Die Musik der Ferne – Daniel Mason

  • Verlag Blessing, Gebundenes Buch, 352 Seiten, erschienen im Februar 2008
    Originaltitel: A Far Country
    Aus dem Amerikanischen von Barbara Heller


    Handlung:
    Auf der Suche nach ihrem Bruder schwimmt ein Mädchen gegen den chaotischen Strom der modernen Welt
    Seit früher Kindheit verbindet Isabel eine tiefe Seelenverwandtschaft mit ihrem älteren Bruder Isaias. Selbst mit verbundenen Augen findet sie ihn im Labyrinth der Zuckerrohrfelder ihres Heimatdorfes in Südamerika. Als er über Nacht das Elternhaus verlässt, verändert sich ihr Leben dramatisch, und sie versucht verzweifelt, die Lücke in ihrem Dasein zu füllen. – Ein Roman mit zeitlos universalen Themen wie Geschwisterbande, Fern- und Heimweh, erzählt in einer sinnlichen, detailgenauen Sprache, die an García Márquez und Bruce Chatwin erinnert.
    Isaias liebt die Musik mehr als die Arbeit auf den Zuckerrohrfeldern. Die Dürre, die wirtschaftliche Not und die Übergriffe von Verbrecherbanden bewegen ihn dazu, sein Glück in der fernen Hauptstadt zu suchen. Und so bricht er mit seiner Geige auf, ohne seine Familie vorher zu unterrichten. Anfangs lässt er seinen Eltern Geld zukommen. Als seine Nachrichten dann aber versiegen, macht sich die erst 14-jährige Isabel ganz allein auf die Suche nach ihrem verlorenen Bruder. Auf einer »Papageienstange«, so nennt man die übervollen klapperigen Busse, fährt sie in die Metropole, zu ihrer Cousine, bei der Isaias zuletzt gesehen worden ist, und taucht ein in das lärmende, gefährliche Leben dieser Stadt …


    Zum Autor:
    Daniel Mason, 1976 geboren, studierte Biologie und Medizin an der Harvard-Universität und forschte ein Jahr lang an der thailändisch-birmanischen Grenze über Malaria. Dort recherchierte er auch für seinen ersten Roman, der in Amerika bei Knopf erschien und in 18 Länder verkauft wurde: „Der Klavierstimmer Ihrer Majestät.“


    Meine Rezension:
    „A far country“, so der Originaltitel, ist ein sorgfältig durchgearbeiteter Roman mit einem poetischen, aber trotzdem schlicht eingesetzten Stil, der seine Authentizität durch eine anscheinend gute Recherchearbeit des Autors gewinnt.
    Das südamerikanische Land, in dem die Handlung abläuft, wird namentlich nie genannt, selbst die handelnde Zeit ist nicht ganz klar.


    Der Autor und mit ihm der Leser ist stets Nahe bei der Hauptfigur Isabel, die nachdem schon ihr älterer Bruder, mit der Hoffnung als Musiker sein Glück zu machen, in die Stadt gegangen ist, ebenfalls die elterliche Farm verlässt. Es herrscht eine Dürrezeit, die wenig Nahrung gedeihen lässt. Die Bauern können sich kaum ernähren. Die Hoffnungen liegen in einer Zukunft in der Stadt, um Geld zu verdienen, bis man wieder auf sein Stück Land zurückkehren kann.


    Für Isabel ist es sehr wichtig, den von ihr sehr verehrten Bruder zu finden, der anfangs noch Geld schickte, sich dann aber lange nichts mehr meldete.
    Detailliert und in einem warmen Ton erzählt Daniel Mason von Isabels anstrengender Reise, die den Leser packt. Anfangs reist Isabel mit einer Papageienstange, also ein hoffnungslos überfüllter Bus, mit denen die Reisenden tagelang in großer Hitze und mit wenig Proviant durch das Land gekarrt werden.
    Die sensible, zarte Isabel erleidet wegen Wassermangel sogar einen Schwächeanfall und wird nur mit Glück nicht zurück gelassen.
    Sie kommt bei ihrer Cousine unter, passt auf deren Baby auf und findet nach ersten Schwierigkeiten dann endlich, Arbeit, wenn auch schlecht bezahlte, aber gehungert wird nicht mehr. Dafür ist das Leben in der Stadt unpersönlich und hart.


    Wie der Autor von Isabel Hoffnungen und Nöten stellvertretend für wohl viele Landarbeiter erzählt, ist eindrucksvoll. Eine gewisse Verherrlichung des harmonischen Landlebens als Gegensatz zum Stadtleben ist zu spüren, aber das verzeiht man den in Havard studierten Autor durch seinen angenehmen, realistischen Stil.
    Die Suche nach dem Bruder wird für Isabel auch die Reise zur eigenen Identität und Erkenntnis.


    Die Thematik ist durch Filme und Bücher, auch in südamerikanischen, bereits bekannt, aber Daniel Mason hat seinen parabelhaften Stil gefunden, mit der er die Geschichte glaubhaft vermittelt.

  • Meine Rezension:


    "Die Musik der Ferne" spielt in einem unbenannten südamerikanischen Land und erzählt die Geschichte der jungen Isabel, die mit ihrer Familie in einem kleinen Dorf im Nirgendwo lebt und deren Überleben von Niederschlag und Dürre abhängt. Als sich ihr Bruder, zu dem sie eine innige Beziehung hat, aufmacht, um als Musiker in der großen Stadt sein Glück zu machen, erlebt sie Verzweiflung und Sehnsucht und begibt sich schließlich auf die Suche nach ihm. Mason erzählt auf eine ruhige und eindringliche Art, die Not der Menschen und ihr Alltag, der sich in kaum vorstellbarer Weise von dem von uns Europäern unterscheidet, wird durch die erzählerische Kraft lebendig und berührt das Herz seiner Leser, ohne aufdringlich zu sein. Hoffnungslosigkeit, Angst und Entbehrungen stehen tiefer Zuneigung, Bindung und Liebe gegenüber, die sich aufgrund der äußeren Umstände jedoch nicht wirklich entfalten können. Die Träume und Sehnsüchte der kleinen Leute und ihre realistische Einschätzung ihrer Situation ermöglichen einen kleinen, aber intensiven Einblick in eine Welt, der wir uns viel zu selten bewusst sind. Eine leise und zugleich eindringliche Geschichte, exemplarisch zu verstehen für viele Tausende Menschen, die ein ähnliches Schicksal teilen.


    7 Punkte von mir.

  • Und wieder eine Rezi von Herr Palomar, die mich unheimlich neugierig auf das Buch macht ...
    Bin im Laden schon öfter drum rum geschlichen, weil ich Klappentext und Cover vielversprechend finde. Jetzt werde ich es wohl auf meinen turmhohen SUB legen müssen :rolleyes