-Frou (<- toller Name :rofl) - ich hab mich auch gefragt, ob man einem Pferd wirklich so das Rückgrat brechen kann. Aber wenn ich mich an die Beschreibung richtig erinnere, war es ja eher dünn und sehnig und nicht so kräftig gebaut, wie manch anderes Pferd :gruebel


    Ich bin gespannt wie es weitergeht und hoffe, endlich mal schneller voran zu kommen!

  • Zitat

    Original von Zwergin
    Ich habe am Wochenende mal eine Bekannte, die sich gut mit Pferden auskennt, gefragt, ob es möglich ist, so einen Pferd den Rücken zu brechen, gehört hatte sie von so einem Fall noch nie, könnte sich aber durchaus vorstellen, dass so etwas passieren könnte.


    Danke für's fragen! Das ist ja furchtbar. Richtig schlimm finde ich das doch relativ unemotionale Bedauern Wronskijs.

  • Zitat

    Original von Clare
    Danke für's fragen! Das ist ja furchtbar. Richtig schlimm finde ich das doch relativ unemotionale Bedauern Wronskijs.


    Ich hatte irgendwie den Eindruck, dass das Wronski zum ersten Mal dazu bewogen hat, richtige Gefühle zu zeigen oder zu mindest zu fühlen. Meiner Meinung nach ging's ihm wirklich schlecht, wegen dem Pferd, auf das er ja auch wirklich stolz war...

  • Zitat

    Original von Mooney


    Ich hatte irgendwie den Eindruck, dass das Wronski zum ersten Mal dazu bewogen hat, richtige Gefühle zu zeigen oder zu mindest zu fühlen. Meiner Meinung nach ging's ihm wirklich schlecht, wegen dem Pferd, auf das er ja auch wirklich stolz war...


    Ich habe das auch so empfunden. :write
    Schon bei der Beschreibung des Pferdes, als er es im Stall besucht, schoss mir durch den Kopf: "Hoppla, er ist also doch zu tiefen Gefühlen fähig."
    Als er das Pferd verliert, hat er mir das erste Mal auch ehrlich leid getan. Ich bin gespannt, ob sich dieser Vorfall auf seine weitere charakterliche Entwicklung auswirkt oder nicht.

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  • Zitat

    Original von Zwergin
    Ich hatte auch den Eindruck, dass Wronskij im Bezug auf sein Pferd zu tiefen Gefühlen in der Lage ist und ihm der tragische Verlust ehrlich leid getan hat.


    Echt? Ich habe das total anders empfunden. Das Pferd an sich war ihm egal, es war wie ein Sportgerät für ihn und nicht ein fühlendes Wesen. Er war stolz auf das Pferd, als es gut gelaufen und gesprungen ist. Als es schwerverletzt auf dem Boden lag, tritt er es sogar noch in den Bauch. Gerade so wie man einem Getränkeautomaten in die Seite tritt, wenn er die Colabüchse nicht ausspucken will.


    Ich hatte eher den Eindruck, Wronski war betroffen, dass er das Rennen nicht gewonnen hat, dessen Sieg er schon so gut wie in der Tasche hatte.

  • Zitat

    Original von Saiya
    Karenin getrieben von Äußerlichkeiten und seinem Stand ist blind und will gar nicht sehen, was vor seinen Augen passiert, bis Anna ihm es an den Kopf "knallt". Nun ist er plötzlich erschüttert. Er ist einerseits ein Heuchler andererseits aber auch ganz schön (gewollt) naiv. Er ist dadurch im Moment unberechenbar.


    Deine Charakterisierung Karenins als "Heuchler" hat mich jetzt etwas ueberrascht. Er ist vor allem aus heutiger Sicht sicherlich kein "liebender Ehemann". Ehre, gesellschaftliches Ansehen, und zeitgenoessische Moral kommen fuer ihn an erster Stelle. Das ist m.M. ziemlich gradlinig und aufrichtig, keinesfalls mit Absicht verlogen und heuchlerisch.


