'Emma' - Kapitel 01 - 09

  • Zitat

    Original von Liesbett


    Vielleicht "The Romance of the Forest" von Ann Radcliffe?
    Ein englischer Schauerroman.


    Das würde passen, da Jane Austen sich sehr gerne über diese Art von Literatur lustig macht, ja mit Northanger Abbey sogar eine Satire darauf verfasst hat.


    Jupp ist es. In meiner (englischen) Ausgabe sind die Bücher im Anhang nochmal erläutert:
    The Vicar of Wakefield - Oliver Goldsmith (a popular sentimental novel)
    The Romance of the Forest - Ann Radcliffe (a gothic novel)
    The Children of the Abbey - Regina Maria Roche (a gothic novel)


    Die Erwähnung der Bücher soll zeigen, dass die beiden es eher mit den "Mainstream"-Werken als mit den bildenden oder klassischen Büchern haben.


    Dann kommen wir mal zu den Figuren. Ja, Emma ist eine wirklich ziemlich unsympathische Protagonistin. Verwöhntes reiches Kind aus gutem Hause dem niemand (nicht mal die eigene Gouvernante) mal richtig die Meinung gesagt hat, geschweige denn wirklich so etwas wie Erziehung auszuüben. Im Gegenteil wird sie von allen die sie umgeben (außer von Mr. Knightley) über den grünen Klee gelobt für alles was sie tut. (heutzutage würde man sagen: Die glaubten ihr scheint die Sonne aus dem Ar***. :chen)


    Das hat u.a. zur Folge, dass sie sehr schludrich und sprunghaft ist. Sie wollte literarisch interessante Bücher lesen, brach aber schon nach kurzer Zeit ab. Auch ihre Gemälde sind alle unvollendet (warum die Mühe wenn eh jeder in Ekstase gerät der nur die Entwürfe sieht?) und mit Kritik kann sie offenbar überhaupt nicht umgehen (ihre Schwester wagt diesbezüglich etwas über das Portrait ihres Mannes zu äußern und schon will Emma nie wieder malen? :pille).


    Irgendwie kann einem Emma auch schon wieder leid tun. Sie hatte nie die Möglichkeit eine realistische Selbsteinschätzung von sich zu entwickeln. Nun hat sie in der kleinen Harriet endlich wieder einen Zeitvertreib gefunden, die ja gerade zu den Boden anbetet auf dem Emma wandelt. Wie Mr. Knightley so schön sagte: Diese Beziehung ist für beide sehr zum Nachteil und äußerst ungesund.


    Durch ihre fixe Idee (und ihren neuesten Spleen) getrieben, glaubt Emma unbedingt Harriet mit Mr. Elton verkuppeln zu müssen ohne dabei zu merken (so habe ich zumindest das Gefühl), dass er in Wirklichkeit viel mehr an Emma selbst interessiert ist. Sein Lob von Harriets Portrait bezog sich sehr offensichtlich nicht auf das gemalte Objekt, sondern vielmehr auf die Talente der Malerin. Arme Harriet, wie enttäuscht wird sie sein, wenn sie davon erfährt. Und dafür hat sie nun den guten Mr. Martin zum Teufel gejagt.


    Ist zwar eine komische Assoziation, aber mich erinnert Emma an den Kröterich aus Kenneth Grahames "Der Wind in den Weiden". Ihr Charakter erscheint mir gewisse Ähnlichkeiten aufzuweisen.


    Von der Sprache her muss ich sagen (das kann natürlich Einbildung sein), dass sie mir komplexer und schwerer vorkommt als noch in "Pride & Prejudice". In meinem Rückentext steht, "Emma" wäre Austens 4. Buch. Vielleicht hat sie ihren Stil ja auch verbesser / erweitert.
    Jetzt lese ich mal weiter und warte darauf, dass die "Bombe platzt".

    „Furcht führt zu Wut, Wut führt zu Hass. Hass führt zu unsäglichem Leid.“

    - Meister Yoda

  • So, den ersten Teil hab ich jetzt gelesen.


    Ich sagte ja schon, dass ich Emma tatsächlich sehr unsypmathisch finde!
    Was bildet sie sich ein, dass sie glaubt, sie könnte Eheleute zusammenbringen.


    Dass Mr Elton in SIE verliebt ist, ist doch total offensichtlich. Er hat sich ja förmlich drum gerissen sofort das von Emmal gemalte Bild rahmen zu lassen.


    Harriet halte ich für total dumm. Sie hätte den Heiratsantrag von Mr Martin annemen sollen. Anscheinend ist er ja sehr in sie verliebt. Wie peinlich für ihn, dass sie den Heiratsantrag abgelehnt hat.
    Wie kann man einen anderen Menschen so verehren wie es Harriet mit Emma tut?


