"Maurice, der Kater" - Terry Pratchett

  • "Ein Märchen von der Scheibenwelt" lautet der Untertitel dieses
    Häppchens für Discworld-Fans, wobei angesichts des Preises eher ein
    sättigender Happen erwartet würde.
    Pratchett erzählt die Geschichte des Rattenfängers von Hameln auf
    seine Art: Weil sie sich in den Müllhaufen hinter der Unsichtbaren
    Universität ihr Fressen zusammengesucht haben, sind die Ratten um
    ihren Anführer "Gekochter Schinken" plötzlich dazu in der Lage, zu
    denken und zu sprechen. Maurice, der findige Straßenkater, verspeiste
    versehentlich eine denkfähige Ratten, was ihn ebenfalls mit diesen
    fragwürdigen Gaben ausstattete. Ratten und Katze begründen eine
    Zweckgemeinschaft, suchen sich einen "dumm aussehenden Jungen, der Flöte
    spielen kann", um fortan von Dorf zu Dorf zu ziehen, wo sie Rattenplagen
    auslösen und anschließend fulminant beenden, gegen 30 Golddollars. Ein
    einträgliches Geschäft, bis sie in den merkwürdigen Ort "Bad Blintz"
    kommen, wo die Menschen zwar reich aussehen, aber kaum etwas zu essen
    haben, weil angeblich Ratten alle Nahrungsmittel stehlen - tatsächlich
    aber treiben findige Rattenfänger ihr Unwesen. Maurice, seine
    intelligenten Ratten und Keith, der "dumm aussehende Junge" gehen der
    Verschwörung auf den Grund ...


    Das nur streckenweise witzige, manchmal etwas wirre und trotz der
    wenigen Seiten auch langatmige Buch erzählt nicht wirklich ein
    Märchen, sondern mehrere auf einmal, aber irgendwas fehlt. Der
    Konflikt der Ratten, die, nun denkfähig, viele "rättische" Paradigmen
    hinterfragen, das Problem der Katze, die nie wieder etwas fressen wird,
    das sprechen kann, und deshalb jedes Opfer einem Test unterzieht, der
    bauernschlaue Keith und seine Gehilfin, die märchenerzählende
    Bügermeistertocher - durchaus ein originelles Setting, aber insgesamt
    etwas müde, routiniert und ohne großen Spaß erzählt. Nicht wirklich ein
    Scheibenwelt-Häppchen für zwischendurch, und ohne diesen Hintergrund ein
    Büchlein, dessen Lektüre nicht lohnt.

  • Ja, langatmig, so empfand ich das Buch auch. Dabei fand ich den Anfang noch ganz verheißungsvoll, mußte mich nach einigen Seiten aber schon dauernd dran erinnern, dass ich das Buch noch fertig lesen muss, was mir bei Pratchett eigentlich eher selten oder nur einmal passiert ist.
    Zum Glück habe ich das Buch als Mängelexemplar relativ günstig ergattern
    können - mehr war es mir dann auch nicht wert.


    Viele Grüße
    Shirat

    Viele Grüße
    Shirat


    Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere. (Groucho Marx)

  • Eine katze als held zu haben war etwas komisch für mich, aber als ich mich hineingelesen habe... es ist in meiner skala etw gleich hoch wie die bromeliaden-trilogie...

    DC :lesend


    Heinrich August Winkler: Geschichte des Westens I


    ...Darum Wandrer zieh doch weiter, denn Verwesung stimmt nicht heiter.
    (Grabinschrift F. Sauter )

  • Ich habe das Buch soeben beendet. Es ist kein typischer Pratchett, aber auch kein untypischer. Die Geschichte um Maurice und seinem Jungen Keith finde ich interessant. Allerdings nimmt die Geschichte erst gegen Ende so richtig an Fahrt auf und wird zu einem typischen Pratchett-Roman.
    Die Verwirrtheit der Ratten über ihr neues Denken ist ein schöner Vergleich zu den Glaubensfragen der Menschen.


    Allerdings würde ich dieses Buch nicht als Jugendbuch deklarieren. Denn ich glaube, für Kinder bzw. Jugendliche ist dieses Buch doch sehr verwirrend.


    Alles in allem nicht Terry Pratchetts bestes Werk, aber dennoch sollte es in keiner Sammlung fehlen.


    7 von 10 Punkten.