Nun habe ich auch den Film zum gleichnamigen Buch gesehen, und zwar in der u.a. DVD-Version mit Bonus-DVD mit zusätzlichen Informationen über den Film.
Eine würdige Romanverfilmung und ein beeindruckender Film. Er weicht in den Details etwas von der Vorlage ab, aber die Gesamtgeschichte, der Versuch eines jungen Burschen dem Teufelskreis aus Gewalt und Gegengewalt zu entkommen, bleibt gleich. Glücklicherweise bleibt auch die Botschaft deutlich erkennbar.
Die deutlichste Abweichung ist der Hauptdarsteller. Allein könnte man ihm den 16jährigen vielleicht gerade noch abnehmen, obwohl selbst das schon zu alt ist, da Erik zu Beginn der Geschichte erst ca. 14 ist. Aber spätestens wenn man ihn mit seinen Klassenkameraden sieht, hat man den Eindruck, er hätte ein paar Ehrenrunden gedreht ..
Jedoch verzeiht man das sehr schnell, da Andreas Wilson hervorragend spielt. Außerdem hat der junge Mann ein ausgesprochen faszinierendes Gesicht und eine starke Präsenz.
In einem kurzen Text über die Wahl des Hauptdarstellers wird auch erwähnt, daß man erst später auf einen älteren (Anfang 20) verfallen ist, da man unter den Teenagern keinen finden konnte, der diese schwierige Rolle glaubhaft verkörpern könnte. Und ich glaube, es gibt keinen Grund dies zu bedauern, denn Wilson beim Spielen zu beobachten ist ein Vergnügen. Oder eben nicht, weil es ihm glänzend gelingt, Eriks Leid und Dilemma eindringlich zu zeigen.
Das größte Kompliment wird ihm von Guillou selbst gemacht, der ihn als würdig bezeichnet, "ihn" darzustellen.
Auch die anderen können sich sehen lassen, vor allem Gustaf Skarsgard, der ein wirklich ekelhafter Silverhielm, Eriks Erzfeind an der Schule, ist. Da ich seinen Vater Stellan Skarsgard sehr schätze, war ich auf den Junior besonders gespannt. Ja, Talent scheint sich zu gelegentlich vererben.
Wer Interesse an dem Film hat, sollte ruhig die paar EUR mehr in die Bonus-Version investieren, nicht zuletzt wegen des langen Interviews mit dem Buchautor Jan Guillou. Darin spricht dieser detailliert über die Parallelen des Romans bzw. Films mit seiner eigenen Jugend und wie es ihm gelungen ist, seine Schule, das Vorbild für Stjärnsberg, zu Fall zu bringen.
Somit erübrigt sich die Frage eigentlich, was aus Erik nach dem Ende des Films/Buchs geworden ist, denn offenbar ist er Guillou selbst, mehr oder weniger.
Ob mit oder ohne Vorkenntnisse über das Buch, "Evil" ist ein sehr guter und beeindruckender Film. Und den Namen Andreas Wilson sollte man sich merken, wenn er wohl auch vor allem in skandinavischen Produktionen erscheinen wird.