Es war der dritte Anruf, der bei mir den Geduldsfaden reissen ließ und bei dem ich mir sagte: “Das muß anders werden.”
Die Dame im Call-Center spulte weiter munter ihr Programm ab. Werden die eigentlich am Umsatz beteiligt oder nach Sprechminuten bezahlt, die sie die wehrlosen potentiellen Kunden am Hörer halten? Und erst nach einiger Zeit fragte sie vorsichtig: „Sind sie überhaupt noch da?“ Ich knurrte ein „ja, klar“, woraufhin sie glücklich meinte, dass sie mich ja keinesfalls zu etwas überreden wolle.
Sicher nicht!
Es ginge ihrer Firma wirklich nur um das Wohl ihrer Kunden und sie wolle mir noch einmal ganz ausführlich darlegen, welch supertolles, einmaliges, auf uns ganz persönlich zugeschnittenes Angebot mich erwarten würde.
Nö, ne?!
Ich war mir jetzt ganz sicher: ich verhalf einer Studentin oder Langzeitarbeitslosen zu DEM Gehalt ihres Lebens. Sei`s drum. Die wollen schließlich auch leben, vor allem an Weihnachten. Nach dem Abwasch ging ich also mal kurz zum Hörer zurück, brummelte kurz ein: „Wirklich? Und wie funktioniert das noch mal?“, saugte gründlich die Wohnung durch, bezog die Betten und schrieb meine Einkaufsliste für die Woche fertig, bevor ich den Telefonhörer mit einem entschlossenen „Okay, ich überleg`s mir und rufe sie dann zurück!“ auflegte.
Seitdem ist himmlische Ruhe. Ob die Call-Center eine schwarze Liste haben?
Die An-der-Tür-Spenden-Sammler waren da schon ein härteres Kaliber. Sie scheinen so eine Art Sommerschlaf zu halten und besonders aktiv zu werden, wenn der erste Frost einsetzt. Dabei haben wir dieses Jahr noch nicht einmal den gehabt. Vielleicht ist es ja dann die Weihnachtsbeleuchtung, die sie aus ihren Schlafecken lockt und zu den Haustüren treibt.
Jedenfalls kann es nicht der leuchtende Schein des Weihnachtsgeldes sein, soviel ist sicher. Obwohl schwarze Löcher ja einfach alles schlucken sollen, dann auch bestimmt die Kartenverkäufer von original mund-/fußgemalten Karten von Behinderten-Werkstätten, die es nie gab.
Eingedenk der wirklichen Würde, mit der diese Menschen ihr Alltagsleben bestreiten und deren Niveau die Türverkäufer nie auch nur annähernd begreifen werden, fragte ich den letzten Kandidaten schlicht und einfach, ob er mir nicht eventuell behilflich sein könnte, mein schwerbehindertes Patenkind in der benannten Werkstätte unterzubringen?
Das war ein Abgang. Astrein!
Seitdem habe ich mir einige Formulierungen überlegt, um solche weihnachtlichen Nebenerscheinungen los zu werden und nicht alles findet den uneingeschränkten Beifall meiner Familie. Mein Mann meinte jedenfalls, der Staubsauger-Vertreter hätte ihm doch ein wenig leid getan, als er die ganze Wohnung saugen musste und dann doch unverrichteter Dinge wieder abziehen musste. Aber ich finde, dass man die Menschen in der Ausübung ihrer von Gott gegebenen Berufung nicht so ohne weiteres stören darf und außerdem war ein gründliches Durchsaugen nun wirklich mal nötig gewesen.
Gut, wir hatten dem Samariterbund nicht wirklich schon 10.000 € gespendet und keine Spendenquittung erhalten, die ich erbost von dem Türspendensammler forderte, aber an dem Tag hatte ich auch ganz böse Kopfschmerzen.
Nobody is perfect.
Auf jeden Fall freue ich mich schon sehr auf die vorweihnachtliche Zeit mit allen ihren lieben, freundlichen Menschen, denn zu keiner anderen Jahreszeit lernt man doch wirklich sooo viele davon kennen, nicht wahr?
Fröhliche Zeit allen