Das Wörtchen "STOLZ"....

  • Ich finde es ja selber ziemlich übertrieben, für diese meine Frage einen eigenen Fred ins Leben zu rufen, aber ich wusste nicht, wo ich sie sonst plazieren könnte...zuerst hatte ich sie ja in meinem Thread für "forumstechn. Fragen"...aber dort wäre sie auch ziemlich deplaziert... :gruebel



    Es handelt sich um das Wort "stolz"....und wegen der Bedeutung dieses Wortes gerate ich hie und da mit meinen Mitmenschen in einen richtigen Clinch ...das ist mir grad letzthin wieder passiert.


    Meine Meinung ist, dass man von sich sagen kann, dass man stolz darauf ist, diese oder jene spezielle Leistung vollbracht zu haben.


    Ich kann es auch gut akzeptieren, wenn Eltern sagen, dass sie stolz sind auf ihr Kind, weil dieses Kind eine spezielle Leistung vollbracht hat...irgendwo sind sie ja auch meistens an dieser Leistung mitbeteiligt.


    Aber ich kann es einfach nicht verstehen, wenn jemand sagt: "Ich bin stolz ein Schweizer zu sein!" Das gilt für mich übrigens für alle Nationen....
    Dann kann ich es dann kaum sein lassen zu kontern....weil mir diese Aussage irgendwie gegen den Strich geht.
    Ich bin höchstenfalls froh und dankbar, dass ich hier geboren wurde und hier aufwachsen konnte...und nicht in Äthiopien (wo ich möglicherweise bereits verhungert wäre) oder in Afghanistan (wo ich mit Sicherheit nicht mehr leben würde, weil man mich zu Tode gesteinigt hätte, weil ich meine Klappe einfach nicht halten kann.... :rolleyes)


    Ueber dieses Verb (ist es doch, oder ?() "stolz sein" im Zusammenhang mit einer Nationalität oder einer Religion stolpere ich übrigens auch manchmal in den Zeitungen....


    Bin ich denn nun dermassen falsch gewickelt und habe einfach den Sinn dieses Wortes noch nie richtig erfasst?


    Ich bin mir sicher, dass mir die eine oder andere Eule etwas Klarheit über die Bedeutung dieses Wortes bringen kann...
    ...und möglicherweise haben andere Eulen auch noch solche Wörter in petto, über deren Bedeutung sie sich nicht so ganz im Klaren sind......dann hätte es sich doch wenigstens gelohnt diesen Thread zu eröffnen :lache


    Grüessli von Joan


    Edit hat noch die eine oder andere Stilblüte gepflückt....

    Avatar: James Joyce in Bronze... mit Buch, Zigarette und Gehstock.
    Diese Plastik steht auf seinem Grab. (Friedhof Fluntern, Zürich)
    "An Joyces Grab verweht die Menschensprache." (Yvan Goll)

    Dieser Beitrag wurde bereits 3 Mal editiert, zuletzt von Joan ()

  • Ich sehe "stolz" auch in erster Linie in Verbindung mit Leistung. Eine gut gelungene Arbeit, gern auch Erziehungsarbeit. Auf seinen gepflegten Garten kann man stolz sein und auf seine Bierdeckelsammlung.


    Auf seine Staatsangehörigkeit? Bedingt, weil man sich das ja in der Regel nicht ausgesucht hat. Das hat man von daheim mitbekommen wie blaue Augen oder rote Haare.


    Dass die Leute sich mit ihrem Herkunftsland identifizieren und es lieben, nennt man landläufig Nationalstolz. Die Bulgaren werden nicht müde einem zu erklären, dass bei ihnen im Land die kyrillische Schrift erfunden wurde. Und manch ein einheimischer Reiseleiter - egal wo - präsentiert die heimischen Natur- und Kulturdenkmäler so begeistert wie seinen eigenhändig gepflegten Rosengarten. "Schaut her, sowas Schönes gibt es nur bei uns in [beliebiges Land einsetzen]." Er zeigt uns das voller Stolz, obwohl er gar nix für die Schönheiten seines Landes kann. Es ist keine Eigenleistung.


    Das finde ich trotzdem sympathisch. Ich freu mich auch, wenn man meine Heimatgemeinde wegen diverser architektonischer Preise lobend erwähnt. Auch wenn ich nicht ursächlich daran beteiligt war, freue ich mich über eine Anerkennung fast so, als wäre es meine eigene Leistung. Dabei habe ich mich lediglich entschlossen, hier herzuziehen.


    Die Kinder sind auch stolz auf Papas oder Mamas neues Auto, ohne Eigenleistungen dazu beigetragen zu haben. Für mich ist das okay.


