Elmar Bereuter: Felders Traum

  • Inhalt (Klappentext)


    Es ist eine wahre Geschichte - voller Tragik und Mühsal, aber auch voller Hoffnung. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wächst in einem kleinen, von der Außenwelt abgeschotteten Bergdorf des hinteren Bregenzerwaldes ein Junge auf, dessen Vision sein eigenes Leben und das späterer Generationen einschneidend verändern wird. Franz Michael Felder, Sohn einer Bergbauernfamilie, verliert als Kleinkind auf tragische Weise fast vollständig sein Augenlicht. Dass der Junge seine Lebensfreude trotzdem bewahrt, wild und aufgeweckt ist und sogar die Welt der Buchstaben entdeckt, macht nicht nur seiner Familie Angst.


    Obwohl er körperlich nicht für die harte Arbeit geschaffen ist, zwingt ihn ein unerbittliches Schicksal zu einem Leben als Bauer. In den langen Nächten jedoch verschlingt er zeitgenössische Literatur und kritische gesellschaftliche Schriften, verfasst später selbst Romane, die nicht nur im deutschsprachigen Raum Beachtung finden. Er gründet soziale Vereine und widmet sein Schaffen seinem inneren Bedürfnis, die Zukunft der Mitmenschen zu verbessern und sie heranzuführen zu höheren geistigen Zielen.


    Franzmichel schreibt und kämpft gegen die in Jahrhunderten der Abgeschiedenheit erstarrten Denkweisen seiner Umgebung, legt sich mit dem Klerus an und bringt mit seinen Ideen die halbe Talschaft gegen sich auf. In seiner seelenverwandten Frau und einer wachsenden Zahl von Freunden und Mitstreitern findet der verfolgte "Sonderling" - wie er sich selbst bezeichnet- Halt und Zuspruch.


    Elmar Bereuter gelingt es mit seiner fulminanten Erzählkunst, das ungewöhnliche Leben des jungen Bauernphilosophen hautnah und berührend nachzuempfinden und damit an seinen großen Erfolg "Die Schwabenkinder" anzuknüpfen.


    Autor


    Elmar Bereuter wurde 1948 im Bregenzerwald als ältestes von vier Kindern einer Bauernfamilie geboren. Er betreibt seit 1991 eine Werbeagentur und ist außerdem als Autor tätig. Seine bisherigen Romane heißen: "Schwabenkinder" (wurde mit Tobias Moretti in der Hauptrolle verfilmt), "Hexenhammer" und "Die Lichtfänger".


    Meine Meinung


    Dieser biographische Roman über Franz Michael Felder hält sich in allen Details exakt an das Leben des bäuerlichen Schriftstellers und Sozialreformers, deswegen stelle ich ihn in der Rubrik "Biographien" statt "History" vor.
    Das Buch ist von einer ungeheuren atmosphärischen Dichte, die Beschreibung des Lebens der armen Bergbauern des 19.Jhdts ist so eindringlich, dass man glaubt, einen Film zu sehen oder sogar selbst als Zeuge dabei zu sein. Der tägliche Kampf um das Überleben ist hart genug, fast noch schlimmer ist der Kampf eines "Freidenkers" gegen die Kirche und die Traditionen, die es für einen Bauern nicht vorsehen, etwas Anderes als ein gehorsames, kritikloses Arbeitstier zu sein.
    Felders Leben ist geprägt vom Kampf gegen den Ortsgeistlichen und die hinter ihm stehenden ultramontanen ( Rom, bzw. dem Papst sklavisch anhängenden) Traditionalisten. Seine Meinung über die Katholische Kirche kommt in folgendem Zitat (S. 400) zum Ausdruck:


    Zitat

    Verknöchert und in Äußerlichkeiten erstarrt! Mehr Brimborium als Inhalt, und als geistige Nahrung - lateinische Gesänge und Gebete, die keiner versteht, dazu noch Predigten mit Blitz und Donner! Dumpfe Geistfeindlichkeit, jeder fortschrittliche Gedanke ist Sünde, und wer etwas liest, ohne vorher den Pfarrer zu fragen, wird über dem Feuer der Hölle geröstet!


    Die Sprache ist eindringlich, anschaulich und die zahlreichen mundartlichen Ausdrücke, die anfangs etwas gewöhungsbedürftig sind, werden in einem ausführlichen Glossar am Ende des Romans erläutert.
    Ein lesenswertes Buch! :lesend