'Jane Eyre' - 1. Band, Kapitel 09 - 15

  • Meine Vermutung zu den abgekürzten Orten ist, entweder sie wollte die Fiktion der Geschichte untersteichen oder die Anonymität der beschriebenen Orte und Menschen wahren, um möglichst niemandem unnötig auf den Schlips zu treten.

  • Das kann natürlich gut sein. Mich hat halt gewundert, dass sie die Orte manchmal ausschreibt und manchmal nicht. Andere Autoren neigen dazu dann gar keine Orte auszuschreiben.


    Den zweiten Teil des ersten Buches habe ich jetzt auch fertig. Das Verhalten von ihm nach dem Brand kam mir vor wie eine Liebeserklärung. Er wollte sie gar nicht gehen lassen.


    Ich werde es mir gleich auf dem Balkon gemütlich machen und weiterlesen. Ich hinke ja doch ein bissel hinterher.

  • Fertig. ^^


    Zu den abgekürzten Orten steht nichts im Reclam, allerdings fällt mir auf, dass auch Jane Austen häufig Ortsnamen nur mit dem ersten Buchstaben (manchmal auch Jahreszahlen 18--) angab. Vielleicht soll es verhindern, dass jemand der aus der Gegend kommt sagen könnte: Hey, das stimmt doch gar nicht, so siehts da doch gar nicht aus.


    Zu den französischen Sätzen kann ich (Reclam sei Dank :grin) Folgendes sagen: In den meisten dreht es sich darum, dass klein Adéle ein Geschenk von ihrem Vormund erwartet, immer wieder danach fragt und wissen will (bzw. überzeugt ist) ob auch Jane ein Geschenk von ihm erhalten wird. Später gehts dann darum, wie sie die Geschenke voll Verzücken auspackt und sich darüber freut. Ihr verpasst also wirklich nicht viel. ;-)


    Das Malen ist übrigens wieder ein autobiographischer Zug. Alle Bronte-Schwestern schienen gerne gemalt zu haben, es fehlte ihnen allerdings die höhere künstlerische Ausbildung, wie es auch bei Jane ist.


    Zu den Abschnitten:
    Die Typhus-Epedemie sowie der Tod von Helen (=Maria) entsprechen so ebenfalls den Geschehnissen aus Charlottes Kindheit. Allerdings verstarb Maria bereits im Alter von 11 Jahren. Der Sprung von 8 Jahren ist auch bei mir ganz unmittelbar (abgesehen von ein paar erklärenden Sätzen), also ist das bestimmt keine gekürzte Stelle.


    Jane möchte sich verbessern nachdem Lowood für sie nicht mehr die Funktion eines glücklichen Zuhauses hat (nach Miss Temples Heirat). Es meldet sich zwar nur eine einzige Dame auf ihre Anzeige, aber das genügt auch, Jane nimmt die Stelle an. Schön dargestellt fand ich an dieser Stelle auch die Ungewissheit und gleichzeitig die Neugier als auch die Angst vor der neuen Situationen: Würde sie sich verbessern oder verschlechtern? Das Stilmittel den Leser direkt anzusprechen mag ich sehr gerne. Irgendwie ist das persönlicher als wenn die Figur das einfach nur niederschreiben oder einer anderen Figur erzählen würde. Ich lasse mich gern als "lieber Leser" ansprechen.


    Allgemein ist mir Janes Charakter mittlerweile richtig ans Herz gewachsen. Sie ist kein Wohlstands-Madamchen, und keine bis ins Mark verromantisierte arme naive Heldin. Sie hat einen Grad an Natürlichkeit den man bei Romanfiguren (zumal auch noch aus dieser Zeit) selten findet. Allein die Art wie sie Adéle ganz unverblümt als zwar nettes Kind aber ohne jedwede besondere Begabung oder Vorzüge beschreibt gefiel mir. Ich hab wohl einfach zu viel von kleinen, lockigen "engelsgleichen" Geschöpfchen, da tut so eine nüchterne Betrachtungsweise richtig gut. ^^


    Das der mysteriöse gestürzte Reiter (da hab ich richtig laut gelacht) Mr. Rochester ist, war eigentlich nicht wirklich schwer zu erraten. Seine schroffe und fast schon unhöflich erscheinende Art hat mir gleich zu Beginn sehr gut gefallen. Ich mag etwas kantigere Männer (und dass er 20 Jahre älter ist als Jane ist für mich auch ein pluspunkt, aber das ist persönlicher Geschmack). Er lernt ihre Vorzüge kennen und redet sich alles mögliche von der Seele. Er versucht immer wieder mehr aus ihr herauszulocken, aber Jane ist eben besser im Zuhören als im Erzählen. Als sie ihm schließlich das Leben rettet, dachte ich schon: Na..... und... wie siehts aus? Ist da jetzt nicht ein Kuss fällig oder wie?
    Aber Jane ist noch etwas zu scheu, sucht sich einen Vorwand um entfliehen zu können, kann aber die ganze Nacht nicht mehr schlafen. Da hat sich jemand verliebt, würde ich meinen.