    Gern hab ich jetzt schon Mr Knightley. Schon allein, weil er Emma die Meinung sagt :grin Auch so scheint er mir ein toller Mann zu sein, mit viel Selbstbewusst sein.


    Mr Woodhaus nervt!
    Als er das Bild von Harriet sieht und sofort sagt, dass sie sich erkälten würde... Grausig... So ein Jammerlappen ;-)


    Die Sprache gefällt mir total gut... Es ist nur seltsam, in einer Welt zu lesen ;-) in der es kein Telefon gibt und alles über Briefe erledigt werden muss. Kein Telefon, kein Handy. Kein Auto - alles muss mit Pferd erledigt werden. Oft genug dachte ich - warum nehmen die nicht das Auto? Warum ruft die nicht schnell an? :lache


    In was für einer verwöhnten Welt leben wir bloss? Ich krieg ja schon zuviel, wenn das Internet nicht funktioniert... Ob sie damals sich vorstellen konnten, dass es mal sowas wie E-Mail und SMS gibt??


    Ich seh schon - ich drifte ab....


    Gleich erstmal weiterlesen... :lesend

  • Zuerst einmal: Für mich las sich Stolz und Vorurteil flüssiger, hier komme ich nicht so voran. Außerdem habe ich eine Ausgabe von 1986 und damals hat man so klein und eng gedruckt, das liest sich für mich schwieriger.


    Wie bereits jetzt schon mehrfach erwähnt, finde ich Emma versnobt, überheblich, arrogant und über alles erhaben, dabei aber immer freundlich.


    Am Anfang bekommen wir die Familie und Verwandtschaft vorgestellt. Emma ist 21 Jahre, hat ihre Mutter verloren und lebte mit Vater und Gouvernante (jetzt verheiratete Mrs. Weston) zusammen. Sie glaubt von sich gebildet zu sein und auch künstlerisch begabt. Diese Passage, wo sie ihre unfertigen Bilder Mr. Elton zeigt und dieser seine Schwierigkeiten damit hat, Ähnlichkeiten festzustellen fand ist köstlich.


    Ihre neue Freundin Harriet Smith steht sehr unter ihrem Einfluß, vor allem hinsichtlich der Wahl der Heiratskandidaten. Den Heiratsantrag von Mr. Martin lehnt sich aufgrund der Beeinflußung von Emma ab. Emma will Harriet mit Mr. Elton verheiratet sehen. Mr. Elton schreibt eine Scharade und Emma will sie so verstanden haben, daß er Harriert verehrt und merkt nicht, daß sie selbst damit gemeint ist.


    Dann gab es verschiedene Diskussionen zwischen Mr. Knightly und Emma. Er ist teils entsetzt über das Verhalten von Emma. In einem erklärte sie doch tatsächlich "...aber vorläufig möchte ich Harriet für mich alleine behalten ..." :schlaeger


    Mr. Woodhouse kann man nicht ernst nehmen, er jammert ständig um die Gesundheit und wie schädlich die Seeluft ist etc. :fetch

  • Ich finde Harriett nicht eigentlich dumm, oder wenn, dann nicht aus eigenem Antrieb heraus, sondern sehe sie als ein Produkt der damaligen Erziehung. Zudem scheint sie nicht besonders reif zu sein und ihre Erfahrung haben ihr bisher nur beigebracht, anderen Personen zu gehorchen, zu ihnen aufzusehen und niemals, niemals dem eigenen Urteil zu trauen. Sie ist weich, lenkbar und völlig ohne Selbstsicherheit. Aber woher auch? Ein passendes Gegenstück zu Emma.


    Mr. Knightley ist mir nicht völlig sympathisch, zu belehrend scheint er mir. Er meint es gut, das ist klar und er ist ein gebildeter und dabei bescheidener Mensch aber ein wenig Arroganz würzt den sonst zu perfekten Mann. Und obwohl ich den Roman vor Jahren schon einmal gelesen habe und den Film besitze, bin ich doch gespannt, welchen Lerneffekt oder welches Umdenken genau Jane Austen ihm zukommen lässt.


    Richie
    Das mit dem Für-Sich-Behalten-Wollen fand ich auch ein starkes Stück und typisch Miss Emma.

  • @ Booklooker: geht mit genauso.


    Vor zehn Jahren habe ich mal "Stolz und Vorurteil" gelesen und es hat mir damals sehr gefallen. Deshalb kaufte ich damals "Emma" und jetzt lese ich es :grin.

    Liebe Grüße, Sigrid

    Keiner weiß wo und wo lang

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    Wir sind es nur nicht mehr gewohnt

    Dass Zeit sich lohnt

  • Na ja - vor Kurzem... :gruebel ;-)
    Ist wohl an mir vorbei gegangen...