    Dieser "Gruppenzugehörigkeitsstolz" fühlt sich in der Tat an wie der auf eigene Verdienste. Es ist nicht haargenau dasselbe, aber ähnlich. Und es gibt eben für beides nur einen Begriff. Stolz


    Ich habe, wenn es sich nicht um dumpfbraunen Nationalstolz handelt, damit auch kein Problem.

    Und was die Autofahrer denken,
    das würd’ die Marder furchtbar kränken.
    Ingo Baumgartner

  • Ich sehe das ähnlich wie Vandam. Manchmal ist mit "Stolz" eine Form von Identifikation gemeint. Ich bin keineswegs stolz darauf, ein Deutscher zu sein, weil das keine Leistung anbetrifft, die ich erbracht habe - und weil ich nur zufällig diese Nationalität habe. Natürlich habe ich auch all meine persönlichen Eigenschaften nur zufällig, aber das nur am Rande. Jedenfalls bin ich auch nicht stolz auf Albert Einstein, Helmut Kohl oder Dieter Bohlen. Oder darauf, daß sie Deutsche sind. Diese Leute haben sich, jeder auf seine Art, von der Masse abgehoben, das macht sie bemerkenswert, ganz wertfrei gesagt. Aber ich habe mit diesen Menschen nur gemein, daß wir der selben Art angehören. Das gilt aber für den türkischen Gemüsehändler, den albanischen Taxifahrer oder den deutschen Bauarbeiter ebenso. Es gilt für den Philosophen wie für den Kinderschänder. Aber die wenigsten Menschen sind "gut". Die meisten sind, auf die eine oder andere Art, egoistische Arschlöcher. Dazu gehöre ich auch. Und stolz darauf bin ich ganz sicher nicht. Es ist einfach so.


    Leute, die sich sehr mit ihrem Land, ihrer ethnischen Zugehörigkeit oder gar ihrer rassischen Herkunft identifizieren, sind mir ein wenig suspekt. Manchmal sogar sehr. Aber, wie Vandam ganz richtig schrub: Das kann auch seine sympathischen Momente haben. Irgendwie bin ich ja auch "stolz", wenn ich Leuten "meine" Stadt zeige. Vielleicht habe ich ja sogar einen winzigkleinen Anteil daran, wie sie ist. Aber dieser "Stolz" ist eher ein Mitfreuen. Es ist nicht einmal Identifikation. Ich würde mich ebenso verhalten, wenn ich in Hamburg, Osnabrück oder, Gott bewahre, Bielefeld geboren wäre.


    Und der Stolz auf eigene Leistungen? Mmh. Ich freue mich über die Anerkennung, die mir andere zollen, aber "Stolz" ist so ein abgehobenes, ein wenig arrogantes Wort. Jeder hat seine Stärken und seine Schwächen. Die wenigsten können etwas dafür, wie sie sind. Wer Stolz dafür empfindet, daß er sich von anderen abhebt, nimmt billigend in Kauf, daß es jene Menschen geben muß, die das Fundament bilden, von dem er sich abheben kann. Aber alleine schon diese Sichtweise hat etwas Elitäres, Menschenverachtendes.

  • Das sind ja ganz tiefgreifende Stellungnahmen...da muss ich jetzt erst mal meinen Hirnzellen ein bisschen "den Marsch blasen".... :grin


    ....aber grosses Dankeschön schon mal an Euch...Joan

    Avatar: James Joyce in Bronze... mit Buch, Zigarette und Gehstock.
    Diese Plastik steht auf seinem Grab. (Friedhof Fluntern, Zürich)
    "An Joyces Grab verweht die Menschensprache." (Yvan Goll)

  • Hallo Joan,


    warum sollte jemand nicht auf sein Land, auf seine Region – nicht Religion, das ist Glaubenssache – stolz sein.
    Genauso, wie du stolz darauf sein kannst, wenn dein Kind etwas Besonderes geleistet hat, genauso kannst du auch stolz darauf sein mit einer Mannschaft einen Sieg errungen zu haben.
    Wieso kann Stolz kein Gemeinschaftsgefühl sein?
    Was ist wenn die Nationalmannschaft gewinnt? Freust du dich dann nicht? Bist du dann nicht auf sie und mit ihnen stolz?
    Stolz als Dauerzustand? Soll es geben. Ist aber nicht mein Ding. Ich freue mich manchmal, und manchmal bin ich auch stolz.
    Die Aussage: „Ich bin stolz ein Deutscher zu sein“, ist mir zu pauschal. Wenn es einen guten Grund dafür gibt (nach so einer Aktion wie der in Mogadischu ) – warum nicht. Das ist aber ein vorübergehender Zustand. Wie alles.
    Was die Nationalität angeht - auch wenn es komisch klingen mag – wer zwingt dich denn deine zu behalten?