    Er bleibt aber tatsaechlich unberechenbar, weil er inzwischen auch merkt, dass er in einen Zwiespalt geraet zwischen seinen Gefuehlen, die er nicht zu zeigen weiss, und dem was die Gesellschaft von ihm verlangt. Wie er diesen Zwiespalt loesen wird, ist noch nicht vorhersehbar.


    edit:
    hmmm, man koennte vielleicht auch annehmen, dass Tolstoi Karenin hier benutzt um einige Aspekte der russischen Gesellschaft als "heuchlerisch" zu entlarven. Da bin ich mir aber doch sehr unsicher.

    Gruss aus Calgary, Canada
    Beatrix


    "Well behaved women rarely make history" -- Laura Thatcher Ulrich

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  • Was Wronski und das Pferd angeht, schließe ich mich Clare & Rosha an. Ich hatte den Eindruck, daß Wronski einfach nur stolz darauf war, solch ein Prachtpferd zu besitzen. Der Tritt in den Bauch hat mich auch völlig entsetzt und mir gezeigt, daß Wronski einzig und allein dem verlorenen Sieg nachtrauert. Und vielleicht einem kostbaren Pferd ....


    Anna ist also schwanger und gibt gegenüber ihrem Mann endlich das Verhältnis zu. Karenin, der die ganze Zeit den Kopf in den Sand gesteckt hat, muß sich nun mit dem ausgesprochenen Geständnis auseinandersetzen. Was er wohl tun wird ? Da ich ihn als einen sehr stolzen Mann einschätze und er sich nun gesellschaftlich gedemütigt fühlt, wird er sicher keine Gnade kennen.


    Der meiner Meinung nach jedoch am schlimmsten Betroffene in dieser Dreiecksbeziehung ist Annas Sohn. Weder Anna noch ihr Mann scheinen einen einzigen Gedanken daran zu verschenden, welche Auswirkungen diese Affäre auf Serjoscha hat. Karenin nennt ihn bereits nur noch "junger Mann" und geht damit bereits auf Abstand. Anna scheint dies überhaupt nicht zu bemerken.


    Zitat

    Original von Saiya
    Mit Kity habe ich mich nun auch ausgesöhnt. Sie ist während ihres Kuraufenhaltes erwachsen geworden. Sie hat begriffen, daß die große weite Welt sich nicht alleine um sie und ihre Problemchen dreht. Sie hat verstanden, daß Jammern nicht hilft, daß auch sie Fehler macht und sich diese auch eingestehen bzw. von ihnen lernen kann.


    Ich gehöre ja generell zu denen, die eher Sympathie für Kitty hegen. :lache Aber auch ich finde, daß sie sich sehr positiv entwickelt hat. Die Freundschaft zu Warenka hat ihr sehr gut getan, auch wenn sie nicht so "vollkommen" sein kann wie diese. Aber ich bin sicher, sie nimmt einiges aus dieser Beziehung für ihr künftiges Leben mit.

  • Zitat

    Original von -Christine-
    Der meiner Meinung nach jedoch am schlimmsten Betroffene in dieser Dreiecksbeziehung ist Annas Sohn. Weder Anna noch ihr Mann scheinen einen einzigen Gedanken daran zu verschenden, welche Auswirkungen diese Affäre auf Serjoscha hat. Karenin nennt ihn bereits nur noch "junger Mann" und geht damit bereits auf Abstand. Anna scheint dies überhaupt nicht zu bemerken.


    Ja, das ist wirklich auffallend. Aber Kinder hatten in damaligen Zeiten wohl noch keinen besonderen Stellenwert. Sie wurden weit bis ins 20. Jahrhundert hinein als "unfertige Erwachsene" angesehen. Aufgrund der hohen Kindersterblichkeit war es vermutlich sogar besser für die Mütter, wenn sie sich nicht gleich von Anfang an emotional tief an ein Baby banden. Vermutlich wären sonst 80 Prozent der Frauen in schwerste Depressionen verfallen.


    Bestimmt wurde auch der kleine Serjoscha von einer Amme aufgezogen. Die Frauen in der damaligen Gesellschaft (und eben auch Anna) hatten deshalb gar nicht die Möglichkeit, tiefgreifende emotionale Bindungen zu ihren Kindern aufzubauen. Jedenfalls im Vergleich zur unsrigen Zeit.