    Auf das seltsame Gelächter und den Brandanschlag gehe ich nicht näher ein, da ich schon einmal eine Beschreibung der Geschichte (entweder bei amazon oder wikipedia) gelesen habe, die darauf einging und mir jetzt einfiel was es damit auf sich hat. Das ist leider kein Geheimnis mehr für mich, aber Janes Reaktion darauf dafür umso mehr. Ich bleibe weiter gespannt und lese begierig weiter.

    „Furcht führt zu Wut, Wut führt zu Hass. Hass führt zu unsäglichem Leid.“

    - Meister Yoda

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  • Paradise mag Mr. Rochester auch... wusu dunn blus? :lache :knuddel1


    Kapitel 9:
    Waldfee hat recht: mir ist Jane auch näher als die ach so gute Helen, obwohl ich bei deren ableben bei jeder relektüre wieder einen moralischen krieg :rolleyes ;-(


    Kapitel 10:
    Ich mag das emanzipatorische in dem kapitel auch: sie hat genug und geht sich einen neuen job suchen.


    Kapitel 12:
    ich liebe dieses ruppige erste aufeinandertreffen hehe :grin


    Kapitel 13
    grad seine fiesheit und arroganz macht den hausherrn erst so richtig interessant es entstehen reibepunkte


    Kapitel 14
    und Jane kann ihm so gut kontra geben :-]
    und er flüchtet in unfaire argumente, typisch :nono
    Zwei hässliche vögel finden sich :lache


    Kapitel 15
    Ja, die geschichte mit dem unheimlichen gelächter und der unheimlichen Grace Poole macht das Buch so richtig gothic

    DC :lesend


    Heinrich August Winkler: Geschichte des Westens I


    ...Darum Wandrer zieh doch weiter, denn Verwesung stimmt nicht heiter.
    (Grabinschrift F. Sauter )

  • Zitat

    Original von MagnaMater
    Paradise mag Mr. Rochester auch... wusu dunn blus? :lache :knuddel1


    Tjooo... ich weiß auch net. :gruebel :chen
    Ich und mein Geschmack für seltsame, markante ältere Männer (mit ansprechenden Stimmen). ^^;;; Ich bin irgendwie... durchschaubar. *flöt*

    „Furcht führt zu Wut, Wut führt zu Hass. Hass führt zu unsäglichem Leid.“

    - Meister Yoda

  • @ Paradise:
    :gruebel ich hab da so eine theorie:
    selbstbewusste, toughe gothic metal bräute mit leichtem hang zu S&M :grin
    (und sowas von off-topic: Last.fm spielt mir grad Nightwish 'Where Were You Last Night')

    Bilder

    • a065.gif

    DC :lesend


    Heinrich August Winkler: Geschichte des Westens I


    ...Darum Wandrer zieh doch weiter, denn Verwesung stimmt nicht heiter.
    (Grabinschrift F. Sauter )

  • uups, nochwas von völlig off-topic: irgendwie hab ich es nicht mehr drauf: ich hab meine lieblings-smilies auf meinem computer gespeichert, wenn ich sie von meiner festplatte runter linke steht her was von meinem bild... das is aber von cosgan :wow

    DC :lesend


    Heinrich August Winkler: Geschichte des Westens I


    ...Darum Wandrer zieh doch weiter, denn Verwesung stimmt nicht heiter.
    (Grabinschrift F. Sauter )

  • Und der nächste Teil ist geschafft:


    Das Kapitel 12 ist mir genau wie euch aufgefallen. Charlotte Bronte kommt mir so modern vor, zuerst die Kritik am Internat und dann die Emanzipation, ich glaube sie ist in der falschen Zeit geboren worden :gruebel


    Das Französisch stört mich nicht. Ich habe es zwei Jahre lang an der Schule (freiwillig!) gelernt, verstehe aber nur das wichtigste und selber sprechen kann ich auch nur noch paar wenige Worte.
    Die französische Sprache war damals wohl sowas wie "in", denn in Felix Krull von Thomas Mann kam das auch vor.


    Was ihr an Mr.Rochester findet, kann ich gar nicht nachvollziehen :lache Selbst als er dann gesprächiger und geselliger wurde, fand ich ihn immernoch unheimlich. Ganz abzusehen von dem Brand. Aaaaber da scheint sich was anzubahnen zwischen Jane und ihm ;-)


    Ich geh jetzt ins Bettchen und lese weiter :wave

  • Ich habe diesen Abschnitt jetzt auch fast beendet. Mittlerweile liest es sich nicht mehr so gut. Spätestens nach 30 Seiten brauch ich meistens eine Pause, weil mich die Geschichte nicht mehr fesseln kann. Deswegen hab ich auch mit einem Zweitbuch nebenbei begonnen.


    An diesem Teil gefällt mir, dass die Figuren etwas mehr Tiefe gewinnen. Zuvor war der Großteil der Figuren doch recht oberflächlich dargestellt, aber jetzt bekommt man mehr Einblicke in Jane Eyre und auch Rochester ist interessant dargestellt, da man ihn nicht recht einschätzen kann. Mrs Fairfax und ihr Haushalt in Thornfield ist ebenso interessant dargestellt.


