Viridiana - Luis Bunuel

  • Vor kurzem lief Viridiana von Luis Bunuel im Fernsehen und jetzt habe ich ihn zum ersten mal gesehen. Fein, mal endlich wieder einen Filmklassiker zu sehen, den man noch nicht kannte.


    Meine Meinung:
    Der Film war 1961 in Spanien gleich nach Fertigstellung verboten wurden. Bei den Filmfestspielen in Cannes gewann er aber den großen Preis, die goldene Palme.
    Selbst in Deutschland wurde anfangs nur eine geschnittene Version gezeigt.


    Fernando Rey und Silvia Pinal in den Hauptrollen sind erstklassig.


    Symbolträchtige Bilder, wie man sie gerade von Bunuel erhofft sind mit der Geschichte um religiösen Eifer und sexuellem Verlangen sowie den Lebensumständen in Spanien gepaart, die Viridianas Frömmigkeit und ihren guten Absichten scheitern lassen.
    So hat der Film durchaus surreale Effekte, ist aber einfach anzusehen und hat nichts mehr mit „Ein andalusischer Hund“ zu tun.


    Es geht um eine junge Novizin Viridiana, die ihren Onkel Don Jaime (Fernando Rey), einen Gutsbesitzer besucht. Sie erinnert ihn an seine verstorbene Frau, er will sie bei sich behalten. Eindrucksvoll zeigt die Kamera seine Faszination und sein Verlangen nach der Frau. Dem Film kommt zu gute, dass er in schwarzweiß gedreht ist, so kommen die Stimmungen voll zur Geltung.
    Als Viridiana sich ihm verweigert, bringt Don Jaime sich um. Bunuel setzt Viridianas Erschütterung darüber, in der nächsten Szene ein seilspringendes Kind entgegen.
    Viridiana kehrt nicht zurück ins Kloster, sie will eigenständig die Armen versorgen.
    Ein Vorhaben mit guten Absichten und Idealismus, doch auch die Kranken und Armen sind eine Gesellschaft, die einige gute und viele schlechte Eigenschaften der Menschen besitzen und es ihr schlecht danken.
    In vielen Szenen sind gerade bei ihnen bemerkenswerte Dialoge und ein realistischer Ton zu bemerken.
    Die lange Szene mit dem Gelage und den Verwüstungen hat Fellinieske Ausmaße und ist in seinem krassen Gegensatz zu Viscontis opulente Ballszene in „Der Leopard“ fast ebenso beeindruckend.


    Am Ende wird Viridianas Dornenkranz verbrannt und der sehr weltliche Schlußsong leitet (vielleicht) durch Verlust des Glaubens auch ein Ende des Leidenwegs ein.