Die Farben des Teufels - Mary Hoffman

  • Die Farben des Teufels, Mary Hoffman, Originaltitel "The Falconer's Knot", Übersetz. Eva Riekert, cbj, München, 2007, 351 S., ISBN 978-3-570-13341-5, 14,95 €


    Zur Autorin:
    Mary Hoffman studierte englische Literatur in Cambridge und London, ist Mit-Herausgebernin einer Zeitschrift für Kinderliteratur und wurde in England schnell zu einer überaus erfolgreichen Autorin zahlreicher Kinder- und Jugenbücher. Sie hat drei erwachsene Töchter und lebt mit ihrem Mann und ihren Katzen in West Oxfordshire.



    Meine Meinung:
    Mary Hoffman hatte mit Ihrer Stravaganza-Trilogie bereits einigen Erfolg. Mit ihrem neuen Jugendroman „Die Farben des Teufels“, im Original „The Falconer’s Knot“ betitelt, entführt sie ihre Leser ins Mittelalter und erzählt neben einer spannenden Kriminalgeschichte viel Wissenswertes über die Herstellung von Farben für Wandmalereien und Buchillumination.


    Umbrien, 1316. Als Angelicas Mann, ein Schafzüchter, ermordet wird, gerät schnell ihr junger Verehrer Silvano da Montacuto, einziger Sohn einer adligen Familie, in Verdacht. Die Indizien sprechen gegen ihn, der Ermordete wurde mit seinem Dolch umgebracht und Silvano wurde am Tatort angetroffen. Nachdem Silvano seine Unschuld beteuert, bringt ihn sein Vater zu seinem Schutz in einem Kloster unter, dessen Abt ihm einen Gefallen schuldet. Für Silvano ist es nicht einfach sich in dieser neuen Umgebung einzufinden, aber er bemüht sich in der Gemeinschaft einen Platz zu finden und erhält viel Unterstützung von Bruder Anselmo, der der Farbwerkstatt des Klosters vorsteht. Zeitgleich wird die junge verwaiste Chiara von ihrem Bruder in den Konvent geschickt, da er weder eine Möglichkeit sieht, ihren Verbleib in seinem Haus zu finanzieren, noch eine Chance sie gut zu verheiraten, da er keine entsprechende Mitgift aufbringen kann. Chiara fühlt sich alles andere als berufen, da sie aber keine Lösung für sich sieht, ist sie bemüht, sich im Konvent einzuordnen, so schwer ihr dies fällt. Plötzlich geschieht eine Serie von rätselhaften Morden im Kloster, die große Unruhen bei den Brüdern bewirkt, deren Spuren immer wieder in die Farbwerkstatt des Klosters führen. Wieder gerät Silvano unter Verdacht, aber nicht nur er, sondern auch andere, ihm mittlerweile lieb gewordenen Personen. Aber auch die Nonnen des nahen Konvents sind wegen der Vorfälle verängstigt. Glücklicherweise kreuzen sich die Wege von Silvano und Chiara und die beiden versuchen, die Verbrechen aufzuklären...


    Mary Hoffman hat mit „Die Farben des Teufels“ einen mit leichter Hand geschriebenen, spannenden Kriminalroman für Jugendliche geschrieben, an dem trotz der eher geringen Komplexität der Geschichte auch Erwachsene ihren Spaß haben können. Informationen über das Leben in mittelalterlichen Klöstern und die Herstellung von Farben für Wandmalereien und Buchillumination sind fast beiläufig eingeflochten. Ihre Geschichte erzählt Mary Hoffman eher szenisch, d.h. innerhalb der einundzwanzig Kapitel des Romans wechselt sie immer wieder Handlungsort und Erzählperspektive, und bewirkt damit, dass die Geschichte wie ein Film vor den Augen des Lesers vorbeizieht.


    Der cbj – Verlag veröffentlicht „Die Farben des Teufels“ als Hardcover mit Schutzumschlag. Eine Personentafel, geschichtliche Anmerkungen der Autorin, eine Karte und eine Erläuterung zum Stundengebet sind als hilfreiche Informationen dem Roman beigefügt.


    „Die Farben des Teufels“ von Mary Hoffman ist ein lebendiger und spannender historischer Jugendkriminalroman, der wegen der doch recht zahlreichen Morde, auch wenn diese nicht detailliert beschrieben sind, meines Erachtens erst für Jugendliche ab 12 Jahre geeignet ist. Der Roman besticht vor allem durch die Schilderung des Farbhandwerks, die wohl eher für Jugendliche ab diesem Alter interessant sein dürften. Beworben wird „Die Farben des Teufels“ als Thriller, dürfte aber einen Jugendlichen, der einen Thriller erwartet, eher enttäuschen, da es sich um einen klassischen historischen Kriminalroman handelt.

  • OT: The Falconer’s Knot


    Klappentext
    Ein historischer Klosterthriller der Meisterklasse - von »Stravaganza«- Autorin Mary Hoffman.