    Ich frage mich jetzt auch, was auf den nächsten 400 Seiten noch kommen soll und mir schwant schon schreckliches, wenn sich hier jetzt eine Liebesgeschichte der zwei auf 400 Seiten ausbreiten sollte.
    Ich versuche mich auch immer an den "Fall Jane Eyre" von Jasper Fforde zu erinnern, um mögliche Parallelen zu finden. Das ist aber wohl schon zu lange her.


    zu den Ortsnamen:
    bei der Jane Austen Leserunde war die Erklärung dafür, dass es anzeigen soll, dass die Geschichte überall in England hätte spielen können und sich nicht auf eine einzige Grafschaft festlegt.

  • Zitat

    Original von Paradise Lost
    Das der mysteriöse gestürzte Reiter (da hab ich richtig laut gelacht) Mr. Rochester ist, war eigentlich nicht wirklich schwer zu erraten. Seine schroffe und fast schon unhöflich erscheinende Art hat mir gleich zu Beginn sehr gut gefallen. Ich mag etwas kantigere Männer (und dass er 20 Jahre älter ist als Jane ist für mich auch ein pluspunkt, aber das ist persönlicher Geschmack).


    Ich fand Mr Rochester ehrlich gesagt gewöhnungsbedürftig und befremdlich - bis zum Schluss. Er ist zuweilen sehr arrogant, insbesondere was seinen Vorsprung an Lebenserfahrung betrifft, und nimmt Jane ganz gern mal "auf den Arm", aber so, dass es richtig peinlich für sie werden könnte. Er ist sehr egoistisch in seinen Motiven, möchte z. B., dass Adèle weggegeben wird, damit er Jane ganz für sich allein hat, möchte, dass Jane ihre Arbeit aufgibt, damit sie sich ganz seiner Person widmen kann usw. Und die erste Liebe gleich 20 Jahre älter...? Ob das gut tut?


    Hinzu kommt sein ungehobeltes Verhalten den meisten seiner Mitmenschen gegenüber (auch wenn er sehr charmant sein kann, wie er auf den Abendgesellschaften beweist). Natürlich ist es eine Auszeichnung, wenn ein unfreundlicher Zeitgenosse einen plötzlich sehr zuvorkommend und nett behandelt, aber: Wann wird er zu seinen alten Gewohnheiten zurückkehren? Jane sollte sich fragen, ob sie mit einem launischen und mürrischen Hackklotz auf Dauer leben kann und möchte...

  • Zitat

    Original von MagnaMater
    Kapitel 13
    grad seine fiesheit und arroganz macht den hausherrn erst so richtig interessant es entstehen reibepunkte


    Das stimmt allerdings. Da steckt Zündstoff und Spannung drin!

  • Na klar, in Büchern dürfen sie gern arrogante Arschlöcher sein, das macht die Sache ja erst interessant...


    Im wahren Leben habe ich aber alltagstaugliche und beziehungsfähige Männer ganz gern. Die machen das Leben deutlich leichter. :-)

  • Zitat

    Original von Morgaine


    Die französische Sprache war damals wohl sowas wie "in", denn in Felix Krull von Thomas Mann kam das auch vor.


    Die französische Sprache war in Großbritannien und wohl auch sonst in Europa lange Zeit die Sprache des Adels (z.B. hat Mary, Queen of Scots, ihre Gedichte hauptsächlich in Französisch abgefasst) und im 19. Jahrhundert dann sicher immer noch unter den "Gebildeten" weit verbreitet.


    Zitat

    Original von taciturus


    Ich versuche mich auch immer an den "Fall Jane Eyre" von Jasper Fforde zu erinnern, um mögliche Parallelen zu finden. Das ist aber wohl schon zu lange her.


    Im "Fall Jane Eyre" geht es ja eher darum, dass Thursday den Ausgang der Geschichte verändert, da das Buch wegen des bisherigen Endes immer weniger Leser findet. Ich meine, sie hätte auch bei der ersten Begegnung von Jane und Rochester ihre Finger im Spiel gehabt.
    Ich werde Jasper Fforde auf jeden Fall sofort wieder lesen, wenn ich das Buch in den Weiten meiner Umzugskisten wiederfinde.

    :lesendCharlotte Roth - Die Liebe der Mascha Kaléko | Nina George und Jens J. Kramer - Die magische Bibliothek der Buks 2: Das verfluchte Medallion



    If you don't make mistakes, you're not trying hard enough. (Jasper Fforde)

  • Zitat

    Ja, der "Fall Jane Eyre" steht auch schon eeewig auf meiner Wunschliste und muss warten bis ich "Jane Eyre" durchgelesen habe. Auf Jasper Fforde bin ich schon lange gespannt


    :write


    Dank den Büchereulen wartet der auf eine Leserunde - freie Zeit in meinem SUB.