Der Pfaffenkönig- Iris Kammerer

  • Sie wollte sich halt einbringen- echt philosophieren und mit ihren Mitmenschen kommunizieren- das musst du doch verstehen, he du, so ganz vom der human side. So im Dialog mit der heiligen Elisabeth, so tough, ey. (Ich kann das nicht so richtig, ich finde dieses Betroffenheitsgelaber sprachlich so blöde) aber wie die Aussage des Vereins der diese Blätter herausgibt sagt:


    Wir streben nicht in erster Linie Wissensvermittlung an, sondern möchten gemeinsam mit den Teilnehmern unserer Veranstaltungen philosophieren, uns selber einbringen mit unseren Fragen, aber auch die großen Ideen der philosophischen Tradition befragen.


    Unser besonderes Anliegen ist auch das Gespräch der Philosophie mit anderen Wissenschaften wie Psychologie und Theologie.

  • Das Buch habe ich (leider) noch nicht gelesen. Aber nach der „Rezension“ (danke für den Link) sollte ich dem wohl mal näher treten (obwohl ich noch nicht so recht weiß, wie ich das zwischen all die kommenden Leserunden schieben soll). Denn, so absurd das vielleicht klingen mag, für mich spricht die eher für denn gegen das Buch. :-)


    Möglicherweise war die Autorin des Beitrages ja zu sehr dieser Voraussetzung der Vereinigung verpflichtet: „Bestimmte Vorkenntnisse sind nicht vorausgesetzt“? (entnommen der Site „Was will philoSOPHIA?“).


    Na ja, nach meinen derzeitigen Plänen werde ich ja am 13. Oktober Informationen über das Buch aus erster Hand erhalten. :-]

    Unter den Büchern finden wir wieder, was uns in der Fremde entschwand, Frieden im Innern und Frieden mit unserer Umgebung.
    (Gustav Freytag, 1816 - 1895, aus "Die verlorene Handschrift")

  • Da sieht man, dass ein Verriss eine bessere Werbung ist als gar keine Rezension. :lache ;-)


    Wieso soll sie keine Rezension schreiben? Vielleicht war es ein Leseexemplar und sie musste. Ich finde meine Empfindungen über das Buch in der Rezension durchaus wieder. Ich hätte es vielleicht anders formuliert, aber ich gehöre ja auch zu denen, denen es nicht gelungen ist, die tiefere Symbolik hinter der Sexszene des Buches zu verstehen - trotz Nachhilfe von Churchill. Insgesamt konnte ich mit den Figuren einfach nichts anfangen, und am Ende wusste ich immer noch nicht, wieso Heinz eigentlich die bessere Alternative war, was mir dann aber auch irgendwie egal war.

  • Zitat

    Delphin
    Da sieht man, dass ein Verriss eine bessere Werbung ist als gar keine Rezension.


    Aus meiner Erfahrung heraus sogar besser als eine gute Rezension! (Habe ich, allerdings vor über 25 Jahren bei Publikationen zum damaligen Franziskusjahr erlebt. Die hoch gelobte lag wie Blei, und die verrissene ging in 3 Auflagen. Seither ist mir (jetzt als Verlagsmensch gedacht) ein Verriß lieber als zu großes Lob. :grin )


    Ich habe über das Leben der hl. Elisabeth rudimentäre Kenntnisse, auch der Name Konrad ist mir in dem Zusammenhang bekannt. Aber wenn ich das hier so lese, diese sehr widerstreitenden Meinungen, muß ich das Buch wohl doch sehr bald einplanen. Bin gespannt, was bei meiner "Selbstdiskussion" (Voltaire) herauskommt.

    Unter den Büchern finden wir wieder, was uns in der Fremde entschwand, Frieden im Innern und Frieden mit unserer Umgebung.
    (Gustav Freytag, 1816 - 1895, aus "Die verlorene Handschrift")

  • Zitat

    Original von Laila
    Delphin
    Aber das gesamte Buch ist doch nicht auf eine Sexszene zu reduzieren.


    Hab ich doch gar nicht.


    Zitat

    Insgesamt konnte ich mit den Figuren einfach nichts anfangen, und am Ende wusste ich immer noch nicht, wieso Heinz eigentlich die bessere Alternative war, was mir dann aber auch irgendwie egal war.


    Ich mochte das Buch nicht, ich kann's nicht ändern. Wenn Du mich fragst, was ich mit dem Buch assoziiere, dann fallen mir allerdings wirklich als erstes "Brüste wie Melonen" ein. :lache

  • Immerhin ist es eine ausführliche Rezension und macht eher neugierig, als wenn gar nichts drüber geschrieben würde. Als negativ oder verkaufsschädigend würde ich die Rezi nicht ansehen.


    Ich kenne das Buch bisher noch nicht, mich schreckt das "Der" vorne ein wenig ab, da ich halt nunmal absolute "Die ...-in"-Leserin bin und "Das" und "Der"-Bücher meist im Regal stehen lasse.