    Gruß Charly

  • Charly
    Ersteinmal...Deine Reaktion kommt jetzt etwas angriffig bei mir rüber...womit habe ich mir das denn jetzt verdient?


    Und "Freude" ist für mich ein eigenständiges Gefühl...genauso wie "Stolz" wohl auch ein eigenständiges Gefühl ist...
    Und wenn eine Sportmannschaft einen Sieg zusammen erringt, dann soll und darf auch jeder Einzelne stolz sein darauf...weil ja auch jeder seine Leistung mit einbrachte...
    Auch ich kann mich über gute Leistungen unserer Schweizer Sportler riesig freuen...über den Roger Federer vor allem...
    Fazit: Der Roger kann stolz sein auf seine Leistungen und ich habe meine Freude daran...
    ...dies ist jetzt nur meine bescheidene eigene Wahrnehmung und Meinung!


    Ansonsten....


    Zitat

    Original von Charly
    Was die Nationalität angeht - auch wenn es komisch klingen mag – wer zwingt dich denn deine zu behalten?


    Und warum Du jetzt diese Frage an mich stellst, das kann ich nun garnicht nachvollziehen... :gruebel


    Edit hat noch einige Ergänzungen angebracht, die der Joan wichtig schienen... ;-)

    Avatar: James Joyce in Bronze... mit Buch, Zigarette und Gehstock.
    Diese Plastik steht auf seinem Grab. (Friedhof Fluntern, Zürich)
    "An Joyces Grab verweht die Menschensprache." (Yvan Goll)

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Joan ()

  • Hallo Joan,


    es gibt eine Menge Dinge, auf die ich stolz bin. Tatsächlich sind es Dinge, die ich selbst erreicht habe, oder an deren Erreichen ich zumindest beteiligt war. Die Sache mit dem Nationalstolz ist hierzulande immer noch etwas heikel. Hättest du die Frage vor ziemlich genau einem Jahr gestellt, schätze ich mal, wären viel leichter Zustimmungen zu diesem Thema gekommen (so in der Euphorie der Fußball WM).


    Stolz bringe ich nicht, wie Tom schrub, mit dem Wort arrogant in Verbindung, jedenfalls nicht automatisch. Solange mir meine Leistungen zu einem verträglichen Selbstbewußtsein verhelfen, und ich mich einigermaßen gut einschätzen kann, ist das Gefühl genau richtig dosiert. Arrogant wird es für mich erst, wenn der Stolz in Einbildung umschlägt und man glaubt, allein aufgrund seiner Leistungen, andere Menschen herablassend behandeln zu dürfen.

  • Hallo Joan,


    Zitat

    Ersteinmal...Deine Reaktion kommt jetzt etwas angriffig bei mir rüber...womit habe ich mir das denn jetzt verdient?


    Gar nicht. War auch nicht so gemeint.
    :bluemchen


    Zitat

    Was die Nationalität angeht - auch wenn es komisch klingen mag – wer zwingt dich denn deine zu behalten?


    Stimmt, noch so ein Missgriff von mir. Ich habe dich ganz oben angesprochen.


    :flowers


    War eigentlich anders gemeint, mehr allgemein. Das du war nicht nur auf dich bezogen, es war auf alle, die es lesen gemünzt.


    Ich wollte eigentlich zu Ausdruck bringen, dass man nicht immer Grund hat stolz zu sein einer bestimmten Nationalität anzugehören, manchmal aber eben doch.


    Edit: doppelten Gruß gestrichen.

  • Charly
    dann bin ich ja beruhigt....fand mich einfach irgendwie angegriffen, es war wohl grad nicht meine beste Stunde als ich Deine Stellungnahme las.... :keks


    Ich habe übrigens noch ein paar Dinge in meinem Post ergänzt die mir wichtig schienen...nicht dass Du Dich dann irgendwie hintergangen fühlen könntest...