    Italien, Anfang des 14. Jahrhunderts: Fälschlich des Mordes beschuldigt, sucht der junge Adelige Silvano Zuflucht in einem Franziskanerkloster bei Assisi. Doch statt Ruhe und Frieden zu finden, gerät er erneut in einen Strudel mysteriöser Verbrechen und abgründiger Versuchungen: Ein Gast der Abtei liegt erstochen in seiner Zelle, ein Mönch wird vergiftet, ein anderer erhängt im Glockenturm gefunden - und immer führt die Spur der Verbrechen in die Farbwerkstatt des Klosters. Edle Mineralien werden hier nach geheimen Rezepten zu Farben für Fresko-Malerei und Buchillustration verarbeitet. Kostbar, aber keineswegs ungefährlich sind die begehrten Substanzen, und von einigen heißt es, sie würden die Sinne verwirren ... • »Der Name der Rose« für Jugendliche • Bestsellerverdächtig: mysteriöse Morde im Kloster, eine atemberaubende Krimihandlung und eine zarte Romanze • Faszinierend: viele zeitgeschichtliche Details, u. a. über die mittelalterliche Herstellung von Farben


    Meine Meinung
    Der junge Silvano steckt in der Patsche, aber so richtig! Da wurde doch glatt der Ehemann der von ihm verehrten Isabella ermordet – mit SEINEM Dolch. Alles glaubt, er wäre der Mörder, doch er weist dies weit von sich. Daher schickt ihn sein Vater zu seinem Schutz, bis die Angelegenheit geklärt werden und der wahre Mörder gefunden werden konnte, aufs Land, in ein Franziskanerkloster, dessen Abt ihm aus früheren Zeiten noch einen Gefallen schuldet.
    Doch das Kloster ist wahrlich kein Ort des Friedens, denn kaum ist Silvano dort, kommt es auch dort zu mysteriösen Todesfällen!
    Im zweiten Erzählstrang erfahren wir von Chiara, deren großer Bruder und Vormund sie in das benachbarte Nonnenkloster schickt, da er nicht willens ist, weiterhin für sie aufzukommen und deren Chancen auf Verheiratung mangels Mitgift nicht allzu groß sind. Chiara fühlt sich zwar keinesfalls berufen, bemüht sich aber nach Kräften, das Beste aus der Situation zu machen.
    Natürlich bekommen auch die Nonnen die Todesfälle des benachbarten Klosters mit und in beiden Häusern wächst die Angst vor dem unheimlichen Mörder...
    Ich werde Euch natürlich nicht verraten, wie es nun weitergeht, wie sich die Wege der beiden Hauptprotagonisten kreuzen (aber natüüüüüüüüüüürlich tun sie das!) und auch nicht, was es sonst noch so an Verstrickungen gibt! Das müßt ihr schon selbst lesen. Wer aber Interesse an einem gut gestrickten Jugendkrimi hat, dem wird das Buch auch als schon etwas betagterer Jugendlicher (also wie ich z.B.) gefallen.


    Ich hatte meinen Spaß mit dem Buch und fühlte mich das eine oder andere Mal an „Bruder Cadfael für Teenies“ erinnert. Da es aber doch zu einigen (wenn auch meist relativ unblutigen) Morden kommt, würde ich das Buch vielleicht erst ab ca. 12/14 Jahren empfehlen. Empfehlen würde ich es aber auf jeden Fall. Mir hat es gefallen.

    Lieben Gruß,


    Batcat


    Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt (aus Arabien)

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  • Tja, ich habe das Buch mal meinem in Kürze 13-jährigen Neffen zur Lektüre gegeben. Und siehe da, seine Beurteilung fällt doch etwas anders aus.


    Er findet, daß das Buch etwas verwirrend ist, weil die Geschichte aus verschiedenen Erzählperspektiven und unterschiedlichen Handlungsorten erzählt wird, ohne daß immer gleich erkenntlich wird, von wem und wo berichtet wird. Sprachlich fand er es "so lieblos heruntergeschrieben". Und deshalb wäre das Buch überhaupt gar nicht spannend, im Gegenteil sogar ziemlich langweilig. Er hat es aber trotzdem fertig gelesen.

  • Zu diesem Buch gibt es jetzt übrigens eine TB Ausgabe. Hat mich im Laden spontan angesprochen und ich habe es dann auch mitgenommen. Bin sehr gespannt, was mich erwartet - denn für historische Jugendromane habe ich momentan glatt noch eine größere Schwäche als für die auf das erwachsene Publikum abgestimmten Titel.

  • Ja, geht mir ähnlich. Das zuerst verlinkte hätte ich mir ohne positive Bestätigung durch einige Rezis sicher nie gekauft, das TB habe ich bedenkenlos mitgenommen, ohne je zuvor von dem Buch gehört zu haben.