    Und dass Karenin emotional unterentwickelt ist, zeigt sich in mehreren Bereichen. Von ihm wundert es mich nicht, dass er keinen liebevollen Umgang mit seinem Kind pflegt. Das ist ein totaler Kopfmensch, der sich nur mit rationalen Überlegungen wohlfühlt.

  • Ich habe diesen Abschnitt nun auch beendet, die meisten Sachen wurden ja schon recht ausführlich diskutiert, sodass ich da keine wirklich neuen Gedanken anbringen kann.


    Was das gebrochene Rückgrat des Pferdes angeht: Ich würde sagen, dass es normalerweise sehr unwahrscheinlich ist, dass es während eines Sprunges durch falsche Bewegung des Reiters bricht, dann müsste das ja auch im normalen Turniersport auftreten und davon habe ich noch nie gehört. Allerdings ist es natürlich nicht unmöglich, dass ein Pferd sich das Rückgrat bricht...Rennpferde halt doch relativ empfindlich, wenn auch gut bemuskelt (normalerweise), allerdings keine Gewichtsträger, sprich, wenn Wronskij zu schwer ist, um sich im Rennsport (gerade Hindernisrennen!) zu betätigen, ist es vielleicht doch nicht ganz so unrealistisch wie ich es beim ersten Lesen empfunden habe...Allerdings bin ich auch kein Experte, auch wenn ich über 10 Jahre geritten bin^^


    Ich glaube auch, dass Wronskijs Reaktion nach dem Sturz eine Mischung aus Trauer um das verlorene Rennen, als auch echte Trauer um das Pferd ist. Dass er das Pferd tritt, ist nicht unbedingt ein Zeichen, dass ihm nichts am Tier liegt, sondern vermutlich eher eine Schockreaktion, in der er das Pferd zum Aufstehen bringen will - ihm war da ja noch gar nicht bewusst, dass es dem Pferd nicht mehr möglich ist, aufzustehen.


    Ansonsten kann ich zu diesem Abschnitt sagen, dass ich ihn stellenweise ein wenig langatmig fand, was aber auch an mangelnder Zeit und Ruhe zum Lesen gelegen haben könnte, sodass ich mich nicht so recht drauf einlassen konnte. Den Abschnitt, in den es um Kitty ging, mochte ich nicht so gern, auch wenn sie so langsam erwachsen wird, mag ich sie nicht. :unverstanden

  • Aaah, ich hab grade so eine Wut darauf, wie Menschen mit Tieren umgehen :schlaeger#


    Meiner Meinung nach zeigt Wronksi absolut keine Tierliebe. Er ist stolz auf Frou-Frou, weil sie ein schönes und leistungsstarkes Pferd ist, vergleichbar mit dem Stolz eines Menschen in der heutigen Zeit auf sein schnittiges Auto.
    Aber Gefühle - die man für ein Lebewesen empfindet - zeigt er meines Erachtens nicht gegenüber Frou-Frou. Absolut nicht. Stößt sie auch noch in den Bauch, weil sie nicht gleich wieder aufstehen kann... :yikes
    Mir war Wronski bisher zwar nicht sonderlich sympathisch - wenn auch nicht wirklich unsympathisch. Aber damit hat er sich für mich jenseits jeglicher Sympathie begeben :hau



    :schlaeger



    So, das musste ich jetzt mal rauslassen, nachdem ich das Pferderennen-Kapitel gelesen habe und geheult hab wie ein Schlosshund. Den Abschnitt hab ich jedenfalls noch nicht fertig, weshalb ich auf die anderen darin behandelten Aspekte noch keine Stellung nehmen mag.

  • Zitat

    Original von melancholy
    Aaah, ich hab grade so eine Wut darauf, wie Menschen mit Tieren umgehen :schlaeger#


    Meiner Meinung nach zeigt Wronksi absolut keine Tierliebe. Er ist stolz auf Frou-Frou, weil sie ein schönes und leistungsstarkes Pferd ist, vergleichbar mit dem Stolz eines Menschen in der heutigen Zeit auf sein schnittiges Auto.
    Aber Gefühle - die man für ein Lebewesen empfindet - zeigt er meines Erachtens nicht gegenüber Frou-Frou. Absolut nicht. Stößt sie auch noch in den Bauch, weil sie nicht gleich wieder aufstehen kann... :yikes...