    Grüessli Joan

    Avatar: James Joyce in Bronze... mit Buch, Zigarette und Gehstock.
    Diese Plastik steht auf seinem Grab. (Friedhof Fluntern, Zürich)
    "An Joyces Grab verweht die Menschensprache." (Yvan Goll)

  • Hallo Joan,


    ich denke, so langsam kristallisiert sich heraus, dass wir im Grunde genommen gar nicht so weit auseinander liegen.
    Ich betreibe einen Sport, in dem die Einzel- und die Mannschaftsleistung getrennt bewertet werden; in der Mannschaft sind auch Leute in Reserve. Wenn unsere Mannschaft irgendeinen Meister (Kreismeister?) macht, dann sind alle stolz darauf, auch die, die gar nicht zum Einsatz kamen. WIR sind Meister. Das ist in meinen Augen auch berechtigt. Und ich denke, dass lässt sich auch auf [EDIT: Nationalitäten gestrichen] das Nationalbewusstsein übertragen. Wenn etwas Herausragendes (Gutes) geschieht - Identifikation wurde schon angesprochen - sind wir halt eben gemeinsam stolz darauf.


    EDIT: Heute haben wir in der Arbeit über das Thema gesprochen. Ein Arbeitskollege meinet: "Ich bin stolz ein Deutscher zu sein!"
    Ich sagte zu ihm: "Ich bin stolz auf dich!"

  • Ich habe mir in der Zwischenzeit auch einige Gedanken gemacht über die Stellungnahmen von Vandam, Tom und Idgie.
    Nun habe ich ein bisschen ein Mischmach im Kopf...Könnte es wohl sein, dass es zwei verschiedene Arten von Stolz gibt...


    sozusagen einen persönlichen Stolz der sich auf seine eigenen Leistungen bezieht? Da bin nun vor allem stolz darauf, dass ich meinen ziemlich hohen Alkoholkonsum, der sich über viele Jahre hinzog, in den letzten fünf Jahren um 90% reduzieren konnte, und dass ich mir über viele missliche Lebensumstände eine gewisse Würde bewahren konnte....
    ...wobei dann aber auch wieder Zweifel aufkommen, ob das nicht in einem Zusammenhang steht mit persönlichen Eigenschaften... und kann ich nun auf diese stolz sein?...Tom hat das auch anklingen lassen in seiner Stellungnahme.


    Und dann gibt es halt eben diesen Nationalstolz...und ich befürchte bald, der geht mir einfach komplett ab....daher meine Mühe, mich in diesen hineinzufühlen...


    An und für sich ist ja dieses "stolz sein" auf etwas...ob auf sich selber oder auf sein Land oder auf ganz spezielle Leistungen eines Landsmannes auch ganz bestimmt nichts Verwerfliches, so es in einem "gesunden" Masse geschieht und eben nicht in Einbildung oder gar Fanatismus ausartet....


    Nur frage ich mich immer noch...hat dieses Wort STOLZ einfach zwei Gesichter?


    Ich wünsche allen die hier lesen ein tolles Pfingst-Wochenende...Joan

    Avatar: James Joyce in Bronze... mit Buch, Zigarette und Gehstock.
    Diese Plastik steht auf seinem Grab. (Friedhof Fluntern, Zürich)
    "An Joyces Grab verweht die Menschensprache." (Yvan Goll)

  • Charly


    ich wollte Dich nicht übergehen...Dein Post kam herein als ich an meinem herumbastelte... :wave

    Avatar: James Joyce in Bronze... mit Buch, Zigarette und Gehstock.
    Diese Plastik steht auf seinem Grab. (Friedhof Fluntern, Zürich)
    "An Joyces Grab verweht die Menschensprache." (Yvan Goll)

  • Zitat

    Original von Joan
    Nur frage ich mich immer noch...hat dieses Wort STOLZ einfach zwei Gesichter?


    Ich glaube, es hat sogar noch eine ganze Menge mehr Facetten.
    Man kann z. B. zu stolz sein, um Hilfe anzunehmen. Manchmal wird einem auch von Menschen, die einen nicht gut genug kennen, Stolz unterstellt, die lediglich - oder sehr oft jedenfalls - eine Schutzreaktion oder reine Vorsichtsmaßnahme sein kann.


    Und was Idgie schrieb:


    "Stolz bringe ich nicht, wie Tom schrub, mit dem Wort arrogant in Verbindung, jedenfalls nicht automatisch. Solange mir meine Leistungen zu einem verträglichen Selbstbewußtsein verhelfen, und ich mich einigermaßen gut einschätzen kann, ist das Gefühl genau richtig dosiert. Arrogant wird es für mich erst, wenn der Stolz in Einbildung umschlägt und man glaubt, allein aufgrund seiner Leistungen, andere Menschen herablassend behandeln zu dürfen."


