• Die Mutter


    FSK: ab 12
    Darsteller: Ann Reid, Daniel Craig u.a.
    ca. 108 Minuten


    (von amazon):
    Blickpunkt:
    Einer der emotional berührendsten Filme der diesjährigen Quinzaine mauserte sich zum Geheimtip in Cannes: 'Die Mutter'. Nach dem Drehbuch von Hanif Kureishi packt Roger Michell ein brisantes und oft tabuisiertes Thema an, die sexuelle Affinität zwischen einer älteren Frau und einem jungen Mann, hier zu allem Unglück noch der Liebhaber der Tochter. Preiswürdig die Performance von Anne Reid, die der Hauptfigur dieser unmöglichen Beziehung die nötige sanfte Überzeugungskraft verleiht.


    Erstmals seit dem BBC-Vierteiler 'The Buddha of Suburbia' von 1993 arbeiten Regisseur Roger Michell, Drehbuchautor Hanif Kureishi und Produzent Kevin Loader wieder zusammen, ein eingespieltes Team, wie das Resultat beweist. Dabei hätte die Geschichte einer Witwe, die nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes den Freund der Tochter begehrt und sexuell die Initiative übernimmt, auch daneben gehen können. Aber Michells Fokus ist nicht der Sex, sondern eine Frau, die in einem gewissen Alter noch Sex haben will. Und damit provoziert er all diejenigen, die ein solches Privileg auf der Leinwand gerne den Herren mit Silberhaar zubilligen und es für 'normal' halten, wenn Richard Gere in 'Es begann im September' Winona Ryder als Tochter seiner Ex-Geliebten verführt.
    'Die Mutter' beginnt mit einem Familientreffen der öden Art: May und ihr Gatte besuchen Kinder und Enkel in London, werden nicht gerade mit offenen Armen empfangen. Der ewig am Handy hängende Sohn und die geschäftstüchtige Schwiegertochter haben keine Zeit, auf deren Gameboy spielende Kids wirken die Großeltern wie Fossilien. Als ihr Mann am Herzinfarkt stirbt, will die über 60Jährige nicht zurück in das leere Haus, zieht erst einmal zur alleinerziehenden Tochter, die sie flugs als Babysitterin einsetzt. Die Einsame empfindet Angst, eine dieser unsichtbaren Frauen zu werden, denen die Kraft zur Eigenständigkeit abhanden kommt, die als Seniorin tatenlos auf das Ende eines langweiligen Lebens warten. In dieser Umbruchsituation ist alles möglich und sie verliebt sich wie ein Teenie in den aufbrausenden Darren (Daniel Craig in einer Paraderolle), der hemmungslos mit Mutter und Tochter gleichzeitig ins Bett steigt.
    Der Film konzentriert sich zwar auf die Love Story ohne Zukunft, betrachtet und persifliert parallel die heutige Familie in ihrer Disfunktionalität, den Generationskonflikt und die Unfähigkeit zur Kommunikation. Bei den offensiven Sexszenen lässt Michell Delikatesse walten, es gibt weder Prüderie noch Peinlichkeit. Eine leichte Ironie bricht immer wieder die bedrohliche Spannung, die Figuren sind mit Sympathie gezeichnet - die ältere Frau in ihrem stillen Wunsch nach erfüllter Sexualität und ihrer Verletzbarkeit, die zwischen Beruf und Kind hin- und hergerissene Tochter, der in den Tag hineinlebende Luftikus, der sich irgendwann als Objekt der Begierde sexuell ausgenutzt sieht. Am Ende mag man sie alle mit ihren Schwächen, Unsicherheiten und der fatalen Sehnsucht nach dem Glück. Beste Unterhaltung für ein erwachsenes Arthouse-Publikum. mk.


    Meine Meinung:
    Ein sehr sehenswerter, ruhiger Film mit guten Schauspielern.
    Ann Reid überzeugt als verunsicherte ältere Frau, die nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes ihrem Leben nochmals einige neue Impulse gibt.
    Dabei erlebt sie einige Höhen und Tiefen und geht am Schluß gestärkt ihren Weg.