Ein Ort in den Bergen - Michelle Paver

  • OT: A place in the hill, 2001


    Handlung:
    Cassius, Soldat und berühmter Dichter im Alten Rom, verliert die einzige Frau, die er jemals liebte. Zwei Jahrtausende vergehen, bis die Geschichte erneut lebendig wird: Die Archäologin Antonia will das Rätsel lösen, das Cassius hinterließ. Ausgrabungen in dem Tal, in dem er lebte und starb, bieten ihr die Chance, das Geheimnis um den rätselhaften Römer zu lüften.


    Zur Autorin:
    Michelle Paver wurde 1960 im heutigen Malawai in Südost-Afrika geboren. Seit 1969 lebt die Autorin in Wimbledon und war von 1988 bis 1998 als Patentanwältin in London beschäftigt. Die Schriftstellerin liebt ausgedehnte Reisen, Spielfilme und ihren kleinen Garten.
    Autorin-Homepage: www.michellepaver.com (Die Autorin gibt darin auch ein Interview über den Background dieses Buches)


    Meine Meinung:
    Dieses Buch ist eine halbe Enttäuschung.
    Es besteht aus 2 Handlungssträngen. Die erste spielt in Rom 53 vor Christus. Es handelt von dem Soldaten und berühmten fiktiven Dichter Gajus Cassius Vitalis. Durch die Beschreibung seiner unglücklichen Liebe zur höher stehenden Patrizierin Tacita (sie gilt später im Roman als Vorbild für Cassius Frauenfigur Lycaris in seinen Dichtungen), seine Freundschaft zum alten Plautitus, der dann angeblich durch seine Tagebücher bekannt wurde und seiner Leidenschaft für Gedichte und Wein wird dem Cassius (auch wenn es ihn nicht wirklich gab) ein gutes Portrait gesetzt.


    Das wird aber leider total entwertet durch den zweiten Handlungsstrang um die Archäologin Antonia von 1972 bis 199?, der den weitaus größeren Raum (ca.70%) einnimmt. Statt Cassius Bedeutung irgendwie zu reflektieren, gibt es ausführliche und sehr platte Ausführungen diverser Liebesgeplänkel und -gezank auf leider sehr schlechtes erzählerisches Niveau. Diese Beschreibungen sind äußerst belanglos, die Dialoge mies, stupide und langweilig. Romance-Fans könnten das natürlich ganz anders sehen.


    So ist dieser Teil leider weder faszinierend oder bewegend und schon gar nicht sind die zwei Zeitebenen kunstvoll miteinander verknüpft, wie der Klappentext vollmundig verspricht.


    Am Schluss habe ich einfach noch einmal nur die Cassius-Episoden gelesen. Dieser Teil gefiel mir eigentlich bis auf das platte Ende ganz gut und rettet den Roman noch auf knapp 5 von 10 Punkten.


    Etwas entschädigt wird man außerdem noch durch die wenigen, integrierten Gedichte von Cassius, die die Autorin wirklich nicht schlecht gemacht hat und durch einige pseudo-literaturwissenschaftliche Einschübe.


    Viele Leser werden Cassius für real gehalten haben. So auch ich, aber nach einer kurzen Recherche war die Sache geklärt.
    Also Respekt der Autorin für diese beeindruckende Persönlichkeit.


    Abweichend von der von mir angegebenen ISBN habe ich die Weltbild-Ausgabe gelesen.