    Erst mal komm ich eh nicht dazu... :-(


    Aber noch ne Frage: Ich hab nach diesem Buch, dass Jane Austen erwähnt... wie hiess es gleich? "Romanze im Walde" gesucht.
    Gibt es nur auf englisch. Kann das sein??

  • Ich habe jetzt die Kapitel 6-9 auch gelesen


    Emma will ein Porträt von Harriet malen, Mr Weston findet das toll und Emma sieht darin schon wieder, dass er in Harriet verliebt ist.


    Mr Knightly spricht mit Emma über Harriet. Er erzählt ihr auch, dass Mr. Martin um die Hand von Harriet anhalten will. Emma sagt ihm, daraus werde nichts, denn Emma sei in einen anderen verliebt. Als Mr Knightly ihr sagt, dass werde nichts mit Mr Elton, streitet Emma ab, dass sie an diese Verbindung denke. Sie lügt Mr Knightly richtig an und sagt, dass sie Mr Elton keinesfalls mit Harriet verkuppeln wolle, denn sie wolle Harriet für sich und sie habe ohnehin genug vom Ehestiften.


    Das finde ich schon eine Frechheit, denn sie macht doch gerade das. Wieso sie so dreist lügt kann ich mir nicht erklären.


    Dass Scharadespiel sollte Emma eigentlich deutlich machen, dass Mr Elton nicht in Harriet sondern in sie verliebt ist. Sie verdreht aber alles so lange, bis es wieder auf Harriet passt. Wie sie über Mr Elton lacht, zeigt auch, dass sie sich gar nichts aus ihm macht.


    Macht Emma das, weil sie zufrieden ist mit dem Leben das sie im Augenblick führt? Sie wird von allen geachtet, ist frei und unabhängig. Ob Jane Austen da nicht das Problem der Frauen in der Zeit aufzeigen will. Die Frauen sind ja nur "jemand" wenn sie verheiratet sind.

  • Zitat

    Original von BronteSisters
    Emma will ein Porträt von Harriet malen, Mr Weston findet das toll und Emma sieht darin schon wieder, dass er in Harriet verliebt ist.


    Du meinst vermutlich Mr. Elton. Mr. Weston ist der Ehemann von Emmas früherer Gouvernante. :-)


    Ich kenne bisher die Story von Emma weder aus dem Buch noch aus einer Verfilmung und bin deshalb gespannt wie sich alles entwickelt (gehe allerdings schon von einem Happy End aus).


    Warum Emma so dreist lügt ist eigentlich ziemlich leicht zu verstehen. Sie will unter allen Umständen recht behalten und als ihr Mr. Knightley die Einmischung so auf den Kopf zusagt ist es ihr einerseits peinlich, andererseits ist sie viel zu stur und trotzig um vor ihm nachzugeben. Sie tut ja auch vor Harriet so, als wolle sie sich nicht einmischen (was damit endet, dass sie den Brief an Mr. Martin praktisch alleine schreibt). Ich denke, es hat auch viel mit dem Verhalten der damaligen Oberschicht zu tun, etwas völlig anderes zu sagen als man meint. Das kann man ja in Austens Romanen sehr häufig beobachten.

    „Furcht führt zu Wut, Wut führt zu Hass. Hass führt zu unsäglichem Leid.“

    - Meister Yoda

  • Ja, eine Leserunde zu Stolz und Vorurteil gab es schon, sie war sehr schön und es gibt eine große Mr. Darcy-Fangemeinde. :grin
    Sollte noch jemand posten, ich antworte gerne, da ich in anderen Leserunden immer ein wenig hinterher hinke und mich freue, wenn dann doch noch mal jemand auf meine Gedanken eingeht.
    Ich kenne das Buch Emma und eine Verfilmung, die letzte ist mir im Moment noch zu teuer. Es ist lange her, dass ich den Text gelesen habe, deshalb bin ich sehr neugierig auf die Details.

  • Emma lügt sicherlich auch, damit sich Knightley ihr nicht in den Weg stellt und ihr dazwischen funkt. Ähnlich dürfte es auch bei Harriett funktionieren. Am Ende, sollte alles schief gehen, kann sie immer noch behaupten, sich nirgendwo eingemischt zu haben und Harriett hätte ganz allein ihre Wahl getroffen. Emma beeinflusst andere gern auf indirektem Wege, eher psychologisch. Manche würden behaupten: typisch weiblich :-]

  • Menno - wann soll ich denn all die Bücher lesen, wenn ich jetzt schon wieder "Stolz und Vorurteil" im Kopf habe...
    Hab ich keinen freien Willen mehr :nono


    Die nächsten DREI Bücher sind schon durch Leserunden vorgeplant... *seufz*


    Der olle Freizeitstress mal wieder.... :chen