Die süße Haut – Francois Truffaut (1964)

  • OT: La peau douce


    Spielfilm Frankreich 1964


    Regie, Drehbuch, Produktion: Francois Truffaut
    Darsteller: Jean Desailly, Francoise Dorleac


    Meine Meinung:
    Die süße Haut ist kein typisches Werk der Nouvelle Vague, aber irgendwie gehört er ähnlich wie Claude Chabrols „Die untreue Frau“ doch dazu.
    Im Gegensatz zu Chabrols Film blieb diesem Film zum Glück ein erbarmungswürdiges USA-Remake erspart.
    Der Film lebt und atmet die sechziger Jahre, in der der Zuschauer die alten Automobile und turmhohe Frisuren bestaunen kann.


    Die Handlung dreht sich um den Schriftsteller und Kritiker Pierre und seiner Affäre mit einer jungen Stewardess sowie der Eifersucht seiner Frau.
    Pierre ist kein sympathischer Held. Seine charmante Art wird durch die scharfe und detaillierte Kameraperspektive als Voyeuristisch und berechnend entlarvt.
    Pierre schreibt und hält Vorträge über Balzac und Gide und gibt dem Film eine literarische Note, obwohl er als Autorenfilm keine Literaturverfilmung ist.
    Herausragend die Szene als Pierre vor großen Publikum einen Vortrag als Einleitung zu einem Film über Gide hält, während seine Freundin draußen auf ihn wartet.


    Der Einsatz der wunderbaren Musik von Georges Delereus ist ungewöhnlich. Im Gegensatz zur kühlen Kamera deckt sie als Weichmacher die Szenen wieder mit einer angenehmen Wärme zu.


    Truffauts Filme lassen nicht kalt und die süße Haut macht keine Ausnahme, doch durch die Hauptfigur entsteht zuerst eine Distanz.


    Die Länge des Films fordert dem Zuschauer allerdings auch etwas Geduld ab, doch die Ausdauer wird belohnt und spätestens mit dem überraschenden, dramatischen Ende wird der Film zum Meisterwerk.


    Ein Film der trotz seiner Kühle nicht ohne Emotionen ist und den Zuschauer berührt. Meisterhaft gedreht!