    ...kann ich nur :write

  • Erstmal möchte ich bitte richtig stellen, daß stolz keineswegs ein VERB ist. :yikes


    Es ist ein ein Adjektiv oder aber auch ein Substantiv, aber ganz bestimmt niiiiiiemals ein VERB!
    :yikes



    Ansonsten: http://de.wiktionary.org/wiki/stolz


    „Ich möchte gern, daß man Stolz als eine edle Eigenschaft der Seele ansähe; als ein Bewusstsein wahrer innerer Erhabenheit und Würde; als ein Gefühl der Unfähigkeit, niederträchtig zu handeln.“


    – Adolph Freiherr Knigge: Über den Umgang mit Menschen

  • Zitat

    Original von Babyjane
    Erstmal möchte ich bitte richtig stellen, daß stolz keineswegs ein VERB ist. :yikes


    Es ist ein ein Adjektiv oder aber auch ein Substantiv, aber ganz bestimmt niiiiiiemals ein VERB!


    Genau. Das Verb zu "Stolz" ist nämlich "stolzieren". :chen :rofl :chen

    Lieben Gruß,


    Batcat


    Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt (aus Arabien)

  • Thema Nationalstolz:


    Die Staatsangehörigkeit meiner Familie ist selbsgewählt. Aus Gründen politischer Verwirrungen hatten wir eine zeitlang keine. Man siedelte sich in Deutschland an, und als die Staatenlosigkeit unbequem wurde, bemühte sich mein Ahnherr um deutsche Papiere.


    Dass er das geschafft hat, darauf kann er stolz sein. :grin Denn die Papiere der Familie sind, nun ja ... nicht unbedingt der Traum eines Bürokraten.


    Wie auch immer - ich bin hier aufgewachsen und obwohl ich einem multikulturellen Genpool entstamme, identifiziere ich mich auch mit Deutschland und den angeblichen deutschen Eigenschaften. Ich verwahre mich dagegen, als humorloser Streber abgestempelt zu werden, aber ich freue mich, wenn "uns" Effizienz nachgesagt wird und die Leistungen der deutschen Industrie oder auch nur der deutschen Niederlassung meines Arbeitgebers positiv hervorgehoben werden.


    Aber ich glaube, es gibt einen persönlichen Hang zur Identifikation mit Gruppen, der individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt ist. Ich lasse auch keine Gelegenheit aus, im Job mein Team und dessen Engagement und Leistungen zu loben. Wenn's sonst keiner tut und sagt, er sei stolz auf uns, dann sagen wir es eben selber. Und dieses "Wir-Gefühl" ist kein Schaden. Das Team hält zusammen wie Dreck. Das halte ich für eine positive Wirkung von Identifikation und "Gruppenstolz". Wir gucken ja nicht auf andere runter, wir fühlen uns in unserem Sauhaufen nur sehr wohl.

    Und was die Autofahrer denken,
    das würd’ die Marder furchtbar kränken.
    Ingo Baumgartner

  • Zitat

    Original von Babyjane
    Erstmal möchte ich bitte richtig stellen, daß stolz keineswegs ein VERB ist. :yikes


    Joan hat das im Zusammenhang mit "stolz sein" gefragt und nicht behauptet, dass das Wort "stolz" ein Verb ist. Vielleicht liegt der Irrtum daran, dass das sonst als Hilfsverb gebrauchte "sein" in diesem Zusammenhang kein weiteres Verb unterstützt, sondern selbst als Vollverb gebraucht wird. Das ändert natürlich nichts an der Tatsache, dass stolz kleingeschrieben ein Adjektiv ist.


    Batcat
    stolzieren kam mir auch sofort in den Sinn, als ich die Frage gelesen habe. :grin

  • Zitat

    Original von Charly
    Hallo Joan,


    warum sollte jemand nicht auf sein Land, auf seine Region – nicht Religion, das ist Glaubenssache – stolz sein....


    Abgesehen, dass der Satz "Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein" in der Schublade rechts außen (die mit der braunen Umrandung...) seinen Platz hat: Warum sollte ich stolz sein, ein Deutscher zu sein? Ich kann ja nichts dafür. Ich wurde eben als Kind einer deutschen Frau und eines deutschen Mannes in Deutschland gezeugt und in Deutschland geboren. Das war nicht eine Leistung, auf die ich stolz sein kann, das war reiner Zufall. Ich hätte ja überall in der Welt passieren können. ;-)


    Ich bin auch nicht stolz auf den aktuellen Pokalsieger. Ich selber kann ja auch nichts dafür, dass der Club gestern den Pokal gewonnen hat. Stolz können da nur die Kicker sein, die das geschafft haben. Was ich nicht verleugne: Ich freue mich für den Club. Aber mit Stolz hat das nichts zu tun.


    Stolz kann man meiner Meinung nach nur auf Dinge sein, die man selber geschafft hat. Sonst kann man ja auch stolz sein, dass das Gras grün ist...