  • Zitat

    Original von Leserättin
    Ich kenne das Buch bisher noch nicht, mich schreckt das "Der" vorne ein wenig ab, da ich halt nunmal absolute "Die ...-in"-Leserin bin und "Das" und "Der"-Bücher meist im Regal stehen lasse.


    Sowas gibt es auch? :wow

  • Nein, das Buch ist nicht auf eine Sexszene zu reduzieren.
    Aber die eine Sexszene - an der sich offenbar die Geister scheiden - auch nicht auf Sex. Oder gar auf Brueste wie Melonen.


    Natuerlich hat jeder das Recht, Buecher zu moegen und Szenen zu moegen oder das eine und/oder das andere eben auch nicht zu moegen, keine Frage.


    Dennoch tut es mir um die so viel zitierte Szene leid, weil sie in der Tat immer wieder reduziert wird.
    Ich finde, Iris reisst das Tor sprachlich ganz weit auf und macht die Ebene, auf die die Szene verweist, zugaenglich.
    Die Szene ist eine Apokalypse fuer Heinrich. Sie ist nicht schlecht, drastisch, blumig, ausfuehrlich oder gar pornographisch. Sie ist unertraeglich, weil das fuer diese Figur (Heinz, der Elisabeth nicht nur sterben, sondern auch zweiflen sah, der etwas zum Festhalten braucht, etwas Lebendes, Heisses, Nasses, Betaeubendes) eine ebenso unertraegliche wie unausweichliche Situation ist.
    Ich finde, Iris hat sich hier nicht im Geringsten geschont, sondern ist ihrem Heinrich ins Schlimmste gefolgt. Ganz und gar und ohne das Abschalten von Einzelsinnen.
    Den Leser schont sie auch nicht. Der darf das ganz miterleben. (Und natuerlich ist die Szene auch dramaturgisch unverzichtbar und leitet ein Anspielen von Schuld- und Suehnemotiven ein, das mir viel zu denken gab.) Er hat - im Gegensatz zum Autor - aber natuerlich die Moeglichkeit, Aspekte auszulassen, sich davor zu verschliessen, die Szene also zu reduzieren.


    Ich finde das aber sehr schade - der Leser nimmt sich hier viel weg.
    Es ist eine Szene, in der die Hauptfigur Sex hat (und die grossartig der Szene, in der eine andere Hauptfigur Tod hat, die Hand reicht). Aber es ist doch viel mehr als eine Sexszene.


    Falls jemand sie doch nochmal lesen moechte, ueber die Ekelschwelle hinweg, ueber den ersten Eindruck dieses oder jenes grellen Bildes (das aber keinesfalls als Effekthascherei daher kommt, sondern zumeist als sprachlicher Verweis), faende ich Zweitlese-Eindruecke hoechst interessant.
    Ich lese sie immer mal wieder. Und finde auch immer mal wieder etwas anderes darin.


    Herzliche Gruesse von Charlie.

  • Na ja, um die Sexszene muss man sich ja auch gar nicht streiten, und auch nicht darüber, ob man das Buch mag oder nicht, und rechtfertigen muss sich erst recht niemand. Aber so ganz nachvollziehbar finde ich es nicht, warum gerade mit dem Pfaffenkönig offenbar nur diese eine Szene assoziiert wird. Ich mag Berlings Bücher sehr gerne, trotz der oftmals wiederkehrenden Sexszenen, und obwohl ich diese vielfach nicht gerne lese (Sex unter Kindern, Sex zwischen Kind und Erwachsener, Vergewaltigung einer Frau durch mehrere Männer mit Lustempfindung der Frau usw.). Allerdings würde es mir im Traum nicht einfallen, Berling darauf zu reduzieren, dafür geben die Bücher zu viel her.


    Die Rezension sagt, der Pfaffenkönig sei zu lesen "wie Butter", und ich finde, wenn er eins nicht war, dann leicht zu lesen. Anfangs empfand ich den Roman als sehr sperrig, sicher keine Lektüre, die man abends im Bett zum Abschalten liest. Aber wenn man sich den Zugang zu dem Werk erarbeitet hat, belohnt es einen mit einer Sprache, in der man schwelgen kann, und mit akribisch recherchierten Details. Man muss die Protagonisten nicht mögen, ich stand Elisabeth - zugegeben - auch sehr zwiespältig gegenüber. Den Roman jedoch als buntes Mittelalter zu bezeichnen tut ihm ebenso Unrecht, wie die Tatsache, ihn nur mit Melonen (habe ich die überlesen ?() zu assoziieren.

  • Ich hab den Pfaffenkönig im Juni gelesen, also vor nicht allzulanger Zeit.
    Ich bin wahrlich kein Freund von Sexszenen, aber irgendwie muss ich mich gerade schwer anstrengen, mich an die Sexszene aus diesem Buch zu erinnern ?( . Muss ich doch gleich mal nachschauen gehen.
    Ich würde den Pfaffenkönig als keins meiner Lesehighlighs einstufen, aber mir persönlich sind ein paar Dinge im Gedächtnis geblieben, nur halt keine Melonenbrüste :wow.