    Genau so sehe ich das auch, wie ich weiter vorn schon geschrieben habe. Wronskij bedauert zwar Und gibt sich die Schuld, wie wir in seinen Gedanken lesen können, aber auch ich werde das Gefühl nicht los, dass es da nur um den verlorenen Sieg geht und vielleicht um den finanziellen Schaden, den er durch den Verlust des Pferdes hat.

  • Soo, bin mit dem Abschnitt jetzt auch fertig geworden. Leider komme ich nur sehr langsam voran, was aber nicht am Buch liegt - ich könnte ununterbrochen darin lesen :-] - sondern einfahch deshalb, weil im Moment soo viel zu tun ist. Weihnachtsstress und Lernstress in einer super Kombination :lache Aber ganz lass ich mir meine Freizeit nicht nehmen :nono



    Soo, also wiedermal ein sehr interessanter Abschnitt. Was ich von Wronskis Reiteskapaden halte, habe ich oben ja eh schon geschrieben.
    Zu Anna habe ich diesmal nicht viel zu sagen. Sie und Wronski wachsen immer mehr zusammen, ja Anna ist sogar von ihm schwanger und zu guter Letzt schenkt sie auch ihrem Mann reinen Wein ein. Keine einfache Situation, weder für sie, noch für ihren Mann. Bin gespannt, wie es weiter geht.


    Der Abschnitt mit Kitty hat mir sehr imponiert. Tolstoi versteht es einfach, das Wesen des Menschen aufzudecken... Und mit was für einer psychologischen Tiefe... Ich bin beeindruckt.
    Kitty lernt Warenka kennen, ein sehr einfaches Mädchen, dass sie aber enorm fasziniert aufgrund ihrer Güte und Ruhe. Ja, sie verliebt sich in sie, will so sein wie sie und muss sich dann eingestehen, dass das Gutmenschsein ihr nunmal nicht liegt, dass es doch nicht das Wahre ist. Was mir besonders gefallen hat, ist die Episode, ab der Kittys Vater im Kurort auftaucht. Kitty will ihren neuen Lebensstil auf keinen Fall von ihm trüben lassen, nimmt es sich fest vor, aber nur mit ein paar Worten, schafft er es, ihr über Mme Stahl eine andere Sichtweise zu geben, die ihren gesamten "Lebenswandel" als nichtig erscheinen lässt und sie beschließen lässt, doch besser wieder die alte Kitty zu sein, keine gute, menschenliebende und gütige Kitty, aber doch eine ehrliche, was ihr auf einmal sehr viel wichtiger ist, als nur nach außen hin so fromm, aber im Grunde eine Heuchlerin zu sein.

  • Zitat

    Original von melancholy
    Kitty will ihren neuen Lebensstil auf keinen Fall von ihm trüben lassen, nimmt es sich fest vor, aber nur mit ein paar Worten, schafft er es, ihr über Mme Stahl eine andere Sichtweise zu geben, die ihren gesamten "Lebenswandel" als nichtig erscheinen lässt und sie beschließen lässt, doch besser wieder die alte Kitty zu sein, keine gute, menschenliebende und gütige Kitty, aber doch eine ehrliche, was ihr auf einmal sehr viel wichtiger ist, als nur nach außen hin so fromm, aber im Grunde eine Heuchlerin zu sein.


    Wenn ich es noch richtig in Erinnerung habe, hatte Kitty schon vorher ein komisches Gefühl, was Mme Stahl anging. Diese hat wohl mal die ein oder andere Äußerung gemacht, von der Kitty nicht recht wußte, was sie davon zu halten hatte und die so gar nicht zu ihrem sonstigen Verhalten gepaßt hat. Ich glaube, durch die Erklärung ihres Vaters hat sich das nur bestätigt.