Elementar (Gedicht)

  • Elementar


    Des Feuers Mächte zeugen Schutt und Asche,
    und brennt gern nieder, was niemals flammenfest,
    ein Wölkchen Staub noch umschwebt den Wesensrest;
    den letzten Nippes steckt man in die Tasche.


    Des Wassers Kräfte reißen ganze Orte,
    wie Nüchternwölfe manch ein Kaninchen weg,
    doch Lebenskeime wurzeln an jedem Fleck,
    der Riesenschlund gleicht einer weiten Pforte.


    Des Windes Kräfte wischen Baum und Pflanzen
    durch Straßenzüge, als wär´s bloß Schreibpapier,
    welch Zweifel schürst du? Noch bleibt ein Rest, selbst hier,
    wenn Sturmes Feen Apokalypso tanzen.


    Ein jähes Ende zwingt uns nicht zum Lügen,
    wir straucheln Beide, und so kann Nichts gedeih´n.
    Auf dünnem Eis bricht ein jeder Tänzer ein,
    den Grund und Boden gilt es neu zu pflügen.

  • Der Dicht’rin Kräfte reißen heute tiefe Lücken
    in den Verstand, der lesend doch so manches wagt
    Kaninchen, Nippes, wolfsnüchtern schöpfend unverzagt ...
    Laß fahrn dies dünne Wesen, das Werk hier will nicht glücken!

    Ich und meine Öffentlichkeit verstehen uns sehr gut: sie hört nicht, was ich sage und ich sage nicht, was sie hören will.
    K. Kraus

  • Elementar - Kritik


    Wie Feuer kommen mächtige Ideen
    auf dich herab. Gewaltig ihre Kraft,
    wer ein Gedicht aus diesen Flammen schafft,
    ist ein Genie und selten zu verstehen.


    Wie Wasser werden wilde Worte fließen,
    Grammatik stört nur selten diesen Fluss.
    Du kannst ja nichts für solchen Musenkuss,
    für Bilder, die da deinem Hirn entsprießen ...


    Der Wind lässt jeden Rhythmus munter stolpern,
    und Logik wird im Sinnenrausch verweh'n.
    Ich lese. Doch es reicht nicht zum Versteh'n,
    wo Elemente ohne Metrum holpern.


    Die Erde wird von dir dann fast gemieden.
    Und die Verschlüsselung erfolgt zurecht.
    Im Ansatz ist der Text ja echt nicht schlecht.
    Ach, sei ihm nur das Handwerkszeug beschieden ...

    „Streite niemals mit dummen Leuten. Sie werden dich auf ihr Level runterziehen und dich dort mit Erfahrung schlagen.“ (Mark Twain)

  • Hallo :)
    Ja, die Grammatik gleich in der 2. Zeile ist es, der Bezug ist falsch, ich hatte unbedachterweise nicht die Endversion eingestellt, wobei ich doch nur einen ganz einfachen Tausch vollzogen habe und die erste Strophe eigentlich so lautet:




    Des Feuers Mächte zeugen Schutt und Asche,
    und brennt gern nieder, was niemals flammenfest,
    ein Wölkchen Staub noch umschwebt den Wesensrest;
    den letzten Nippes steckt man in die Tasche.


    Ansonsten wüsst' ich gern, WO es metrisch holpert, da ich eigentlich keine Reimerin bin und dies mein erster ernsthafter Versuch war, mich mal ans Reimen zu machen.
    Könntet Ihr mir das bitte aufzeigen? Das wäre nett.
    Wer den Inhalt nicht mag (oder wem er nichts sagt), dem weiß ich nicht zu helfen. Ist dann halt so.. mir geht's ja auch öfters so ;)
    Danke im voraus,
    Gruß
    U.

  • Versuch einfach mal, deinen Text graphisch darzustellen, Hebungen und Senkungen aufzuzeichnen, betonte und unbetonte Silben widerzuspiegeln.


    Als Vergleich dazu kannst du das gleiche mit meinem Text probieren. Ich wage die Vorhersage, dass das zweite Bild strukturierter sein wird (und das ist jetzt völlig unabhängig vom Inhalt).


    Anders gesagt: Der umfassende Reim alleine reicht formal nicht aus, Silbenzahl und Rhythmus spielen in einem solchen Fall eine große Rolle.


    p.s. ich suche immer noch nach dem Unterschied der ersten Strophe zur angeblichen Alternativstrophe ...

    „Streite niemals mit dummen Leuten. Sie werden dich auf ihr Level runterziehen und dich dort mit Erfahrung schlagen.“ (Mark Twain)

  • Liebe Undine


    wenn ich darf, dann nehme ich jetzt einfach einmal den ersten Vers etwas unter meine lyrische Lupe.


    1. Zeile finde ich in Ordnung
    2. Zeile müsste es wohl heissen: brennen (weil es ja Mächte sind, also Mehrzahl) und dann würde ich nach meinem Gehör für Rhythmus dem Wörtchen gern ein "e" anhängen und dafür das "..mals" weglassen.
    3. Zeile könntest Du eventl. das Wort "noch" weglassen, dann tönt sie sofort weniger holprig...
    4. Zeile ist wieder in Ordnung.


    Des Feuers Mächte zeugen Schutt und Asche,
    und brennen gerne nieder was nie flammenfest,
    Ein Wölkchen Staub umschwebt den Wesensrest;
    den letzten Nippes steckt man in die Tasche.


    Mir gefällt Deine kraftvolle Ausdrucksweise...aufmunternde Grüsse Joan

    Avatar: James Joyce in Bronze... mit Buch, Zigarette und Gehstock.
    Diese Plastik steht auf seinem Grab. (Friedhof Fluntern, Zürich)
    "An Joyces Grab verweht die Menschensprache." (Yvan Goll)