Die Geliebte des Pilatus - Gisbert Haefs

  • Kurzbeschreibung
    Es ist das Jahr 29 nach Christus. Eine geheimnisvolle Schöne, ein römischer Offizier, ein nubischer Fürstensohn, ein indischer Schankwirt: Sie alle ziehen in der Karawane des Händlers Demetrios von Adane an der südarabischen Weihrauchküste in Richtung Mittelmeer. Doch was ist der wahre Zweck ihrer Reise? Alle scheinen insgeheim ganz eigene Pläne und Ziele zu verfolgen. Als zwei der Mitreisenden tot aufgefunden werden, ist dies nur der Anfang einer Kette von Verrat, Überfällen und Intrigen…


    Über den Autor
    Gisbert Haefs, 1950 in Wachtendonk am Niederrhein geboren, lebt und schreibt in Bonn. Als Übersetzer und Herausgeber ist er unter anderem für die neuen Werkausgaben von Ambrose Bierce, Rudyard Kipling und Jorge Luis Borges zuständig. Zu schriftstellerischem Ruhm gelangte er nicht nur durch seine Kriminalromane, sondern auch durch seine farbenprächtigen historischen Werke „Hannibal“, „Alexander“ und „Troja“. Mit „Raja“, der abenteuerlichen Lebensgeschichte des historischen George Thomas, hat Gisbert Haefs ein grandioses Werk vorgelegt, das einmal mehr seinen Ruf als Meister des historischen Romans bestätigt. Zuletzt bei Heyne erschienen: "Roma".


    Meine Meinung:
    Es ist heute nicht einfach, gezielt gute Historische Romane zu finden. Zuviele Autoren und Verlage wollen mit dem Prädikat "Historischer Roman" zum Schaden des Genre ohne Rücksicht auf Qualität in inhaltlicher und schriftstellerischer Hinsicht Geld machen.


    Der Griff zu Gisberg Haefs Büchern scheint jedoch immer wieder eine sichere Sache für anspruchsvolle Leser zu sein.


    Gisbert Haefs liebt es, historische Hintergründe mit einem richtig spannenden Krimi zu verbinden, und so die Liebe zur Geschichte hinter der Geschichte zu wecken.


    So auch mit diesem Buch, worin Haefs uns Lesern mit einer recht gehobenen Sprache, die man in der heutigen Zeit leider nur selten findet, von mehreren, ja in allen Belangen grundverschiedenen Menschen erzählt, die schließlich gemeinsam eine Karawane bilden und - im Agatha-Christie-System - immer weniger werden. :grin


    Die Geschichte spielt 30 Jahre nach Christus. Eine hoch brisante Zeit damals im Nahen Osten, was historisch versierte Menschen natürlich wissen.


    Ganz besonders mutig ist es von Haefs, die biblische Figur Pilatus einzubauen, und ihr (fiktiv) weitere Charakterzüge gibt, als nur des Unschuldwaschers.


    Hervorragend beherrscht Haefs die Kunst, Intrigen zu spinnen, das bösartige Gezicke und Gekeife der Menschen aufzudecken, um uns den Spiegel vorzuhalten, das Intrigen schon immer die Geschicke der Menschen beeinflusst haben.


    Sex und Erotik darf natürlich nicht fehlen, doch Haef schafft es im Gegensatz anderer, Schmalz und Nackenbeißerei durch trockenem Humor - gerade in dieser Sache - zu verhindern.


    Zusammengefasst ist es ein sehr unterhaltsamer Roman, den man bewusst das Prädikat "qualtativ hochwertig" geben kann.


    Ich hoffe, liebe Leser, ich habe Ihre Ansprüche erfüllt und in meiner Nervosität keinen großen Fehler gemacht. :grin


    Ich schließe die Rezension mit der kurzen Rezension der "Zeit" über dieses Buch:


    "Gisbert Haefs Werke bieten eine rechte Labsal auf Wanderungen durch die Bücherberge historischer Romane. Also bitte, nickt man anerkennend, das kann man mit dem Genre also auch anstellen.


    Mit schönen Grüßen
    Ockham

  • Meine Rezension:


    Die titelgebende Geliebte des Pilatus, eine ägyptische Schönheit namens Kleopatra (nein, nicht DIE Kleopatra), spielt in diesem historischen Roman aus der Feder von Gisbert Haefs eine tragende Rolle, teilt sich jedoch die Bezeichnung Hauptfigur mit mehreren anderen Figuren, allen voran dem römisch-griechischen Händler Demetrios. Unter seiner Leitung begibt sich eine Karawane, die aus verschiedenen Personengruppen zusammengewürfelt ist, auf eine lange Reise durch die Wüste. Auf dem Weg passieren ebenso unheimliche wie bedrohliche Dinge und bald schon argwöhnt jeder über die geheimen Beweggründe der anderen für diese Reise. So wird die Geschichte auch aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt und langsam ergibt sich wie ein Mosaik ein Gesamtbild, das spannend zu verfolgen ist, dem es aber am Ende nicht ganz gelingt, alle losen Fäden zu verknüpfen.
    Haefs Erzählstil ist gewöhnungsbedürftig, verliert er sich stellenweise in viele Details, fehlen an anderer Stelle Informationen, was zu einer leichten Verwirrung des Lesers führen kann. Insgesamt bedarf es einiger Konzentration bei der Sache zu bleiben, insbesondere, wenn die Szenen nicht durch die wunderbar gelungenen Dialoge aufgelockert werden. Gut gefallen hat mir die Einbindung der historischen Persönlichkeiten, wobei die Szenen mit dem aufsehenerregenden Prediger Jehoschua, der vor allem dem Hohen Priester Kaiaphas ein Dorn im Auge ist, ein bisschen aufgesetzt wirken. Besser gelungen ist meiner Meinung nach die Darstellung der politischen und gesellschaftlichen Lage und die Intrigen, die von und über die selbsternannten "Herren der Welt" gesponnen werden. Wer über gewisse historische Vorkenntnisse verfügt, hat hier klar einen Vorteil, denn es gibt weder ein Personenverzeichnis noch ein Nachwort, das die damalige Situation nochmal kurz zusammenfasst. Für alle, die sich literarisch gerne in der Antike tummeln und anspruchsvoll erzählte Geschichten lieben, die sich am Rande großer historischer Ereignisse bewegen, ist der Roman jedoch auf jeden Fall empfehlenswert!


    Gute 7 Punkte von mir.