  • Es ist mir schon mehrfach aufgefallen, daß heute in vielen neueren (d. h. in den letzten Jahren geschriebenen) Büchern an irgendeiner Stelle mindestens eine Sexszene auftaucht, egal ob Autor oder Autorin. Ich habe mich schon gefragt, ob das von den Lektoraten so vorgegeben wird („mindestens eine Szene!“), oder ob es einfach ein Trend unserer Zeit ist (worauf ich eher tippen würde). Im übrigen kann ich als Leser ja Stellen, die mir nicht so gefallen, diagonal querlesen.


    Und Gott sei Dank muß nicht jedem alles gefallen - sonst wäre es ja auch zu langweilig, wenn wir alle den gleichen Geschmack hätten (und hier gäbe es auch überhaupt nix zum diskutieren ;-) ).


    Allerdings habt ihr mich jetzt so neugierig gemacht (auf das ganze Buch, nicht nur die eine Szene! :grin), daß ich mir das Buch besorgen und es irgendwie schaffen werde, es innerhalb der nächsten drei Wochen zwischen den Leserunden zu lesen.

    Unter den Büchern finden wir wieder, was uns in der Fremde entschwand, Frieden im Innern und Frieden mit unserer Umgebung.
    (Gustav Freytag, 1816 - 1895, aus "Die verlorene Handschrift")

  • Mir ist das auch aufgefallen, SiCollier, und ich hatte auch schon mehrmals aehnliche Verdachtsmomente.


    Aber die Szene, von der hier die Rede ist, gehoert nicht in diese Kategorie. Es ist absolut keine "Und jetzt bitte noch drei Seiten im Bett, egal ob mit Funktion oder ohne"-Szene, sondern eine durchdachte, polyphon komponierte Szene, in der es um den Umgang mit Tod, Zweifel, Suende - und um Liebe in weit mehr als einer Hinsicht (damit ist die Szene motivgebend fuer den Roman) - geht.


    Gerade das finde ich so schade, wenn im Zusammenhang mit "Pfaffenkoenig" so haeufig von "der Sexszene" die Rede ist. Es ist keine Buchstabenpornographie und auch keine Schmachtvorlage, es ist - mit der vorhergegangenen Todesszene zusammen - der Wendepunkt fuer Heinrichs Leben.


    Ich bin gespannt, wie Dein Urteil ausfallen wird.


    Herzliche Abendgruesse von Charlie.

  • Zitat

    Original von Charlie
    Es ist absolut keine "Und jetzt bitte noch drei Seiten im Bett, egal ob mit Funktion oder ohne"-Szene, sondern eine durchdachte, polyphon komponierte Szene,..


    Ich kenne das Buch noch nicht, aber es reizt mich ungemein zu erfahren, wie sich eine polyphon (im Sinne von mehrstimmig oder eher im Sinne von selbstständig? :gruebel) komponierte Sexszene liest.


    SiCollier :
    Ich glaube, ich werde es dir gleichtun und mir das Buch bald vornehmen.

  • Zitat

    Original von Delphin
    Ich hätte es vielleicht anders formuliert, aber ich gehöre ja auch zu denen, denen es nicht gelungen ist, die tiefere Symbolik hinter der Sexszene des Buches zu verstehen - trotz Nachhilfe von Churchill.


    Das war keine "Nachhilfe" sondern ein kleiner Interpretationsversuch meinerseits innerhalb der Leserunde. Falls jemand jetzt dort anfangen will, eifrig zu blättern, hier die Abkürzung im Blätterverfahren ;-)

    „Streite niemals mit dummen Leuten. Sie werden dich auf ihr Level runterziehen und dich dort mit Erfahrung schlagen.“ (Mark Twain)

  • Zitat

    Charlie
    Es ist keine Buchstabenpornographie und auch keine Schmachtvorlage


    Davon bin ich ohnehin ausgegangen (daß es so was nicht ist, um nicht mißverstanden zu werden); würde, glaube ich, auch nicht zur Autorin passen. Weil diese Art Literatur ist denn doch nicht so richtig was für mich.



    @ Churchill


    Nein, ich werde das jetzt nicht lesen! Ich mache es, wie gerade bei „Der Himmel über Darjeeling“. Ich lese das Buch in den Leserundenabschnitten und führe mir jeweils, wenn ich einen solchen durch habe, die Postings zu Gemüte. Das hat sich ganz gut bewährt, und scheint mir hier erst recht angemessen.


    Ich bin zwar für die nächsten beiden Leserunden angemeldet, doch wie ich mich kenne, habe ich das Nicole Vosseler Buch recht bald durch (weil ich nicht aufhören kann zu lesen :-) ), so daß ich dieses noch vor die Leserunde ab 10. September werde „einschieben“ können. Da es thematisch drei verschiedene Bücher sind, sollte das auch mental keine zu großen Probleme bereiten.


    Jetzt bin ich selbst gespannt, zu welchem Ergebnis ich komme!

    Unter den Büchern finden wir wieder, was uns in der Fremde entschwand, Frieden im Innern und Frieden mit unserer Umgebung.
    (Gustav Freytag, 1816 - 1895, aus "Die verlorene Handschrift")