ZitatOriginal von Liesbett
Vielleicht "The Romance of the Forest" von Ann Radcliffe?
Ein englischer Schauerroman.
Das würde passen, da Jane Austen sich sehr gerne über diese Art von Literatur lustig macht, ja mit Northanger Abbey sogar eine Satire darauf verfasst hat.
Jupp ist es. In meiner (englischen) Ausgabe sind die Bücher im Anhang nochmal erläutert:
The Vicar of Wakefield - Oliver Goldsmith (a popular sentimental novel)
The Romance of the Forest - Ann Radcliffe (a gothic novel)
The Children of the Abbey - Regina Maria Roche (a gothic novel)
Die Erwähnung der Bücher soll zeigen, dass die beiden es eher mit den "Mainstream"-Werken als mit den bildenden oder klassischen Büchern haben.
Dann kommen wir mal zu den Figuren. Ja, Emma ist eine wirklich ziemlich unsympathische Protagonistin. Verwöhntes reiches Kind aus gutem Hause dem niemand (nicht mal die eigene Gouvernante) mal richtig die Meinung gesagt hat, geschweige denn wirklich so etwas wie Erziehung auszuüben. Im Gegenteil wird sie von allen die sie umgeben (außer von Mr. Knightley) über den grünen Klee gelobt für alles was sie tut. (heutzutage würde man sagen: Die glaubten ihr scheint die Sonne aus dem Ar***. :chen)
Das hat u.a. zur Folge, dass sie sehr schludrich und sprunghaft ist. Sie wollte literarisch interessante Bücher lesen, brach aber schon nach kurzer Zeit ab. Auch ihre Gemälde sind alle unvollendet (warum die Mühe wenn eh jeder in Ekstase gerät der nur die Entwürfe sieht?) und mit Kritik kann sie offenbar überhaupt nicht umgehen (ihre Schwester wagt diesbezüglich etwas über das Portrait ihres Mannes zu äußern und schon will Emma nie wieder malen? :pille).
Irgendwie kann einem Emma auch schon wieder leid tun. Sie hatte nie die Möglichkeit eine realistische Selbsteinschätzung von sich zu entwickeln. Nun hat sie in der kleinen Harriet endlich wieder einen Zeitvertreib gefunden, die ja gerade zu den Boden anbetet auf dem Emma wandelt. Wie Mr. Knightley so schön sagte: Diese Beziehung ist für beide sehr zum Nachteil und äußerst ungesund.
Durch ihre fixe Idee (und ihren neuesten Spleen) getrieben, glaubt Emma unbedingt Harriet mit Mr. Elton verkuppeln zu müssen ohne dabei zu merken (so habe ich zumindest das Gefühl), dass er in Wirklichkeit viel mehr an Emma selbst interessiert ist. Sein Lob von Harriets Portrait bezog sich sehr offensichtlich nicht auf das gemalte Objekt, sondern vielmehr auf die Talente der Malerin. Arme Harriet, wie enttäuscht wird sie sein, wenn sie davon erfährt. Und dafür hat sie nun den guten Mr. Martin zum Teufel gejagt.
Ist zwar eine komische Assoziation, aber mich erinnert Emma an den Kröterich aus Kenneth Grahames "Der Wind in den Weiden". Ihr Charakter erscheint mir gewisse Ähnlichkeiten aufzuweisen.
Von der Sprache her muss ich sagen (das kann natürlich Einbildung sein), dass sie mir komplexer und schwerer vorkommt als noch in "Pride & Prejudice". In meinem Rückentext steht, "Emma" wäre Austens 4. Buch. Vielleicht hat sie ihren Stil ja auch verbesser / erweitert.
Jetzt lese ich mal weiter und warte darauf, dass die "Bombe platzt".